Seit SRAM mit der XX1 Gruppe die erste 1x11-fach Gruppe auf den Markt gebracht hat, ist der Trend, nur noch mit einem Kettenblatt an der Kurbel zu fahren, nicht mehr aufzuhalten. Da es relativ teuer ist, direkt komplett umzusteigen, um das Prinzip auszuprobieren, entschied ich mich dazu, zunächst die günstigere „light“ Version mit 1x10-fach zu testen und zu schauen, ob es sich für meine Anforderungen überhaupt lohnt, von 2 auf 1 Kettenblatt umzusteigen.
Ein Gastbeitrag von Ansgar G. (Vennbnike) über seine persönlichen Erfahrungen über die Vorteile einer einfach Schaltung am Mountainbike. Ansgar ist der Herr der Ketten-Ringe und in seinem Prolog und Umbau Beitrag erfahrt ihr im Blog der Vennbiker alles über die Gedanken, die Ansgar zu seinem Umbau Projekt bewogen haben.
Die Montage
Nachdem die Idee, nur noch mit einem Kettenblatt zu fahren, in mir gereift ist, stand die Suche nach den passenden Komponenten auf dem Plan. Da zu dem Zeitpunkt der Überlegungen Bionicon gerade das B-Ring Oval auf den Markt gebracht hat und ich mich an die Zeiten von Shimanos Biopace erinnert gefühlt habe, stand für mich relativ schnell fest, dass ich meinen 1x10-fach Test mit dem ovalen Kettenblatt von Bionicon durchführen möchte. Die Entscheidung der Zahnanzahl war nicht ganz einfach, aber für die hiesigen Trails und Anstiege habe ich mich schlussendlich für das Blatt mit 32 Zähnen entschieden.
Um aber mit der Kombination auch künftig alle Anstiege ohne abzusteigen zu bewältigen, habe ich meine 11-36er Kassette um das Hope 40T-REx mit 40 Zähnen ergänzt, um weiterhin eine sinnvolle Übersetzungsbandbreite zur Verfügung zu haben und auch längere Anstiege zu erklimmen. Nachdem die Teile geliefert wurden, war das 40T-REx schnell montiert. Dafür musste die Kassette nur um das 17er Ritzel erleichtert und das 40er einfach hinter dem 36 Zahn Ritzel auf dem Freilaufkörper montiert werden.
Um weiterhin vernünftig schalten zu können und die Umschlingung des Schaltwerks an den größeren Umfang des Ritzels anzupassen, musste nur die Schraube für den Endanschlag durch ein längeres Modell ersetzt werden, welches aber schon zum Lieferumfang des 40T-REx gehört.
Bei dem Kettenblatt gestaltete sich die Montage etwas schwieriger, da das B-Ring über eingeschnittene Gewinde verfügt und nicht wie bei dem vorherigen Blatt mit Gewindegegenhülsen gearbeitet wird. Daher stellte sich bei der Montage heraus, dass die vorhandenen Schrauben ein Stück zu kurz waren und so nur wenige Gewindegänge im Kettenblatt griffen. Dies erschien mir auf Dauer doch etwas zu unsicher, so dass ich mich auf die Suche nach passenden Schrauben machen musste, was sich als nicht so einfach erwiesen hat. Aber letztendlich bin ich mit den Schrauben für die Race Face Atlas 3-fach Kurbel (Artikelnummer: 33318) fündig geworden, so dass die Montage mit ruhigem Gewissen beendet werden konnte.
Da ich eine Shimano 3-fach Kurbel fahre, habe ich mir zusätzlich für lange Anstiege in den Bergen ein 24er Kettenblatt montiert, auf welches ich bei Bedarf „manuell“ schalten kann. Nachdem alle Teile montiert und die Schaltung eingestellt war, konnte es endlich auf den Trail gehen und die neue Kombination konnte zeigen, was sie kann und ob die Umstellung für mich sinnvoll ist.
Erste Eindrücke und Erfahrungen auf dem Trail
Nach dem der Umbau erfolgt war ging es auf die ersten Touren. Ich möchte voraus schicken, dass es sich hier nicht um einen Labortest von einem erfahrenen Testfahrer handelt, sondern „nur“ um einen Test eines unterdurchschnittlichen Hobbyfahrers. Meine Haustouren liegen im rheinischen Flachland, das bedeutet auf einer 50 Kilometertour kommen ca 200 - 300 Höhenmeter zusammen, also ehr nichts. Es gibt ein paar schöne Trails, aber nichts anspruchsvolles.
Der erste optische Eindruck war schon toll, eine fast leere linke Lenker Hälfte, nichts außer dem Griff und dem Bremshebel, das gefiel mir schon mal richtig gut. Das Gefühl auf den ersten Kilometern auf Asphalt und Schotter war prima, der Antrieb fühlte sich viel „satter“ an, irgendwie konnte ich die Kraft besser aufs Hinterrad bringen. Dieses Gefühl hat sich übrigens auch bis heute nicht geändert.
Ein auffälliger Unterschied zur Kassette/Kette in Erstausstatterqualität war, dass die Schaltvorgänge viel knackiger und sauberer funktionierten, da merkt man dann schon die XT Komponenten. Besondere Aufmerksamkeit schenkte ich natürlich den Schaltsprüngen vom 13er Ritzel auf das 16er und von da auf das 19er. Den größeren Abstand merkt man logischer Weise, aber so früh wollte ich mir noch kein Urteil darüber erlauben.
Nach dem die Schaltung endgültig sauber funktionierte, wollte ich sehen, was der 1fach Antrieb auf meinen Hometrails zu bieten hat. Trails im Rheinland bedeuten meist in der Ebene mit vielen kurzen Passagen runter und sofort wieder hoch. Also schon mal vorher schön nen kleinen Gang gewählt. Das Gefühl trügte natürlich, denn da wo ich vorher vom Gang her fuhr, war jetzt durch das 36er Kettenblatt ein schwererer Gang, also direkt mal im Berg unter Last den Gangwechsel probiert und siehe da, es funktionierte alles perfekt.
Das bedeutete für mich eine Umgewöhnung in Bezug auf die Gangwahl, was aber leicht fiel, wichtig war mir, dass ich im Berg nicht noch zusätzlich die vordere Schaltung bemühen musste, sondern mich voll auf die Gangwahl hinten konzentrieren konnte. Da ich im Gelände selten auf das 16er Ritzel und abwärts ging, bleib ich danach erstmal in der Ebene, um die Gangsprünge intensiver zu bewerten.
Beim schnellen rollen bei ca 23 km/h macht sich der Gangsprung von 19% von 19er auf 16er Ritzel besonders bemerkbar, man muss sich entscheiden, fährt man die Geschwindigkeit mit niedriger Trittfrequenz und dadurch mit mehr Leistung oder rollt man mit hoher Trittfrequenz und trainiert die „schnellen“ Muskelfasern. Jedenfalls war es bei mir so, denn der Gangsprung liegt genau in meiner Wohlfühlgeschwindigkeit.
Der Sprung von 16er auf 13er ist mit 21% noch etwas größer, fällt aber nicht so sehr ins Gewicht, da ich den unteren Bereich mit dem 36er Kettenblatt vorne ehr selten anwähle, da ich diese Übersetzung wirklich nur auf Asphalt bei hohen Geschwindigkeiten brauche und ich versuche Asphalt zu meiden. Die Sprünge zwischen 19/16 und 16/13 sind mir im Laufe der Zeit immer wieder aufgefallen, auch bei Touren in der Eifel, wenn es zum Beispiel eine längere Strecke mit wenig Steigung bergan geht ist mit dem 19er die Trittfrequenz(TF) oft zu hoch, mit dem 16er dann aber wieder zu niedrig.
An dieser Stelle sei erwähnt, dass ich mich häufig an einem Trainingsplan orintiere und deshalb nicht nur den Puls im Auge habe, sondern auch Wert auf die richtige TF lege. Da TF und Puls meist in Abhängigkeit von einander stehen, bedeutet so ein großer Unterschied, wie weiter oben schon beschrieben, einen Nachteil. Dieser Nachteil ist der Hauptgrund beim nächsten Wechsel der Kassette eine andere Lösung zu wählen.
Bergauf mit dem 1x10 Antrieb
Nach dem die Grundlagen abgearbeitet waren, ging es daran die Bergfähigkeit zu testen. Da, wie schon gesagt, hier im flachen Rheinland richtige Berge nicht vorhanden sind, fahre ich regelmäßig zur Sophienhöhe, das ist ein Abraumberg des Braunkohletagebaus. Hier gibt es reichlich Rampen hoch zu fahren, allerdings hat das steilste Stück nur so um die 12%. Aber für meine Zwecke reicht es. Die Trainingsrunde beinhaltet 4 relativ gleiche Rampen, von ca 4 Kilometer Länge und einem Höhenunterschied von ca 180 Höhenmetern.
Der erste Test wurde aber Opfer von Übermotivation und damit vorhandener gesteigerter Leistungsbereitschaft. Ich konnte auf jeder Rampe, meine persönliche Bestzeit verbessern, aber zu Lasten eines erhöhten Pulses, damit waren die Daten und das Gefühl für mich nicht relevant. So war die zweite Testfahrt dann wieder von mehr Kontrolle gekennzeichnet. Leider steht mir an meinem Rad kein Leistungsmesser zur Verfügung, mit diesem wäre das ganze noch genauer analysierbar, aber über meine Pulskontrolle geht es auch relativ gut, da ich meiner Meinung nach schon ein sehr gutes Gefühl dafür entwickelt habe.
Bei dieser Fahrt war ich von dem 1×10 Antrieb wirklich begeistert. Ich konnte fast alle Rampen mit der 36/36 Kombi fahren, nur in wenigen Fällen habe ich auf das 42er Ritzel zurück gegriffen.
Der Test mit ovalen Kettenblättern
Dann kam der nächste Schritt: Markus von den Rapiros und Christian, geschätzter FB-Freund, haben mir von einem ovalen Kettenblatt vorgeschwärmt. An dieser Stelle möchte ich kurz auf den Unterschied zwischen Biopace und den absoluteBlack-Kettenblättern eingehen. Bei Biopace war es so, das die Ovalität ihren größten Durchmesser genau in der Achse der Kurbel erreichte, im oberen Totpunkt der Umdrehung.
Das ovale Kettenblatt von absoluteBlack hat eine Ovalität von 12%, zum Vergleich ist es im größten Durchmesser so groß wie ein rundes 36er Blatt und im kleinsten Durchmesser so groß wie ein 32er Blatt. Es verfügt über Narrow/Wide-Zähne, die möchte ich auf keinen Fall mehr missen, denn ich hatte seit der Montage des Blatts vor 900 Kilometern keinen einzigen Kettenabsprung mehr.
Die ersten Kilometer mit dem ovalen Kettenblatt waren schon etwas seltsam, nicht unangenehm, aber seltsam. Ich kann noch nicht mal genau beschreiben wie es sich anders anfühlt. Das ist übrigens auch ein Punkt den Tune/absoluteBlack auf der Homepage beschreibt, es ist schwer zu erklären, man muss es fühlen. Das seltsame Gefühl ist aber relativ schnell einem normalen Trittgefühl gewichen.
Auf meinen ersten Touren auf meinen Hometrails und Waldautobahnen konnte ich nur eine leichte Verbesserung feststellen, es scheint tatsächlich runder zu laufen. Der große Aha-Effekt kam erst bei größeren Anstiegen. So konnte ich feststellen, dass der Tritt bei Belastung tatsächlich runder ist und dadurch auch effektiver. Was am meisten auffällt ist, dass das Totpunktgefühl, also der Moment wo die Kraft von einer Zugkraft am Pedal auf die Trittkraft auf das Pedal wechselt, weg ist.
Hierbei muss man immer bedenken, dass ich ein Hobbysportler bin, die Profis treten mit Sicherheit sowie so schon „runder“ da sie in der Totpunktphase das Pedal nach vorne schieben bzw nach hinten ziehen. Was ich schon schaffe ist, nicht nur auf das Pedal zu treten, sondern auch auf der Gegenseite das Pedal zu ziehen und in dieser Situation ist der Totpunkt durch die Ovalität quasi eliminiert.
Laut absoluteBlack werden durch diese Konstruktion Belastungsspitzen der Muskeln vor dem Totpunkt und Entlastungsspitzen der Muskeln nachdem Totpunkt ausgelichen und dadurch eine effektivere und gleichmäßigere Nutzung der Muskelenergie gewährleistet.Das kann ich absolut bestätigen.
Weiter oben beschrieb ich, dass ich mit dem ovalen 34er Blatt teilweise an meine Grenzen gestoßen bin. Deshalb habe ich als vorerst letzte Ausbaustufe ein ovales 32er Kettenblatt von absoluteBlack montiert. Diese Maßnahme war die absolut richtige! Es sorgt nicht nur dafür, dass ich nach oben hin etwas mehr Reserven habe, sondern optimiert über die gesamte Bandbreite die Übersetzungsverhältnisse.
Einen kleinen Nachteil gibt es natürlich: nach unten hin fehlt etwas, bergab treten oder Asphaltabschnitte rollen sorgen mit dem 32er Blatt dafür, dass die TF bei 40km/h bei ca 110 liegt, für meine Verhältnisse oberste Grenze.
Auswirkungen auf das Training
Es gibt einen Punkt, den ich erwähnen sollte: der 1×10 Antrieb fördert den Trainingseffekt. Bei einem 3fach oder 2fach Antrieb kann man auf das kleine Kettenblatt wechseln, wenn es steil wird. Das entfällt jetzt! Möchte man nicht absteigen, muss man mehr Leistung bringen! Er zwingt einen dran zu bleiben, es gibt keinen Rettungsring! Mir hat das extrem viel gebracht, meine Bergfähigkeiten konnte ich in den letzten drei Monaten extrem verbessern.
Weitere Kettenblatt-Optionen im Überblick
Hier ist ein kurzer Überblick über einige auf dem Markt erhältliche Kettenblätter, die im Jahr 2025 getestet wurden:
| Modell | Material | Kompatibilität | Besondere Vorteile |
|---|---|---|---|
| Ybeki Kettenblätter 104 BCD | Aluminium CNC-gefräst | 8/9/10/11-Gang Schaltung | Varianten bis 52 Zähne, in Rot und Schwarz erhältlich |
| Sram 2286482356 | Aluminium CNC-gefräst | Bosch E-Bike Motoren Generation 3 | Robust, speziell für Sram Eagle Ketten |
| Kmc 03378593 | Aluminium CNC-gefräst | Bosch Gen.4 | Reduziert Reibung und Lärm, speziell für Bosch Gen.4 |
| Race Face Cinch DM | Aluminium CNC-gefräst | Mountainbike | Robust, asymmetrisches Zahnsystem |
| Bosch Kettenblatt 2100169 | Edelstahl | Active und Performance Line Motoren von Bosch | Hitzebeständig, robust |
| CYSKY 104BCD Schmale Breite Kettenblatt | Aluminium CNC-gefräst | Mountainbike | Schmales, breites Zahnprofil, reduziert Reibung |
| Truvativ MTB | Aluminium CNC-gefräst | Mountainbike | Vielseitig einsetzbar, reduziert Reibung |
| Dioche Kettenblätter BCD 104 | Aluminium CNC-gefräst | Alle Fahrradtypen | Vielseitig einsetzbar, in Rot und Schwarz erhältlich |
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