Unbeschwert pfeifend in den Straßen von Paris mit dem Fahrrad unterwegs - je länger sich die Pandemie zog, desto mehr setzte sich dieser Gedanken in meinem Kopf fest. Nach Amsterdam und Kopenhagen schien sich Paris zur nächsten Fahrrad-Stadt zu entwickeln.
Paris ist eine großartige Fahrrad-Stadt geworden. Es ist überhaupt eine großartige Stadt, für die meine 48 Stunden viel zu kurz waren und ich habe Ideen für mindestens zwei weitere Kurztrips im Notizbuch stehen. Ich hatte ein wenig Pech mit dem Wetter. Nieselregen und heftige Schauer haben sich abgewechselt, so dass ich letztendlich weniger Fahrrad gefahren bin als geplant und erhofft.
In diesem Artikel erzähle ich dir wie es ist, Paris mit dem Fahrrad zu erkunden.
Gerade aus London angekommen, fiel mir eines in Paris sofort auf: es wird gehupt in Paris. Vermutlich nicht nur wegen Stau sondern wegen allgemeiner Verzweiflung - denn Autos wird das Leben in der Innenstadt schwer gemacht. Oder umgekehrt gesagt: es wird alles dafür getan, dass Fahrrad Fahren so richtig Spaß macht! Ab in den Sattel und man fährt pfeifend und kopfschüttelnd an den Blech-Kolonnen vorbei, die sich zum Beispiel kriechend und laut hupend um die Place de Bastille bewegen.
Radwege sind sehr häufig räumlich von den Autospuren getrennt, an Kreuzungen sind sie farbig markiert, es gibt eigene Ampeln und viele Straßen wurden in den letzten Jahren einfach komplett für Autos gesperrt. Vor Jahren wurde damit schon begonnen, Corona hat das ganze verstärkt und beschleunigt. Die Rue de Rivoli an den Tuilerien vorbei hat mir persönlich am meisten Spaß gemacht: fast, aber nur fast bekommt man Mitleid mit den Autos, die sich auf eine einzige enge Spur quetschen müssen, während Fußgänger*innen und Radfahrer*innen Platz zum Tanzen, Hüpfen, Flanieren haben. Das wichtigste dabei: es wird genutzt! Überall sind Leute auf dem Fahrrad unterwegs.
Im schlimmsten Regen natürlich weniger, auch ich habe mich teilweise dann doch in die Metro gesetzt. Auf nassem Kopfsteinpflaster trübt sich auch die Stimmung kurzzeitig ein und manchmal ist das Fußgängergetümmel so groß, dass man freiwillig schiebt. Aber insgesamt? Die Seine entlang, die Champs Élysées entlang, eine große Runde um die Place de la Concorde, das Radfahren wird dir leicht gemacht, dadurch macht es Spaß und man versteht immer weniger, warum nicht alle Städte so sind.
Überall kann man anhalten um ein Foto zu machen, um in ein Geschäft zu gehen oder in ein Café - denn natürlich hat Paris auch überall Radlständer, wo man sein Rad leicht absperren kann.
Fahrradverleih in Paris
Es gibt „klassische“ Fahrradverleiher, es gibt geführte Touren, viele Hotels bieten ihren Gästen Fahrräder zum Leihen an. Darüber hinaus gibt es Vélib Metropole. Die Vélib Fahrräder haben Stationen überall in der Stadt (blaue und grüne, Biobikes und E-Bikes), ein Pass für 24 Stunden kostet 5 Euro und man kann damit 30 Minuten Fahrten unternehmen - so wie in London oder Toronto zum Beispiel auch. Ein bewährtes System, das mich immer wieder begeistert.
Paris per Rad erkunden
Mit dem Fahrrad sieht man unterwegs so viel mehr als mit der Metro und man kommt an so viel mehr Orten vorbei als zu Fuß. Mit den Routen findet man den besten Weg zum Eiffelturm oder in Richtung Montmartre, sie umgehen die Straßen, die mehr für Autos da sind, und führen dich entlang schöner Wege.
Selbst wenn man den Touren nicht komplett folgt, sie geben gute Tipps, wie man Radlfahren und Sightseeing verbinden kann. Ich wünsche mir das zu jeder Stadt, die ich künftig bereise!
Frühere Besuche in Paris sind lange her. Damals standen all die Highlights auf dem Programm, von Eiffelturm bis Notre Dame. Dieses Mal wollte ich keine Must-See-Listen abhaken sondern herum radeln und da anhalten, wo es mir gerade gefiel.
Das Haus in der Rue de Rivoli Nummer 59 beherbergt Ateliers von Künstlerinnen und Künstlern, denen man teilweise bei der Arbeit zuschauen kann, die Werke bewundern und kaufen oder zumindest einen Hinweis auf die Instagram Kanäle mitnehmen kann. Auf jedem Etagen-Rundgang freut man sich aber insgeheim schon wieder auf die nächste Runde auf der Wendeltreppe - denn die Wände des Treppenhauses sind unfassbar toll bemalt.
So viele Museen in Paris und bei Dauerregen haben alle Touristen die gleichen Ideen… für was soll man sich entscheiden? Das Musée d’Orsay ist wahrlich kein Geheimtipp, die Schlangen vor dem Eingang riesig (trotz Online Ticket Buchung, die ich dir sehr ans Herz lege) und vor den berühmten herrlichen Van Goghs und Monets kämpfen Leute jeden Alters aus aller Welt nicht nur um den besten Selfie Spot sondern gefühlt werden ganze Tictoc Shows vor Seerosen und Selbstportraits aufgenommen. Puh. Und trotzdem! Trotz aller Menschenmassen bin ich doch zufrieden, mich an diesem Regentag ins Getümmel des Musée d’Orsay gestürzt zu haben.
Auch die Place des Vosges ist wahrlich kein Geheimtipp, seit dem Jahre 1612 schon nicht. Auch die Place des Vosges steht im unten erwähnten Reiseführer als Glücksort verzeichnet.
Shakespeare ist ein Buchladen für englisch-sprachige Bücher in Paris - schon seit 100 Jahren (wenn auch nicht immer an der gleichen Stelle). Die Geschichte über seine Gründerin Sylvia Beach in den Goldenen 20ern des letzten Jahrhunderts ist extrem spannend, sie hat mit ihrem Laden die Literaturszene, überhaupt das kulturelle Leben in Paris entscheidend geprägt (siehe Buchtipp unten). Der Buchladen ist verwinkelt, mit lauter kleinen Räumen, voller Erinnerungen an Sylvia Beach’s Zeiten. Eine Katze lebt im Buchladen (“Bitte Aggie die Katze nicht stören, sie ist müde, weil sie die ganze Nacht gelesen hat”), nebenan gibt es ein Café. Bücher, die man kauft, bekommen einen Erinnerungs-Stempel auf die erste Seite.
Ja, an jeder Ecke hätte ich mich gerne auf einer Terrasse niedergelassen, zu Café au lait oder einem Glas Rosé. In Paris duftet es verführerisch an jeder Ecke, jede Speisekarte klingt verlockender, auch wenn man nur die Hälfte versteht, das Leben in Paris scheint sich zu großen Teilen im Café und Bistro abzuspielen.
Ob in dieses Bistro auch “normale Menschen” gehen? Oder nur solche, die ein Ticket für das Musée d’Orsay gleich nebenan gebucht haben und die Wartezeit im Trockenen überbrücken müssen? Egal, es ist gemütlich, klein, verwinkelt, auf zwei kleine Etagen aufgeteilt. Die Espressomaschine gurgelt, Regenschirme werden ausgeschüttelt, Seiten von Reiseführern umgeblättert, große Stadtpläne auf winzigen Bistro Tischchen studiert. Crêpes gibt es erst später, deswegen ein kleines Frühstück: heißer, cremiger Kaffee, O-Saft und zerknautschtes Pain au chocolat.
Ein Café mit Fahrrad Thema darf nicht fehlen, auf Instagram entdeckt, mit Hipster-Merchandising-Online-Shop, in diesen Artikel hätte es so gut gepasst. Aber es war zu voll, übervoll, kein Stuhl frei, kein Meter an der Theke. Das Wetter ungeeignet für Coffee to go. [Im Bild rechts oben] Ein Zufallsfund, der besser hätte nicht sein können. Paris im Regen ist grau, in diesem Café ist alles bunt, die Wände gelb, die Stühle rot, die Tische türkis, die Crème Brûlee golden. Bistro Fuxia am Canal St.
Die Gegend um den Canal St. Martin hat mir besonders gut gefallen, mit Brücken und Schleusen, Street Art und blühenden Kirschbäumen, Cafés und Bistros in allen Nebenstraßen. Man bekommt den Eindruck, dass sich hier auch Einheimische rumtreiben und nicht nur Touristengruppen.
Die Reiseführer-Reihe der Glücksorte mag ich sehr und auch die Paris-Ausgabe von Antje Kahnt finde ich sehr gelungen. 80 einzelne Glücksorte stellt sie in dem Buch vor, mit einem Text und mit einem Foto. Darunter sind einige Highlights, die man gesehen haben “muss”, oder die man sehen will, wenn man zum ersten Mal in der Stadt ist. Daneben gibt es aber eben auch ganz viele kleine wunderbare Orte, die man alleine vielleicht nur durch Zufall entdecken würde. Restaurants mit einer besonderen Geschichte oder Shops mit ungewöhnlichem Angebot, kleine Museen und hübsche Jugendstil-Fassaden, natürlich der Eiffelturm, natürlich der Jardin du Luxembourg.
Vom Balkon meines Hotelzimmers im 25hours Hotel Terminus Nord habe ich direkt auf die Gare du Nord geschaut. Im oben erwähnten Reiseführer ist der Bahnhof Gare du Nord gleich der erste Glücksort und hat Hintergründe zum 1846 in Betrieb genommenen Bahnhof, zu seiner Architektur, der besonderen Fassade.
Vom Hotel direkt gegenüber des Bahnhof Gare du Nord habe ich hier schon erzählt. Ein Fahrrad kannst du dir dort für 10 Euro am Tag ausleihen. Beim Frühstück kann man sich richtig satt essen und mit herrlichen Croissants in den Tag starten, bevor es auf den Fahrradsattel geht. Am besten startet man von dort Richtung Canal St. Martin und über die Place de la Bastille Richtung Seine. Ein vierseitiger Flyer erklärt übrigens die Gemälde und Kunstwerke, die im Hotel überall zu finden sind, und setzt sie in Verbindung mit der unmittelbaren multikulturellen Umgebung des Hotels an der Gare du Nord. Und weil es über viele unterschiedliche Menschen mit vielen Hintergründen so viel zu erzählen gibt, hat Alex Toledano ein ganzes Buch dazu veröffentlicht, „Portraits of the Gare du Nord“, es liegt in jedem Zimmer aus und man kann es kaufen.
Kürzlich habe ich festgestellt, dass man über Bahnhöfe und Züge viel schöner schreiben kann als über Flugzeuge und Flughäfen (auch wenn ich wirklich gerne in ferne Länder fliege).
Drei schöne Fahrradrouten durch Paris
- Highlights in Paris: Die schönste und wahrscheinlich gleichzeitig die interessanteste Fahrradroute durch Paris beginnt am Pariser Rathaus dem Hôtel de Ville.
- Durch den Bois de Boulogne: Wie der Bois de Vincennes, ist auch der 850 Hektar große Bois de Boulogne eine grüne Lunge für die Pariser.
- Vom Canal Saint-Martin bis zum Bois de Vincennes: Der Canal Saint-Martin ist nicht nur einer der beliebtesten Entspannungsorte der Pariser, sondern eignet sich auch bestens für eine kleine Fahrradtour.
Wie sicher ist Fahrradfahren in Paris?
Die Straßen von Paris sind immer stark befahren. Das bedeutet aber keinen Strich durch deine Radtour. Trotz des enormen Verkehrs ist Paris nämlich eine gute Fahrradstadt.
Möchtest du Paris mit dem Fahrrad erkunden, musst du vorab aber ein paar Sachen wissen: Radfahren ist in Paris überall dort erlaubt, wo entsprechende Verkehrsschilder sichtbar sind, spezielle Radwege angelegt wurden oder Fahrräder auf den Asphalt gemalt sind. Und das ist mittlerweile so gut wie überall in der Innenstadt der Fall.
Neben den Radwegen solltest du auch auf die Pariser Radfahrer achten. Die sind nämlich echt skrupellos. No Joke. Was für uns in Deutschland ein angenehmer Sicherheitsabstand ist, das ist für die Pariser eine willkommene Lücke, um zu überholen oder sich durchzuquetschen. Lass sie das machen und konzentriere dich einfach auf deine Fahrt.
Also halten wir fest: Das Radfahren in Paris ist nicht gefährlich, wenn du dich an die Verkehrsregeln hältst, auf den vorgegebenen Radwegen fährst und souverän und selbstbewusst im Sattel sitzt.
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