Parkinson und Radfahren: Studien und Erkenntnisse

Fahrradfahren und Parkinson - auf den ersten Blick scheint das nicht zusammenzupassen. Menschen, die an Parkinson erkrankt sind, haben oft Schwierigkeiten mit ihrer Körperkontrolle, Gleichgewichtsprobleme und Konzentrationsschwierigkeiten. All dies sind Eigenschaften, welche beim Radfahren gefordert sind.

Lange Zeit ging man davon aus, dass Radfahren für Parkinson-Patienten nicht mehr geeignet ist. Doch dann machten einige Betroffene eine überraschende Erfahrung: Trotz der Warnungen der Ärzte vor zu viel Sport setzten sie sich auf ihr Rennrad und stellten fest, dass sich ihre Symptome beim Radfahren verbesserten, anstatt sich zu verschlechtern.

In der Tat scheinen sich die persönlichen Erfahrungen von Parkinson-Patienten, die Erkenntnisse von Physiotherapeuten und die ersten Forschungsergebnisse der Mediziner langsam anzugleichen. Noch bevor die einschlägigen wissenschaftlichen Untersuchungen endgültig abgeschlossen sind, kann man folgende Erkenntnisse festhalten:

  • Radfahren gelingt auch noch Patienten, deren Krankheitsbild bereits weit fortgeschritten ist.
  • Die regelmäßige Tretbewegung scheint beim Patienten Mobilitätsreserven freizusetzen, die es ihm ermöglicht, sich normal fortzubewegen.
  • Unabhängig davon, ob sportliches Radfahren mehr Dopamin erfordert oder nicht, entsteht beim Radsport offenbar keine Dopamin-Unterversorgung.
  • Während des Radfahrens und häufig auch noch danach reduzieren sich die Symptome oder verschwinden ganz.
  • Radfahren vermittelt somit Erfolgserlebnisse und wirkt sich positiv auf die Psyche aus. Voraussetzung ist selbstverständlich, dass man gerne Rad fährt.

Keineswegs muss nun jeder Parkinson-Kranke aufs Fahrrad umsteigen. Ähnliche positive Auswirkungen wie beim Fahrradfahren sind auch bei anderen sportlichen Betätigungen zu verzeichnen, wenn man Lust dazu hat.

Die überraschende Entdeckung eines Neurologen

Dr. Bastiaan Bloem von der Radboud Universität in Nimwegen, ein weltweit führender Parkinson-Spezialist, war selbst überrascht, als ein Patient im Endstadium der Krankheit ihm erzählte, dass er regelmäßig Fahrrad fährt. Der Neurologe konnte es kaum glauben, da der Mann kaum noch laufen konnte. Doch der Patient bewies es ihm, indem er eine Runde auf dem Parkplatz der Universität fuhr und danach wieder bewegungsunfähig war.

Bastiaan Bloem glaubt, dass Fahrradfahren eventuell von einem anderen Teil des Gehirns gesteuert wird als das Laufen. Dieser Gehirnteil ist wahrscheinlich nicht so stark von Parkinson betroffen.

Erfahrungen von Betroffenen

Wolfgang Bornemann, der seit 17 Jahren an Parkinson leidet, treibt regelmäßig Sport, darunter Joggen, Fitness-Studio und Radfahren. Trotz der langen Krankheitsdauer geht es ihm gut.

Jürgen Weber, der die Diagnose vor 18 Jahren erhielt, spürte schon mit 36 Jahren Verkrampfungen im Nacken und fand seine Worte nicht mehr. Zusammen mit Wolfgang Bornemann plant er eine Alpenüberquerung mit dem Rad.

Wissenschaftliche Studien

Bastiaan Bloem untersucht in einer großen Studie, ob Fahrradfahren - beziehungsweise Sport - Parkinson zurückhalten kann. Er hat 600 Patienten in zwei Gruppen eingeteilt: Eine Gruppe wird zu mehr Sport ermutigt, die andere nicht. Eine ähnliche Studie an Mäusen zeigte, dass die sporttreibende Gruppe neue Dopamin-Verbindungen im Gehirn bildete.

Ein weiteres Forschungsprojekt zielt darauf ab, die kognitive Beanspruchung von verschiedenen Bewegungen bei Parkinson-Patienten zu verstehen. Dabei werden Gehen, Radfahren und Sitzen mit kognitiven Aufgaben kombiniert und die Gehirnaktivität gemessen.

Neurowissenschaftler der Universität Düsseldorf haben in Kooperation mit Forschern der Universitäten Konstanz und Aarhus eine Art "Störsignal" entdeckt, das bei Patienten ohne Freezing nicht nachweisbar war. Die Unterdrückung der abweichenden Aktivität der Basalganglien bietet jedoch nun einen zentralen Ansatzpunkt für zukünftige Therapien bei Parkinson-Patienten mit „Freezing of Gait".

Weitere Forschungsergebnisse

Eine Studie mit 130 Erwachsenen zeigte, dass Indoor-Cycling genauso gut gegen die Symptome des frühen Stadiums der Parkinson-Krankheit helfen kann wie Medikamente. Durch die Steigerung der Fitness der Patienten ist das Radfahren für die Probanden potenziell lebensverlängernd.

Eine systematische Meta-Studie, die 156 Bewegungs- und Sportstudien auswertete, kam 2023 zu dem Ergebnis, dass Bewegungstherapie sowohl die Motorik als auch die Lebensqualität verbessert.

Empfehlungen und Ausblick

Bewegung und Sport sind wichtige Bestandteile der Therapie bei Parkinson. Regelmäßige körperliche Aktivität und ein gesunder Schlaf tragen wesentlich zur Lebensqualität von Betroffenen bei.

Es besteht ein dringender Bedarf an großen Multicenter-Studien mit einheitlichem Design, um klare Empfehlungen ableiten zu können.

Der digitale Informationstag der Parkinson Stiftung am Welt-Parkinson-Tag widmet sich den Themen Bewegung und Schlaf.

Ergebnisse der Park-in-Shape-Studie
Gruppe Training Änderung des MDS-UPDRS-Scores nach 6 Monaten
Fahrradgruppe Aerobes Training auf dem Fahrradergometer +1,3 Punkte
Kontrollgruppe Dehnungsübungen +5,6 Punkte

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