Radfahren als Therapie bei Parkinson-Krankheit

Untergang von Nervenzellen, Bewegungs- und psychische Beeinträchtigungen − die Diagnose Parkinson macht verständlicherweise Angst. Im Jahr 2021 litten schätzungsweise 11,8 Millionen Menschen weltweit an dieser Hirnerkrankung. Mehr als 280.000 Menschen in Deutschland haben die Parkinson-Krankheit; die meisten Menschen mit dieser Krankheit sind über 50 Jahre alt. Infolgedessen können die Zellen kein Dopamin mehr produzieren, die Chemikalie, die wir brauchen, um uns geschmeidig bewegen zu können und unsere Körperbewegungen unter Kontrolle zu halten. Die Krankheit wird langsam fortschreitend und leider ist es noch nicht möglich, sie zu heilen.

Zahlreiche neurologische Forschungsarbeiten haben gezeigt, dass sich der Verlauf der Parkinson-Erkrankung durch eine Bewegungstherapie positiv beeinflussen lässt [1]. Der positive Effekt von Sport ist besonders hoch im Frühstadium der Erkrankung, aber auch alle anderen profitieren. Auch der krankheitsbegleitenden Demenz von Parkinson kann ausreichend Bewegung entgegenwirken - insbesondere, wenn nicht nur der Körper, sondern gleichzeitig auch der Geist gefordert wird. Das ist etwa der Fall bei Sportarten, die komplexere Bewegungsabläufe erfordern, oder auch Gruppensportarten, weil soziale Kontakte immer auch das Gehirn anregen.

Die Vorteile von Bewegung und Sport bei Parkinson

Sport treiben mit Parkinson - geht das trotz beginnender Bewegungseinschränkungen? Es geht nicht nur, sondern wird dringend empfohlen. Durch Sport und Bewegung können bei Menschen mit Parkinson allerdings Muskelsteifheit und Störungen des Bewegungsablaufs vermindert werden. Betroffene können zu Hause, in Sportgruppen oder unter Anleitung von Fachkräften aus Physio- bzw. Ergotherapiepraxen trainieren und gezielte Übungen machen. Besonders gut geeignet sind Schwimmen, Wassergymnastik, Wandern oder Nordic Walking, weil dabei Beweglichkeit, Gleichgewichtsvermögen, Kraft, Körperhaltung und Koordination trainiert werden.

Neben bekannten Sportarten wie Wandern oder Radfahren gibt es für Menschen mit Parkinson viele spezielle Angebote, z.B. Tischtennis, Bogenschießen oder Karate. Eher vermieden werden sollten Sportarten, die mit einem hohen Sturzrisiko verbunden sind, z.B. durch schnelle Drehbewegungen.

Radfahren als spezifische Therapieform

Verblüffend ist, dass die Patienten jedoch ohne Probleme weiterhin Fahrradfahren können, heißt es in einer Mitteilung der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Patienten mit Morbus Parkinson leiden unter erheblichen Beeinträchtigungen beim Gehen, bis hin zum plötzlichen "Einfrieren", dem "Freezing of Gait". Sie trippeln dabei auf der Stelle und kommen keinen Meter mehr vorwärts.

Um dem unverstandenen Phänomen des "Freezing of Gait" auf den Grund zu gehen, haben sich die Wissenschaftler zusammengeschlossen und die Gehirnaktivität von Parkinson-Patienten beim Gehen und beim Fahrradfahren untersucht. In der aktuellen Veröffentlichung konnte das Forscherteam zeigen, dass Fahrradfahren im Vergleich zum Gehen mit einer deutlicheren Unterdrückung pathologischer Signale in einem breiten Frequenzbereich, dem sogenannten beta-Band zwischen 13-35 Hz, einhergeht. Anders gesagt, kommen die Neuronen in den betroffenen Hirnregionen durch das Fahrradfahren wieder in den richtigen Takt. Die Unterdrückung der abweichenden Aktivität der Basalganglien bietet jedoch nun einen zentralen Ansatzpunkt für zukünftige Therapien bei Parkinson-Patienten mit "Freezing of Gait".

Noch bevor die einschlägigen wissenschaftlichen Untersuchungen endgültig abgeschlossen sind, kann man folgende Erkenntnisse festhalten:

  • Radfahren gelingt auch noch Patienten, deren Krankheitsbild bereits weit fortgeschritten ist.
  • Die regelmäßige Tretbewegung scheint beim Patienten Mobilitätsreserven freizusetzen, die es ihm ermöglicht, sich normal fortzubewegen.
  • Unabhängig davon, ob sportliches Radfahren mehr Dopamin erfordert oder nicht, entsteht beim Radsport offenbar keine Dopamin-Unterversorgung.
  • Während des Radfahrens und häufig auch noch danach reduzieren sich die Symptome oder verschwinden ganz.
  • Radfahren vermittelt somit Erfolgserlebnisse und wirkt sich positiv auf die Psyche aus. Voraussetzung ist selbstverständlich, dass man gerne Rad fährt.

Angepasste Fahrräder für mehr Mobilität

Die Parkinson-Krankheit ist eine Krankheit im Gehirn, die unter anderem zu Versteifungen führt. Symptome der Parkinson-Krankheit sind beispielsweise Muskelzittern, Schwierigkeiten beim Sprechen, steife Arme und Beine. Diese Symptome erschweren das Radfahren auf einem traditionellen Zweirad. Schließlich kann man in Verkehrssituationen weniger schnell reagieren, und steife Arme und Beine erschweren auch das (schnelle) Auf- und Absteigen auf ein zweirädriges Fahrrad. Ein Dreirad kann also ein Geschenk des Himmels sein. Da dieses Fahrrad drei Räder hat, bleibt es stabil und kann leise an- und abgebaut werden.

Bei Van Raam haben wir sowohl Ein- als auch Mehrpersonenfahrräder, die eine Lösung bieten können. Wir haben Tandems mit zwei und drei Rädern, aber auch Parallel-Tandems, bei denen zwei Personen nebeneinander sitzen können.

Weitere Therapieansätze und Hilfestellungen

Typisch für die Erkrankung ist, dass die Arme nicht mehr mitschwingen und die Schritte immer kleiner werden. Durch zusätzliche Störungen der Halte- und Stellreflexe sowie plötzlich auftretende Blutdruckabfälle kommt es zu Gangunsicherheiten und häufig auch zu Stürzen. Mithilfe einer physiotherapeutischen Behandlung lässt sich die Überwindung motorischer Blockaden trainieren und auf den Alltag übertragen. Patient gibt sich selbst Kommandos zur Schrittfolge (z.B. Im Takt nach einem vorgegebenen Rhythmus (z.B.

Entspannung wirkt der krankheitsbedingten Versteifung entgegen. Entspannung ist aber auch hilfreich, um Stress, Angst und Unsicherheit zu reduzieren, die bei vielen Patienten durch Parkinson und die Symptome hervorgerufen werden und diese gleichzeitig verstärken können. Betroffene sollten Entspannungsübungen erlernen und regelmäßig einsetzen. Geeignet sind z.B. Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Biofeedback-Verfahren, Yoga oder Atemübungen.

Die Bedeutung von Bewegung in der Langzeittherapie

Für Menschen mit einer Parkinson-Erkrankung bedeutet regelmäßiges Training aber mehr als das: Neben einer guten medikamentösen Behandlung ist Bewegung bei Parkinson die beste Langzeittherapie. Regelmäßige Bewegung bei Parkinson vermag den Krankheitsverlauf verlangsamen. Denn Wandern, Radfahren, Tanzen und Co. kräftigen die Muskulatur, stärken die Ausdauer, wirken der Muskelsteifigkeit und der Bewegungsverarmung entgegen.

Studien zufolge verbessert Tangotanzen die Bewegungsfähigkeit, das Gleichgewicht und die Gehstrecke um 30 bis 40 Prozent. Darüber hinaus setzt Tanzen Glückshormone frei. Es ist stimmungsaufhellend, antriebssteigernd, gesellig. Mit einem Trainingsrhythmus von ein bis zwei Mal pro Woche bei Parkinson setzen die Effekte bereits nach kurzer Zeit ein und sind anhaltend.

Freizeitsport trainiert alle körperlichen Fähigkeiten, die einen selbstständigen Alltag ermöglichen: Einen sicheren Gang, gutes Koordinationsvermögen sowie Rumpf- und Bein-Beweglichkeit brauchen wir für den Einkauf, den Wohnungsputz, das An- und Auskleiden und die Körperpflege genauso wie für die Gartenarbeit, das Spielen mit den Enkeln oder das Picknick im Grünen.

Aktuelle Forschungsergebnisse

Zahlreiche Studien der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass Bewegung und Sport effektive Möglichkeiten sind, um den Verlauf der Parkinson-Krankheit positiv zu beeinflussen. Die bisher größte und umfassendste systematische Meta-Studie, die 156 Bewegungs- und Sportstudien auswertet und dabei insgesamt 7.939 Personen aus der ganzen Welt einschließt, kam 2023 zu dem Ergebnis: Bewegungstherapie verbessert sowohl die Motorik als auch die Lebensqualität [2].

Gleichzeitig wächst das wissenschaftliche Interesse: Während um das Jahr 2000 jährlich rund 20 Studien zum Stichwort „körperliche Aktivität und Parkinson“ erschienen, waren es 2024 bereits 563. „Es besteht ein dringender Bedarf an großen Multicenter-Studien mit einheitlichem Design, um klare Empfehlungen ableiten zu können“, so Professorin Trenkwalder.

Aktuelle Studien weisen zudem darauf hin, dass bei Parkinson die innere Uhr (zirkadianer Rhythmus) gestört sein könnte [4]. Besondere Aufmerksamkeit erfährt in diesem Zusammenhang das sogenannte glymphatische System - ein Netzwerk im Gehirn, das Stoffwechselabbauprodukte während des Schlafs aus dem zentralen Nervensystem „ausschwemmt“.

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