Viele Menschen klagen über Knieschmerzen beim Radfahren, und dafür kann es eine Vielzahl von Ursachen geben. In unseren Bikefitting Services werden wir mit dem Problem „Knieschmerzen beim Fahrradfahren“ täglich konfrontiert. Wir wollen Dir mit diesem Artikel helfen, das Problem genauer zu verstehen, mögliche Ursachen einzugrenzen und erste Schritte zu gehen, um das Problem in den Griff zu bekommen.
Differenzierungen von Knieschmerzen während des Radfahrens
Es ist sehr unwahrscheinlich, dass es für deine Knieschmerzen beim Radfahren einen schnellen und simplen Fix gibt. Schmerzen sind generell sehr komplex und so wie sie kamen, so werden sie vermutlich auch wieder gehen.
Die Entstehung der Schmerzen ist meist eine Kombination aus:
- Rad-bezogenes Problem (das Knie wird durch eine fehlerhafte Einstellung einer oder mehrerer Kontaktpunkte am Rad in eine ungünstige Bewegung oder Stellung „gezwungen“).
- Direktes muskuläres Problem (ein bestimmter Muskel der an der Kniebewegung involviert ist, arbeitet akut oder chronisch „dysfunktional“).
- Indirekt muskuläres, peripheres Problem (der betroffene Muskel kompensiert ein Problem, was eigentlich an einer anderen Stelle liegt).
In den meisten Fällen ist jeder Knieschmerzen (wie auch nahezu jeder andere Schmerz) sehr häufig eine Kombination aus mehreren, wenn nicht allen drei Faktoren. Nur sehr sehr selten tauchen bei einem völlig mobilen, flexiblen und gestärkten Körper Knieprobleme beim Radfahren auf, die einzig und allein auf die falsch eingestellte Radposition zurückzuführen sind.
Rad-spezifische Fehleinstellungen, die zu Knieschmerzen führen können
Cleats
Als erste Ursache für Knieschmerzen beim Radfahren lassen sich oft falsch eingestellte Cleats nennen. Ein zu weit nach vorn gestelltes Cleat bringt das Knie am oberen Wendepunkt höher und führt damit zu einem spitzen Kniewinkel beim Einstieg in die Druckphase. Sehr ungünstig, da dies zu ungünstigen Kraftverhältnissen rund um die Kniescheibe (sog. retro-patellarem Druck) führen kann.
Ebenso kann ein Cleat mit falsch eingestellter Rotation zu Rotationsbewegungen und damit Scherkräften über die Knieachse führen. Hier sollte man darauf achten, dass man (pauschal betrachtet) das Cleat so einstellt, dass die Ferse des Fußes leicht nach innen rotiert.
Gleiches gilt im übrigen auch für eine zu lange Kurbellänge! Im Zweifelsfall also das Cleat nach hinten nehmen (und eventuell die Kurbellänge verkürzen)!
Sattelhöhe
Wirklich einer der häufigsten Verursacher von Knieschmerzen beim Radfahren ist eine schlecht eingestellte Sitzhöhe. Ein zu tief eingestellter Sattel führt zu einem spitzen Kniewinkel beim Einstieg in die Druckphase und damit zu ungünstigen Kraftverhältnissen rund um die Kniescheibe.
Ein zu hoch eingestellter Sattel hingegen bringt oft eine Überstreckung des Knies mit sich und reizt dabei gerne Ansätze der hinteren Muskulatur und vor allem des Tractus Iliotibialis. Als (sehr plakative) Hilfestellung gilt hier, Schmerzen an der Vorderseite des Knies deuten oft auf eine zu niedrige Sitzhöhe, Schmerzen an der Rück- und Außenseite des Knies eher auf eine zu hohe Sitzposition hin.
Sattelneigung & falscher Sattel
Ja auch die Wahl des richtigen Sattels, vor allem aber auch dessen Lage (in Vor- Rückrichtung) und Neigung beeinflussen stark die Belastung des Knies. Ein extrem nach vorne gestellter, sowie nach vorne geneigter Sattel verlagern den Körperschwerpunkt nach vorne und erzeugen eine Art „Drehmoment“ auf dem Rad.
Der Körper „Kippt“ nach vorne. Dies, gepaart mit etwas schwacher Körperhaltemuskulatur führt oft zu einer Kompensation im Tritt. Es wird im Einstieg der Druckphase etwas gegen das Pedal „gestemmt“ um sich quasi auf dem Sattel stabil zu halten. Hier wird erneut viel Kraft bei spitzem Kniewinkel erzeugt, was zu Überlastung führen kann.
Ein extrem weit nach hinten versetzter oder auch nach hinten geneigter Sattel führen dagegen oft zu einem sehr rückversetzten Körperschwerpunkt und aufrechter Beckenlage, was eine effektive Kraft aus der Streckmuskulatur erschwert. Tipp: Am besten hier erst einmal aus einer visuell, neutralen Einstellung starten und eher tiefer anfangen.
Der Fuß sollte auch durch den unteren Punkt nicht zu spitz werden, das Knie leicht gebeugt bleiben.
Cockpitposition
Auch die Lage des Cockpits beeinflusst die Belastung des Knies. Ähnlich wie ein schlecht eingestellter Sattel beeinflusst auch das Cockpit die Lage des Körperschwerpunkts auf dem Rad.
Ein zu weit entferntes Cockpit „zieht“ den Körper sozusagen nach vorne auf dem Rad. Kleiner Tip: Wenn man beim Fahren nicht ohne große Hilfsbewegungen die Hände über den Lenker streichen kann, spricht das für einen nach vorn orientierten Körperschwerpunkt.
Muskuläre Ursachen für Knieschmerzen
Sehr viel häufiger tauchen allerdings Knieschmerzen beim Radfahren auf OHNE offensichtlichen Fehler in der Radeinstellung gibt. Warum? Schmerzen haben meistens etwas mit fehlerhafter bzw. nicht adäquater Muskelbeanspruchung zu tun.
Viele Muskeln machen nicht wirklich das „wofür sie vorbereitet bzw. gemacht wurden“. Oft auch einfach aus dem Grund, weil andere Muskeln nicht das tun was sie sollen und andere Muskeln entsprechend deren „Aufgaben übernehmen“.
Dies gilt sowohl für alle Muskel, die direkt Kraft auf das Pedal bringen, wie auch Muskeln, die den Körper fixieren und halten während Kraft übertragen wird.
Eines der größten und gängigsten Probleme in Relation zu Knieschmerzen beim Fahrradfahren sind Dysbalancen und Schwächen hüftumliegender Muskulatur. Hüftbeugende Muskeln, die für die Pedalbewegung essenziell sind, werden permanent verkürzt. Die gluteale Muskulatur (Gesäßmuskeln), die bei der Pedalbewegung kraftvoll nach hinten unten strecken könn(t)en werden quasi permanent „ausgeschaltet“.
Es entsteht ein manifestes Ungleichgewicht, von dem angrenzende Muskeln oft in Mitleidenschaft gezogen werden. Steigen wir nun mit dieser „dysfunktionalen“ Hüftmuskulatur aufs Rad, sind kompensatorische Maßnahmen quasi vorprogrammiert.
Zum Beispiel weicht das Knie am oberen Wendepunkt gerne nach außen um den Hüftbeuger zu entlasten.
- mittels Faszienrollen
- Stretching des Quadriceps
- Dynamisches Längen der Hüftbeuger (Stichwort „Hüftöffner“)
- Kräftigen der glutealen und posterioren Muskelgruppen
- Stärkung der tiefen Bauchmuskulatur
Es braucht dazu nicht viel. Einige Hilfsmittel (die gibt es z.B. allen an einem Ort bei Gorilla Sports) und eine kleine Routine an Übungen.
Die Regelmäßigkeit der Übungen ist hierbei wesentlich entscheidender als die „Härte“ der einzelnen Session. Es geht nicht um das große Workout, sondern 10min täglich während der Kaffee durchläuft! Die statische Haltung der hüftumliegenden Muskeln muss regelmäßig aufgelöst werden!
Das Patellaspitzensyndrom
Häufige Patientenfragen zum Patellaspitzensyndrom an Prof. Dr. Das Patellaspitzensyndrom ist eine Erkrankung der Ansatzstelle der Patellasehne am Knochen. Das Patellaspitzensyndrom ist eine sport- oder überlastungsbedingte Reizung des Sehnenansatzes der Patellasehne. Man spricht auch von einer Insertionstendinopathie, also einer Erkrankung der Verbindungsstelle zwischen Sehne und Knochen.
Besonders gefährdet sind junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahren, deren Knie einer hohen Sprungbelastung ausgesetzt sind (z. B. Volleyballer, Basketballer). Eine beginnende Erkrankung der Patellaspitze lässt sich häufig gut durch konservative Maßnahmen wie Ruhigstellung, Stoßwellen- und Ultraschalltherapie oder Dehnübungen behandeln. Die Patellasehne ist mit der von oben kommenden Sehne des Quadrizeps funktionell verbunden.
Die Patellasehne ist nach der Achillessehne die zweitstärkste Sehne im menschlichen Körper. Sie verbindet den unteren Teil der Kniescheibe mit dem Schienbein. Ihre Fasern verlaufen oberflächlich über die Kniescheibe und sind mit den Fasern der von oben kommenden Sehne des Musculus quadriceps verbunden.
Wird der Quadrizepsmuskel im Oberschenkel permanent sehr stark gefordert, kommt es durch die Zugkräfte zur wiederholten Dehnung und mechanischen Überlastung der Patellasehne. Es entstehen kleinste Verletzungen (Mikrotraumen), die eine Reizung der Sehne verursachen. Im fortgeschrittenen Stadium des Patellaspitzensyndrom treten bei jeglicher Belastung des Kniegelenks starke Schmerzen auf. Sport ist dann nicht mehr möglich.
Symptome des Patellaspitzensyndroms
Menschen mit Patellaspitzensyndrom verspüren Schmerzen im Bereich der unteren Kniescheibe, die sich bei Belastung verstärken. Das Kniegelenk ist druckempfindlich. Zu Beginn der Erkrankung sind die Knieschmerzen eher diffus und treten vor allem nach einer sportlichen Belastung auf.
Die Beschwerden sind kaum von anderen Knieerkrankungen zu unterscheiden. Später entstehen die Schmerzen bereits bei Beginn der Aktivität, klingen nach dem Aufwärmen jedoch wieder ab. Erst in fortgeschrittenen Stadien ist Sport nicht mehr möglich. Sehr schwere Verläufe schränken den Betroffenen auch bei alltäglichen Tätigkeiten ein.
Sportler, die viel springen, sind anfällig für eine schmerzhafte Reizung des Patellasehnenansatzes. Ein wesentlicher Faktor bei der Entstehung des Patellaspitzensyndroms scheint die repetitive Sprungbelastung zu sein.
Menschen mit Patellaspitzensyndrom sind vor allem in Sportarten zu finden, in denen kurze, wiederholte und maximale Muskelanspannungen der Oberschenkelmuskulatur notwendig sind. Etwa 2/3 aller Patienten mit Patellasehnenproblemen spielen Fußball oder Volleyball.
Die Forschung konnte zudem belegen, dass das Risiko, an einem Patellaspitzensyndrom zu erkranken, mit der Anzahl absolvierter Trainings pro Woche steigt. Betroffen sind häufig Hobbysportler, die im untrainierten Zustand ein zu hohes Trainingspensum absolvieren.
Diagnose
Der Orthopäde untersucht die Kniescheibe und die Patellasehne bei Beugung und Streckung des Kniegelenks. Zu Beginn der Diagnose erfolgt ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch, aus dem der Arzt erste Erkenntnisse über die Beschwerden gewinnt. Es folgt eine körperliche Untersuchung, bei der die Druckschmerzhaftigkeit der Patellasehne getestet wird.
Zur Sicherung der Diagnose stehen dem Arzt verschiedene bildgebende Verfahren zur Verfügung. Im Ultraschall ist meist eine Verdickung der Patellasehne sichtbar. In fortgeschrittenen Stadien ist der Sehnenansatz zudem kalzifiziert, es hat sich also Kalk abgelagert.
Diese Kalkablagerungen sind oft auch im Röntgen nachweisbar, das für die Diagnose des Patellaspitzensyndroms allerdings eine untergeordnete Rolle spielt, da das Röntgenbild alleine die Erkrankung nicht zuverlässig darstellen kann. Es gibt einige Erkrankungen, die ähnliche Symptome wie das Patellaspitzensyndrom hervorrufen können.
Behandlung
Im Anfangsstadium lässt sich das Patellaspitzensyndrom meist sehr gut konservativ behandeln. Wir empfehlen eine kurzfristige Sportpause beziehungsweise Reduzierung des Trainingspensums. Bei geringen Beschwerden ist häufig eine Ruhigstellung mit Bandage (z. B. Kasseler Patellasehnenbandage) oder Tapeverband während der sportlichen Belastung ausreichend.
Wärmen Sie Ihre Oberschenkelmuskulatur vor dem Sport gut auf, eventuell mit einer zusätzlichen Wärmeanwendung. Kasseler Patellasehnenbandage bei sportlicher Belastung. Bei den krankengymnastischen Übungsbehandlungen ist exzentrisches Muskeltraining hervorzuheben.
Eine weitere moderne Therapieform stellt die Lasertherapie dar. Dabei wird mithilfe von hochenergetischem Laserlicht die Heilung des Sehnengewebes unterstützt. Von Kortisoninjektionen ist abzusehen, da sie die Patellasehne schädigen können und meist nur kurzfristig die Schmerzen lindern.
Stattdessen sind Medikamente aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika zu bevorzugen, die als Tabletten eingenommen oder als Salbe lokal aufgetragen werden. Zudem sollten Risikofaktoren, die zur Überlastung der Patellasehne führen, ausgeschaltet werden.
In fortgeschrittenen Stadien, also wenn Sportbelastungen nur unter Schmerzen möglich sind oder bereits alltägliche Belastungen schmerzen, ist eine Trainingspause angebracht. Führen konservative Maßnahmen nicht mehr zu einer ausreichenden Besserung der Beschwerden, sollte eine Operation in Erwägung gezogen werden. Diese erfolgt wenn möglich arthroskopisch.
Übungen zur Behandlung von Knieschmerzen
Übung 1: Im Sitzen mit dem Fuß den "Boden wischen". Ausgangsstellung: Sie sitzen auf einem Hocker. Durchführung: Beginnen Sie durch Ausstrecken und Anziehen des Beines im Kniegelenk den Boden mit dem Fuß zu „wischen“.
Bewegen Sie das Tuch dabei gleichmäßig vor und zurück. Wichtig ist es, den Kontakt zum Boden nicht zu verlieren. Dauer: Mit jedem Fuß ca. 1 Minute “wischen”.
Übung zur Dehnung des Oberschenkelmuskels (Quadrizeps) im Liegen. Ausgangsstellung: Bauchlage auf Matte. Das zu dehnende Bein wird am Sprunggelenk gegriffen.
Durchführung: Drücken Sie das Becken in den Boden. Spannen Sie die Gesäßmuskulatur an. Nun ziehen Sie das betroffene Bein mit der Hand oder einem Handtuch/Gürtel Richtung Gesäß, bis ein deutliches Spannungsgefühl in der Vorderseite des Oberschenkels entsteht.
Die Dehnung sollten Sie mindestens 60 Sekunden halten und 2- bis 3-mal wiederholen. Machen Sie zwischen jedem Satz 30 Sekunden Pause.
Übung zur Dehnung des Oberschenkelmuskels (Quadrizeps), der wesentlich zur Stabilisierung des Kniegelenks beiträgt. Ausgangsstellung: Stand mit geradem Oberkörper auf einem Bein.
Ausführung: Umwickeln Sie das zu dehnende Bein am Sprunggelenk mit einem Handtuch und ziehen sie den Fuß Richtung Gesäß, bis ein deutliches Spannungsgefühl im vorderen Oberschenkel entsteht.
Übung: Das Herunterrollen an der Wand mit dem Gymnastikball kräftigt den Oberschenkel und reduziert Knieschmerzen. Ausgangsstellung: Stand vor einer Wand. Der Ball ist zwischen Wand und Rücken eingeklemmt.
Durchführung: Rollen Sie sehr langsam die Wand hinunter. Im Hinunterrollen liegt der Schwerpunkt der Übung. Der Beugewinkel im Kniegelenk sollte dabei 40 Grad nicht überschreiten. Achten Sie auf eine gerade Beinachse: Die Knie sollten während der Übung nicht nach innen fallen.
Wiederholen Sie die Übung 10-mal und führen Sie 2 bis 3 Sätze durch. Zwischen jedem Satz sollten Sie etwa 1 Minute Pause machen.
Umgang mit Patellaspitzensyndrom
Mit einem Patellaspitzensyndrom sollten Sie den Trainingsumfang und die -intensität reduzieren, müssen aber nicht vollständig auf Sport verzichten. Gerade im Anfangsstadium sind leichte sportliche Aktivitäten mit reduzierter Sprungbelastung möglich. Verschlimmern sich die Beschwerden oder bestehen sie bereits über einen längeren Zeitraum, ist eine Sportpause angebracht.
Diese kann mitunter sehr langwierig sein, wenn die Erkrankung bereits weit fortgeschritten ist. Etwa 1/3 aller Patienten mit Patellaspitzensyndrom fallen mehr als 6 Monate aus. Das Patellaspitzensyndrom ist eine schwere und kompliziert zu behandelnde Erkrankung.
Daher sollte eine ausreichende Dauer der Krankschreibung angestrebt werden, um sicherzugehen, dass die Schädigung der Sehnenansatzstelle vollständig ausgeheilt ist. Dies ist vor allem bei körperlich arbeitenden Menschen der Fall. Sie benötigen häufig eine Krankschreibung für mindestens einen Monat.
Bei einem Patellaspitzensyndrom können Salben oder kühlende Gels unterstützend zur medikamentösen Schmerztherapie angewendet werden. Geeignet sind Wirkstoffe aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika wie z. B. Ibuprofen oder Diclofenac.
Patienten mit Patellaspitzensyndrom sollten auf Sportarten mit Sprungbelastungen verzichten. Stattdessen eignen sich gelenkschonende Aktivitäten wie Radfahren oder Gymnastik.
Bei Knieschmerzen und Verdacht auf Patellaspitzensyndrom sollten Sie einen Facharzt für Orthopädie oder einen Sportmediziner aufsuchen. Wenn Sie Ihr Kniegelenk uneingeschränkt belasten können, dürfen Sie mit einem Patellaspitzensyndrom auch Auto fahren.
Da für eine Kreuzbandplastik häufig ein Teil der Patellasehne verwendet wird, kommt es nach der Operation möglicherweise zu Schmerzen im Bereich der unteren Kniescheibe.
Prävention
Um einem Patellaspitzensyndrom vorzubeugen, sollten Sie sich vor dem Sport ausreichend aufwärmen. Führen Sie regelmäßig Dehnübungen für die Oberschenkelmuskulatur durch und stärken Sie Ihre Beinmuskulatur. Beim Training sollten Sie Belastungsspitzen vermeiden und auf die richtige Technik achten.
Beginnen Sie langsam und steigern Sie die Intensität schrittweise. Tragen Sie gut sitzendes Schuhwerk mit ausreichender Dämpfung. Zudem sollten Ihre Beinachsen gerade ausgerichtet sein.
Knieschmerzen durch Überlastung
Freizeitradfahren boomt: Seit 2010 hat sich die Zahl der deutschen Jedermann-Rennen mehr als verdoppelt. Viele Radfans, oft im mittleren Alter, kaufen sich ein edles Renn- oder Gravelbike, ziehen das Trainingspensum schnell an - und tauchen dann mit Knieschmerzen in den Sprechstunden von Orthopäden und Physiotherapeuten auf.
Übersichtsarbeiten listen das Knie, gleich nach dem Nacken, als häufigste Stelle für Überlastungsprobleme auf; 40 bis 60 Prozent der Freizeitradfahrer berichten über Knieschmerzen, am häufigsten vorne (anterior) und seitlich (lateral) (3, 5). Weil radbedingte Beschwerden selten zu einem vollständigen Trainingsstopp führen, aber Leistung kosten und Arztbesuche auslösen, lohnt ein genauer Blick auf ihre Ursachen - und auf wirksame Strategien zur Behandlung und Prävention.
Knieschmerzen sind das Ergebnis vieler kleiner Fehler. Große Querschnittsstudien zeigen, dass zwei Diagnosen rund zwei Drittel aller radbedingten Knieschmerzen ausmachen - das patellofemorale Schmerzsyndrom (PFPS) und das Iliotibialbandsyndrom (ITBS) (5).
In der SAFER-XXXIII-Kohorte mit knapp 60 000 Hobbyradlern war PFPS bei Männern wie Frauen die führende Einzeldiagnose und korrelierte signifikant mit einer raschen Steigerung des Trainingsumfangs sowie einer falschen Sattelhöhe (5). Die Knieschmerzen entstehen selten durch einen einzelnen Fehler, sondern durch das Zusammenwirken mehrerer Belastungs- und Bewegungsfaktoren: Sattelhöhe und -versatz, Kurbellänge, Winkel der Klickpedale (Cleat-Winkel), Trittfrequenz (Kadenz) und Leistung entscheiden in ihrer Kombination über das Verletzungsrisiko (9).
Für die biomechanische Entstehung eines PFPS oder ITBS gibt es detaillierte Beschreibungen (siehe Kasten weiter unten) (4, 6, 11, 12, 13).
Typisch ist eine hohe Wiederholungszahl, lokal erhöhte Gelenk- oder Bandbelastung durch ein falsch eingestelltes Rad (z. B. Sattelhöhe, Cleat-Winkel) und schwache muskuläre Kontrolle. Werden diese Faktoren früh erkannt und korrigiert, lässt sich der Schmerz in überschaubarer Zeit lindern und ein Wiederauftreten meist verhindern.
Ebenso kommen strukturelle und funktionelle Ursachen in Frage. Auch Traumafolgen müssen berücksichtigt werden. Sie spielen in bis zu 30 Prozent der Fälle eine Rolle, ergänzt Dr. Schon wenige Millimeter Versatz können die Gelenkbelastung deutlich verschieben.
Faktoren die die Gelenkbelastung beeinflussen
- Sattelhöhe und -rückversatz: Liegt der Sattel fünf Prozent zu tief, steigt die maximale Knieflexion über 90 Grad und der Gelenkdruck nimmt um rund 30 Prozent zu (13). Ein zu hoher Sattel kippt das Becken und das Knie driftet nach innen. Zehn Millimeter zusätzlicher Setback erhöhen die ITB-Belastung um bis zu 15 Prozent (11). Optimal ist ein Reststreckwinkel von 25 bis 35 Grad in der tiefsten Pedalposition.
- Cleat-Winkel, Q-Faktor und Kurbellänge: Falsch ausgerichtete Cleats (Klickpedale) erzeugen Rotationskräfte, die vor allem auf das laterale Knie wirken. In Bike-Fitting-Zentren analysieren Profis daher zunächst Gangbild und Beinachse, bevor die Schuhplatten eingestellt werden. Bei Frauen sorgt ein im Schnitt drei Zentimeter breiteres Becken für einen größeren Q-Winkel. Dieser Winkel beschreibt die Stellung des Oberschenkelmuskels (M. quadriceps) im Verhältnis zur Kniescheibensehne und damit den Kraftvektor des Oberschenkelmuskels.
- Trittfrequenz und Ermüdung: Jede Umdrehung entspricht einer geschlossenen Kette: Mit sinkender Kadenz steigt die Kraft pro Schlag, während höhere Frequenzen (> 80/Minute) die Spitzenmomente senken. Eine Feldstudie zeigte nach einer Steigerung der Kadenz von 65 auf 85 Umdrehungen pro Minute rund 20 Prozent weniger Gelenkdruck (12).
Vom Symptom zur Lösung
Eine gründliche Anamnese klärt, ob Vorder- oder Außenknieschmerzen nach schneller Steigerung des Trainingsumfangs auftreten oder ob ein »brennender« lateraler Schmerz immer nach der gleichen Fahrstrecke einsetzt - typisch für ITBS. Funktionstests, insbesondere im Rahmen der Physiotherapie, geben Hinweise auf die zugrunde liegenden Mechanismen.
Weicht das Knie beim Lateral Step Down oder bei Kniebeugen nach medial ab, liegt meist eine Beinachseninstabilität vor. Die Hüftbeuger sowie die Länge des Quadrizeps und deren Dehnfähigkeit untersuche ich immer, erklärt Jörg Mayer das typische Assessment in seiner Praxis.
Der nächste sinnvolle Schritt ist die Analyse des Fahrrads. Beim Bike Fitting erfassen wir zunächst das Gangbild und die Beinlängen, dann laserbasiert Sitzhöhe, Kniewinkel und Cleat-Winkel und schließlich schauen wir mittels 2-D-Video auf der Rolle das Fahrverhalten an. Driftet beispielsweise das Knie nach innen, können wir sofort eine veränderte Sattel- und Cleat-Position testen, erläutert Nele Nieschlag.
Bildgebende Verfahren wie MRT oder Sonografie sind nur bei atypischem Verlauf erforderlich, denn sowohl patellofemorale Knieschmerzen als auch ein ITBS lassen sich in der Regel klinisch sichern.
Therapeutisches Stufenkonzept
Die Wahl der Therapie richtet sich nach dem Beschwerdebild und den Ergebnissen der Funktionstests. Grundsätzlich sollte nach der Ursache der Beschwerden gefahndet und diese behoben werden. Neben einer antiphlogistischen Therapie können je nach erkrankter Struktur Infiltrationen mit einem kortison- oder hyaluronhaltigen Präparat oder eine Infiltration mit plättchenreichen Plasma den Heilungsprozess unterstützen.
Auch wenn es vielen Patienten schwerfällt, kann es je nach Ausprägung der Beschwerden sinnvoll sein, bis zur Schmerzfreiheit im Alltag mit dem Radfahren zu pausieren, um eine Chronifizierung zu verhindern, ergänzt Jörg Mayer. Dann folgt ein schrittweises Rad-Restart-Protokoll mit kurzer Dauer (z. B. 20 Minuten) bei 50 Prozent der üblichen Leistung. Die Steigerung sollte pro Woche bei maximal zehn Prozent in Umfang und Intensität liegen. Das führt häufig früher oder später zu Beschwerden.
Prävention
Prävention besteht nicht aus einem einmaligen Bike Fitting, sondern ist ein fortwährender Prozess. Denn das Knie ist beim Radfahren zugleich Taktgeber und Warnglocke: Es reagiert sensibel auf kleinste Abweichungen im System aus Mensch, Material und Belastung. Wird daran früh geschraubt - Sitzposition präzise justieren, Umfänge klug dosieren und nicht nur das Rad, sondern auch die Muskulatur gezielt pflegen - bleibt das Gelenk glücklich, der Tritt rund und der Spaß am Kilometerzählen wird nicht mit Schmerz bezahlt.
Biomechanische Entstehungskaskade des PFPS und ITBS bei Radfahrern
- PFPS: Ein tiefer Sattel vergrößert den Kniewinkel, der Quadrizeps drückt stärker auf Patella und Femur, der Gelenkdruck steigt (13). Weicht das Knie in der Druckphase medial oder lateral ab, nehmen die Scherkräfte zu. Häufige Gründe: schwache Hüftabduktoren, Fußpronation oder eingeschränkte Hüftbeweglichkeit. Studien finden bei Freizeitfahrern immer wieder eine verzögerte Aktivierung des Vastus medialis (13).
- ITBS: Statt der klassischen Reibungstheorie rückt heute die Kompression eines kleinen Fettpads unter dem Tractus iliotibialis in den Fokus (6). Spitzenbelastungen entstehen bei etwa 30 Grad Knieflexion - ein Winkel, der in jedem Pedalzyklus erreicht wird. Sattelrückversatz oder seitliche Beckenkippung erhöhen die Kompression; wenige Millimeter machen hier messbare Unterschiede (11). Schwache Hüftmuskeln verstärken das Ganze weiter (4).
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