Pedal löst sich am Fahrrad: Ursachen und Lösungen

Nicht jeder Radfahrer ist ein geborener Hobbyschrauber, und das muss auch nicht sein. Für bestimmte Reparaturen und Arbeiten ist die Fachwerkstatt oft die bessere Adresse. Aber die grundlegenden Handgriffe sollte jeder ambitionierte Besitzer eines Rennrades, Mountainbikes oder Trekkingbikes beherrschen. Dazu zählt auf jeden Fall die Montage und Demontage der Pedale.

Warum sollte man Pedale selbst montieren können?

Im Laufe deines Radlerlebens, und selbst im Alltag, wirst du des Öfteren in die Situation kommen, die Pedale an- und abschrauben zu müssen.

  • Neues Bike: Du hast ein neues Bike online bestellt und im Karton angeliefert bekommen. Die Pedale liegen in der Regel bei und müssen montiert werden.
  • Transport: Du willst dein Bike kompakt transportieren, sei es im Kofferraum des Autos, im Zug oder in einer Box für den Flieger. Dazu müssen die Pedale abgeschraubt werden.
  • Neue Pedale: Oder du hast dir einfach ein Paar neue Pedale gegönnt.

Der Knackpunkt: Unterschiedliche Gewinde an den Pedalen!

Jeder hat schon mal eine Schraube ins Holz gedreht oder eine Mutter an einer Befestigung festgezogen. Bei 99 Prozent aller vorkommenden Gewinde handelt es sich um so genannte Rechtsgewinde: Drehen im Uhrzeigersinn schließt die Verbindung. Am Fahrrad besitzt das rechte Pedal (stets in Fahrtrichtung gesehen) ein solches Rechtsgewinde. Das linke Pedal jedoch besitzt ein Linksgewinde! Das heißt: Beim Einschrauben in die Kurbel muss man es nach links, gegen den Uhrzeigersinn drehen.

Grund: Durch die Rotation der Kurbel beim Treten und unter Berücksichtigung der (Gegen-) Laufrichtung der Kugellager an den Pedalachsen sorgen die unterschiedlichen Gewinde dafür, dass sich die Pedale beim permanenten Treten nicht losdrehen können. Anders herum ausgedrückt: Die Pedale ziehen sich selbstständig fest, beziehungsweise werden in Position gehalten.

Einfache Merkhilfe

Spricht man am Fahrrad von rechter und linker Seite, so geht man immer von der Sicht des Fahrers aus. In Fahrtrichtung gesehen weist also das RECHTE Pedal ein Rechtsgewinde auf, und das LINKE Pedal ein Linksgewinde.

Zur Identifikation der beiden verschiedenen Gewinde sind Pedale in der Regel mit den Buchstaben R und L gekennzeichnet. Entweder am Pedalkörper oder in der Nähe des Gewindes, meist direkt auf dem Sechskant.

Die Montage - Welches Werkzeug braucht man?

Pedale besitzen in der Regel zwei Ansatzpunkte für Werkzeug:

  • An der Pedalachse (zwischen Pedalkörper und Kurbel) lässt sich ein 15 mm Maulschlüssel ansetzen. Empfehlenswert ist die Anschaffung eines speziellen, flachen Pedalschlüssels. Er passt optimal in den oft schmalen Spalt zwischen den beiden Bauteilen. Außerdem ist seine Hebelwirkung besser als die eines herkömmlichen Maulschlüssels. Denn viel Kraft benötigt man vor allem beim Abschrauben sehr fest sitzender Pedale.
  • An der Stirnseite der Pedalachse befindet sich in der Regel eine Aufnahme für einen Innensechskant-Schlüssel (Inbus). Das Maß beträgt 6 Millimeter, in Ausnahmefällen auch 8 Millimeter. Wer mit dem Innensechskant arbeiten möchte, sollte sich einen entsprechenden Inbus-Schlüssel mit langem Hebel anschaffen. Auch hier hauptsächlich wegen der Probleme mit fest sitzenden Pedalen.

Zu guter Letzt benötigt man bei der Montage ein handelsübliches Fahrradfett.

Fett ist Pflicht!

Die Pedalgewinde müssen vor dem Anschrauben der Pedale gefettet werden! Das Fett wirkt wasserabweisend und sorgt dafür, dass sich die Pedale jederzeit mit normalem Kraftaufwand auch wieder lösen lassen. Dazu einfach ein bisschen Fett oben aufs Gewinde geben. Der Schmierstoff verteilt sich beim Anschrauben automatisch rundherum. Ausnahme: Bei Leichtbau-Pedalen mit Titan-Achsen ist statt Fett eine spezielle Titan-Montagepaste zu verwenden!

An- und Abschrauben - Rechte Seite (Antriebsseite)

Zunächst das Pedal mit gefettetem Gewinde von Hand in die Kurbel drehen. Tipp: Schnell und leicht geht es, wenn man mit dem Inbusschlüssel von hinten durchs Kurbelgewinde dreht. Festziehen IM Uhrzeigersinn, lösen GEGEN den Uhzeigersinn (RECHTS-Gewinde). Sobald die Pedalachse am Anschlag ist, arbeitet man mit dem 15-mm-Pedalschlüssel weiter. Gefühlvoll und bei Bedarf auch kraftvoll kann man anziehen (und lösen), wenn man sich über das Bike hinweg beugt und von oben her arbeitet. Dazu die Kurbel beim Anziehen auf etwa 8 Uhr stellen, beim Lösen auf 4 Uhr.

An- und Abschrauben - Linke Seite

Auf der linken Seite sind die Dreh-Richtungen auf Grund des Linksgewindes vertauscht! Anziehen GEGEN den Uhrzeigersinn, lösen IM Uhrzeigersinn (LINKS-Gewinde). Auch hier gilt wieder: Zuerst das Pedal von Hand eindrehen und am Ende mit dem Schlüssel arbeiten. Von oben her arbeiten ist bequemer: Dazu die Kurbel beim Anziehen auf etwa 4 Uhr stellen, beim Lösen auf 8 Uhr.

Wie fest muss man Pedale anziehen?

Grundsätzlich gilt: Wer einen Drehmomentschlüssel besitzt, sollte diesen auch benutzen. Mit einem Wert von etwa 30 Nm (Newtonmeter) liegt man in der Regel richtig. Sollten jedoch anders lautende Angaben des Pedalherstellers vorliegen, sind diese zu beachten! Ohne Drehmomentschlüssel ist es schwierig, den nötigen Druck zu beschreiben. Pedale sollten fest aber nicht übertrieben fest sitzen. Wer die Montage öfter macht, bekommt schnell ein Gefühl dafür.

Sonderfall Carbon Kurbeln

Zur Montage der Pedale besitzen Carbon Kurbeln in den Kurbelarmen Gewinde-Einsätze aus Aluminium, so genannte Inserts. Spezielle, dünne Beilagsscheiben zwischen Pedalachse und Kurbel verhindern, dass sich die harte Stahlachse beim Festziehen ins weichere Aluminium des Inserts frisst. Obligatorisch bei der Montage: Fett auf Stahlachsen beziehungsweise Montagepaste auf Titanachsen! Diese Beilagsscheiben erhälst du im Fachhandel als Zubehör.

Tipps & Tricks

  • Pedalgewinde besitzen in der Regel ein 9/16″ x 20 TPI Gewinde. Es gibt Ausnahmen im Ausland und vereinzelt im BMX-Bereich.
  • Pedale sollten sich nach dem Ansetzen mit Handkraft einschrauben lassen. Achte darauf, dass du das Pedal gerade und im rechten Winkel zur Kurbel ansetzt. Funktioniert das nicht, ist etwas nicht in Ordnung! Gehe niemals mit Gewalt weiter vor, sondern hol dir Hilfe in der Fachwerkstatt. Das Gewinde könnte sonst beschädigt oder sogar unbrauchbar werden!
  • Ein defektes Pedalgewinde kann in bestimmten Fällen repariert werden! Entweder durch Nachschneiden des Gewindes. Oder in Härtefällen sogar mit Einsatz einer speziellen Gewindehülse. Aber lass es lieber nicht darauf ankommen!
  • Festsitzende Pedale, die beispielsweise vor der Montage nicht gefettet wurden, können sehr viel Kraft beim Lösen erfordern. Ein langer 15 mm Pedalschlüssel eignet sich hier meist besser als ein Innensechskantschlüssel. Eine Vorbehandlung mit WD-40 Rostlöser ist manchmal hilfreich.

FAQ: Pedale montieren

Haben Pedale unterschiedliche Gewinde?

Ja. Beachten solltest Du, dass das rechte Pedal ein (normales) Rechtsgewinde hat und in den rechten Kurbelarm geschraubt wird. Das linke Pedal hat ein Linksgewinde und wird in den linken Kurbelarm geschraubt. Pedalgewinde sind standardisiert (9/16" x 20 tpi) und passen zu fast allen handelsüblichen Fahrradkurbeln. Ausnahmen findest Du nur selten an sehr günstigen oder alten Rädern - z. B. einteilige Kurbelsätze mit kleinerem Gewinde (1/2" x 20 tpi).

Wieso ist das Gewinde des linken und rechten Pedals unterschiedlich?

Das linke Pedal hat ein Linksgewinde und das rechte Pedal ein übliches Rechtsgewinde. Zum Festziehen der Pedale drehst Du die Achse in Richtung des Vorderrads - dieselbe Richtung wie beim Pedalieren. Das hat den Vorteil, dass sich die Fahrradpedale beim Pedalieren normalerweise nicht lösen.

Benötige ich zum Montieren meiner Pedale Fett?

Vor der Montage Deiner Pedale solltest Du ausreichend Montagepaste (keine Carbon-Montagepaste!) auf dem Gewinde verteilen. So verhinderst Du, dass die Gewinde durch Nässe korrodieren. Hast Du keine Montagepaste, kannst Du auch Fett verwenden - am besten Lagerfett.

Wie schraube ich meine Pedale fest?

Zum Festschrauben Deiner Pedale verwendest Du einen 15-Millimeter-Pedalschlüssel oder einen Innensechskantschlüssel. Beachte unbedingt die unterschiedlichen Gewinderichtungen des linken und rechten Pedals.

Meine Pedale lassen sich nicht lösen, was kann ich tun?

Wenn sich Deine Fahrradpedale nicht lösen lassen, kannst Du Kriechöl am Gewinde verwenden. Beachte die unterschiedlichen Gewinderichtungen links und rechts! Verwende einen 15-Millimeter-Pedalschlüssel, um Deinen Hebel zu verlängern! Achte unbedingt darauf, dass Du Dich nicht verletzt, wenn sich das Pedal plötzlich löst!

Was ist der Unterschied zwischen einem Pedalschlüssel und einem normalen 15-Millimeter-Maulschlüssel?

Obwohl beide Werkzeuge eine Schlüsselweite von 15 Millimetern haben können, gibt es entscheidende Unterschiede. Ein echter Pedalschlüssel ist speziell für die Anforderungen bei der Pedalmontage konzipiert. Er ist in der Regel deutlich flacher als ein Standard-Maulschlüssel, was ihm erlaubt, auch in den engen Spalt zwischen Pedalkörper und Kurbelarm zu passen, wo ein dickerer Maulschlüssel oft nicht angesetzt werden kann. Zudem ist ein Pedalschlüssel meist wesentlich länger, was einen größeren Hebel ermöglicht. Dieser längere Hebel ist von unschätzbarem Wert, um die hohen Lösemomente von festsitzenden Pedalen aufzubringen. Ein normaler 15-Millimeter-Maulschlüssel kann bei neuen oder leichtgängigen Pedalen funktionieren, bei festsitzenden Pedalen ist der Pedalschlüssel jedoch klar das überlegene und sicherere Werkzeug.

Weitere Ursachen für Probleme im Tretlagerbereich

Manchmal liegt die Ursache für Knackgeräusche nicht direkt an den Pedalen, sondern im Tretlagerbereich. Hier sind einige mögliche Ursachen:

  • Verschmutzung: Belastung auf die Pedale gibt, evtl. Zahnräder können auch zum Knacken führen.
  • Sägezahnartige Zähne: z. B. diese evtl. Single-Antrieben (z. B. unwahrscheinlich, kommt aber relativ oft vor. im Tretlagerbereicht knackt.
  • Schnellspanner: Den Spannhebel vom Schnellspanner schmieren (z. B. Der Schnellspanner wird leichtgängiger - das Laufrad wird fester. oder leicht fetten.
  • Schrauben: Schrauben kontrollieren oder nachziehen.
  • Kontaktflächen: Einsprühen mit Sprühöl bringt fast immer Besserung. Evtl. Kontaktflächen kommt. - Schrauben kontrollieren.
  • Dämpferlagerung: Evtl. Die Lagerung des Dämpfers kontrollieren und evtl.
Problem Mögliche Ursache Lösung
Festsitzende Pedale Fehlendes Fett bei der Montage, Korrosion Kriechöl verwenden, Pedalschlüssel mit langem Hebel
Knackgeräusche Verschmutzung, lose Schrauben, defekte Lager Reinigung, Schrauben nachziehen, Lager prüfen/ersetzen
Defektes Pedalgewinde Falsche Montage, Beschädigung Gewinde nachschneiden oder Gewindehülse einsetzen (Fachwerkstatt)

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