Am Fahrrad gibt es eine Vielzahl von Gewinden. Speichen, Achsen, Tretlager und Ventile sind nur einige der Komponenten, bei denen Gewinde verwendet werden. Im Laufe der Entwicklung des Fahrrads sind einige Normierungen für diese Komponenten entstanden.
Da Fahrräder weltweit hergestellt werden, hängt die Zuordnung eines Gewindes nicht nur von der jeweiligen Komponente ab, sondern insbesondere von der Herkunft des Fahrrads. So werden beispielsweise bei italienischen Fahrradherstellern auch italienische Normgewinde verbaut. Diese sind zwar relativ identisch mit gängigen Komponentenherstellern, haben aber einen Flankenwinkel von 55°. Bei falscher Verwendung des Flankenwinkels im Schneideinsatz kann das Gewinde zerstört werden.
1. Das Fahrrad-Gewinde
Das Fahrrad-Gewinde ist ein relativ feines Gewinde, das jedoch in seiner Definition nicht als Feingewinde bezeichnet wird. Durch die britisch-amerikanische Herkunft dieses Standards sind die Abmessungen der jeweiligen Gewindegrößen nicht sauber in mm angegeben. Die Bezeichnung FG 2 beispielsweise sagt aus, dass es sich bei dieser Größe um den Nenndurchmesser 2 mm handelt.
2. Ventilgewinde am Fahrrad
Für das Fahrrad gibt es - grob unterschieden - folgende gängigen Ventilgewinde:
- Dunlop Ventil: Der Erfinder war John Boyd Dunlop, gleichzeitig auch Namensgeber der bekannten Reifenmarke. Das Dunlop Ventil ist das verbreitetste Ventil in Deutschland, Österreich und in den Niederlanden. Zum einen gibt es die ältere Variante mit Gummischlauch zum Einpumpen der Luft, die allerdings große Anstrengungen beim Pumpen mit sich bringt, und zum anderen die heute gängige Variante, bei der das Ventil eine Kugel oder einen Zylinder mit sich bringt.
- Sclaverandventil: Das Sclaverandventil ist auch unter der Bezeichnung französisches Ventil bekannt. Es wird mit einer Felgenbohrung von 6,5 mm eingesetzt und hält einem Druck von 15 bar stand. Daher werden diese Ventile auch vorwiegend in sehr dünnen Reifen, wie beispielsweise bei Rennrädern eingesetzt.
3. Metrische Gewinde
Am Fahrrad werden viele verschiedene Gewindearten verwendet, das ist historisch bedingt. Oft sind die verwendeten Gewinde sehr ähnlich, man merkt es nicht unbedingt sofort, wenn man ein falsches Gewinde verwendet.
So sind deutsche Achsen M10,5, englische mitunter M10,3. Man kann die falschen Muttern zwar jeweils verwenden, dabei wird jedoch das Gewinde beschädigt. Aus der historischen Entwicklung heraus sind im Fahrradbau unterschiedliche Gewindeabmessungen gewachsen. Viele Innovationen der Fahrradtechnik stammen aus dem späten 19. oder beginnenden 20. Jahrhundert in den USA oder Großbritannien, deshalb sind noch heute Zollgewinde weit verbreitet.
Erhöhte Belastungen (z.B. an den Speichen) bewirkten, dass spezielle Fahrradgewinde normiert wurden, die sonst nirgends Anwendung finden. Alle anderen Normungsversuche waren nicht in der Lage, überholte Gewindeabmessungen zu ersetzen, sondern schufen durch neue Gewindetypen weitere Verwirrung.
Diese Gewinde sind allgemein gültig und gelten für den gesamten Maschinenbau, diese Tabelle ist nicht auf Fahrräder spezialisiert. Der Kerndurchmesser bezieht sich auf die Außen- bzw.
Fahrradpedale und ihre Gewinde
Fahrradpedale haben immer links Linksgewinde und rechts Rechtsgewinde. Diese Seiten sind manchmal mit einem entsprechenden Buchstaben gekennzeichnet. Man kann Pedale mit Gewalt ins falsche Gewinde eindrehen, danach ist der Kurbelarm Schrott. Man kann sie auch schief eindrehen, danach hat man das gleiche Ergebnis.
Nicht jeder Radfahrer ist zum Hobbyschrauber geboren. Muss man auch nicht sein. Denn für bestimmte Reparaturen und Arbeiten ist die Fachwerkstatt oft die bessere Adresse. Aber die Basics-Handgriffe sollte jeder ambitionierte Besitzer eines Rennrades, Mountainbikes oder Trekkingbikes beherrschen. Dazu zählt auf jeden Fall die Montage und Demontage der Pedale.
Warum? Weil man im Laufe seines Radlerlebens, und selbst im Alltag, des öfteren in die Situation kommt, die Pedale an- und abschrauben zu müssen. Zum Beispiel: Du hast ein neues Bike online bestellt und im Karton angeliefert bekommen. Die Pedale liegen in der Regel bei und müssen montiert werden. Oder du willst dein Bike kompakt transportieren, sei es im Kofferraum des Autos, im Zug oder in einer Box für den Flieger. Dazu müssen die Pedale abgeschraubt werden. Oder du hast dir einfach ein Paar neue Pedale gegönnt.
Der Knackpunkt: Unterschiedliche Gewinde an den Pedalen!
Jeder hat schonmal eine Schraube ins Holz gedreht oder eine Mutter an einer Befestigung festgezogen. Bei 99 Prozent aller vorkommenden Gewinde handelt es sich um so genannte Rechtsgewinde: Drehen im Uhrzeigersinn schließt die Verbindung.
Am Fahrrad besitzt das rechte Pedal (stets in Fahrtrichtung gesehen) ein solches Rechtsgewinde. Das linke Pedal jedoch besitzt ein Linksgewinde! Das heißt: Beim Einschrauben in die Kurbel muss man es nach links, gegen den Uhrzeigersinn drehen.
Grund: Durch die Rotation der Kurbel beim Treten und unter Berücksichtigung der (Gegen-) Laufrichtung der Kugellager an den Pedalachsen sorgen die unterschiedlichen Gewinde dafür, dass sich die Pedale beim permanenten Treten nicht losdrehen können. Anders herum ausgedrückt: Die Pedale ziehen sich selbstständig fest, beziehungsweise werden in Position gehalten.
Einfache Merkhilfe
Spricht man am Fahrrad von rechter und linker Seite, so geht man immer von der Sicht des Fahrers aus. In Fahrtrichtung gesehen weist also das RECHTE Pedal ein Rechtsgewinde auf, und das LINKE Pedal ein Linksgewinde.
Zur Identifikation der beiden verschiedenen Gewinde sind Pedale in der Regel mit den Buchstaben R und L gekennzeichnet. Entweder am Pedalkörper oder in der Nähe des Gewindes, meist direkt auf dem Sechskant.
Die Montage - Welches Werkzeug braucht man?
Pedale besitzen in der Regel zwei Ansatzpunkte für Werkzeug: An der Pedalachse (zwischen Pedalkörper und Kurbel) lässt sich ein 15 mm Maulschlüssel ansetzen. Empfehlenswert ist die Anschaffung eines speziellen, flachen Pedalschlüssels. Er passt optimal in den oft schmalen Spalt zwischen den beiden Bauteilen. Außerdem ist seine Hebelwirkung besser als die eines herkömmlichen Maulschlüssels. Denn viel Kraft benötigt man vor allem beim Abschrauben sehr fest sitzender Pedale.
An der Stirnseite der Pedalachse befindet sich in der Regel eine Aufnahme für einen Innensechskant-Schlüssel (Inbus). Das Maß beträgt 6 Millimeter, in Ausnahmefällen auch 8 Millimeter. Wer mit dem Innensechskant arbeiten möchte, sollte sich einen entsprechenden Inbus-Schlüssel mit langem Hebel anschaffen. Auch hier hauptsächlich wegen der Probleme mit fest sitzenden Pedalen. Zu guter Letzt benötigt man bei der Montage ein handelsübliches Fahrradfett.
Die Pedalgewinde müssen vor dem Anschrauben der Pedale gefettet werden! Das Fett wirkt wasser-abweisend und sorgt dafür, dass sich die Pedale jederzeit mit normalem Kraftaufwand auch wieder lösen lassen. Dazu einfach ein bisschen Fett oben aufs Gewinde geben. Der Schmierstoff verteilt sich beim Anschrauben automatisch rundherum. Ausnahme: Bei Leichtbau-Pedalen mit Titan-Achsen ist statt Fett eine spezielle Titan-Montagepaste zu verwenden!
An- und Abschrauben - Rechte Seite (Antriebsseite)
Zunächst das Pedal mit gefettetem Gewinde von Hand in die Kurbel drehen. Tipp: Schnell und leicht geht es, wenn man mit dem Inbusschlüssel von hinten durchs Kurbelgewinde dreht. Die Dreh-Richtung(en) haben wir nochmals im Bild eingezeichnet: Festziehen IM Uhrzeigersinn, lösen GEGEN den Uhzeigersinn (RECHTS-Gewinde). Sobald die Pedalachse am Anschlag ist, arbeitet man mit dem 15-mm-Pedalschlüssel weiter. Tipp: Gefühlvoll und bei Bedarf auch kraftvoll kann man anziehen (und lösen), wenn man sich über das Bike hinweg beugt und von oben her arbeitet. Dazu die Kurbel beim Anziehen auf etwa 8 Uhr stellen, beim Lösen auf 4 Uhr.
An- und Abschrauben - Linke Seite
Auf der linken Seite sind die Dreh-Richtungen auf Grund des Linksgewindes vertauscht! Anziehen GEGEN den Uhrzeigersinn, lösen IM Uhrzeigersinn (LINKS-Gewinde). Auch hier gilt wieder: Zuerst das Pedal von Hand eindrehen und am Ende mit dem Schlüssel arbeiten. Von oben her arbeiten ist bequemer: Dazu die Kurbel beim Anziehen auf etwa 4 Uhr stellen, beim Lösen auf 8 Uhr.
Wie fest muss man Pedale anziehen?
Grundsätzlich gilt: Wer einen Drehmomentschlüssel besitzt, sollte diesen auch benutzen. Mit einem Wert von etwa 30 Nm (Newtonmeter) liegt man in der Regel richtig. Sollten jedoch anders lautende Angaben des Pedalherstellers vorliegen, sind diese zu beachten! Ohne Drehmomentschlüssel ist es schwierig, den nötigen Druck zu beschreiben. Pedale sollten fest aber nicht übertrieben fest sitzen. Wer die Montage öfter macht, bekommt schnell ein Gefühl dafür.
Sonderfall Carbon Kurbeln
Zur Montage der Pedale besitzen Carbon Kurbeln in den Kurbelarmen Gewinde-Einsätze aus Aluminium, so genannte Inserts. Spezielle, dünne Beilagsscheiben zwischen Pedalachse und Kurbel verhindern, dass sich die harte Stahlachse beim Festziehen ins weichere Aluminium des Inserts frisst. Obligatorisch bei der Montage: Fett auf Stahlachsen beziehungsweise Montagepaste auf Titanachsen! Diese Beilagsscheiben erhälst du bei uns im Shop als Zubehör.
Tipps & Tricks
- Der Vollständigkeit halber: Pedalgewinde besitzen in der Regel ein 9/16″ x 20 TPI Gewinde. Es gibt Ausnahmen im Ausland und vereinzelt im BMX-Bereich.
- Pedale sollten sich nach dem Ansetzen mit Handkraft einschrauben lassen. Achte darauf, dass du das Pedal gerade und im rechten Winkel zur Kurbel ansetzt. Funktioniert das nicht, ist etwas nicht in Ordnung! Gehe niemals mit Gewalt weiter vor, sondern hol dir Hilfe in der Fachwerkstatt. Das Gewinde könnte sonst beschädigt oder sogar unbrauchbar werden!
- Ein defektes Pedalgewinde kann in bestimmten Fällen repariert werden! Entweder durch Nachschneiden des Gewindes. Oder in Härtefällen sogar mit Einsatz einer speziellen Gewindehülse. Aber lass es lieber nicht darauf ankommen!
- Festsitzende Pedale, die beispielsweise vor der Montage nicht gefettet wurden, können sehr viel Kraft beim Lösen erfordern. Ein langer 15 mm Pedalschlüssel eignet sich hier meist besser als ein Innensechskantschlüssel. Eine Vorbehandlung mit WD-40 Rostlöser ist manchmal hilfreich.
- Fauber bzw. Ältere französische Fahrräder hatten 14 mm x 1.25 mm Gewinde. Zum Glück sind diese aber sehr selten. Pedale mit französischem Gewinde sind meist mit einem "D" und einem "G" (französisch für "droite" (rechts) und "gauche" (links) gekennzeichnet.
- Ein Pedal mit französischem Gewinde kann man in eine Standardkurbel schrauben (und umgekehrt), sie bleiben jedoch schon bald stecken. Wenn man mit Gewalt weiter schraubt, zerstört man das Gewinde der Kurbel.
- In den frühen 1980er Jahren hat Shimano versucht, sehr große Gewindegrößen zu etablieren. Dieses System hieß Dyna Drive. Hierbei wurde das Pedallager innerhalb der Kurbel verlegt, so dass der Fuß knapp unterhalb des Drehpunkts des Pedallagers stand. Es wurde verbreitet, dass das biomechanische Vorteile bringt.
- Diese Pedalgewindeformen haben 100 Jahre inudstrieller Unbeweglichkeit hinter sich und keine dieser Formen ist ideal. Ein besseres System müsste eine konische Oberfläche zwischen Pedalwelle und Kurbel haben, um Fraßkorrosion durch die minimalen Bewegungen der Pedalwelle innerhalb der Kurbel zu vermeiden.
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