Viele Motorradfahrer kennen das Gefühl: Dichter Verkehr, düstere Tunnel, enge Baustellen oder Dunkelheit können nicht nur ein mulmiges Gefühl auslösen, sondern echte Angst. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen plötzlicher Angst beim Motorradfahren und bietet Lösungsansätze zur Überwindung dieser Angst.
Ursachen plötzlicher Angst beim Motorradfahren
Die Angst kann sich mit der Zeit nicht nur steigern, sondern sich auch von bestimmten Situationen auf andere, unspezifische Orte übertragen. "Häufig berichten Betroffene, dass die Angst sie unvermittelt überfällt und sich im Verlauf steigert. Das Gefühl, der Angst hilflos ausgesetzt zu sein, führt letztlich dazu, ganz auf das Motorradfahren zu verzichten. Ein Teufelskreis.
Viele Betroffene befürchten, beim Motorradfahren Fehler zu machen. Die Ursache für die Unsicherheit kann fehlende Fahrpraxis sein. Diese Form der Furcht kann bei Führerschein-Neulingen, aber auch bei routinierten Motorradfahrern auftreten, die schon lange nicht mehr hinterm Steuer saßen. Auslöser können aber auch außergewöhnlich belastende Erlebnisse sein, zum Beispiel das Beobachten eines Verkehrsunfalls.
Das gilt auch für Ereignisse, die nicht mit dem Straßenverkehr zusammenhängen, wie etwa der krankheitsbedingte Verlust einer nahestehenden Person.
Symptome der Angst
Körperliche Symptome für Angst beim Motorradfahren sind beispielsweise Herzrasen, beschleunigtes Atmen, Schweißausbrüche, Augenzucken und Nervosität. Zu den psychischen Auswirkungen zählen unter anderem Stressempfinden, Unwohlsein und der Drang, der Situation entfliehen zu wollen.
Zum einen begeben sich Betroffene in Gefahr, weil sie die Fahrsituation nicht mehr richtig kontrollieren können. Zum anderen kann sich die Panik immer weiter steigern und auch an anderen Orten zeigen. In solchen Fällen ist es ratsam, sich therapeutische Hilfe zu holen.
Was tun gegen die Angst?
"Es ist wichtig, sich seiner Fahrangst bewusst zu werden und sich der Problematik zu stellen. Nur so kann ein lösungsorientiertes Verhalten entstehen", rät Ulrich Chiellino. "Ehrlich zu sich selbst sein, Gespräche mit Familie und Freunden sowie Angsttagebücher können dabei helfen."
Sich das Problem einzugestehen, kostet viel Kraft. Aber Panikattacken beim Motorradfahren lassen sich bekämpfen. Unterstützung bei Fahrangst können spezielle Trainings oder Fahrstunden mit professioneller Begleitung geben. Wichtig ist, nicht den Mut zu verlieren. So wie Ängste erlernt werden, können diese genauso wieder verlernt werden. Dazu braucht es ein sicheres Umfeld und ausreichend Geduld.
"Wer es schafft, sich zu überwinden, die Angst einzugestehen und Hilfe zu suchen, der wird auch ans Ziel kommen und wieder angstfrei Motorrad fahren können", gibt Verkehrspsychologe Chiellino allen Betroffenen Hoffnung.
Fahrtraining zur Überwindung der Angst
Fühlt sich jemand aufgrund mangelnder Fahrpraxis unsicher und hat trotz Führerschein Angst beim Motorradfahren, können Auffrischungskurse oder Fahrsicherheitstrainings, die in einem geschützten Umfeld durchgeführt werden können, die Lösung sein. Viele Fahrschulen bieten entsprechende Kurse mit speziell geschulten Fahrlehrerinnen und Fahrlehrern an.
Geht die Angst vorm Motorradfahren jedoch über ein Unwohlsein hinaus, können betreute Trainings oder Selbsthilfegruppen von Expertinnen und Experten helfen. "Bei Angststörungen, die auf Dauerstress und tiefer gehende psychische Ursachen zurückzuführen sind und sich in Panikattacken äußern, ist der Weg zu einem Verkehrspsychologen oder Therapeuten unverzichtbar", empfiehlt Ulrich Chiellino.
Konfrontation mit der Angst
Einige Betroffene stellen sich ihrer Angst vor dem Motorradfahren und entscheiden sich für ein Training - oft mit Erfolg: Nach einem intensiven Vorgespräch geht es im Fahrschulauto raus in die "freie Wildbahn". Mit der Fahrlehrerin oder dem Fahrlehrer an der Seite tasten sich die Betroffenen langsam an ihre Angstzonen heran: Sie starten beispielsweise in einem ruhigen Gebiet mit breiten Straßen, bevor sie sich in den dichten Stadtverkehr oder auf die Autobahn begeben.
Weitere Tipps zur Angstbewältigung
- Selbstvertrauen stärken: Eventuell ist das aktuelle Motorrad zu groß und stark. Ein kleineres, leichteres Modell kann helfen, das Gefühl der Kontrolle zurückzugewinnen.
- Regelmäßiges Fahren: Auch kurze Strecken können helfen, die Sicherheit im Umgang mit dem Motorrad zu erhöhen.
- Sicherheitstraining: Teilnahme an speziellen Sicherheitstrainings, um den Umgang mit dem Motorrad in Gefahrensituationen zu erlernen.
- Psychologische Hilfe: Bei starken Angstzuständen und Panikattacken sollte professionelle psychologische Hilfe in Anspruch genommen werden.
Statistiken und Fakten
Dass der öffentliche Verkehr Gefahren für alle Teilnehmer mit sich bringt, steht außer Frage. Zwar ist die allgemeine Verkehrssicherheit im Laufe der letzten Jahre deutlich gestiegen, aber auch 2023 verzeichnete das Statistische Bundesamt insgesamt 2.817 tödliche Unfälle. Diese Bilanz sollte natürlich alle Motorradfahrer daran erinnern, so vorsichtig wie möglich zu bleiben.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gab es 2014 etwa 45.500 Unfälle mit Beteiligung von Kradfahrern und damit zehn Prozent mehr als im Jahr davor. 675 Biker sind dabei gestorben. Etwa jeder dritte Sturz (31 Prozent) kommt laut ADAC-Unfallforschung grundsätzlich ohne Fremdeinwirkung zustande.
Unfallursachen
Häufig machen Biker in Kurven Fehler. Manchmal ist es auch ein einfacher Bremsfehler, der zum Sturz führt. „Das kann schnell passieren, auch ohne riskante Fahrweise”, sagt Wolfgang Stern, Pädagoge und Fahrtrainer am Institut für angewandte Verkehrspädagogik.
Eine falsche Blicktechnik lässt sich relativ schnell erkennen. Unterbewusst schauen viele Biker beim Kurvenfahren auf die Leitplanke oder die Bäume am Straßenrand. Automatisch trägt das Motorrad den Fahrer dann nach außen - bis es kracht.
Ebenfalls verringern viele Motorradfahrer ihre Geschwindigkeit vor der Kurve nicht genügend. Auch die Angst vor einer angemessenen Schräglage kann gefährlich sein.
Umgang mit Unfallerlebnissen
Viele steigen allerdings sofort wieder aufs Rad, um zu vermeiden, den Unfall mental zu verschleppen. Doch das kann laut Karl-Friedrich Voss, Vorsitzender des Bundesverbandes Niedergelassener Verkehrspsychologen, gefährlich sein. „Wer sofort weitermacht, ohne die Ursachen des Unfalls zu hinterfragen, fährt mit der gleichen Haltung weiter, ohne dass sich etwas ändert”.
Viele Motorradfahrer seien nach einem Sturz verunsichert und blockiert - auch nach vermeintlich harmlosen Unfällen. Die Angst kann schnell in ein Trauma münden. „Schlaflosigkeit, ständige Wiederkehr der Bilder und die Unfähigkeit, das Erlebte allein zu verarbeiten, sind Anzeichen dafür”, sagt Hartmut Kerwien vom Institut für angewandte Verkehrspädagogik.
Oft ist bei gestürzten Bikern zumindest die Souveränität plötzlich weg. „Hilfreich sind dann Brems- und Kurventrainings”, sagt Achim Kuschefski vom Institut für Zweiradsicherheit. Jochen Oesterle vom ADAC sieht es ähnlich: „Jede Angst kann man verlernen. Zuallererst müssen Motorradfahrer aber ehrlich mit sich selbst sein und ein Training angehen.”
Ob Trainer, ein befreundeter Motorradfahrer oder ein Fahrlehrer: „Beobachter entdecken möglicherweise Fahrfehler, die zum Sturz geführt haben können”, sagt Bartels.
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