POC Kortal Race MIPS Fahrradhelm Test: Sicherheit und Komfort auf dem Trail

Der POC Kortal Mountainbike-Helm begegnet einem sehr oft und ist eine Art Weiterentwicklung des POC Tectal, der aber weiterhin im Portfolio des Ausrüstungsherstellers bleibt. POC hat mit dem Kortal Race MIPS einen weiteren Halbschalen-Helm im Programm, der durch modernste Features und markantes Design besticht.

Design und Innovationen

Der optische Unterschied zwischen den beiden Helmen ist allerdings so prägnant, als würde man ein Coupé aus den 1980ern neben eines von heute stellen - nur dass hier der neuere Kortal den kantigen 80er-Charme eines DeLorean verbreitet. Die Ähnlichkeit zum Vorgänger Tectal ist eindeutig. Dennoch kommt der neue Kortal kantiger und moderner daher.

Beim DeLorean unter den Helmen wird das neue MIPS -Integra-System eingesetzt, das Drehbewegungen im Falle eines Sturzes verringern soll. Der Kortal Race MIPS ist für stolze 250 € erhältlich und verfügt über das bekannte MIPS-System, das Drehbewegungen bei einem Aufprall deutlich verringern soll. Er ist allerdings der erste Helm mit dem neuen MIPS Integra-System, das komplett in der Helmschale integriert ist und somit auch ohne die bekannte gelbe Schale auskommt.

Dadurch wird der Aufbau nochmals verringert und das MIPS-System ist fast unsichtbar. POC und MIPS haben ein neues, innovatives Rotationsschutzsystem, namens MIPS Integra, entwickelt und erstmals im Kortal Race MIPS verbaut. In enger Kooperation wollen POC und MIPS einen wirkungsvollen und nahezu unsichtbaren Rotationsschutz entwickelt haben. Es soll den Kopf noch besser vor gefährlichen Rotationskräften bei Stürzen schützen.

Zudem hat der Kortal Race MIPS einen integrierten NFC-Chip sowie einen Recco-Reflektor - durch beides kann man im Falle eines Sturzes leichter gefunden und identifiziert werden. Wie auch schon der Tectal verfügt der Kortal über einen RECCO-Reflektor, der sich in Ski-Ausrüstung bereits seit Jahrzehnten bewährt hat. Damit soll den Rettungskräften in entlegenen Alpengegenden die Suche erleichtert werden.

Im NFC-Chip kann man hingegen per App alle persönlichen Informationen wie Adresse, Notfallkontakt und Allergien hinterlegen. Der Poc Kortal Race ist zudem noch mit einem Recco-System sowie einem NFC Medical ID Sensor ausgestattet, unter dem sich personenbezogene Gesundheitsdaten hinterlegen lassen. Foto: Stefan FreyDer Recco-Sensor kann Rettungsmannschaften bei der Suche nach einem Verunfallten helfenFoto: Stefan FreyIn der Helmschale ist ein NFC-Chip eingelassen, auf dem wichtige Gesundheitsdaten hinterlegt werden können

Die kantige Form des POC Kortal Race MIPS sorgt zusammen mit dem Innenleben für einen angenehmen Tragekomfort und schicken Look. Der Helm entspricht dem niederländischen NTA8776-Standard und wird damit - im Gegensatz zu anderen Helmen - mit größeren Aufprallgeschwindigkeiten getestet. Diese Problematik wurde vom Niederländischen Normungsinstitut (NEN) aufgegriffen.

Unter Beteiligung von Fahrrad- und Helmherstellern wurde eine nationale Spezifikation für Helme von E-Bike-Nutzern erarbeitet und mittlerweile veröffentlicht (NTA 8776). Die Spezifikation basiert auf der DIN EN 1078 „Helme für Radfahrer und für Benutzer von Skateboards und Rollschuhen“. Die Anforderungen wurden jedoch den Gegebenheiten angepasst. Es wurde von einer höheren Durchschnittsgeschwindigkeit ausgegangen und dementsprechend wurden die Prüfkräfte für den Aufprall erhöht.

Der Kortal Race MIPS ist das unangefochtene neue Flagschiff in POC’s Helm Sortiment. Vollgepackt mit Technologien mit dem selben Komfort den man vom POC Tectal kennt. Und obwohl er ein paar Gramm mehr auf die Waage bringt, fällt dies nicht groß ins Gewicht.

Sicherheitsmerkmale im Detail

Als wäre das nicht genug, bedeckt auch noch die Helmschale einen größeren Bereich des Nackens als viele andere Helme im Test. POC will durch den erweiterten Schutz im Bereich der Schläfen, des Hinterkopfes und einer EPS-Innenschale den Kortal an die Anforderungen eines modernen All-Mountain-Helm angepasst haben. Zudem deckt der Kortal den Kopf großflächig ab.

Außerdem verfügt das Visier über ein gut funktionierendes Break-Away-System. Das Break-Away-Visiersystem soll bei einem Aufprall abspringen, um den Nacken vor Verletzungen zu schützen. Im Fall eines Sturzes fliegt das Visier vom Helm. Das kann Verletzungen am Kopf durch überstrecken verhindern. Das Break-away-Visier ist mit drei Einrastpunkten verstellbar und bietet genug Platz, um auch eine Goggle unter dem Visier platzieren zu können.

Es wurde außerdem so gebaut, dass das Visier im Falle eines Sturzes abspringen und sowohl sich so selbst als auch den Fahrer vor schlimmeren Folgen schützen kann. Um diesen Effekt zu unterstützen, werden die Seiten durch einen Klettverschluss gehalten. Clever! Ist das Break-away-Visier nicht kaputt, lässt es sich einfach wieder anklipsen.

Die zusätzlichen Sicherheits-Features wie NFC-Chip und Recco-Reflektor sind sinnvolle Technologien, die in der Bike-Branche bislang nur von wenigen Firmen genutzt werden. Wie eine digitale Erkennungsmarke speichert der Chip die wichtigsten medizinischen Daten und Notfallkontakte für den Rettungsdienst, ohne dass er eine Batterie oder einen Akku benötigt.

Der Kortal Race MIPS erfüllt sogar den niederländischen E-Bike-Helmstandard NTA 8776, bei welchem höhere Geschwindigkeiten als bei Tests für normale Fahrradhelme getestet werden. Des Weiteren ist der durch den Helm abgedeckte Kopfbereich vergrößert. In Summe macht das einen Helm aus, in dem man sich enorm sicher und vor allem wohl fühlt. Damit ist er sogar für S-Pedelecs geeignet.

Tragekomfort und Passform

Laut POC soll der Helm für alle mit einem Kopfumfang von S (51-54 cm) / M (55-58 cm) / L (59-62 cm) geeignet sein. Der Kortal Helm bietet leichten, erweiterten Schutz für Trail - und Enduro - Fahrer und lässt sich ideal mit einer Brille kombinieren. Das umlaufende Kopfband fixiert den doch recht schweren Helm sicher am Kopf und lässt sich leicht in der Höhe verstellen.

Die kantige Form des POC Kortal Race MIPS sorgt zusammen mit dem Innenleben für einen angenehmen Tragekomfort und schicken Look. Angenehm unauffällig verhält sich der POC Kortal auf dem Kopf. Während andere Helme dazu neigen, Druckstellen zu hinterlassen oder schon beim Erstkontakt ein unangenehmes Gefühl an Stirn, Schläfen und Hinterkopf verursacht. Dank den verschiedenen Einstellmöglichkeiten kann der Helm optimal auf die anatomischen Bedürfnisse angepasst werden.

Und eigentlich könnte man den Test jetzt an dieser Stelle beendenden. Denn der Tragekomfort ist trotz des Mehrgewichts einfach so unglaublich gut, dass der Helm einfach unbemerkt mit fährt. Die Polsterung ist relativ dünn, was uns in diesem Falle allerdings imponiert hat. Denn der Helm sitzt trotzdem ohne zu wackeln und bietet einen angenehmen Tragekomfort - nur an der Stirn kratzt das Polster im Bereich der Naht etwas.

Einstellen lässt sich der Kopfumfang via Drehrad am Hinterkopf, dessen Position sich wiederum in der Höhe über drei Einrastpunkte verstellen lässt. Die seitlichen Straps bieten nur in der Länge Einstellmöglichkeiten, allerdings sitzt das Band angenehm und steht nicht ab. Die Gurtbänder laufen leichtgängig.

Belüftung

Der Helm hat großzügige Öffnungen, gerade am Hinterkopf fallen sie allerdings extrem groß aus. Sie sichern zwar eine gute Durchlüftung, doch sie haben auch einen Nachteil: Unser Tester Nils musste ziemlich häufig Fliegen und große Matschbrocken aus seinen Haaren ziehen. Auch die zahlreich verbauten Lüftungskanäle scheinen hier sehr gut zu funktionieren.

Der Luftzug ist von vorne nach hinten gut spürbar und sorgt für angenehme Kühlung während der Fahrt. Ähnlich wie sein Vorgänger, der Tectal Race Spin, ist auch der Kortal Race MIPS gut belüftet und kühlt an langen Anstiegen zuverlässig den Kopf.

Testergebnisse und Fazit

Wie schon im letzten Test sichert sich der POC Kortal Race bei unseren Labormessungen Bestwerte. Das in enger Zusammenarbeit mit MIPS entwickelte Integra-System scheint Rotationskräfte sauber aufzunehmen. In Sachen Stoßdämpfung schneidet der Schweden-Helm sogar noch minimal besser ab.

Überzeugende Werte auf dem Prüfstand. Wir konnten eines der ersten verfügbaren Kortal-Modelle bereits auf unserem hauseigenen Helmprüfstand testen und waren positiv überrascht. Das neu entwickelte MIPS Integra scheint hervorragend zu funktionieren und konnte die Wahrscheinlichkeit bei unserem Sturz-Szenario eine Gehirnerschütterung zu erleiden auf gerade einmal zehn Prozent reduzieren. Im Schnitt lag das Risiko einer Gehirnerschütterung im letzten Helmtest bei den Modellen mit MIPS bei durchschnittlich 19 Prozent. Helme ohne Rotationssystem lagen mit 39 Prozent deutlich darüber.

Mit 75,1 g dämpft er Stöße sehr effektiv ab. Im Vergleich zum letzten Test hätte der POC-Helm hier sogar knapp den Bestwert abgeliefert. Um die wenig praxisrelevante TÜV-Norm zu bestehen, müsste der Wert unter 250 g liegen. Die “schlechtesten“ Helme erreichten im letzten Test in Ausgabe 12/2020 Werte von 127 g, womit sie noch immer deutlich unter dem geforderten Normwert lagen.

Der hochwertige verarbeitete POC Kortal Race MIPS überzeugt durch ein markantes Design und vereint alle relevanten State-of-the-Art-Schutztechnologien in einem Helm. Der POC Kortal Race MIPS bietet viel fürs Geld, denn er reicht am Hinterkopf weit herab, ist dabei nicht zu schwer, liefert hervorragenden Schutz und super Belüftung.

Dafür setzt er in Sachen Sicherheit neue Maßstäbe: Bestwerte bei der Stoßdämpfung und mit einer der besten Werte beim Rotationsschutz. Zusätzlich bietet der Kortal Race MIPS weitere Sicherheitselemente und sitzt obendrein noch komfortabel auf dem Kopf.

POC Kortal Race MIPS - Zusammenfassung der Testergebnisse

MerkmalBewertung
SicherheitHervorragend (MIPS Integra, RECCO, NFC)
BelüftungSehr gut
TragekomfortAusgezeichnet
PassformSchmal geschnitten
PreisHoch

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