POC Octal MIPS Fahrradhelm Test

Als die schwedische Marke POC seinerzeit auf den Markt kam, polarisierte das Design, die einen liebten es, andere wiederum nicht. Aber so ist das nun mal mit Design und dem dazugehörigen Geschmack: darüber lässt sich streiten. Worüber sich jedoch keineswegs streiten lässt, ist die Funktionalität.

Die Helme von POC fanden schnell den Weg in die UCI-World Tour und wurden von den besten Radrennfahrern der Welt hochgelobt. Auch an das Design gewöhnte man sich offenbar schnell, denn neben den Profis vom damaligen UCI-Team Garmin-Sharp fanden die Helme schnell Einzug in den Amateursport und der POC Octal und Octal Aero sind heute kaum wegzudenken aus den Startblöcken der Gran Fondos und Jedermannrennen.

Seitdem ich im sportlichen Bereich Rad fahre - und das sind nun schon viele Jahre - begleitet mich ein Satz, den mir ein guter Freund zum Einstieg mitgegeben hat: „Ohne Helm ist ohne Hirn.“ Auch wenn das etwas platt formuliert ist, bringt es die ganze Sache auf den Punkt. Ein Helm gehört auf den Kopf. Punkt.

Dass wir einen Helm beim Radfahren tragen, ist nun also schon einmal klar. Im folgenden Bericht will ich Dir meine Erfahrungen mit drei unterschiedlichen Helmen von POC vorstellen.

POC ist ein schwedisches Unternehmen, das sich seit seiner Gründung im Jahr 2004 der Sicherheit und dem Schutz von Athleten verschrieben hat. Dies erreichen sie durch innovative Produkte, die auf intensiver Forschung und wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren. Die Entwicklung von Helmen bei POC basiert auf einem integrativen Forschungsansatz, der technologische Innovation und wissenschaftliche Erkenntnisse kombiniert.

Das POC LAB spielt hierbei eine zentrale Rolle. Hier werden neue Materialien und Designs getestet und kontinuierlich weiterentwickelt, um optimale Sicherheit und Leistung zu gewährleisten.

Die Wahrscheinlichkeit, dass bei einem Radunfall der Kopf in Mitleidenschaft gezogen wird, ist hoch. Studien zeigen, dass Kopfverletzungen einen signifikanten Anteil der Verletzungen bei Fahrradunfällen ausmachen. Leider habe auch ich bereits einige Unfälle miterleben müssen. Bei mir selbst sind sie zum Glück immer glimpflich ausgegangen, aber es gab nahezu keinen Sturz, der keine Spuren am Helm hinterlassen hat.

Ein besonderes Augenmerk auf diesen Ausrüstungsgegenstand zu legen, ist daher entsprechend wichtig. Aber nicht nur die Ausstattung des Helmes, sondern auch die richtige Größe, Passform und der Sitz sind dabei elementar. Sicherheitsfeatures sind dabei natürlich ebenfalls enorm wichtig.

Drei Radhelme - drei Einsatzgebiete. Die POC Helme Omne Air MIPS, Ventral Air MIPS und Octal MIPS haben neben vielen Gemeinsamkeiten unterschiedliche Stärken und Einsatzbereiche.

Der POC Ventral Spin

Mit dem neuen POC Ventral Spin schließen die Schweden nun die Lücke im Portfolio und bringen erstmals auch einen semi-aero-Helm auf den Markt, der in Zusammenarbeit mit den Profis und im Windkanal entwickelt wurde. Getestet habe ich den Helm auf Touren in meinem Lieblingsgebiet, dem Mergelland in den Niederlanden. Glänzend oder matt - POC überlässt einem die Qual der Wahl. Große Belüftungsöffnungen sorgen für optimale Ventilation.

Da es sich um einen komplett neuen Helm handelt, gab es noch keine Fotos vom neuen POC Ventral Spin im Netz. Ich war also gespannt wie ein Flitzebogen, wie der Helm aussehen würde und als ich ihn dann in den Händen hielt, war ich regelrecht begeistert. Im schicken „raceday black“, welches ein wenig an Klavierlack erinnert, fügt der Helm sich perfekt in die Helmpalette von POC ein.

Keine kompromisslose Aeroschüssel, sondern ein top moderner, stylisher Helm mit clever platzierten Belüftungskanälen und einem minimalistischen Auftreten. Die Skandinavier verstehen eben was von Design! Mit 250 g ist er obendrein trotz der immens zur Sicherheit beitragenden einteiligen Helmschale sehr leicht und nach eingehender Rundum-Prüfung muss ich sagen, dass er nicht nur schön, sondern auch perfekt verarbeitet ist - keine Macken oder ähnliches.

Alles wirkt hoch qualitativ und die Verstellmöglichkeiten am Helm nicht nur langlebig, sondern auch ergonomisch und durchdacht. Vor allem die Belüftungskanäle fallen gleich auf, ein Überhitzen im Sommer wie bei vielen anderen Aero-Helmen sollte damit ausgeschlossen sein.

Sitz und Komfort

Das Einstellen erfolgt stufenlos und in Sekundenschnelle. Der POC Ventral SPIN sitzt sehr bequem! Viel Einstellung war nicht nötig vor meiner ersten Tour, die Anpassung an meinen Kopf erfolgt durch bequemes Drehen am Einstellrädchen und ist stufenlos.

Die Helmriemen lassen sich praktisch in Sekundenschnelle anpassen und tragen zum ergonomischen Sitz des Helms auf dem Kopf bei. Helmmütze, Buff oder „cycling cap“ sind problemlos unter dem Helm zu tragen ohne Einbußen im Komfort zu machen. Meine Oakley Radarlock kann ich bequem in der „Eye-Garage“ am Helm verstauen und egal wie stark ich auch zum Test „headbangte“, die Brille sitzt bombenfest am/im Helm.

Ein Großteil meiner Testfahrten hat bei Temperaturen unter 5 Grad stattgefunden, daher konnte ich mich von der Kühlung nur bedingt überzeugen. Man spürte aber gleich, dass die von POC im Windkanal erprobten Belüftungskanäle extrem gut funktionieren. Der Luftstrom wird spürbar durch die Belüftungskanäle geführt, was im Sommer und bei langen Kletterpartien eine angenehme Kühlung bringt, im Winter aber auch keineswegs als störend empfunden wurde.

Sicherheit

Gut, einen Helm trägt man jetzt nicht ausschließlich um gut auszusehen oder ein Fashion-Statement zu setzen. Vielmehr ist er eine Art Lebensversicherung für uns Radsportler, auch wenn man ihn im Idealfall nie benötigt. Das sollte man sich stets vor Augen führen und relativiert auch den hohen Anschaffungspreis, denn der POC Ventral Spin ist hinsichtlich seiner Schutzfunktion definitiv „state of the art“.

An dieser Stelle ist vor allem das von POC patentierte SPIN-System zu erwähnen, welches den Schutz bei seitlichen Stürzen und den dabei wirkenden Kräften maximiert. Die SPIN-Pads verringern dabei die auf den Kopf und Gehirn wirkenden Rotationskräfte und minimieren damit das Risiko schwerer Kopfverletzungen. Ebenso fällt auf, dass alle POC-Helme den Kopf mehr umschließen als die Modelle der Konkurrenz, was das Ziel hat noch besser bei seitlichem Aufprallen zu schützen.

Glücklicherweise musste ich mich nicht persönlich davon überzeugen, aber es ist gut zu wissen, dass man sich auf den Helm verlassen kann, wenn es drauf ankommt!

Passform

Über die Jahre habe ich viele Helme probiert, viele haben mich optisch angesprochen, aber nur wenige haben gleich bei der ersten Anprobe von ihrer Passform so überzeugt, wie der POC Ventral Spin. Anziehen, Wohlfühlen, Losfahren. Keine Gewöhnungsphase, kein langes Rumgefummel bis der Helm endlich sitzt - es passt einfach!

Dass der Helm darüber hinaus noch gut aussieht und einem das höchste Maß an Sicherheit gibt, ist das Nonplusultra. Mich hat der POC Ventral Spin vollends überzeugt!

Die POC Helme im Vergleich

Drei Helme, ein Kopf, verschiedene Räder und jede Menge Touren und Kilometer. Unser Autor und Bike-Experte Andreas Lindebner hat die drei POC Fahrradhelme Omne Air MIPS, Ventral Air MIPS und den Octal MIPS miteinander verglichen.

  1. Der Omne Air MIPS ist speziell für Rennradfahrer konzipiert, die auf Geschwindigkeit und Effizienz setzen. Der Helm zeichnet sich durch eine aerodynamische Form aus, die den Luftwiderstand minimiert. Das Design des Omne Air MIPS ist minimalistisch und modern. Die Passform ist durch das 360°-Einstellsystem leicht anpassbar, was den Komfort erhöht und sicherstellt, dass der Helm auch bei langen Fahrten sicher sitzt.
  2. Der Ventral Air MIPS wurde für Gravel-Biker entwickelt, die oft auf gemischten Untergründen fahren. Der Helm bietet eine herausragende Belüftung und ist für lange Fahrten optimiert. Mit einem Gewicht von etwa 250 Gramm ist er leicht und dennoch robust genug, um den Anforderungen des Geländes gerecht zu werden. Der Ventral Air MIPS kombiniert ästhetisches Design mit hoher Funktionalität. Die großflächigen Belüftungsöffnungen sorgen für eine ausgezeichnete Kühlung, selbst bei niedrigen Geschwindigkeiten. Das 360°-Einstellsystem ermöglicht eine präzise Anpassung an die Kopfform, was den Tragekomfort erheblich verbessert. Wie der Omne Air MIPS ist auch dieser Helm mit dem MIPS-System ausgestattet, das zusätzlichen Schutz bei Stürzen bietet.
  3. Der Octal MIPS spielt seine Stärken vor allem bei langen Touren aus, da er hohen Schutz und Komfort hervorragend vereint. Der Helm bietet eine umfangreiche Abdeckung des Kopfes, besonders im Bereich der Schläfen und des Hinterkopfes. Mit einem Gewicht von nur ca. Das Design des Octal MIPS zielt auf maximale Sicherheit und Komfort ab. Große Belüftungsöffnungen sorgen für eine hervorragende Luftzirkulation und verhindern, dass der Kopf überhitzt. Die Passform lässt sich durch das einstellbare System individuell anpassen, was den Tragekomfort erheblich steigert. Der Octal MIPS zeichnet sich auf langen Touren durch seinen hervorragenden Komfort aus. Die erweiterte Kopfabdeckung vermittelt ein hohes Sicherheitsgefühl und die effektive Belüftung lässt beinahe vergessen, dass man einen Helm trägt. Auch bei längeren Fahrten bleibt der Helm angenehm leicht und belastet den Kopf nicht. …vereint hohen Schutz und Komfort für Dein Bikepacking Abenteuer.

Praxiserfahrungen

In der Praxis überzeugt mich der Omne Air MIPS vor allem durch sein geringes Gewicht und die hervorragende Belüftung. Bei schnellen Fahrten auf der Straße ist der Helm kaum spürbar und die aerodynamische Form trägt dazu bei, dass der Luftwiderstand minimal ist. Besonders beeindruckend ist die Passform, die auch nach mehreren Stunden Fahrt noch komfortabel bleibt. Durch die effektive Belüftung bleibt mein Kopf auch bei intensiven Anstrengungen kühl.

Das MIPS-System vermittelt ein zusätzliches Gefühl der Sicherheit, vor allem bei hohen Geschwindigkeiten. Die auffällige Farbgestaltung am Hinterkopf sorgt für eine bessere Wahrnehmung im Straßenverkehr - ein weiterer Pluspunkt. Bei meinem diesjährigen Trainingscamp auf Mallorca konnte sich der Omne Air MIPS unter Beweis stellen. Bei knapp 1.000 Kilometer und einer ganzen Menge an Höhenmetern hat der Helm mich schnell überzeugt. Mit seiner hervorragenden Passform hat er mir immer ein sicheres und gleichzeitig komfortables Gefühl gegeben. Mit einem Kopfumfang von 57 cm habe ich mich für die “kleinere” Größe M entschieden.

Beim Fahren auf gemischten Untergründen mit dem Gravel-Bike hat sich der Ventral Air MIPS als hervorragender Begleiter erwiesen. Die überlegene Belüftung ist sofort spürbar und hält den Kopf auch bei anspruchsvollen Fahrten kühl. Die robuste Bauweise gibt ein sicheres Gefühl, auch wenn der Weg holpriger wird. Der Helm sitzt fest und wackelt nicht, was besonders auf unebenem Gelände wichtig ist. Meine Gravelfahrten finden großteils im Alpenvorland statt und zeichnen sich daher durch abwechslungsreiches Terrain und meistens einigen Höhenmetern aus. Der Ventral Air MIPS Helm hat sich dabei hervorragend geschlagen. Auch muss der POC-Helm bei schnelleren Fahrten keineswegs zurückstecken und bietet dafür eine sehr gute Aerodynamik.

Ein “richtiger” Bikepackingtrip hat zeitlich im Testzeitraum bei mir leider nicht funktioniert, daher habe ich den Helm ausgiebig bei Gravelfahrten, aber auch im Radfahralltag getragen. Das geringe Gewicht, das hervorragende Einstellsystem und die offene Konstruktion haben ihn dabei zu einem perfekten Begleiter gemacht.

Fazit

Drei Helme, ein Kopf, verschiedene Räder und jede Menge Touren und Kilometer. Dieser Testbericht war wie ein langes Trainingslager: Anstrengend, erkenntnisreich und lohnend. Wer Wert auf hohes Sicherheitsniveau und hervorragende Belüftung legt, wird bei keinem der POC Helme enttäuscht. Die kleinen Details, wie etwa die gummierte Brillenhalterung oder die großen Verstellmöglichkeiten der Kinnriemen, runden das Gesamtbild aller drei Helme ab.

Alle drei Helme haben unterschiedliche Stärken und EInsatzbereiche, die sie im Test auf vielfältige Weise ausspielen konnten. Mit dem Omne AIR MIPS habe ich mich auf meinen Rennradtouren von Anfang an wohlgefühlt. Mit dem Ventral AIR MIPS ist POC ein Helm gelungen, der die Anforderungen des Gravelbikens hervorragend erfüllt. Die ausgezeichnete Belüftung sorgt für gutes Klima - egal, ob es eher gemütlich ist oder auch mal schnell in der Ebene entlang geht. Das geringe Gewicht des Helms sorgt für stabilen Sitz im ruppigen Gelände. Aufgrund seiner Eigenschaften ist er auch ein idealer Begleiter auf Rennrad Touren.

Und wer sich in das nächste lange Abenteuer beim Bikepacking stürzen will, der findet mit dem Octal MIPS den idealen Begleiter.

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