Die Wahl der richtigen Radbekleidung kann bei wechselhaftem Wetter entscheidend sein. Besonders im Übergang von Herbst zu Winter oder von Winter zu Frühling, wenn Regen, Wind und Temperaturschwankungen an der Tagesordnung sind, erweisen sich Allwettertrikots als vielseitige Lösung. Diese Trikots sind speziell dafür konzipiert, den Träger vor den Elementen zu schützen, ohne die Atmungsaktivität einzuschränken.
Was sind Allwetter-Rennradtrikots?
Allwettertrikots sind wie normale Rennradtrikots geschnitten, jedoch mit dem zusätzlichen Vorteil einer wasserabweisenden Imprägnierung. Im Gegensatz zu herkömmlichen Regenjacken verzichten sie auf eine Membran, was sie dampfdurchlässiger macht. Ausstattungsdetails wie Spritzschutz, weiche Kragen und Reflexmaterial erhöhen den Tragekomfort und die Sicherheit.
Radprofis haben die Vorzüge dieser Trikots längst erkannt, da sie eine hohe Bewegungsfreiheit bieten, ausreichend Wetterschutz gewährleisten und schnell trocknen. So muss man sie nicht wie klassische Regenjacken nach einem Schauer sofort wieder ausziehen, da das Material relativ schnell trocknet und man darunter nicht sofort schwitzt.
Vielfalt und Preisgestaltung
Aktuell gibt es ein gutes Dutzend Hersteller dieser Rennrad-Trikots für jedes Wetter, fast alle Modelle werden für Männer und Frauen angeboten, nur wenige in Unisex-Schnitt in sehr kleinen bis sehr großen Größen. Bei den Preisen pendelt sich der Durchschnitt bei etwa 150 Euro ein. Das Trikot WoolF von Q36,5 liegt regulär bei 194 Euro und soll ab 2023 aufgrund stark steigender Produktionskosten regulär etwa 210 Euro kosten. Dagegen sind die Trikots von Bioracer für 110 Euro vergleichsweise günstig.
Die Auswahl an flexiblen, wärmeren Rennrad-Trikots ohne Membran wächst stetig, die Auswahl für Frauen und Männer ist groß. Positiv: Die Schnitte sind durchweg rennradtauglich. Unterschiede und Kritik gibt’s jedoch bei Preis, Wetterschutz oder der Ausstattung.
Imprägnierung: Chemie oder Physik?
Um die wasserabweisenden Eigenschaften zu erzielen, werden die Trikotstoffe in der Regel chemisch behandelt. Dabei kommen entweder polyfluorierte Chemikalien (PFC) oder PFC-freie Mittel zum Einsatz. Da die chemische Ausrüstung lediglich drei bis vier Wäschen hält und der Abperleffekt nach und nach verschwindet, muss man die Ausrüstung mit geeigneten Imprägniermitteln regelmäßig auffrischen. PFC sind jedoch umstritten, sie gelten als umweltschädlich.
Nur wenige Hersteller informieren umfassend darüber, welche Imprägnier-Methode genau sie verwenden. Ausnahmen im Test sind die Allwettertrikots von Isadore und POC, die ausdrücklich auf PFC verzichten. PFC-frei, also umweltschonend, sind beispielsweise die Imprägniermittel von Fibertec, Nikwax oder Toco.
Bioracer zum Beispiel verwendet statt einer chemischen Imprägnierung ein Textilmaterial, das aufgrund seiner physikalischen Eigenschaften Wassertropfen abperlen lassen soll. Das Verfahren der belgischen Marke ist zwar nachhaltiger, da es nicht aufgefrischt werden muss, es funktioniert jedoch nicht so gut wie beispielsweise die PFC-freie Imprägnierung der POC-Trikots, von denen fast jeder Wassertropfen wegkullert, sobald er mit dem Material in Berührung kommt.
Testergebnisse im Überblick
Die Testergebnisse der Allwettertrikots im Detail zeigen deutliche Unterschiede in Bezug auf Wetterschutz, Tragekomfort, Handling und Ausstattung. Hier eine Zusammenfassung einiger getesteter Modelle:
Alé K-Idro Jersey
- Preis: 155 Euro
- Ausstattung: 3 Taschen, Mitteltasche mit Spritzschutz, Gel-Bund, Polsterkragen, Reflexmaterial
- Bewertung: Überzeugende Ausstattung, guter Sitz, jedoch nicht vollständig wasserabweisend.
Bioracer Tempest Light Jacket
- Preis: ab 110 Euro
- Ausstattung: Reißverschluss-Tasche, Polsterkragen, Reflexmaterial
- Bewertung: Komfortabel geschnitten, wasserabweisend ohne Chemie, jedoch schwächerer Effekt.
Castelli Tutto Nano RoS Jersey
- Preis: 150 Euro
- Ausstattung: 3 Taschen, Gel-Bund, Reflexmaterial
- Bewertung: Sehr guter Wetterschutz, angenehmer Stoff, leichtgängiger Reißverschluss.
Isadore Echelon LS Jersey
- Preis: 190 Euro
- Ausstattung: 3 Taschen mit Spritzschutz, versteckte Tasche, Gel-Bund, Polsterkragen, Reflexmaterial
- Bewertung: Eng geschnitten, PFC-freie Imprägnierung, jedoch schlechterer Wetterschutz.
Le Col Pro Aqua Zero
- Preis: 195 Euro
- Ausstattung: 3 Taschen mit Spritzschutz, Reißverschluss-Tasche, Gel-Bund, Reflexmaterial
- Bewertung: Guter Schnitt, cleverer Spritzschutz, jedoch nicht vollständig wasserabweisend.
Maap Evade Thermal LS Jersey
- Preis: 200 Euro
- Ausstattung: 3 Taschen, Reißverschluss-Tasche, Gel-Bund, Reflexmaterial
- Bewertung: Testsieger, tadellose Funktion und Ausstattung, etwas kurz geschnitten.
Poc Radiant Jersey
- Preis: 180 Euro
- Ausstattung: 3 Taschen, Reißverschluss-Tasche, Gel-Bund, Reflexmaterial
- Bewertung: Groß geschnitten, PFC-freie Imprägnierung, magere Ausstattung.
Q36,5 Jersey Long Sleeve WoolF
- Preis: 194 Euro
- Ausstattung: 3 Taschen, Reißverschluss-Tasche, verlängerter Bund, Polsterkragen, Reflexmaterial
- Bewertung: Dicht gewebtes Material, viel Reflexmaterial, weniger flauschig.
Detaillierte Testkriterien
Die Gesamtnote der Allwetter-Rennrad-Trikots setzt sich zusammen aus vier Kriterien, die je nach Relevanz gewichtet werden. Alle Messergebnisse haben wir selbst ermittelt.
Wetterschutz (30 %)
Mit dem Spray-Test (DIN-EN-ISO 4920) wird ermittelt, wie Wassertropfen vom Außenmaterial der Allwettertrikots abperlen. Vor dem Test wurden die Rennrad-Trikots einmal gewaschen. Optimal ist, wenn die Tropfen vom gespannten Stoff rückstandlos abperlen; schlecht ist, wenn sich der Stoff schnell vollsaugt.
Tragekomfort (25 %)
Tester und Testerinnen bewerten das Stoffgefühl auf der Haut. In der Praxis kommt es vor, dass Frauen aufgrund empfindlicherer Haut ein Modell strenger bewerten als Männer und ein identisches Modell unterschiedliche Noten erhält. Das Feuchtigkeits- und Wärmeempfinden fließt ebenfalls ein ins Testurteil.
Handling (25 %)
Beim Handling zählt, wie sich die Reißverschlüsse bedienen lassen. Lassen sich diese während der Fahrt einhändig in beide Richtungen leicht bewegen, ist das optimal. Gleiches gilt für die Handhabung der Trikottaschen, die während der Fahrt leichten Zugriff erlauben müssen, auch mit Handschuhen.
Ausstattung (20 %)
Bewertet werden Details wie die Größe und Form von Trikottaschen, Taschen mit Reißverschluss, Zippergarage, Abdeckung der Reißverschlüsse, die Ausführung vom Trikotbund, dem Kragen und der Ärmelbündchen. Weil die Rennrad-Trikots bei Schlechtwetter eingesetzt werden, ist viel Reflexmaterial besonders wichtig.
Alternative: Rennradtrikots mit Windschutzmembran
Eine Alternative zu den Allwettertrikots sind Modelle mit einer Windschutzmembran. Diese bieten zusätzlichen Schutz vor kaltem Fahrtwind, können jedoch die Atmungsaktivität beeinträchtigen. Ein Beispiel hierfür ist das Fiandre Light no rain von Sportful, das winddichte Zonen an Brust und Armen mit atmungsaktivem Material kombiniert.
Sommertrikots und -hosen im Vergleich
Bei hohen Temperaturen braucht man nicht viel: Rad, Schuhe, Socken, Helm, Brille, Trikot, Hose. Gerade bei der Bekleidung gilt: weniger ist oft mehr. Leichtgewicht, Atmungsaktivität, wenig Stoff für eine gute Belüftung - unter anderem darauf achteten wir in unserem großen Test von insgesamt 66 Rad-Trikots und Hosen für Männer und Frauen.
Bei vielen Kurzarmmodellen ist das Material sehr dünn und teilweise sehr großporig. Oft sind die Abschlüsse an den Ärmeln nicht vernäht. Die Schnitte fallen oftmals enganliegend aus, während die Dehnbarkeit der Stoffe hoch ist. Unterschiedliche Gewebearten werden strategisch kombiniert. Glatte feine Stoffe an der Vorderseite und an den Ärmeln sollen teilweise auch der Aerodynamik dienen und einen Luftstrom mit möglichst wenigen Verwirbelungen ermöglichen. Am Rücken werden häufig Stoffe mit einer raueren Struktur verarbeitet. Dies dient vor allem dem Schweißtransport.
Auffällig ist: Das wohl einfachste Mittel für ein besonders „luftiges“ Trikotdesign ist die Gestaltung des Kragens. Viele der Testprodukte verfügen über ein nahezu kragenloses Design. Manche dieser Modelle sind zudem besonders enganliegend und aerodynamisch optimiert geschnitten. Zugunsten einer möglichst faltenfreien und körpernahen Race-Passform sind sie vorne am Bauch klar kürzer gehalten als an der Rückenpartie. Oft können etwas muskulösere Fahrertypen deshalb eine größere Größe als üblich wählen.
Fahrradhosen: Enge Bib oder weite Short?
Fahrradhose ist nicht gleich Fahrradhose. Rennradfahrer haben nämlich andere Ansprüche an ihre Fahrradhose als etwa Mountainbiker oder Tourenradler. Enge Bib oder weite Short? Fahrradhose ist nicht gleich Fahrradhose. Die eher sportliche Kategorie, gerne auch Tights genannt, ist knalleng. Tights lassen sich in trägerlose Hosen und Hosen mit Hosenträgern (»Bibtights«) einteilen. Diese Hosen werden vornehmlich beim Rennradfahren getragen, vereinzelt auch beim Mountainbiken und Tourenradfahren, hier wiederum gerne von leistungsorientierten Cross Country (XC)- Fahrern und bei Rennen.
Andere Hosen wiederum sind weiter geschnitten und ähneln Lauf- oder Wandershorts. Sie wurden für Tourenradler, E-Biker und Touren-Mountainbiker entworfen. Die letzte Kategorie der hier getesteten Hosen sind robustere Hosen, die speziell für den härteren Mountainbike-Einsatz geschneidert wurden.
POC Fondo Elements Jersey im Detail
Das POC Fondo Elements Jersey ist ein Multitalent für wechselnde Wetterbedingungen. Es ist mit einer windabweisenden Membran ausgestattet und eignet sich für fast jede Jahreszeit. Das Trikot ist ein auf den ersten Blick recht schlicht designtes, klassisches Kurzarmtrikot - kein übermäßig dickes Softshell-Gewebe, sondern ein angenehm dünner Stoff mit innenliegender, windabweisender Membran. Aus dem gleichen Material sind auch die mitgelieferten Armlinge, die das Trikot in Windeseile zum ausgereiften Langarmtrikot verwandeln.
Am Rücken und unter den Armen verwendet POC jedoch ein anderes Material. Hier ist strategisch clever ein Meshgewebe eingenäht, welches ideale Belüftung verspricht, bei intensiven Fahrten ein Überhitzen verhindert aber aufgrund der Platzierung keinen Windchill zulässt. Die drei Rückentaschen bieten ausreichend Platz und verfügen auch über eine integrierte Reißverschlusstasche für Wertsachen. Die mitgelieferten Armlinge passen übrigens beide bequem in eine der drei Rückentaschen, sodass die übrigen zwei Taschen noch ausreichend Stauraum auch für lange Touren bieten.
Das Trikot stammt aus der Fondo-Serie von POC und richtet sich somit an Fahrer, die zwar einen sportlichen aber dennoch entspannten Schnitt bevorzugen. Die Schweden von POC bleiben hier den europäischen Standards für Größen treu, sodass man hier bei der Größenwahl blind zu seiner gewohnten Größe greifen kann (in meinem Fall als Typ „Bergziege“ Größe S), was bei italienischen Bekleidungsherstellern ja oftmals in einer Retouren-Odyssee enden kann. Es ist weder besonders lang, kurz, eng oder weit geschnitten - kein Racecut, kein Flatterschnitt - für mich der ideale Schnitt für die breite Masse an Radrennfahrern. Einziges Manko an dieser Stelle sind die Armlinge, die für meinen Geschmack ein wenig enger sein könnten - vielleicht sitze ich aber einfach zuviel auf dem Fahrrad und zu wenig auf der Hantelbank. Nichtsdestotrotz sitzen sie gut und rutschen nicht durch die Silikongripper.
Mit zunehmenden Temperaturen im Frühjahr rund um die 10 - 15 Grad und windigen, kalt-nassen Tagen im niederländischen Mergelland und den belgischen Ardennen hat das Trikot seine Paradedisziplin abgeliefert. Hierfür wurde es konzipiert und während meine Mitfahrer mit An- und Ausziehen der Windjacken beschäftigt waren, hatte ich die Gewissheit, mit meinem POC-Trikot ausreichend geschützt zu sein. Die Kür hat das Trikot jedoch im sonnigen Trainingslager abgeliefert - hier hat es selbst in der Mittagssonne bei 25 Grad eine gute Figur gemacht und war nie unangenehm warm.
POC verzichtet hier auf die Verwendung einer wasserdichten Membran bzw. Behandlung des Gewebes - wirbt jedoch auch nicht damit, dass das Trikot für Regenfahrten konzipiert ist. Nichtsdestotrotz würde ich es aus eigener Erfahrung heraus als wasserabweisend bezeichnen. Es ersetzt jedoch keineswegs eine Regenjacke bei langen Fahrten im Regen. Schauerwetter besteht das POC Fondo Elements Jersey jedoch mit Bravour und punktet auch hier.
Ansonsten ist das POC Fondo Elements Jersey jedoch ein wahrer Alleskönner: Durch die Variation der Baselayer unter dem Trikot und den praktischen Armlingen ist es vom Frühjahr bis spät in den kalten Herbst ein treuer Begleiter. Während andere Trikots seiner Klasse dort ihre Grenzen aufgezeigt bekommen, lässt sich das Fondo Elements Jersey mit einem leichten Mesh-Unterhemd auch an warmen Tagen sehr angenehm tragen - dem Meshrücken sei Dank.
Zusammenfassung der Testkriterien und Ergebnisse
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Testkriterien und Ergebnisse der getesteten Allwetter-Rennradtrikots zusammen:
| Trikot | Wetterschutz | Tragekomfort | Handling | Ausstattung | Gesamtnote |
|---|---|---|---|---|---|
| Alé K-Idro Jersey | 2,5 | 1,7 | 1,7 | 1,0 | 1,8 |
| Bioracer Tempest Light Jacket | 3,0 | 2,3 (Frauen) / 2,0 (Männer) | 2,3 | 2,5 | 2,6 (Frauen) / 2,5 (Männer) |
| Castelli Tutto Nano RoS Jersey | 1,0 | 1,3 | 1,0 | 3,0 | 1,5 |
| Isadore Echelon LS Jersey | 4,0 | 2,0 | 2,0 | 1,0 | 2,4 |
| Le Col Pro Aqua Zero | 2,5 | 1,7 | 1,3 | 2,0 | 1,9 |
| Maap Evade Thermal LS Jersey | 1,0 | 1,3 | 2,3 | 1,5 | 1,5 |
| Poc Radiant Jersey | 1,0 | 2,0 | 1,7 | 4,0 | 2,0 |
| Q36,5 Jersey Long Sleeve WoolF | 4,0 | 2,2 (Frauen) / 2,0 (Männer) | 1,3 | 1,0 | 2,3 |
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