Was einst nach staubigen Abenteuern und Lagerfeuer-Romantik klang, hat sich still und leise in die Pole Position des modernen Radsports geschoben.
Gravel-Racing ist raus aus der Nische, rein ins Rampenlicht - und wer glaubt, hier geht’s noch um entspannte Ausfahrten im Flanellhemd, hat die letzten drei Jahre verschlafen.
Spätestens seit dem Start der UCI Gravel World Championships und den letzten Jahren bei Unbound und The Traka ist klar: Das hier ist Rennsport mit allem, was dazugehört.
Und auch die Bikes ziehen bei diesem Trend mit. Fast jeder Hersteller teilt sein Gravel-Line-up inzwischen sauber auf: Adventure-Gravel für Bikepacking - optimiert für Langstrecke sowie Komfort - und Race-Gravel für alle, die nach Performance und schnellen Bikes suchen.
Denn auch die Rennen selbst könnten unterschiedlicher kaum sein - von flachen Highspeed-Kursen auf Hardpack bis zu ruppigen Steinfeldern mit Matsch und Tragepassagen.
Von Ultra-Endurance bis drei Stunden All-Out. Das stellt enorme Anforderungen an Mensch und Material - und sorgt dafür, dass das Angebot an Race-Gravel-Bikes immer heterogener wird.
Da kaum ein professioneller Gravel-Racer mit einem Rad von der Stange an den Start geht und wir das Maximum an Performance herauskitzeln wollen, haben wir einige Custom-Aufbauten im Testfeld.
Eins ist jedenfalls klar: Es geht um Sekunden, um Taktik, um Präzision. Und wer auf dem Podium landen will, braucht das perfekte Setup - keinen Kompromiss, sondern ein Werkzeug, das exakt auf das Terrain abgestimmt ist.
Und gerade weil der Sport noch jung ist, erleben wir eine Phase, in der Innovation greifbar wird: Überall entstehen clevere technische Lösungen für sehr spezifische Probleme. Das Segment erfindet sich quasi mit jedem Rennen ein Stück weit neu - und genau das macht es so spannend zu beobachten.
Gravel-Racing ist in Bewegung.
Und weil Gravel-Racing eben so vielseitig ist, braucht es auch eine Teststrecke, die genau das fordert. Keine Theorie, kein Labor und kein Schotter-Romantik-Klischee, sondern ein für die Gravel-WM würdiges Terrain.
Also haben wir unsere Bikes dorthin geschickt, wo Gravel und Grandezza aufeinandertreffen: nach Nizza, an die Côte d’Azur.
Was vielen UCI-Gravel-Athleten und -Athletinnen in diesem Jahr verwehrt blieb, durften wir mit unseren Testbikes in vollen Zügen erleben: Gravel-Racing in seiner schönsten Form - rund um Nizza, zwischen Alpenausläufern und azurblauem Mittelmeer.
Unsere Teststrecke war eine epische Bühne für moderne Race-Gravel-Bikes. Weiße Schotterpisten, serpentinenartige Anstiege mit Blick aufs Meer, technische Abfahrten durch Pinienwälder, lose Steinpassagen und flowige Highspeed-Abschnitte.
Die Bedingungen hätten also kaum besser sein können, um das Material an die Grenzen zu bringen. Auf Asphalt, Hardpack, feinem Gravel, grobem Geröll und matschigen Trails mussten die Bikes zeigen, was in ihnen steckt - bergauf wie bergab, bei trockener Hitze sowie bei nasser Rutschpartie.
Steile Rampen forderten die Kletterqualitäten, enge Kurven das Handling und schnelle Abfahrten die Laufruhe. Flachstücke verlangten nach Aero-Effizienz, wellige Passagen nach Rhythmus.
Hier musste jedes Bike zeigen, wie es mit wechselndem Terrain, Wetter und Tempo klarkommt - keine Gnade, keine Ausreden.
Gut ist, was schnell ist und das Bike, das am Ende in den meisten Fahrsituationen die Nase vorne hat, gewinnt das Rennen um das beste Race-Gravel-Bike 2025.
Aber klar: Nicht jede Strecke, nicht jeder Fahrstil verlangt dasselbe. Wer ausschließlich bei ruppigen Ultra-Rennen startet, wer alles auf Kletterleistung setzt oder Gravel-Rennen mit hohem Asphaltanteil bevorzugt, braucht möglicherweise etwas ganz anderes als den Testsieger.
Darum haben wir bewusst auch Spezialisten im Feld - Bikes, die in bestimmten Disziplinen brillieren und für manche von euch die bessere Wahl sein könnten.
Die Testkriterien im Detail
- Handling: Erinnert ihr euch an diesen einen Moment: Ihr haltet viel zu schnell in die Linkskurve, das Vorderrad verliert die Traktion - und ihr rettet das Bike, als wärt ihr Mathieu van der Poel? Genau um dieses Gefühl geht’s. Handling ist beim Gravel-Race keine graue Theorie, sondern das, was zwischen Sieg und Staubfressen entscheidet. Wenn ihr im Pulk durch enge Kurven jagt, über lose Untergründe driftet und euer Puls schon im roten Bereich kreiselt, muss euer Bike reagieren - nicht morgen, sondern jetzt. Ein präzises, direktes Lenkverhalten ist wie ein guter Wingman: unaufgeregt, verlässlich, immer da, wenn’s brenzlig wird. Die besten Race-Gravel-Bikes schaffen es, ein lebendiges, agiles Lenkverhalten mit Laufruhe und einem intuitiven Handling zu kombinieren. Natürlich, direkt und präzise - aber ohne dabei zur Zitterpartie zu werden. Denn was in engen Kurven für Agilität sorgt, kann auf ruppigen Abfahrten schnell zum Nachteil werden. Zu viel Nervosität im Steuerbereich kostet nicht nur Sicherheit, sondern auch Tempo. Das perfekte Setup findet die Balance: flink im Handling, aber ruhig im Charakter.
- Beschleunigung: Der entscheidende Moment ist da: Ihr setzt zum Sprint an. Und euer Bike? Fühlt sich an wie ein müder Esel am Ruhetag. Egal, ob beim Kampf um den besten Platz vor der Single-Track-Sektion, einer Attacke am Berg oder den letzten Metern vor der Ziellinie: Ein echtes Race-Gravel-Bike muss explosiv beschleunigen. Deshalb sind Zielsprints und Berg-Attacken ebenfalls Teil unseres Tests und genau hier zeigt sich, welches Bike die Power am effizientesten auf den Schotter bringt. Gewicht spielt hier genauso eine Rolle wie die Laufrad- und Reifenwahl, aber die Crux liegt in der Verwindungssteifigkeit des Rahmens, der Gabel und des Cockpits.
- Komfort: Mit tauben Händen und verspanntem Rücken um Podiumsplätze kämpfen? Lieber nicht! Komfort auf Race-Gravel-Bikes bedeutet nicht nur weniger Ermüdung, sondern auch bessere Performance über längere und härtere Strecken. Je nach Physis und Fitnesslevel unterscheiden sich die Anforderungen recht deutlich im Gegensatz zum Adventure-Gravel-Bike: Der Komfort darf nicht zu Lasten der Effizienz und des Handlings gehen. Diese beiden Punkte haben am Race-Gravel-Bike klar Priorität. Was wir suchen? Komfort ohne Performance-Einbußen.
- Vielseitigkeit: One Bike to Rule Them All? Gravel-Rennen sind so unterschiedlich wie das Gelände, auf dem sie stattfinden: flach und schnell, steil und ruppig oder einfach lang und unberechenbar. Während Profis für jedes Terrain das passende Setup parat haben, sieht die Realität für viele anders aus: ein Bike - viele Rennen. Moderne Gravel-Rennen fordern aber auch bei Amateuren alles ab: Material, Fahrtechnik und mentale Härte. Mal zählt maximale Kontrolle, Grip und Dämpfung. Mal gewinnt, wer jenseits der 35 km/h noch effizient Meter macht. Und manchmal braucht ihr einfach nur möglichst viel Reifenfreiheit, weil ein Drittel der Strecke zur klebrigen Matsch-Hölle mutiert ist. In diesem Vergleichstest suchen wir nach einem Bike, das in möglichst vielen Situationen performt. Welches Bike ist das richtige für euch?
- Design: Ein scharfes Design wirkt nicht nur bei Kontrahenten und im Publikum, sondern gibt auch euch das gute Gefühl, auf dem richtigen Bike zu sitzen - Mental-Doping sozusagen. Ob aggressiv und aero oder clean und klassisch ist am Ende eine persönliche Stilfrage. Trotzdem achten wir im Test auf stimmige Rahmenproportionen, eine cleane Integration und ein passendes Farbkonzept.
Entwicklung im Race-Gravel-Segment
Zwei Jahre ist unser letzter großer Race-Gravel-Vergleichstest her - und seither hat sich das Segment in einem Tempo weiterentwickelt, das selbst die schnellsten Bikes alt aussehen lässt.
Damals war Race-Gravel noch ein bunter Mix aus Allroad-, Crosser- und Adventure-Bike. Heute ist es eine knallhart fokussierte Disziplin, in der alles auf Speed, Präzision und maximale Effizienz ausgelegt ist.
Allein die Zahlen zeigen, wie gewaltig der Sprung seit 2023 war: Die Reifenfreiheit ist im Schnitt von 43 auf 46 mm gewachsen - ein Plus von rund 7 %. Die tatsächliche Reifenbreite stieg von durchschnittlich 38 auf 42 mm, also ganze 10,5 % mehr Breite für Grip, Komfort und Rollwiderstand.
Gleichzeitig purzelten die Kilos: Das Durchschnittsgewicht sank von 8,74 auf 7,98 kg - eine Reduktion um gut 8,7 %.
Der Preis? Wortwörtlich hoch: Mit einem Durchschnittspreis von 9.512 € liegt das neue Testfeld satte 47 % über den 6.454 € von 2023.
Das liegt nicht nur an der Inflation und unserem neuen Ansatz, diesmal auch Custom-Lösungen an den Start gehen zu lassen, um das letzte bisschen Performance herauszukitzeln.
Einzeltestberichte: Eine Auswahl
3T Extrema Italia
Das 3T Extrema Italia ist kein Rad für halbe Sachen. Mit massiven Schwalbe G-One RX Pro-Reifen in 50 mm Breite, Aero-Rahmen im Carbon-Rohlook und kompromisslosem Setup bringt es echten Monstertruck-Vibe ins Race-Gravel-Game.
Der Rahmen vereint Aerodynamik und Vielseitigkeit: schmales Steuerrohr, breites Unterrohr und dazu genug Montagepunkte für Selbstversorger-Rennen über die Langdistanz. Im Gelände zeigt das Extrema seine Stärken: unglaubliche Laufruhe, enormer Grip und Fahrstabilität auf jedem Untergrund.
Der Antritt ist zwar eher gemächlich, doch wer Kontrolle und Komfort sucht, wird hier fündig.
Cannondale SuperX 2
Mit dem SuperX 2 bringt Cannondale ein topmodernes Race-Gravel-Bike an den Start - und bricht dabei radikal mit den wendigen Cyclocross-Genen des vorherigen SuperX.
Wo das CX-Bike noch wendig und agil war, setzt das neue SuperX 2 voll auf Laufruhe, Stabilität und souveränes Handling. Besonders auf schnellen Abfahrten und rauem Terrain glänzt das Bike mit einer Gelassenheit, die Vertrauen schafft.
Dank ausgewogener Geometrie, cleveren Flexzonen und viel Reifenfreiheit zieht das SuperX 2 auch im gröbsten Schotter ruhig seine Linie. Kombiniert mit dem aerodynamisch durchdachten Rahmenset inklusive Delta-Gabelschaft und integrierten Aero-Flaschen ist das SuperX 2 wie gemacht für lange, harte Gravel-Rennen.
Falkenjagd Aristos SL
Das Falkenjagd Aristos SL ist eine Ansage - und zwar eine aus Titan. Mit einem Preis von 13.327 € ist es das teuerste Bike im Race-Gravel-Test, doch hinter der Summe steckt weit mehr als bloßer Luxus.
Der Rahmen aus leichtem Grade 5 Titan, kombiniert mit einer passenden Titan-Gabel und anodisierten goldgrünen Schriftzügen, verleiht dem Bike nicht nur eine außergewöhnliche Optik, sondern auch das Versprechen maximaler Haltbarkeit.
Die Ausstattung ist ebenso exklusiv wie auffällig: Campagnolo Super Record Wireless, Fulcrum Sharq-Laufräder und ein sportliches Carbon-Cockpit der Schwestermarke Parapera bilden ein Paket, das kompromisslos auf Performance getrimmt ist.
Auf der Rennstrecke überrascht das Aristos SL mit einem lebendigen, agilen Fahrverhalten, hohem Fahrspaß und viel Komfort.
MERIDA SILEX 8000
Das MERIDA SILEX 8000 bringt Adventure-DNA und Race-Ambitionen in einem Rahmen zusammen. Für unseren Test wurde es gezielt auf den Rennbetrieb getrimmt - mit schmalem Cockpit, schnellen MAXXIS Reaver-Reifen und sportlicher Sitzposition.
Zwar bleibt es mit 8,96 kg das schwerste Bike im Vergleich, doch es punktet mit enormer Laufruhe und Stabilität, besonders auf groben Gravel-Passagen. Der lange Radstand, flache Lenkwinkel und die komfortable Geometrie machen das SILEX zum idealen Begleiter für lange Rennen, Ultra-Distanzen und Einsteiger, die ein gutmütiges, verzeihendes Handling suchen.
Parapera Anemos²
Mit nur 7,47 kg gehört das Parapera Anemos² zu den leichtesten Gravel-Bikes im Test - kompromissloser Leichtbau zieht sich vom Vollcarbon-Sattel über Schmolke-Stütze bis zu den teuren Lightweight-Laufrädern. Optisch ist das Bike ein Kunstwerk, technisch setzt es auf eine Campagnolo Super Record Wireless und eine schnelle Reifen-Kombi aus Schwalbe G-One R und RS Pro.
Die Geometrie mit kurzem Radstand, steilem Lenkwinkel und den kürzesten Kettenstreben im Test sorgt für messerscharfes Handling, das auf feinem Untergrund enormen Fahrspaß bringt. Doch der Fokus auf Speed fordert Kompromisse: Die maximale Reifenfreiheit von 40 mm begrenzt Dämpfung und Traktion, auf rauem Terrain fehlt es an Reserven und Komfort.
Das Anemos² ist kein Bike für grobes Gelände, sondern ein pfeilschneller Climber mit Race-DNA - ideal für harte Anstiege, Asphalt und feinen Schotter.
SCOTT Addict Gravel RC
Das SCOTT Addict Gravel RC ist zwar schon seit 2021 auf dem Markt, doch es zeigt im Test eindrucksvoll, dass es noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Mit seinem modernen Look, der auffälligen Lackierung und einem ausgewogenen Verhältnis aus Agilität und Stabilität liefert es genau das, was man sich von einem Race-Gravel-Bike erhofft.
Schon auf den ersten Metern begeistert das SCOTT mit einem direkten, verspielten Handling, das enge Kurven und schnelle Richtungswechsel zum Vergnügen macht. Trotz seiner Spritzigkeit bleibt es auch bei höherem Tempo stabil, was besonders auf schnellen Abfahrten für Vertrauen sorgt.
Die sportliche Geometrie lädt zum Angreifen ein, ohne den Fahrer zu überfordern - ein idealer Kompromiss aus Race-DNA und Alltagstauglichkeit. Auch wenn das 42 cm breite Cockpit nicht ganz ins Aero-Zeitalter passt, funktioniert es im Gesamtpaket tadellos.
Ob schnelles Rennen, Gravel-Marathon oder einfach nur Spaß am Wochenende - das Addict Gravel RC liefert ab!
Superior XR 9.7 GF
Mit dem XR 9.7 GF bringt Superior ein echtes Allroad-Bike in den Race-Gravel-Vergleich - leicht, wendig und mit viel Fahrspaß. Für 4.899 € bietet es ein starkes Preis-Leistungs-Verhältnis, doch im direkten Vergleich offenbaren sich klare Schwächen.
Die Ausstattung mit Rennrad-Schaltgruppe, schmalen 35-mm-Reifen und Endurance-orientierten Laufrädern limitiert die Gravel-Race-Tauglichkeit deutlich. Zwar überzeugt das Bike auf Asphalt und leichtem Schotter mit agilem Handling, hoher Compliance und explosivem Antritt, doch auf ruppigem Untergrund fehlt es an Grip und Kontrolle.
Die Geometrie ist sportlich und bringt ordentlich Druck aufs Pedal, dennoch leidet die Race-Performance unter d...
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