Sitzcreme Fahrrad Test: Schluss mit Schmerzen beim Radfahren

Ob Einsteiger oder Kilometerfresser, Rennradfahrer oder Mountainbiker, Mann oder Frau - die meisten Radfahrer, die regelmäßig im Sattel sitzen, hatten schon einmal Sitzbeschwerden. Die Gegenmaßnahmen sind vielfältig. Sie reichen von einer dicken Schicht Sitzcreme über einen Sattel- oder Hosenwechsel bis hin zum umfangreichen Bikefitting beim Spezialisten.

Einfache Lösung bei Reibung und Schmerzen: Sitzcreme

Wer Sitzcreme ausprobieren möchte, steht vor der Qual der Wahl: Fast jeder Hersteller, der im Radbereich etwas auf sich hält, bietet mittlerweile ein entsprechendes Produkt an. Die Inhaltsstoffe sind ähnlich, aber freilich nicht gleich - mal kühlen sie, mal sollen sie desinfizieren, außerdem die Haut beruhigen. In jedem Fall lohnt sich ein Blick auf die Inhaltsstoffe. Eine auch bei schweißtreibenden Rennrad-Touren gut verträgliche Creme sollte möglichst wenig Duft- und Konservierungsstoffe enthalten.

Die Creme dient nicht nur der Hautpflege, ihre Hauptaufgabe ist es die Reibung zwischen Haut und Sitzpolster zu reduzieren.

Die Ursache: Warum das Hinterteil beim Radfahren leidet

Beim Radfahren lastet ein Großteil deines Körpergewichts über den Sattel auf einer relativ kleinen Kontaktfläche. Schon kleinste Fehlstellungen, eine ungünstige Sattelneigung oder Falten in der Hose können zu Reibung führen.

Typische Probleme bei langen Radtouren:

  • Gereizte, wunde Haut am Po
  • Druckstellen
  • Wundscheuern
  • Blasenbildung

Die Grundlage für komfortables Radfahren: gut sitzen

Eines vorweg: Wenn Du nicht optimal auf Deinem Rad sitzt, kannst Du Dich eincremen, soviel Du möchtest. Nützen wird es wenig. Vergewissere Dich deshalb, dass Dein Bike auf Dich eingestellt ist und Du einen Sattel benutzt, der Deinen körperlichen Anforderungen und Deiner Sitzposition entspricht. Das Gleiche gilt für die Radhose mit Sitzpolster. Wenn Du bislang keine getragen hast, solltest Du Dir unbedingt welche zulegen, zumindest für längere Touren. Sie verrutschen nicht und das Sitzpolster reduziert den Druck auf die Sitzknochen. Ganz wichtig: Zieh Deine Bibshorts oder Inner-Pants immer ohne zusätzliche Unterhose an! Der Stoff scheuert sonst Deine Haut auf und von Fahrspaß kann keine Rede mehr sein.

Bikefitting - die Basis für schmerzfreies Fahren

Bikefitting ist die professionelle Anpassung deines Fahrrads an deinen Körper. Nach der Anpassung war unser Fahrgefühl wie Tag und Nacht.

Vorteile eines Bikefittings:

  • Optimale Kraftübertragung
  • Weniger Schmerzen und Beschwerden
  • Verbesserte Leistung

Die richtige Fahrradhose - das A & O

Radhosen mit Polster sind aus Funktionsfasern gefertigt und dürfen deshalb, laut der meisten Herstellerangaben, maximal bis 40° gewaschen werden. Aus diesem Grund kannst Du antibakterielle Waschmittel verwenden die auch bei niedrigen Waschtemperaturen die Keime abtöten. Nach dem Waschen die Radhose, mit dem Polster nach außen, in der Sonne trocknen.

Chamois Crème - ein kleiner Helfer mit großer Wirkung

Der Begriff „Chamois“ stammt vom französischen Wort für „Gämse“. Früher wurden Radhosen aus echtem Gamsleder gefertigt. Dieses Material war weich, aber empfindlich und musste geschmeidig gehalten werden. Mit der Zeit wurden die Lederpolster durch synthetische, waschbare Materialien ersetzt - die Reibung blieb jedoch ein Thema.

Kurzer Blick in die Geschichte

Früher bestanden Sättel und Sitzpolster aus Leder - oft aus Gämsenleder. Vom französischen Wort für Gams, „chamois“, stammt auch der im Englischen gebräuchliche Name für das Polster, chamois (sprich: „shammy“), woraus sich der Name „Chamois Creme“ für die Sitz- beziehungsweise Gesäßcreme ableitet. Diese Ledersättel und -hosen wurden regelmäßig, etwa mit Vaseline, eingefettet, um sie weich und geschmeidig zu halten. Einige Radler:innen nutzen auch heute noch Vaseline als Sitzcreme.

Warum Chamois Creme unverzichtbar ist

Eine gute Sitzcreme ist für alle Radfahrer, die länger als eine Stunde am Stück fahren, eine lohnende Investition. Egal, für welches Produkt du dich entscheidest - dein Hinterteil wird es dir danken.

Anwendung:

Vor der Fahrt eine dünne Schicht Creme direkt auf das Sitzpolster deiner Radhose oder auf die Haut im Sitzbereich auftragen.

Wie oft sollte ich die Creme auftragen?

Vor jeder längeren Ausfahrt frisch auftragen - bei extrem langen Touren ggf.

Moderne Sitzcremes: antibakteriell, kühlend oder einfach gegen Reibung

Deshalb benutzen die meisten Radprofis moderne beziehungsweise spezifisch für diese Ansprüche entwickelte Produkte, um das Wundreiben zu reduzieren. Viele Cremes funktionieren dabei ähnlich wie Vaseline, basieren aber meist auf Paraffinöl. Andere enthalten pflanzliche Stoffe wie Hamamelis, Ringelblume, Sheabutter, Sonnenblumenöl oder Aloe vera. Diese vermindern nicht nur die Reibung, sondern wirken auch entzündungshemmend sowie antibakteriell und versorgen Deine Haut mit Feuchtigkeit. Außerdem sollen sie schneller einziehen.

Pflanzenextrakte können allerdings auch Allergien auslösen oder Deine Haut reizen, wenn Du empfindlich bist. Wieder andere Sitzcremes enthalten zusätzlich Menthol und haben so einen kühlenden Effekt. Falls tierische Zusatzstoffe für Dich in Ordnung sind, könnten auch Produkte, die Hirschtalg enthalten, gut funktionieren. Sie schützen Dich wie eine zweite Haut - egal, ob Du auf dem Rad unterwegs bist, rennst, turnst, ruderst oder Kontrabass spielst. Außerdem beugen sie Blasenbildung und Hautrissen vor.

Gesäßcreme für Frauen

Viele der Cremes sollten nicht mit Schleimhäuten in Kontakt kommen. Aus diesem Grund gibt es mittlerweile auch Gesäßcremes speziell für Frauen. Du kannst sie überall auftragen, ohne dass sie die Schleimhäute angreifen. Manche Sitzcremes für Frauen haben ebenfalls einen Kühleffekt. Hier gilt ausprobieren - Dein persönliches Empfinden ist die Maßgabe.

Vor der Tour: So wendest Du Sitzcremes richtig an

Wenn Du Dich für Deine Radtour umziehst, ist der richtige Zeitpunkt, um eine Sitzcreme aufzutragen. Du kannst die Creme auf die Radhose aufbringen - sprich auf das Sitzpolster und Nähte im Gesäßbereich - oder Du cremst direkt Deine Haut ein. Schwerpunkt sollten die Druck- und Scheuerpunkte an Deinem Gesäß bzw. am inneren Oberschenkel sein. Du kannst die Creme dabei ruhig großzügig auftragen. Ob Du Dich für Haut oder Hose entscheidest, hängt von Deinem persönlichen Geschmack und Empfinden ab. Sicher ist: Beide Varianten erfüllen ihren Zweck. Übrigens: Auch beim Rollentraining empfiehlt es sich, Sitzcreme zu verwenden, weil Du hier aufgrund des fehlenden Fahrtwinds besonders stark schwitzt.

Vor dem Auftragen der Sitzcreme oder der Salbe unbedingt die Hände waschen. Zuerst streichst Du die Nähte des Sitzpolsters ein, denn dort gibt es die meiste Reibung.

Post-Ride-Cremes als Problemlöser

Viele Hersteller bieten hautberuhigende Gels an, die Du nach einer Tour anwenden kannst: Entweder prophylaktisch nach dem Motto „nach der Tour ist vor der Tour“ oder wenn Du leichte Beschwerden bemerkst. Sie sollen Schwellungen reduzieren, kühlen und den Heilungsprozess beschleunigen. Solltest Du nach einer Tour trotzdem weiter akute Hautprobleme haben, ist es Zeit für einen Apotheken- oder Arztbesuch. Generell empfiehlt sich in diesem Fall, erst mal eine Pause einzulegen, bis Deine Beschwerden vollständig abklingen. Und dann kannst Du Dich entsprechend „geschmiert“ wieder auf den Sattel schwingen.

Nach der Fahrt ist vor der Fahrt: Pflege für Haut und Hose

Auch wenn es absolut selbstverständlich klingt: Reinige Deine Radhose nach jeder Tour! So stellst Du sicher, dass keine Rückstände von Schweiß oder Sitzcreme haften bleiben, die Deine Haut reizen könnten. Orientiere Dich an den Anleitungen des Bekleidungsherstellers und nutze am besten spezielle Flüssigwaschmittel für Sportbekleidung.

Nicht nur Deine Radhose braucht nach einer Tour Wäsche und Pflege, sondern auch Dein Po. Das gilt in besonderem Maße, wenn Du direkt am nächsten Tag wieder aufs Fahrrad steigen möchtest. Sprich: Duschen, oder, wenn auf Tour keine vorhanden ist, mit Wasser und milder Seife Schweiß und Sitzcreme-Rückstände abwaschen und gründlich abtrocknen. Wenn Du Dich dann am nächsten Morgen wieder auf Dein Rad schwingst, sind Du und Deine Bibshorts sauber - das hindert Keime daran, sich auszubreiten. Apropos Keime: Denke daran, Sitzcreme ausschließlich mit gewaschenen Händen aufzutragen.

Übersicht: Die 12 Produkte im Test

Wir haben 12 Sitzcremes führende Hersteller aus dem Rennradbereich getestet, darunter zwei speziell für Frauen vorgesehene Produkte. Die sind in einem Fall deutlich teurer als das Männerprodukt, im anderen Fall deutlich günstiger. Auch mit dabei: Eine günstigere Alternative aus dem Drogeriemarkt. Insgesamt deckt das Testfeld der Sitzcremes eine Preisrange von 1,15 Euro bis 27,50 Euro ab.

Aktiv 3 Fireprotect Hautschutzcreme

Packungsgrößen: 100 ml

Preis: 13,80 Euro

Fazit: Geruchsneutrale, sehr fettige Creme, die von der Konsistenz her an Melkfett erinnert. Zieht kaum ein und bleibt so lange auf Polster und Haut, dass sie nach der Einheit unter der Dusche abgewaschen werden muss.

Assos Chamois Crème preRide / Chamois Crème Woman preRide

Packungsgrößen: 140 ml / 75 ml

Preis: 24,99 Euro

Fazit: Kompakte Creme mit guter Schutzwirkung, herbem Geruch und lang anhaltendem Kühleffekt, den nicht alle Tester und Testerinnen mochten. Das Frauen-Produkt, das milder riecht und das es nur in kleinerer Füllmenge gibt, ist deutlich teurer!

Balea Melkfett Ringelblume

Packungsgrößen: 250 ml

Preis: 1,75 Euro

Fazit: Das Melkfett der dm-Marke ist eine preiswerte Alternative für alle, die für Sitzcremes kaum Geld ausgeben wollen. Bildet eine hartnäckige Fettschicht, die kaum in Haut und Polster einzieht. Wohl auch als Wärmeschutz an nasskalten Tagen geeignet.

Gonso Radsport Sitzcreme

Packungsgrößen: 100 ml

Preis: 7,95 Euro

Fazit: Lotion-ähnliche Creme mit mildem Geruch. Anfangs stellt sich ein leichter Kühleffekt ein, der aber schnell vergeht. Trotz der flüssigen Konsistenz bildet sich ein schützender Film. Die kleine Flasche eignet sich gut zum Mitnehmen.

Ilon Protect-Salbe

Packungsgrößen: 50, 100, 200 ml

Preis (UVP): 9,50 Euro, 15 Euro, 30 Euro

Fazit: Grünliche, zähe Salbe, die nach Eukalyptus riecht und dadurch an Erkältungsbalsam erinnert. Hinterlässt nur einen dünnen Film, scheint jedoch die Heilung bereits lädierter Hautpartien mit ihrer leicht kühlenden Wirkung zu beschleunigen.

Muc-Off Luxury Chamois Cream / Luxury Chamois Cream pour Femme

Packungsgrößen: 100, 250 ml

Preis: 18,99 Euro, 37,50 Euro

Fazit: Angenehm feincremige Konsistenz, die nicht fettig wirkt. Der anfängliche leichte Kühleffekt verschwindet schnell. Der Geruch ist medizinisch, aber nicht aufdringlich, die Schutzwirkung in Ordnung. Auch als Frauen-Variante mit etwas anderen Inhaltsstoffen erhältlich.

Ozon Elite Protect Cream Chamois

Packungsgrößen: 150 ml

Preis: 18,95 Euro

Fazit: Leicht nach Zitrus riechende Creme, die sich trotz kompakter Konsistenz gut verteilen lässt und auffällig ergiebig ist. Ein Tester empfand anfangs eine wärmende Wirkung, ein anderer klagte über wunde, brennende Hautpartien.

Sixtus Sport Gesäßcreme

Packungsgrößen: 30 ml, 100 ml

Preis: Euro ab 14,95 Euro

Fazit: Auffallend flüssige Creme, die scharf riecht und anfangs kühlt, aber nicht sehr ergiebig ist. Gute Schutzwirkung. Manch Tester empfand eine heilende Wirkung bei diversen Hautbeschwerden. Die kleine Flasche eignet sich gut zum Mitnehmen.

Tunap Sports Bodycare Sitzcreme

Packungsgrößen: 150 ml

Preis: 20,95 Euro

Fazit: Die einzige Sitzcreme aus der Sprühdose. Nach dem Aufsprühen bildet sich ein feiner weißer Schaum, der anfangs leicht kühlt. Fühlt sich zu Beginn nass an und zieht dann ins Polster ein. Dennoch kein Wundscheuern.

Xenofit Second Skin Hirschtalg-Sportcreme

Packungsgrößen: 125 ml

Preis (UVP): 7,95 Euro

Fazit: In ihrer Konsistenz an Vaseline erinnernde Salbe, die geruchsneutral ist und eine fettige Schicht hinterlässt. Gute, lang anhaltende Schutzwirkung. Achtung: Nicht für strenge Veganer geeignet, da echter Hirschtalg verarbeitet ist.

Weitere getestete Sitzcremes

  • Balea Melkfett
  • Cesra Ilon Protect
  • Elite Ozone Protect Creme Chamois
  • Eule's Gesäßcreme
  • Xenofit Second Skin

Zusammenfassung der Testergebnisse

Völlig geruchsfrei macht sich die Xenofit Second Skin bei den Testern beliebt, in puncto Schutz ist Eule's Gesäßcreme unschlagbar.

Hinweis

Dieser Artikel erschien erstmals im Juni 2020 und wurde jetzt überarbeitet.

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