Die Stadt Chemnitz setzt sich aktiv für die Stärkung und sichere Gestaltung des Radverkehrs ein. Ein wichtiger Baustein hierbei ist der geplante Premiumradweg, der auf der ehemaligen Eisenbahnstrecke Küchwald-Wüstenbrand entsteht. Mit dem Erwerb dieser Strecke im Oktober 2018 wurden die Planungen zur Nachnutzung als Radweg intensiviert.
Anbindung und Ziele des Premiumradwegs
Durch dieses Projekt werden die Südwest-, Nord- und Ringroute des Radverkehrsnetzes der Stadt Chemnitz an den neuen Radweg angebunden. Damit kann der Radverkehr unabhängig des öffentlichen Verkehrsraumes von Hohenstein-Ernstthal bis nach Chemnitz geführt werden - eines der Kriterien für einen Premium-Radweg. Ein weiteres Merkmal von Premiumradwegen ist ihre überregionale Verkehrsfunktion für Pendlerinnen und Pendler. So steht der Radweg neben touristischen Verkehren vor allem Pendlern zwischen Hohenstein-Ernstthal und Chemnitz zur Verfügung und schafft eine sichere, komfortable Mitte-West Verbindung. Ziel ist eine Entlastung der Pendlerströme mit dem Auto in der morgendlichen Spitzenstunde.
Der ADFC begrüßt den geplanten Radweg und sieht darin auch eine attraktive Möglichkeit, den Anteil des Fahrrads am Pendelverkehr deutlich zu erhöhen.
Bauabschnitte und Finanzierung
Die Planungen des sogenannten Premiumradweges auf der 13,447 Kilometer langen ehemaligen Eisenbahnstrecke gliedern sich in vier Hauptabschnitte. Im Oktober nahm Baubürgermeister Michael Stötzer die Zuwendungsbescheide vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr (LASuV) entgegen: insgesamt beläuft sich die Bauförderung durch Bund und Land auf 8,6 Mio. Euro. Mit den verfügbaren Mitteln können zunächst zwei der insgesamt 4 Bauabschnitte realisiert werden.
Noch diesen Dezember soll der Bau des Abschnittes 3.0 von der Kalkstraße zur Rudolf-Krahl-Straße beginnen. Vor einigen Tagen hat der Chemnitzer Stadtrat außerdem den Bauabschnitt 2.1 beschlossen. Dieser erstreckt sich von der Riedstraße bis über die Kalkstraße. Angesichts fehlender weiterer Fördermittel und zwei Bauabschnitten, die sich bisher noch in der Planung befinden, wird es wohl noch mehrere Jahre dauern, bis die ersten Radfahrenden den Radweg in voller Länge nutzen können. Ein Teil wird nach Planung im Sommer 2023 befahrbar sein.
Bauabschnitt 3.0: Kalkstraße bis Rudolf-Krahl-Straße
Der Bauabschnitt 3.0 (Baubeschluss B-035/2021 vom 17. März 2021) von der Kalkstraße bis zur Rudolf-Krahl-Straße wird mit einer Länge von rund 1,4 Kilometern umgesetzt. Die geplante Asphaltoberfläche der vier Meter breiten Fahrbahn ermöglicht komfortables und sicheres Fahren bei jedem Wetter; das empfohlene Mindestmaß liegt bei einer Breite von 2,50 Meter. Die Zufahrt an der Rudolf-Krahl-Straße wird dauerhaft für Rettungs-, Bau- und Wartungsfahrzeuge ertüchtigt.
An den in Abschnitt 3.0 vorhandenen vier Brücken sind bauliche Maßnahmen erforderlich: Die Brücken erhalten eine Fahrbahnplatte, die an diesen Stellen eine Fahrbahnbreite von 3,8 Meter ermöglicht. Zudem werden Absturzsicherungen und Bauwerksentwässerungen angebracht oder instandgesetzt. Für diesen Bauabschnitt wurden Gesamtkosten von knapp 3,1 Millionen Euro veranschlagt. Bund und Freistaat beteiligen sich mit einer Förderung in Höhe von rund 2,58 Millionen Euro.
Bauabschnitt 2.1: Riedstraße bis Kalkstraße
Der Bauabschnitt 2.1 von der Kalkstraße bis zur Riedstraße wird mit einer Länge von rund 2,8 Kilometern umgesetzt. Dieser schließt sich in westliche Richtung an den Bauabschnitt 3.0 an. Die Asphaltoberfläche für die Fahrbahn wird ebenfalls vier Meter breit sein. Zur niveaufreien Kreuzung wurde eine Brücke über die Kalkstraße und einem angrenzenden Feld geplant. Im Bereich des Feldes wird die unter dem Bauwerk liegende Feldfläche durch landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge befahrbar bleiben.
Die optisch extrem schlanke Brücke in Verbindung mit dem schrägen Pylon erzeugt einen markanten Eingang zur Stadt Chemnitz von der Autobahnabfahrt Rottluff der A 72 in Fahrtrichtung Innenstadt. Für diesen Bauabschnitt wurden Gesamtkosten von reichlich 6,9 Millionen Euro veranschlagt, die Förderung durch Bund und Land beläuft sich auf knapp 6,1 Millionen Euro.
Mit rund 5,6 Millionen Euro fördern Bund und Freistaat Sachsen einen weiteren Bauabschnitt des Radweges zwischen Hohenstein-Ernstthal (Ortsteil Wüstenbrand) und Küchwald Chemnitz. Die Mittel fließen in den Bau einer neuen Radwegbrücke über die Kalkstraße. Die Brücke verbindet zukünftig den drei Kilometer langen Abschnitt von der Riedstraße bis zur Kalkstraße (Teilabschnitt 2.1) und den 2,8 Kilometer langen Abschnitt von der Kalkstraße bis zur Rudolf-Krahl-Straße (Teilabschnitt 3.0). Beide Abschnitte wurden im Sommer dieses Jahres fertiggestellt und Mitte Juli von Verkehrsminister Martin Dulig und Bürgermeister Knut Kunze mit einer gemeinsamen Radtour symbolisch eröffnet.
Das Brückenbauwerk mit einer Nutzbreite von vier Meter und einer Länge von 183,3 Meter ermöglicht mit den beiden Anschlussdämmen von 50,4 Meter und 28,8 Meter die niveaufreie Querung der Kalkstraße als Lückenschluss zwischen den vorgenannten Bauabschnitten 2.1 und 3.0. Die Brücke wird als Stahlkonstruktion mit kastenförmigen Längs- und Querträgen stützenfrei über die vierspurige Kalkstraße mit einem Mittelfeld von 40 Meter ausgebildet.
Der Zuwendungsbescheid für den Teilabschnitt 3.1 von der Rudolf-Krahl-Straße bis zur Paul-Jäkel-Straße in Höhe von rund 870.000 Euro wurde ebenfalls in diesem Jahr an die Stadt Chemnitz übergeben, sodass auch dieser Abschnitt im nächsten Jahr fertig gestellt wird und im Kulturhauptstadtjahr nutzbar sein wird.
Die Fertigstellungstermine der Abschnitte von Wüstenbrand bis zur Riedstraße (Teilabschnitte 1 und 2.0) und der Abschnitt von der Paul-Jäkel-Straße bis zur Wittgensdorfer Straße (Teilabschnitt 4) stehen noch nicht fest. Der Förderanteil an Bundesmitteln für die neue Radwegbrücke beträgt ca. 4,970 Mio. Euro, der Kofinanzierungsanteil des Landes beläuft sich auf rund 620.000 Euro. Dies entspricht insgesamt 90 Prozent der zuwendungsfähigen Gesamtkosten. Die Mittel des Bundes stammen aus dem Sonderprogramm »Stadt und Land«. In diesem Rahmen stellt der Bund den Ländern bis Ende 2028 Finanzhilfen für Investitionen in den Radverkehr in Höhe von rund 1,8 Milliarden Euro zur Verfügung. Das Förderprogramm ist Bestandteil des Klimaschutzprogrammes 2030 der Bundesregierung. Der Freistaat Sachsen hat gemeinsam mit dem Bund aus dem Sonderprogramm »Stadt und Land« den Bau des Premiumradweges bisher mit insgesamt 4,963 Mio. Euro gefördert (Teilabschnitt 2.1 und Teilabschnitt 3.0).
Vorteile eines Premiumradwegs
Ein Premiumradweg bietet den Radfahrenden nicht nur viel Komfort, sondern auch Sicherheit. Er verläuft auf getrennten, eigenen Wegen und ist so frei vom Autoverkehr. Mit einer durchschnittlichen Breite von 4 Metern ermöglicht der geplante Chemnitzer Radweg eine Verkehrsführung in beide Richtungen.
So können Ampeln und unnötige Stops eingespart werden, was die Reisezeit mit dem Rad weiter verkürzt und das Radfahren gegenüber dem Auto noch konkurrenzfähiger macht.
Chemnitztalradweg
Ab dem Zusammenfluss von Würschnitz und Zwönitz erstreckt sich der Chemnitztalradweg derzeit bis Göritzhain über eine Gesamtlänge von etwa 30 Kilometern. Der Zweckverband „Chemnitztalradweg“ ist dabei für mehr als 14 Kilometer zuständig, die teils noch errichtet werden müssen.
Streckenabschnitte des Chemnitztalradwegs
- Stadtausfahrt Grün: Von Chemnitz kommend macht das Tunnel am Schusterstein die Durchfahrt frei. (4,07 km Länge)
- Entspannen Bahnübergang: Entlang der Strecke ist das Wasser der Chemnitz ein zentrales Element. (6,11 km Länge)
- Waldblick: Naturbelassen lädt der Radweg zur gemütlichen Fahrt in tiefgrünes Gefilde. (4,02 km Länge)
Der Chemnitztal-Radweg verknüpft durch seinen andauernden Ausbau in Richtung Wechselburg als auch seine bewegte Industriehistorie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf erlebbare Art und Weise. Als geschätzte Kontaktstelle zwischen Mensch und Natur freut er sich auch auf Ihren Besuch!
Fördermittel für den Chemnitztalradweg
Es werden Ausgaben für Konzepte und Honorare gefördert, um die Konzeption zur touristischen Erschließung des Chemnitztalradwegs zu aktualisieren und inhaltlich zu konkretisieren. Dies dient als Grundlage für Genehmigungen nach BauGB und SächsBO sowie für die Weiterführung des Radwegs von Diethensdorf bis Göritzhain (+ Perspektive nach Wechselburg). Ziel ist die weitere Erschließung des Chemnitztalradwegs und Umsetzung der Maßnahmen aus dem touristischen Konzept.
Gefördert werden Projektmanagementleistungen und Netzwerkarbeit einschließlich Sachkosten im Rahmen des Umsetzungsmanagements zur touristischen Erschließung des Chemnitztalradwegs. Das Vorhaben stellt ein überregionales Kooperationsvorhaben des Zweckverbandes „Chemnitztalradweg“ und weiterer Kommunen der LEADER- Regionen Land des Roten Porphyr und SachsenKreuz+ dar.
Ebenfalls gefördert wird ein Beschilderungskonzept einschließlich Fertigung, Lieferung und Montage von touristischen Informationstafeln, nichtamtlicher Hinweisgebung und Verkehrsschildern nach StVO.
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