Gehalt im Profi-Radsport: Was verdienen die Stars wirklich?

Wer viel und hart arbeitet, der soll gutes Geld verdienen. Wer als Profisportler für 10 bis 15 Jahre nichts anderes tut als seinen Körper zu schinden, der sollte im Idealfall im Anschluss an seine Karriere - die Gesundheit ist meist in Mitleidenschaft gezogen - keine Existenzsorgen mehr haben. Schaut man sich die Gehälter der Profis bei der Tour de France an, trifft das nur auf die wenigsten Fahrer zu.

Gehaltsunterschiede im Radsport

Die finanzielle Landschaft des Profiradsports entwickelt sich weiter, wobei die Spitzengehälter in den letzten Jahren deutlich gestiegen sind. Insgesamt steigen die Gehälter im Radsport an - vor allem auf Seiten der Topfahrer. "Die Gehälter der Besten haben sich nicht verdoppelt, aber sie sind signifikant gestiegen", zitiert "Cyclingnews" einen Agenten.

Im Vergleich zu den horrenden Summen, die inzwischen in einigen anderen Sportarten wie Fußball, Formel 1 oder dem US-Basketball gezahlt werden und dem Trainingsaufwand, den Radprofis betreiben müssen, um konkurrenzfähig zu sein, ist es fast schon erschreckend, wie wenig Geld die große Mehrheit der Radprofis verdient. Als Sport-Profi kann man richtig reich werden. Zumindest, wenn man zur Elite im Fußball, Tennis oder Golf gehört. Dort werden die Top-Stars im Verlauf ihrer Karrieren zu Multimillionären.

Die Top-Verdiener im Radsport

Laut einer Recherche von Cyclingnews sieht die Top 20 der Profigehälter wie folgt aus (Werte in Mio. Euro):

  • Tadej Pogačar (UAE Emirates): €6,0 Mio.** Gut verhandelt :-)
  • Peter Sagan (TotalEnergies): €5,5 Mio.
  • Chris Froome (Israel Start-Up Nation): €5,5 Mio.
  • Geraint Thomas (Ineos Grenadiers): €3,5 Mio.
  • Egan Bernal (Ineos Grenadiers): €2,8 Mio.
  • Michał Kwiatkowski (Ineos Grenadiers): €2,5 Mio.
  • Julian Alaphilippe (Quick-Step Alpha Vinyl): €2,3 Mio.
  • Alejandro Valverde (Movistar): €2,2 Mio.
  • Richard Carapaz (Ineos Grenadiers): €2,2 Mio.
  • Wout van Aert (Jumbo-Visma): €2,2 Mio.
  • Vincenzo Nibali (Astana Qazaqstan): €2,1 Mio.
  • Primož Roglič (Jumbo-Visma): €2,0 Mio.

Die Liste der Top-Verdiener (Bruttogehalt) im Profi-Radsport 2023 laut Gazzetta dello Sport, TotalVelo und Het Laatste Nieuws:

  • Tadej Pogacar - 6 Millionen Euro
  • Tom Pidcock - 4 Millionen Euro
  • Geraint Thomas - 3,5 Millionen Euro
  • Egan Bernal - 3 Millionen Euro
  • Primoz Roglic - 2,9 Millionen Euro
  • Jonas Vingegaard - 2,5 Millionen Euro
  • Julian Alaphilippe - 2,3 Millionen Euro
  • Wout van Aert - 2 Millionen Euro
  • Mathieu van der Poel - 2 Millionen Euro
  • Remco Evenepoel - 2 Millionen Euro

Die Einnahmen professioneller Radfahrer hängen nicht nur von ihrem Grundgehalt ab. Faktoren wie Boni für Siege, Preisgelder bei Wettbewerben und Sponsorverträge sind entscheidend, um ihre jährlichen Einnahmen zu erhöhen.

Hier ist die aktualisierte Liste mit ihren Teams und Gehältern:

Position Fahrer Team Jahresgehalt (€)
1 Tadej Pogačar UAE Team Emirates 8.000.000
2 Remco Evenepoel Soudal Quick-Step 5.000.000
3 Primož Roglič Bora-Hansgrohe 4.500.000
4 Jonas Vingegaard Team Visma-Lease a Bike 4.000.000
5 Mathieu van der Poel Alpecin-Deceuninck 4.000.000
6 Wout van Aert Team Visma-Lease a Bike 3.500.000
7 Tom Pidcock INEOS Grenadiers 2.700.000
8 Adam Yates UAE Team Emirates 2.700.000
9 Egan Bernal INEOS Grenadiers 2.500.000
10 Carlos Rodríguez INEOS Grenadiers 2.500.000

Die Superstars auf der Gehaltsliste: Hinter Pogacar, der sein Gehalt seit der letzten Veröffentlichung durch die "Gazzetta dello Sport" im Januar 2024 von sechs auf über acht Millionen Euro steigerte, liegt Remco Evenepoel.

Bei Lennard Kämna sieht es dagegen noch ein wenig anders aus. In seiner ersten Saison in der WorldTour 2017 ließ er auch bereits sein großes Talent immer wieder aufblitzen.

Einfluss der Teams und Sponsoren

Grundsätzlich hängt das Jahresgehalt eines Fahrers ohnehin sehr stark von den finanziellen Möglichkeiten seines Teams ab und misst sich nicht ausschließlich mit den Qualitäten des Fahrers.

Das durchschnittliche Budget bei den 18 World Teams der Männer liegt für die Saison 2025 bei 32 Millionen Euro - das sind 4 Millionen mehr als im Vorjahr. Davon werden im Mittel 12,6 Millionen für Fahrergehälter ausgegeben.

Noch vor wenigen Jahren war das Team Sky/Ineos der Budget-Primus in der WorldTour, inzwischen knackt kein Fahrer der Equipe die Top Ten. Geraint Thomas, Egan Bernal, Filippo Ganna und Carlos Rodríguez stehen laut der Liste bei mehr als zwei Millionen Euro.

Sponsoring ist eine der wichtigsten Einnahmequellen für Profi-Radfahrer und Teams. Neben der Aufstockung von Gehältern ermöglicht es auch technologische Entwicklungen, bessere Ausrüstung und optimierte Trainingsmethoden.

Many top teams, darunter das deutsche BORA-Hansgrohe und Alpecin-Deceuninck, werden von Marken wie BORA (Küchentechnologie), Alpecin (Haarpflege) und Canyon (Fahrradhersteller) unterstützt. Diese Sponsoren spielen eine entscheidende Rolle bei der Finanzierung des Profisports und der Förderung neuer Talente.

Prämien bei der Tour de France

Die meisten und höchsten Prämien winken den Fahrern bei der Tour de France, dem nach den Olympischen Spielen und der Fußballweltmeisterschaft der Männer größten Sportereignis der Welt bzw. Tour de Franc, hätte man früher sagen können, doch auch seit es den Euro gibt, sind die Prämien für die Profis bei der Tour de France nicht weniger geworden. In diesem Jahr gibt es insgesamt 2,282 Millionen Euro zu verdienen.

Am Meisten erhält natürlich der Gesamtsieger, satte 500000 Euro. Der Tour-Zweite kassiert immerhin noch 200000 Euro, der Dritte 100000 Euro. Bis Platz 160, sollten so viele Fahrer das Ziel in Paris erreichen, was eher unwahrscheinlich ist, winken noch 1000 Euro. Die erhalten alle ab Rang 20.

Was sich richtig lohnt, sind Etappensiege. 11000 Euro gibt es dafür, 5500 für den Zweiten und 2800 für den Dritten. Platz 20 streicht immerhin noch 300 Euro ein. Auch für die Trikot-Träger rieselt es Prämien. Ein Tag in Gelb bringt 500 Euro, das grüne Sprint-, das rot gepunktete Berg- sowie das weiße Nachwuchs-Trikot für die Fahrer bis 25 Jahre werden mit 300 Euro täglich belohnt.

Für den besten Sprinter und Bergfloh winken nach drei Wochen je 25000 Euro. Da dürfen sich selbst die beiden Achten nach 21 Etappen noch über je 2000 Euro freuen. Der beste Nachwuchs-Profi düst mit 20000 Euro nach Hause.

Auch eine Mannschaftswertung wird ausgetragen. Pro Tag als bestes Team gibt es 2800 Euro. Auch während der Etappen lässt sich Geld verdienen. Die Sprints werden mit 1500, 1000 und 500 Euro für die ersten Drei vergütet. In den Bergen geht es nach Schwere der Anstiege. Fünf Kategorien gibt es da: Die Hors Catégorie (HC) sowie die Kategorien 1 bis 4.

Für seinen Sprint-Sieg in Nyborg kassiert Fabio Jacobsen 11000 Euro. Die wandern in die Mannschaftskasse. Sieben HC-Wertungen werden ausgefahren, für die es 800, 450 und 300 Euro für die Top 3 gibt. Für die zehn Berge der ersten Kategorie werden jeweils 650, 400 und 150 Euro gelöhnt, die sechs Anstiege der zweiten Kategorie bringen 500 und 250 Euro. Nur je ein Fahrer darf sich bei den 16 Bergen der dritten Kategorie und den 22 der vierten über 300 bzw. 200 Euro freuen.

Aufmerksame Beobachter werden sehen, dass einer der 176 Fahrer eine weiße Nummer auf rotem Grund trägt. Das ist der kämpferischste Fahrer des Vortages. Der wird von einer Jury gewählt, wie auch der Gesamtsieger in dieser Kategorie. 20000 Euro kassiert dieser, der tägliche Träger der Spezial-Nummer erhält 2000 Euro.

Eine einmalige Prämie gibt es auf dem Galibier, dem 2645 Meter hoch gelegenen Dach der Tour. Mit 5000 Euro ist das „Souvenir Henri Desgrange“, in Erinnerung an den Tour-Gründer, dotiert.

Und jetzt kommt das Wichtigste: Die Prämien zahlen die Fahrer, die sie erkämpften, in die Team-Kasse ein. Am Ende der Rundfahrt wird dann unter allen aufgeteilt, die an dem Erfolg ihren Anteil haben, vom Busfahrer über den Mechaniker und die Physios bis hin zu den Team-Kollegen. Auch dadurch wird der Radsport zu einem echten Team-Sport.

Mindestlöhne im Radsport

Von den Verdiensten der Stars dürfen Neo-Profis nur träumen. 34.020 Euro stehen Profi-Neulingen in World-Tour-Teams ab 2024 zu, alle anderen World-Tour-Fahrer sollen mindestens 42.047 Euro pro Jahr erhalten.

Ab dem 1. Januar 2024 gelten neue Untergrenzen für alle Fahrer, die bei einem World- oder ProTeam unter Vertrag stehen. Dementsprechend bekommen Neo-Profis bei einem ProTeam ab 2024 mindestens 28.191 Euro jährlich. Für die etablierteren Fahrer sind es mindestens 33.707 Euro. In der WorldTour gelten andere Zahlen: Neos haben mindestens 34.020 Euro zu verdienen, alle anderen 42.047 Euro.

Die Richtlinien der UCI sehen zudem das Modell der Selbstständigkeit vor, das nach CPA-Angaben ähnlich stark genutzt werden soll wie bei Angestellten-Verhältnissen. Für die Selbständigen sind 164 Prozent der Gehälter der Angestellten zu zahlen, also gut anderthalb Mal so viel. Das Abkommen wurde über zwei Jahre geschlossen. 2025 sollen sich alle Zahlen um fünf Prozent erhöhen.

Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen

Bei den Frauen liegen die Gehälter im Durchschnitt unter jenem der Männer. Das Minimalgehalt liegt bei 38.000 Euro, bei Männern bei 44.150. Nach oben hin ist die Diskrepanz größer: Hinter Top-Verdienerin Vollering kommen Weltmeisterin Lotte Kopecky und Elisa Longho Borghini auf Gehälter um 900.000 Euro.

Insgesamt rund 60 Fahrer sollen mehr als eine Million Euro verdienen - allesamt Männer. Bei den Frauen ist der Recherche nach Demi Vollering nach ihrem Wechsel zu FDJ-Suez Top-Verdienerin, verpasst ein siebenstelliges Gehalt aber knapp.

Dennoch gibt es Anzeichen für Verbesserungen im Frauenradsport. Expertinnen und Experten sehen jedoch eine positive Tendenz und erwarten, dass die Gehälter im Frauenradsport in den kommenden Jahren weiter steigen werden.

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