Unfallstatistik für Radfahrer in Deutschland: Eine Analyse der Risiken und Ursachen

Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts (Destatis) war 2024 jede oder jeder sechste Verkehrstote auf dem Fahrrad unterwegs. Insgesamt verloren 441 Menschen beim Radfahren ihr Leben, darunter 192 auf einem E-Bike.

Anstieg der Unfallzahlen bei Radfahrern

Die Zahl der getöteten Radfahrenden insgesamt ist gegenüber 2014 um 11,4 Prozent gestiegen. Der Anstieg ist vor allem auf die steigende Zahl an getöteten Pedelec-Nutzenden zurückzuführen. Während die Gesamtzahl der Verkehrstoten in Deutschland im Vergleich zu 2014 um 22,4 Prozent zurückgegangen ist, zeigt sich bei den Radfahrenden ein gegenteiliger Trend.

Die Unfallforschung der Versicherer warnt: Immer mehr Radfahrende verunglücken ohne Beteiligung anderer. Laut Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) verunglückte jeder dritte getötete und knapp jeder zweite schwerverletzte Radfahrende im letzten Jahr bei Alleinunfällen ohne weitere Beteiligte. Bei knapp 27.400 Radunfällen ohne weitere Beteiligte verletzten sich rund 6.400 Menschen schwer und 147 tödlich. Alleinunfälle machen 29 Prozent der Unfälle aus. Ein Alleinunfall passiert, wenn Radfahrende ohne Fremdeinwirkung stürzen - etwa durch Rutschen auf Laub, Ausrutschen auf Eis oder Hängenbleiben an Hindernissen. Die meisten Stürze passieren zwischen Dezember und Februar.

Besonders gefährdete Gruppen

Ältere Radfahrende sind im Straßenverkehr besonders gefährdet. Unter den tödlich verletzten Fahrradfahrern waren 2024 knapp zwei Drittel 65 Jahre oder älter. Während der Anteil von verunglückten Senioren mit normalen Fahrrädern bei 59,4 Prozent lag, waren 68,8 Prozent der Getöteten aus E-Bikes 65 Jahre oder älter.

„Der Anstieg ist vor allem auf die steigende Zahl an getöteten Pedelec-Nutzenden zurückzuführen“, stellen die Statistiker fest. Von den 2024 getöteten Fahrradfahrern waren 192 mit einem E-Bike unterwegs. „Pedelecs sind zwar per se nicht gefährlicher als klassische Räder“, sagt Kirstin Zeidler, die Leiterin der Unfallforschung der Versicherer. Sie seien aber schwerer, beschleunigten stärker und seien daher nicht leicht zu handhaben. „Unsere Forschung zeigt, dass Alleinunfälle mit Pedelecs in allen Altersgruppen häufiger schwerer verlaufen als mit nichtmotorisierten Rädern.“

Unfallursachen und Beteiligte

An einem Großteil der Fahrradunfälle mit Verletzten war ein zweiter Verkehrsteilnehmer beteiligt. In 70,7 Prozent der Fälle war das ein Auto. 44.424 Fahrradunfälle mit Personenschaden gingen also auf einen Zusammenprall mit einem Auto zurück.

Unfallforscherin Zeidler findet aber auch die starke Zunahme der Alleinunfälle auffällig: Rund jeder dritte getötete Radfahrende verunglückt Daten der Unfallversicherer zufolge ohne weitere Beteiligte.

In rund der Hälfte der Fälle waren die verunglückten Radfahrerinnen und Radfahrer an dem Unfall selbst Schuld, wie die Statistiker ausführen. „Je nach Unfallgegner zeigen sich allerdings Unterschiede.“ Bei Unfällen mit Fußgängern wurde den Radfahrern in 57 Prozent der Fälle die Hauptschuld angelastet.

  • Kollisionen mit Krafträdern wurden in 50 Prozent der Fälle von Radfahrern verschuldet.
  • Waren Autofahrer beteiligt, trugen die Radler nur in 25 Prozent der Fälle die Hauptschuld.
  • Bei Fahrradunfällen mit Lastwagen lag der Anteil noch darunter: Nur bei 21 Prozent wurde die Hauptschuld bei den Radlern gesehen.

ADFC fordert bessere Radinfrastruktur

Der ADFC reagiert auf die Studie mit klaren Forderungen an die Kommunen, die Radinfrastruktur zu verbessern und den Winterdienst auf Radwegen zu intensivieren. Immer mehr Menschen fahren Rad, doch die Radinfrastruktur wächst nicht mit und ist nicht gut gepflegt.

„Einerseits wird das Fahrrad als leistungsfähiges Verkehrsmittel für den Nahbereich immer populärer. Andererseits schwächeln die Kommunen beim Ausbau und der Pflege der Radwege. Radwege haben Schlaglöcher und Baumwurzelaufbrüche. Bordsteine sind nicht fahrradgerecht abgesenkt. Manchmal stehen sogar Poller oder Schilder mitten auf dem Radweg. Schlaglöcher, aufgebrochene Wurzeln und hohe Bordsteine müssen verschwinden“, sagt ADFC-Bundesgeschäftsführerin Caroline Lodemann.

ADFC mahnt: Kommunen müssen Winterdienst auf Radwegen ernst nehmen. Der ADFC drängt die Kommunen, Radwege besser zu pflegen. Auch der Winterdienst muss die Radwege konsequent räumen. Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen und das finnische Oulu zeigen, wie sicheres Radfahren im Winter funktioniert: Mit guten Radwegen und regelmäßiger Pflege fahren dort Menschen das ganze Jahr über Rad.

„In den Daten der UDV sehen wir eine klare Häufung der Fahrradunfälle in den Wintermonaten - und das, obwohl im Sommerhalbjahr mehr als doppelt so viel Fahrrad gefahren wird. Radwege sind im Winter häufig mit Laub, Schnee und Eis bedeckt. Das bringt Sturzgefahr. Und diese Gefahr wird weiter zunehmen, wenn Ausbau und Pflege der Radwege nicht schneller vorankommen. Natürlich muss man die Fahrweise den widrigen Verhältnissen anpassen. Aber die Radfahrenden hier allein in die Verantwortung zu nehmen, greift zu kurz - denn die eigentliche Gefahrenursache ist die schlechte und schlecht gepflegte Infrastruktur“, so Lodemann weiter.

Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit

Die meisten tödlichen Unfälle passieren bei Kollisionen mit Autos. „Besonders problematisch sind dabei Kreuzungen und Zufahrten“, sagt Unfallforscherin Zeidler. „Hier gilt es Sicht zu schaffen, etwa das Zuparken zu verhindern. Auch eigenes Ampel-Grün für Abbiege- und Radverkehr ließe Unfälle vermeiden.“ Der ADFC fordert mehr und bessere Radwege. „Dass Fahrradunfälle zunehmen, ist allerdings kein Wunder“, erklärt Bundesgeschäftsführerin Caroline Lodemann. „Radwege sind oft kaputt, von Hindernissen übersät, viel zu schmal, zugeparkt oder fehlen - beispielsweise an Landstraßen - oft ganz.“ Viel zu häufig müssten sich Radfahrer die Fahrbahn mit Autos teilen. „Das bringt Stress und Gefahr für alle Beteiligten.“ 70 Prozent der Befragten des ADFC-Fahrradklima-Tests fühlten sich im Straßenverkehr nicht sicher.

Verhaltensregeln für Radfahrer

Menschen, die Rad fahren oder zu Fuß gehen, gehören zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmenden. Sie haben keine Knautschzone - deshalb ist es umso wichtiger, sich umsichtig im Straßenverkehr zu verhalten. Dazu gehört es, selbstbewusst als Radfahrer*in im Straßenverkehr aufzutreten, aber gleichzeitig defensiv zu agieren, stets vorausschauend zu fahren und mit Fehlern von anderen Verkehrsteilnehmenden zu rechnen.

  • Passen Sie Ihre Fahrweise der entsprechenden Situation an und verhalten Sie sich vorhersehbar, indem Sie beispielsweise Ihr Abbiegen durch Handzeichen ankündigen.
  • Halten Sie Abstand von Lkw, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen.
  • Beachten Sie immer die für alle Verkehrsteilnehmenden gültigen Regeln - und seien Sie nicht als Geisterfahrende auf Straßen und Radwegen unterwegs.

Die Rolle des ADFC

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) setzt sich mit seinen mehr als 240.000 Mitgliedern mit Nachdruck für die Verkehrswende in Deutschland ein. Wir sind überzeugt davon, dass eine gute, intuitiv nutzbare Infrastruktur, gut ausgearbeitete Radverkehrsnetze und vor allem Platz für Rad fahrende Menschen auch dazu einlädt, das Fahrrad als Verkehrsmittel zu benutzen. Wir möchten eine sichere und komfortable Infrastruktur für den Radverkehr, damit sich junge und junggebliebene Fahrradfahrende sicher und zügig fortbewegen können.

Die Förderung des Radverkehrs ist nicht zuletzt auch ein politischer Auftrag, für den sich der ADFC stark macht. Unser Ziel ist es, alle Menschen, gleich welchen Alters und unabhängig von ihren Wohnorten, für das Radfahren und damit für die Mobilität der Zukunft zu gewinnen.

Was muss geschehen?

„Dass Fahrradunfälle zunehmen, ist allerdings kein Wunder. Radwege sind oft kaputt, von Hindernissen übersäht, viel zu schmal, zugeparkt oder fehlen - beispielsweise an Landstraßen - oft ganz. Häufig muss man sich die Fahrbahn mit dem schnelleren Autoverkehr teilen - und bekommt an der Ampel zur Geradeausfahrt grün, während gleichzeitig die Autos und Laster abbiegen dürfen. Das bringt Stress und Gefahr für alle Beteiligten. Wenn Radfahrende trotz Verbot aus Mangel an Alternativen auf den Fußweg ausweichen, dann häufen sich dort die Unfälle. Die Infrastruktur hinkt dem wachsenden Radverkehr weit hinterher. Bei weiter zunehmendem Radverkehr werden auch die Unfallzahlen weiter steigen. Dagegen müssen Bundesregierung und Kommunen endlich aktiv ansteuern.“

Tabelle: Unfallstatistik für Radfahrer in Deutschland (2024)

Kategorie Anzahl Anmerkung
Verkehrstote insgesamt 2.759 Rückgang um 18,3% gegenüber 2014
Getötete Radfahrer 441 Anstieg um 11,4% gegenüber 2014
Getötete Pedelec-Fahrer 192 Deutlicher Anstieg gegenüber 2014 (39)
Fahrradunfälle mit Personenschaden 92.882
Unfälle mit Beteiligung eines Autos 44.424

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