Radfahren erfreut sich großer Beliebtheit und gilt als gesundheitsfördernd. Doch wie verhält es sich mit dem Risiko für Prostatakrebs? Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Radfahren, Prostatakrebsrisiko und dem PSA-Wert.
Radfahren und das Prostatakrebsrisiko
Eine im „Journal of Men’s Health“ veröffentlichte Studie von Professor Mark Hamer vom University College London gab Anlass zur Sorge. Die Studie deutete darauf hin, dass Männer über 50, die mindestens neun Stunden pro Woche Rad fahren, ein sechsfach erhöhtes Risiko haben, an Prostatakrebs zu erkranken. Es ist nach eigenem Bekunden das größte jemals durchgeführte Forschungsprojekt über die gesundheitlichen Auswirkungen des Radfahrens.
Die Ursache der Erkrankung wird hier jedoch in den meisten Fällen in der Entwicklung einer chronischen Prostatitis vermutet. Dabei handelt es sich um eine Entzündung und/oder schmerzhafte Schwellung der Prostata. Die Erkrankung macht sich unter anderem durch Schmerzen in Becken, Damm, Leiste, beim Wasserlassen oder nach der Ejakulation bemerkbar. Das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, erhöht sich bei Betroffenen - das gilt jedoch nicht für Menschen ohne Prostatitis”, sagt Dr. Stefan Machtens, Chefarzt für Urologie und Kinderurologie, GFO Kliniken Rhein-Berg/Marienkrankenhaus.
Kritik an der Studie: Kritiker bemängeln, dass es keine Kontrollgruppe mit Nicht-Radlern gab und die Probanden die gewünschten Daten zum Teil nur abschätzten. Das mache die Studie fehleranfällig.
Der PSA-Wert und Radfahren
Radfahren kann den PSA-Wert (prostataspezifisches Antigen) beeinflussen. Dieser Blutwert gilt als Hinweis auf Prostatakrebs. Radfahren kann ihn erhöhen.
“Der PSA-Wert ist ein wichtiger Marker für Veränderungen der Prostata oder ein Tumorwachstum und kann beim Radeln kurzzeitig in die Höhe getrieben werden und die Testergebnisse verfälschen. Denn Fahrradfahren und der Sitz insbesondere auf einem ungeeigneten Sattel wirken wie eine Prostatamassage, bei der vermehrt das Eiweiß PSA gebildet wird; soll heißen: Fällt der PSA-Wert hoch aus, deutet das erstmal nicht unbedingt auf Veränderungen der Prostata hin, sondern kann am Radfahren liegen”, erläutert Machtens.
Empfehlung: Für einen aussagekräftigen PSA-Wert können Betroffene vor einer Blutentnahme vorübergehend auf längere Touren mit dem Drahtesel verzichten.
Radfahren trotz Prostatakrebs?
Wer Prostatakrebs hat oder im Alter ist, in dem das Krebsrisiko steigt, kann beruhigt auf das Fahrrad steigen. Denn Radfahren ist nicht schädlich. Ganz im Gegenteil! Prostatakrebspatienten wird empfohlen, sich regelmäßig zu bewegen und sportlich zu betätigen. Hierfür eignet sich auch das Radfahren.
Der Ausdauersport kurbelt das Herz-Kreislaufsystem an, sorgt für eine gute Durchblutung und regt den Stoffwechsel an. Im Gegensatz zu anderen Ausdauersportarten gibt es hier jedoch einen entscheidenden Vorteil: Radeln schont die Gelenke. Das Körpergewicht wird, durch das Sitzen auf dem Sattel, vom Fahrrad getragen. Dadurch kommt es nicht - wie beispielsweise beim Joggen - zur Belastung der Gelenke.
Die richtige Ausrüstung und Technik
Mit einem gut angepassten Sattel lässt sich das nach langem Radeln entstehende Taubheitsgefühl im Dammbereich zwischen Hodensack und After vermeiden. Je schmaler er ist, umso mehr werden die Blutgefäße in der Leistengegend zusammengedrückt. Dagegen unterstützen breitere Sättel die Beckenknochen und sorgen für bessere Durchblutung, weil weniger Druck auf Venen und Arterien ausgeübt wird.
Die richtige Sitzposition kann ebenfalls dazu beitragen, den Druck auf die im Sitzbereich liegenden Strukturen und somit auch auf die tiefer liegende Prostata zu minimieren.
Tipps zur Sattelwahl und Sitzposition:
- Ergonomische Form: Wähle einen Sattel, der speziell für die männliche Anatomie entwickelt wurde und eine Aussparung oder Vertiefung im Dammbereich hat.
- Größe und Breite: Der Sattel sollte breit genug sein, um das Körpergewicht gleichmäßig zu verteilen, aber nicht zu breit, um Reibung zwischen Oberschenkel und Sattel zu vermeiden.
- Polsterung: Eine ausgewogene Polsterung erhöht den Komfort und reduziert den Druck auf empfindliche Stellen.
- Höhe des Sattels: Der Sattel sollte so eingestellt sein, dass die Beine fast durchgestreckt sind, während die Ferse auf dem Fahrradpedal in seiner tiefsten Position ruht.
- Neigung des Sattels: Generell sollte der Sattel waagerecht eingestellt werden, um nicht den Körperschwerpunkt zu beeinflussen.
Weitere Vorteile von Bewegung und Sport bei Prostatakrebs
Sport bei Prostatakrebs ist ein billiges Medikament, das für jeden Mann zu haben ist. Dabei gilt jede Art von Bewegung als gesund - von Ausdauer- und Kraftsport bis hin zu mehr Bewegung im Alltag mit Unkrautjäten und Staubsaugen.
Mediziner und Medizinerinnen wissen heute, dass Sport und Bewegung verschiedenen Krebsarten vorbeugen können. Wer körperlich aktiv ist, senkt nachweislich sein Krebsrisiko. Studien zeigen, dass Sport bei Prostatakrebs das Rückfallrisiko um bis zu 57 Prozent vermindern kann.
Körperliche Aktivität beeinflusst auch andere Krankheiten positiv, die den Prostatakrebs manchmal begleiten, zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Empfehlungen für körperliche Aktivität
Die amerikanische Krebsgesellschaft hat einige allgemeine Empfehlungen zur Krebsprävention veröffentlicht. Diese setzen am Lebensstil an (zum Beispiel Ernährung, Bewegung, Alkohol) und richten sich gegen die Risikofaktoren für Prostatakrebs und andere Krebsarten. Einen sicheren Schutz vor einer Krebserkrankung bieten sie jedoch nicht.
Einige Tipps zu Bewegung und Sport:
- Seien Sie in Ihrem Alltag ausreichend körperlich aktiv.
- Erwachsene sollten mindestens 150 Minuten wöchentlich moderat oder 75 Minuten intensiv körperlich aktiv sein. Die körperliche Aktivität sollte sich am besten auf mehrere Einheiten über die Woche verteilen.
- Verbringen Sie weniger Zeit im Sitzen und Liegen, etwa beim Fernsehen, Computerspiel und anderen sitzenden Tätigkeiten. Integrieren Sie so viel Bewegung in Ihren Alltag wie möglich.
Die Rolle von Fitness bei der Prävention von Prostatakrebs
Eine schwedische Forschungsgruppe hat jetzt jedoch einen Faktor ausgemacht, an dem Männer selbst ansetzen können: Wer seine körperliche Fitness um drei Prozent oder mehr erhöhte, konnte sein Prostatakrebsrisiko um 35 Prozent senken.
An der Studie, die zwischen 1998 und 2019 durcbgeführt wurde, nahmen insgesamt 57.652 Männer teil. Dabei absolvierten die Männer auf dem Fahrradergometer einen Belastungstest. Um die Fitness zu bestimmen, wurde der Wert „V02max“ bestimmt. Dies ist die maximale Sauerstoffaufnahme des Körpers während der körperlichen Belastung (bei größtmöglicher Anstrengung).
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Verbessert die Herz-Kreislauf-Gesundheit | Erhöhter PSA-Wert bei intensiver Belastung |
| Hilft bei der Gewichtsreduktion | Druckschmerzen und Taubheitsgefühle |
| Stärkt die Muskulatur | Mögliche Beschwerden bei falscher Sitzposition |
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