Hier haben wir alle Infos zum Motorradführerschein für euch zusammengefasst. MOTORRAD beantwortet alle wichtigen Fragen zum Motorradführerschein. Welche Klassen gibt es? Ab welchem Alter kann welcher Führerschein gemacht werden? Was kostet ein Motorradführerschein? Und wie sieht die Fahrschulausbildung aus?
Motorradführerscheinklassen im Überblick
Welche Motorradführerscheinklassen gibt es?
- AM - Führerscheinklasse AM, der Moped-Führerschein ab 15: Seit Mai 2021 dürfen Jugendliche schon ab 15 statt ab 16 Jahren die Führerscheinklasse AM (Roller und Kleinkrafträder bis 50 Kubik, max. 45 km/h) erwerben. Die AM-Führerscheinklasse oder "50er-Klasse" ist der Führerschein für Kleinkrafträder wie Mopeds oder Roller. Darunter fallen zwei- und dreirädrige Kleinkrafträder mit einer bauartbedingten Geschwindigkeit von höchstens 45 km/h und einem maximalen Hubraum von 50 cm³. Auch Fahrräder mit Hilfsmotoren oder vierrädrige Leichtkraftfahrzeuge gehören dazu, sofern sie aufgrund ihrer Bauart 45 km/h oder 50 cm³ Hubraum nicht überschreiten. Für Elektrofahrzeuge gilt eine Nenndauerleistung von nicht mehr als 4 kW beziehungsweise eine maximale Leermasse von 350 kg ohne Batterie.
- A1 - Motorradführerschein Klasse A1: Mindestalter für die Führerscheinklasse A1 (125er): 16 Jahre. Der Führerschein der Klasse A1 umfasst Leichtkrafträder bis 125 cm³ und 11 kW sowie einem maximalen Leistungs-Gewichts-Verhältnis von 0,1 kW/kg. Wer zunächst zwei Jahre Erfahrung in der Führerscheinklasse A1 sammelt, muss für die Klasse A2 (ab 18 Jahre) nur noch eine verkürzte praktische Prüfung ablegen.
- A2 - Motorradführerschein Klasse A2: Mindestalter für die Führerscheinklasse A2: 18 Jahre. Die Führerscheinklasse A2, der "48-PS-Führerschein", ist der Motorradführerschein für Krafträder mit oder ohne Beiwagen mit bis zu 35 kW, die nicht von einem Kraftrad mit einer Leistung von über 70 kW abgeleitet ("gedrosselt") sind, und maximal ein Verhältnis von Leistung zu Gewicht von 0,2 kW/kg haben. Seit Mai 2020 dürfen als A2-Fahrschul- und Prüfungsmotorräder in der EU auch Bikes mit "nur" 250 Kubik Hubraum verwendet werden, zuvor mussten sie mindestens 395 cm³ aufweisen. Wer die Klasse A2 mindestens 2 Jahre besitzt, darf ab 20 Jahren auf die Klasse A umsteigen - dafür ist allerdings nochmal eine praktische Prüfung notwendig.
- A - Motorradführerschein Klasse A: Mindestalter für den Direkteinstieg Führerscheinklasse A: 24 Jahre. Damit dürfen dann unbeschränkt alle Krafträder gefahren werden, die bauartbedingten eine Höchstgeschwindigkeit von mehr als 45 km/h (Motorleistung von mehr als 35 kW oder Verhältnis der Leistung zum Gewicht (Leermasse) mehr als 0,2 kW/kg) erreichen. In die Führerscheinklasse A eingeschlossen sind die Klassen A2, A1 und AM. Wer den "großen" Motorradführerschein besitzt, darf alle Motorräder und Gespanne ohne Geschwindigkeits- oder Hubraumbegrenzung fahren.
- B196 - Motorradfahren mit dem Autoführerschein: Wer seinen Autoführerschein seit mindestens fünf Jahren hat und mindestens 25 Jahre alt ist, kann seit Januar 2020 die Führerscheinerweiterung um die Schlüsselzahl B196 erweitern - mit ein paar praktischen Fahrstunden, jedoch ohne Fahrprüfung.
Motorradführerschein und Alter: Wer darf was fahren?
- Mindestalter für die Führerscheinklasse AM und für die 125er-Klasse A1: ab 16 Jahre
- Führerscheinklasse A2: mindestens 18 Jahre
- Direkteinstieg Führerscheinklasse A: 24 Jahre
Wer die Klasse A2 mindestens 2 Jahre besitzt, darf ab 20 Jahren auf die Klasse A umsteigen - dafür ist allerdings nochmal eine praktische Prüfung notwendig. So auch beim Aufstieg vom A1 zum A2: Wer zunächst zwei Jahre Erfahrung in der Führerscheinklasse A1 sammelt, muss für die Klasse A2 nur noch eine verkürzte praktische Prüfung ablegen.
Wer seinen Autoführerschein vor dem 1. April 1980 gemacht hat, damals Klasse 3, darf auch Fahrzeuge der Klasse A1 führen. Inhaber der Führerscheinklasse 4, "80er-Führerschein", dürfen je nach Ausstellungort und -datum ebenfalls Fahrzeuge der Führerscheinklasse A1 führen. Dazu muss der Führerschein vor dem 1. April 1980 in der Bundesrepublik oder DDR ausgestellt worden sein.
Theorie und Theorieprüfung
Für den Motorradführerschein ist eine umfangreiche Ausbildung in Theorie und Praxis nötig. Der theoretische Teil besteht aus 12 Unterrichtsstunden zu je 90 Minuten, in denen der Grundstoff vermittelt wird und vier 90-minütigen Theoriestunden mit speziellem Wissen zum Thema Motorrad. Bei einer Erweiterung des Führerscheins verkürzt sich der Grundstoff bei Inhabern der Klasse B auf 6 Theoriestunden.
Um die Theorieprüfung für den Motorradführerschein zu bestehen, gilt es in der theoretischen Prüfung 30 Fragen zu beantworten. Davon befassen sich 20 Fragen mit dem Grundstoff, sowie zehn mit dem Zusatzstoff Motorrad. Insgesamt dürfen maximal 10 Fehlerpunkte gemacht werden, wobei alle Fragen jeweils fest definierte Werte von 2 bis 5 Fehlerpunkten haben. Beim Vorbesitz der Führerscheinklasse B und einer Führerscheinerweiterung reduziert sich der Fragenkatalog auf 20 Fragen und maximal 6 Fehlerpunkte, um noch zu bestehen.
Die Theorieprüfung kann frühestens drei Monate vor dem Erreichen des Mindestalters für den entsprechenden Motorradführerschein absolviert werden.
Fahrstunden und praktische Prüfung
Der praktische Ausbildungsteil auf dem Weg zum Motorradführerschein unterteilt sich in Übungsstunden und Pflichtstunden. Für die Pflichtstunden sind 12 Sonderfahrten zu jeweils 45 Minuten vorgeschrieben. Die Anzahl der Übungsstunden liegt im Ermessen des Fahrlehrers und hängt individuell von Können und Lernfortschritt des Fahrschülers ab.
Die praktische Prüfung für den Motorradführerschein dauert mittlerweile 70 Minuten. Vor Januar 2021 waren es noch 60 Minuten. Die "Optimierte Praktische Fahrerlaubnisprüfung" (OPFEP) sieht fünf Minuten mehr Zeit für Fahraufgaben während der Prüfung vor sowie fünf zusätzliche Minuten für das Feedbackgespräch mit Kompetenzeinschätzung.
Das Ablegen der Prüfung darf erst einen Monat vor Erreichen des Mindestalters für den Motorradführerschein stattfinden.
Motorradführerschein Kosten im Überblick
Die Kosten eines Motorradführerscheins hängen stark davon ab, wo er gemacht wird. So sind die Fahrschulpreise in süddeutschen Großstädten um ein gutes Drittel höher als etwa in Brandenburg auf dem Land. Bei der Anzahl der nötigen Übungsstunden kommt es aufs Talent des Fahrschülers an.
Diverse Portale nennen in aktuellen Preisbeispielen rund 1.250 Euro inklusive aller Gebühren für Sehtest, Erste-Hilfe-Kurs oder Prüfungsanmeldung für die Klasse A, errechnet auf Basis der Fahrschulpreise in Berlin bei zwölf Übungsstunden. Braucht ein Fahrschüler 20 Stunden (Durchschnittswert), kostet der Schein schon über 1.500 Euro - im günstigen Berlin.
In Stuttgart oder München sind 2.000 bis 2.500 Euro realistischere Größen für einen Motorradführerschein.
Detaillierte Kostenaufstellung
- Anmeldegebühr der Fahrschule: Die Anmeldegebühr für den Motorradführerschein bei der Fahrschule beinhaltet neben allgemeinen Aufwendungen auch die Theoriestunden. Teilweise sind auch Lernmaterialien wie Fahrschulbögen zum Üben im Preis enthalten. Insgesamt sind das je nach Region und Fahrschule 200 bis 300 Euro.
- Sehtest: Für den Führerschein-Sehtest ist eine gesetzliche Gebühr in Höhe von 6,43 Euro vorgeschrieben.
- Erste-Hilfe-Kurs: Kosten: ca. 20 bis 40 Euro.
- Übungsfahrten: Pro Übungsstunde (45 Minuten) fallen 30 bis 50 Euro an. Die Anzahl der Übungsstunden hängt natürlich stark von den Lernfortschritten des Fahrschülers ab. Eine besonders hohe Anzahl an Übungsfahrten kann die Kosten für den Motorradführerschein deutlich teurer werden lassen.
- Sonderfahrten: Die bei allen Motorradführerscheinklassen verbindlichen 12 Sonderfahrten schlagen mit ca. 40 bis 60 Euro pro Fahrt zu Buche: 5 Überlandfahrten, 4 Autobahnfahrten, 3 Dunkelfahrten, je 45 Minuten pro Fahrstunde.
- Gebühr der Fahrschule für die Vorstellung zur theoretischen Prüfung: Sofern diese Gebühr nicht schon in der Anmeldegebühr enthalten ist, werden ca. 30 bis 60 Euro fällig. Wird die Prüfung nicht bestanden, fallen die Gebühren erneut an.
- TÜV-Gebühr für die theoretische Prüfung: Für die Theorieprüfung erhebt der TÜV 22,49 Euro für den Verwaltungsaufwand und den Prüfungsleiter.
- Gebühr der Fahrschule für die Vorstellung zur praktischen Prüfung: Die Gebühr enthält den Verwaltungsaufwand rund um die Anmeldung zur Prüfung und die Bezahlung des Fahrlehrers, der bei der praktischen Fahrprüfung dabei ist. Die Kosten belaufen sich je nach Fahrschule auf 80 bis 180 Euro. Bei Nichtbestehen der praktischen Prüfung werden die Gebühren erneut fällig.
- TÜV-Gebühr für die praktische Prüfung: Je nach Motorradführerscheinklasse und abhängig davon, ob es sich um eine Führerscheinerweiterung handelt, beträgt die Gebühr beim TÜV ca. 90 bis 150 Euro.
- Gebühr für die Ausstellung des Führerscheins: Für die Ausstellung der Fahrerlaubnis fallen je nach Führerscheinstelle bei Erstausstellung ca. 30 bis 50 Euro an
Grundfahraufgaben für die Motorradklassen A1, A2 und A
Die praktischen Prüfungen für Motorradführerscheine setzen sich aus einer Reihe von Grundfahraufgaben zusammen, die deine Fertigkeiten im Umgang mit dem Zweirad unter Beweis stellen.
Für die Klassen A1 und A2 konzentrieren sich diese Aufgaben auf:
- Slalom fahren: Hier ist Präzision gefragt, während du mit Schrittgeschwindigkeit Manövrierfähigkeit zeigst.
- Bremsmanöver: Effektives und sicheres Abbremsen, um deine Reaktionsfähigkeit und Kontrolle bei plötzlichen Stopps zu demonstrieren.
- Ausweichübungen: Beweise deine Agilität und schnelle Reaktionsfähigkeit, indem du Hindernissen geschickt ausweichst, ohne die Balance zu verlieren.
In der Klasse A kommen weitere anspruchsvolle Aufgaben hinzu, die ein erhöhtes Maß an Geschicklichkeit und eine sichere Beherrschung des Motorrads erfordern. Diese umfassen:
- Erweiterte Slalomübungen: Bei höherer Geschwindigkeit und mit größeren Motorrädern musst du deine Fähigkeit unter Beweis stellen, agil und sicher zu navigieren.
- Komplexe Brems- und Ausweichkombinationen: Zeige, dass du in der Lage bist, dein Motorrad auch in anspruchsvollen und unerwarteten Verkehrssituationen sicher zu führen.
Jede dieser Aufgaben ist ein wichtiger Bestandteil der Prüfung und muss mit Bedacht und Konzentration angegangen werden, um die Prüfer von deiner Kompetenz als Motorradfahrer zu überzeugen.
Wichtige Prüfungselemente für A1, A2 und A
Die praktische Motorradprüfung testet deine Fähigkeit, auf zwei Rädern sicher und selbstbewusst zu navigieren. Hier sind die Schlüsselelemente, auf die du dich vorbereiten solltest:
- Stadtfahrt:
- Reaktionsvermögen: Beweise deine Fähigkeit, im städtischen Gewimmel souverän und sicher zu fahren.
- Situationsbewusstsein: Zeige, dass du auf unvorhergesehene Ereignisse adäquat reagieren kannst.
- Übungsplatz:
- Slalom mit Schrittgeschwindigkeit: Perfektioniere deine Manövrierfähigkeit, indem du Balance und Feingefühl beim Fahren eines Slaloms demonstrierst.
- Hochverzögerungsbremsung: Beweise, dass du in der Lage bist, dein Motorrad schnell und kontrolliert zum Stillstand zu bringen, wenn es darauf ankommt.
- Ausweichen ohne und mit vorherigem Abbremsen: Zeige deine Agilität durch geschickte Ausweichmanöver - mit und ohne vorheriges Bremsen.
- Zusätzliche Aufgaben:
- Aufgabenwahl: Der Prüfer wählt zusätzliche Aufgaben wie einen langen Slalom, Stop and Go oder Kreisfahrt aus. Jede Aufgabe verlangt Präzision und ein tiefes Verständnis für die Motorradkontrolle.
- Überland- und Autobahnfahrt:
- Anpassungsfähigkeit: Demonstriere, wie du deine Fahrweise den höheren Geschwindigkeiten auf Überlandstraßen und Autobahnen anpasst.
- Sicherheitsabstand und Überholmanöver: Halte einen sicheren Abstand zu anderen Fahrzeugen und führe Überholmanöver korrekt und sicher aus.
Insgesamt solltest du sechs Grundfahraufgaben meistern, wobei sich die Anzahl bei stufenweisem Zugang auf vier reduziert. Die Prüfung dauert insgesamt etwa 60 Minuten, wobei die reine Fahrzeit auf der Straße etwa 30 Minuten beträgt. Die Prüfer legen Wert darauf, dass du das Motorrad in allen Verkehrssituationen sicher beherrschst und auf unerwartete Ereignisse angemessen zu reagieren.
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