Du magst Radfahren, Reisen und Europa? Dann ist eine Pyrenäenüberquerung mit dem Rennrad genau das Richtige für dich! Die Idee, vom einen Meer ans andere zu fahren, hat einen besonderen Reiz. Jeder Tag "on the road" ist viel aufregender als eine Woche im gleichen Hotel am selben Standort.
EuroVelo: Das Radrouten-Netzwerk Europas
EuroVelo ist das größte Radrouten-Netzwerk Europas. Das Projekt des Europäischen Radfahrerverbands ECF verbindet auf 16 Radfernwegen den gesamten europäischen Kontinent. Steffi und Nico, die Blogger von „the road behind“, haben auf ihren EuroVelo-Touren unvergessliche Eindrücke gesammelt.
So sind sie zum Beispiel auf dem EuroVelo 8 von Narbonne in Südfrankreich über die Pyrenäen bis nach Spanien gefahren. Neben einer spektakulären Pyrenäenüberquerung direkt am Mittelmeer und dem wunderschönen Cap de Creus-Nationalpark war hier auch die politische Lage spannend. Die Überraschung der Reise war allerdings Barcelona. Die geschäftige Metropole am Mittelmeer erwies sich mit ihrem großartigen Radwegenetz als extrem fahrradfreundlich.
Die Route: Von Saint-Jean-de-Luz nach Argelès-Plage
Die Pyrenäen sind wild und einsam. Von Saint Jean de Luz am Atlantik bis nach Argelès Plage am Mittelmeer stehen 850 Kilometer, 20.000 Höhenmeter und 21 Pässe auf dem Programm. Eine Pyrenäen Durchquerung mit dem Rennrad lässt sich prima in etwas mehr als einer Woche mit dem Rennrad bewerkstelligen. Die 850 Kilometer Gesamtstrecke lassen sich dabei sehr gut auf acht Etappen à jeweils ca.
Nach 16 stündiger Busfahrt von Freiburg nach Saint Jean de Luz kommen wir endlich am Atlantik an. Wir starten eine kleine Runde zum Col d’Ignace auf 169 m. Es geht endlich los - Pyrenäendurchquerung mit dem Rennrad. Der erste Radurlaub im Ausland in diesem verrückten Corona Jahr. Noch schnell ein Foto von mir am Atlantik gemacht und ab gehts ins Landesinnere. So rollert die gut gelaunte Truppe 70 Kilometer durch das wunderschöne Nive Tal. Zum Glück ist es bewölkt und wie erhofft ist es im Landesinneren deutlich kühler als am Atlantik.
Steile Rampen und mystische Momente
Ab Jean-de-Pied-de-Port heißt es „Kette links“. Unfassbar welch steile Rampen sich mir entgegenstellen. Ich bin froh, dass meine Beine noch frisch sind und wuchte mich nach oben auf ein Hochplateau. Wir fahren durch dicke Nebenschwaden und können kaum die Fahrer, Kühe oder Schafe vor uns erkennen. Absolut mystisch. Unser Hotel liegt in Estérencuby. Absolutes Pyrenäen Niemandsland. Ohne Handyempfang. So hab ich mir das vorgestellt.
Die Durchquerung der Pyrenäen mit dem Rennrad fühlt sich an wie eine Woche Klassenfahrt. Am nächsten Morgen können wir unser Glück kaum fassen. Die Tour de France, die coronabedingt auf den September verschoben wurde, ist heute auf demselben Berg wie wir. Nur etwa 2 Stunden vor uns fahren die Profis, wahrscheinlich fünfmal so schnell wie wir. Top motiviert treten wir in die Pedale. Es folgt Pass auf Pass. Die baskischen Namen sagen mir alle nichts, sind aber sehr gut zu fahren. Los geht es mit dem steilen Col Arranohegi, gefolgt von Col de Sourzay und Col Bagargui. Die Strassen sind alle in sehr gutem Zustand. Im Gegensatz zu Italien ein erfreulicher Unterschied.
Nach der Mittagspause nehmen wir den mächtigen Col du Soudet in Angriff und ich fühle mich wie ein Profi. Die Menschen am Rande der Straße feuern mich begeistert an, als ich durch die verbleibenden Bögen der Tour de France fahre. Mit der neu gewonnenen Energie trete ich gleich ein bisschen schneller in die Pedale und lasse mir die Anstrengung nicht anmerken. Insgesamt eine tolle Stimmung.
Tour de France Klassiker
Auch der dritte Tag hat es höhenmeter-technisch in sich. Wir kommen zu den Tour de France Klassikern. Es fängt entspannt an - durch das Tal Vallée d’Ossau geht es mit nur leichter Steigung stetig hinauf. Ich bin vor allem von der Einfachheit der Pyrenäen stark beeindruckt. Hier ist kein Mensch unterwegs - keine Sportwägen und keine Motorräder, die Dich schier mit lautem Gebrüll über den Haufen fahren. Ziegen, Pferde und Kühe bewegen sich frei im Gelände und auf den Strassen. Alle Achtung gilt vor allem in der Abfahrt: Die süssen Zottelviecher wollen umfahren werden. Kuh- und Ziegenmist in Kombination mit Nieselregen macht die Strasse glitschig und das Radl dreckig. Da wünscht man sich ausnahmsweise doch mal Schutzbleche.
Wir nehmen die nächsten 700 Höhenmeter in Angriff, es geht auf den Col de Marie-Blanque, der erste Pass des Tages auf 1.035 Meter Höhe. Nach einer kleinen Pause im Tour-de-France Städtchen Laruns erklimmen wir den Col d’Aubisque auf 1.709 Höhenmetern. Im Anschluss wartet der Cirque du Litor auf uns, die traumhafte Höhenstrasse zwischen Col d’Aubisque und Col de Soulor.
Die Königsetappe
Nach drei intensiven Radl-Tagen machen sich meine Beine bemerkbar. Doch am vierten Tag meiner Pyrenäen Durchquerung mit dem Rennrad steht die Königsetappe an. Mit den Klassikern Col du Tourmalet, Col d’Aspin und dem Col d’Peyresourde geht es höhenmeter technisch echt zur Sache. Trotz müder Beine finde ich es genial hier zu sein. Die Namen dieser Pässe kenn ich zwar aus dem Fernsehen, jetzt erst kann ich mir etwas drunter vorstellen.
Wir erklimmen den Tourmalet von der deutlich schöneren Westseite. Vom sich anschließenden Col d’Aspin genießen wir die rasante Abfahrt in Richtung Arreau. Damit wäre eigentlich schon eine vollwertige Etappe absolviert, doch wir fahren auch noch über den Col de Peyresourde. Die Gedanken an die Crépebude am Gipfel des Col de Peyresourde machen die Schmerzen erträglich. Hier kollekte ich Cols 😉Und weiter geht’s mit meiner Pässe-Sammlung: Es geht über den Col de Mente und die steile Westrampe hinauf zum Col de Portet d’Aspet und den Col de lade Core (1.395) in das Städtchen Oust.
Leichtere Etappe und das Mittelmeer in Sichtweite
Abends im Hotel merke ich wie müde meine Beine sind. Die Höhenmeter haben ihre Spuren hinterlassen. Ein Ruhetage ist auf unserer Tour nicht vorgesehen und mein Körper sagt, dass es Zeit für eine leichtere Etappe wird. Ein einsames Pässedouble in der Ariège steht auf dem Programm.
Mit dieser Etappe verlassen wir die Hoch-Pyrenäen und langsam aber sicher wird es wärmer. An der Architektur der Häuser und der trockeneren Landschaft merkt man deutlich, dass das Mittelmeer nicht mehr weit sein kann. Ein letzter großer Pyrenäen Klassiker steht mir noch bevor. Der Port de Pailhères auf 2.014 Metern ist einer der schönsten Gipfel der ganzen Tour. Die wunderschöne Serpentinenabfahrt auf der Ostseite führt uns ins Aude Tal.
Das Ziel: Argelès-Plage
Wir haben die Pyrenäen Durchquerung mit dem Rennrad bald geschafft! Die Vorfreude am letzten Tag der Tour ist riesig. Aber gleichzeitig auch die Wehmut, dass die Tour am heutigen Abend vorbei sein wird.
Zunächst fahren wir durch das Tal de Tet zum Col de Palomère. Von hieraus geht es nur noch bergab. Ausrollen bis ans Mittelmeer, bis nach Argelès-Plage. Es folgt das traditionelle Foto Finish am Strand, mit dem Vorderrad in der Brandung. Eine Woche Pyrenäen Durchquerung mit dem Rennrad.
Die Pyrenäen bestechen durch ihre rustikale Schönheit, die Einsamkeit und die Einfachheit der Leute und der Unterkünfte. Es wird nicht mein letzter Besuch dort unten gewesen sein. Schließlich wartet noch die andere Seite auf mich - vom Mittelmeer an den Atlantik.
Tipps für die Planung deiner Pyrenäenüberquerung
Hier sind einige Tipps, die bei der Planung einer Pyrenäenüberquerung mit dem Rennrad helfen können:
- Verpflegung: Die Franzosen essen morgens süß, d.h. es gibt in jeder Pension und in jedem Hotel Croissant und Baguette ohne Ende. Wer etwas anderes bevorzugt, sollte sich selbst versorgen.
- Einsamkeit: Die Pyrenäen sind einsam, das ist Fluch und Segen zugleich. Ein Erste Hilfe Set und eine Wärmedecke sollten immer dabei sein. Außerdem empfiehlt es sich, die Notfallnummern vorher zu recherchieren, im Handy abzuspeichern und einen Notfallkontakt zu hinterlegen.
- Pferdesalbe: Die vielen Höhenmeter machen sich spätestens am vierten Tag bemerkbar: Pferdesalbe hilft gegen müde Beine.
- Straßenbelag: In Bezug auf den Straßenbelag sind die Wege in den Pyrenäen in überraschend gutem Zustand. Die Herausforderung in den Pyrenäen liegt eher darin, dass sich sehr viel Kuh- und Ziegenmist auf der Straße befindet.
- Abfahrten: Die Abfahrten sind jedoch mindestens genauso anspruchsvoll wie die Auffahrten. Es geht steil bergab. Gerade in Kombination mit Nässe und Regen wird das richtig anspruchsvoll, vor allem wenn Du noch kein geübter Abfahrer bist. Scheibenbremsen sind hier von Vorteil.
- Wetter: Die Landschaft in den Pyrenäen ist sehr abwechslungsreich, genauso wie das Wetter. Mal Sonne, mal Regen - mal war es warm und manchmal auch richtig kalt. Beinlinge, Armlinge, Halstuch, Stirnband und Regenjacke sollten immer dabei sein.
- Reisezeit: Die Pyrenäen Durchquerung mit dem Rennrad bietet sich vor allem für den Spätsommer bzw. September an.
Unterkünfte in den Pyrenäen
In den Pyrenäen gibt es genügend Unterkünfte. Viele Hotels haben noch geschlossen (Saison in Frankreich erst ab ca. Mitte Juli) oder aufgegeben. Im Westen noch besser (u.a. wegen vieler Jakobspilger auf vielen Wegvarianten), weiter östlich kann man sogar größeren Orten in Frankreich ohne offenes Hotel begegnen. Wenn Ihr zu mehreren fahrt, würde ich Übernachtungen unbedingt vorerkunden - nicht unbedingt wegen des Platzes, sondern welche Übernachtungsstätten überhaupt offen sind.
Vom Preisniveau liegen die Pyrenäen unter den meisten Alpenregionen, sowohl auf der Nord- als auch auf der Südseite.
La Route des Cols: Die Traumstraße der Pyrenäen
La Route des Cols ist die Traumstraße im tiefen Süden Frankreichs. Hinter der schönsten Panoramastrecke durch die Pyrenäen steckt Napoleon III. Der französische Kaiser wollte mit seiner Pyrenäen-Thermalstraße den Tourismus in den Kurorten der Pyrenäen neu beleben.
Von den Pyrénées-Atlantiques geht es via Hautes-Pyrénées, Haute-Garonne, Ariège, Aude bis in die Pyrénées-Orientales. Am Col du Soulor weiden Esel halbwild.
Einige Highlights entlang der Route des Cols:
- Saint-Jean-de-Luz: Stadtansicht vom Strand. Hier könnt ihr das letzte Mal den Atlantik mit allen Sinnen erleben.
- Ainhoa: Eines der schönsten Dörfer Frankreichs.
- Saint-Jean-Pied-de-Port: Das malerische Städtchen vibriert unter den Schritten der Pilger, die dort die Passage über die Pyrenäen beginnen.
- Laruns: Dort beginnt in Laruns der spektakulärste Abschnitt der Route des Cols.
- Cauterets: Herrlich nostalgisch, die Esplanade von Cauterets.
- Col du Tourmalet: Hier solltet ihr etwas verweilen und von La Mongie mit der Seilbahn hinauf zum Pic du Midi de Bigorre schweben.
- Luchon: 13 Dreitausender: Das Panorama von Luchon-Superbagnères beeindruckt!
- Ax-les-Thermes: Nach dem Skiaufen wie nach dem Stadtbummel einfach herrlich - die Füße ins warme Brunnenwasser zu halten.
- Banyuls: Ein Bummel durch Banyuls, eine Kostprobe der berühmten Süßweine.
Beispielhafte Etappenorte einer Pyrenäenüberquerung
Eine mögliche Routenführung für eine Pyrenäenüberquerung mit dem Rennrad könnte wie folgt aussehen:
- Saint Michel bei Saint-Jean-Pied-de-Port
- Eaux-Bonnes bei Laruns
- Luz-St. Sauveur
- Bagneres-de-Luchon
- Sort in Spanien
- Ax-Les-Thermes
Die Hotels auf französischer Seite können im Voraus gebucht werden, zumeist über Logis de France. Das hat gut geklappt. Die Übernachtung in Salt ging auch so. Insgesamt war Ende Juni wenig Betrieb, aber auch das Wetter war bei uns durchwachsen. Die Straßen waren fast überall in guter Verfassung. Damit hatten wir keine Probleme. Unsere Tagesetappen waren zwischen 87 und 158 km lang. Bei den Höhenmetern haben wir zwischen 1400 und 2900 hm pro Tag notiert.
Höhenmeter und Schwierigkeitsgrad
Wer in den Pyrenäen 140km am Tag fahren und dabei nur 1000 bis 2000 Hm wegquetschen will, sollte schon eher im Pyrenäenvorland und nicht mittendrin unterwegs sein. Die Touren in den Pyrenäen sind anspruchsvoll und erfordern eine gute Vorbereitung. Eine Pyrenäen Durchquerung mit dem Rennrad bietet sich vor allem für den Spätsommer bzw. September an.
Die Pyrenäen mit dem Gravelbike erkunden
Für mehr Abwechslung und Abenteuer kann die Tour auch mit einem Gravelbike unternommen werden. Das nächste Mal würde ich mir jedoch mein Gravelbike schnappen und alleine losziehen, um der Tour mehr Abwechslung und Abenteuer zu verleihen.
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