Die Scheibenbremse ist zweifellos ein Meilenstein in der Welt des Fahrradfahrens, aber um ihre Spitzenleistung zu erreichen, ist das Einbremsen von entscheidender Bedeutung. Das Einbremsen deiner Scheibenbremse ist entscheidend für deine Sicherheit und die Performance beim Fahrradfahren.
Das Einbremsen ist der Prozess, bei dem du die Bremsbeläge und Bremsscheiben aufeinander abstimmen und optimieren kannst. Neue Scheibenbremsen sind oft mit einer glatten Oberfläche ausgestattet, die ihre volle Bremskraft einschränkt.
Warum ist das Einbremsen wichtig?
Beim Einbremsprozess bzw. Einschleifen passen sich Bremsscheibe (Disc Brake) und Bremsbelag optimal aufeinander an. Mikroskopisch kleine Unebenheiten auf beiden Bauteilen werden abgeschliffen, so dass der Bremsbelag beim Bremsen plan auf der Bremsscheibe aufliegt. Dieses ist sehr wichtig, damit später beim Bremsvorgang diese beiden Komponenten perfekt Kontakt finden und das Laufrad verlangsamen. Aber nicht nur das.
Beim kräftigen Einbremsen finden bei einem neuen Bremsbelag chemische Prozesse statt. Der Belag ist ab Werk noch recht weich. Beim Bremsen wird der Belag stark erhitzt. Das Material gast aus. Der ehemals weiche Belag härtet aus, ist temperaturresistent und kann nun seine optimale Bremswirkung entfalten.
Findet kein Aushärten der Beläge statt, ist dieser so weich, dass er frühzeitig extrem verschleißt und dadurch wieder früher gewechselt werden muss. Außerdem können die Bremsbeläge deutlich eher überhitzen, dann verglasen und im Extremfall durch die übermäßige Hitze sogar die Bremsscheiben (Disc Brakes) in Mitleidenschaft ziehen und leicht verformen.
Wie Sie sehen, geht ein Unterlassen des Einbremsens der Scheibenbremsen-Beläge mit einem erhöhten Kostenaufwand und deutlich verminderter Sicherheit einher.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Einbremsen von Scheibenbremsen
Hier erfährst Du, wie Du Bremsbeläge am besten einbremsen kannst und warum das sinnvoll ist. Das Einbremsen der Beläge ist relativ einfach, braucht nur ein paar Minuten und den Unterschied wirst Du sofort spüren. Im How-to erklären wir Dir Schritt für Schritt, wie das geht und was dabei eigentlich passiert.
1. Vorbereitung
- Stelle dein Fahrrad auf einen sicheren Ständer.
- Überprüfe zuerst, ob deine Bremsscheiben und -beläge in gutem Zustand sind.
- Suche eine sichere Umgebung, wo Du ungestört bist und relativ viel Platz hast. Ein leerer Parkplatz funktioniert gut, aber auch ein übersichtlicher Forstweg, auf dem wenig los ist.
2. Einschleifen der Bremsbeläge und Bremsscheiben
Beläge und Bremsscheiben müssen zunächst eingeschliffen werden. Das ist wichtig, damit die mikroskopisch kleinen Unebenheiten der jeweiligen Oberflächen ausgeglichen werden. Ansonsten reiben nur die Spitzen dieses Mini-Gebirges aufeinander, was zu extrem hoher lokal begrenzter Hitzeentwicklung führt.
Die Folge: Beläge werden thermisch überlastet und können verglasen (insbesondere Sintermetall-Beläge), Scheiben können verziehen. Wir beginnen daher mit einer ganz sanften Schleiffahrt in Schrittgeschwindigkeit. Lassen Sie dabei zuerst die MTB-Scheibenbremse bei langsamer Fahrt oder geringem Gefälle 200 bis 300 Meter leicht schleifen.
3. Moderate Bremsungen
Den Einbremsprozess der Scheibenbremse geben die Bremsenhersteller meist so oder so ähnlich an: mindestens 30 moderate Bremsungen aus mittlerer Geschwindigkeit (ca. 30 km/h) fast bis zum Stillstand. Fast bis zum Stillstand deshalb, damit sich keine Anhäufungen von Bremsbelag auf der Reibfläche bilden, die später ungewünschte Vibationen (Ursache für Geräusche) hervorrufen können. Man sollte während dieses Schrittes eine Zunahme der Bremswirkung spüren.
- Beschleunige auf etwa 30 km/h - Du musst nicht sprinten, aber etwas schneller, als würdest Du nur entspannt dahinrollen, sollte es schon sein.
- Ziehe eine von beiden Bremsen so stark, dass das Rad gerade noch nicht blockiert. Lass sie so schleifen, bis du stehst. Es hilft, dabei Dein Gewicht nach vorne oder hinten zu verlagern, je nachdem, ob Du gerade die Vorder- oder Hinterradbremse einbremst.
- Wenn Du zum Stehen gekommen bist, dann wiederhole die ersten beiden Schritte so oft, bis Du spürst, dass die Bremsleistung zunimmt. Wie viele Wiederholungen es dazu braucht, hängt von einigen Faktoren ab - Geschwindigkeit, Art der Bremsbeläge, Temperatur und auch Größe der Bremsscheibe.
- Nun kannst Du den Vorgang mit der jeweils anderen Bremse durchführen.
4. Heißbremsen (nur bei organischen Bremsbelägen)
Zum Abschluss des Einbremsens von Scheibenbremsen am Mountainbike sollte man - bei organischen Belägen - das Ausgasen provozieren. Dazu auf einer langen, steilen Abfahrt die Bremse (einzeln!) so lange schleifen lassen (also: richtig heiß bremsen), bis das Initial-Fading beginnt, die Bremswirkung also deutlich nachlässt. Ganz Hartgesottene bleiben jetzt sogar so lange auf der MTB-Bremse, bis die Verzögerungswirkung wieder zurückkommt. Erst dann ist der Belag optimal eingebremst, verschleißfest und standfest.
Sinter-metallische Bremsbeläge und auch die meisten sogenannten semi-metallischen Belagmischungen bei Scheibenbremsen benötigen diesen Schritt in der Regel nicht zum Ausgasen, da sie keine oder nur sehr geringe Anteile flüchtiger Lösemittel enthalten. Allerdings müssen auch sie hohen Temperaturen ausgesetzt werden, damit sich die nötige Reibschicht nachhaltig ausbilden kann.
5. Wiederholung für beide Bremsen
Widme Dich der Vorder- und Hinterradbremse jeweils einzeln! So funktioniert das Einbremsen besser als würdest Du versuchen, beide zugleich einzubremsen.
Zusätzliche Tipps und Informationen
- Regelmäßige Wartung: Halte deine Bremsscheiben und Beläge stets sauber und frei von Schmutz und Öl.
- Bremstechnik: Lerne die richtige Bremstechnik, um die Bremsbeläge und -scheiben zu schonen.
- Vorbehandlung durch den Hersteller: Im Fertigungsprozess lässt sich das Ausgasen organischer Beläge auch durch das starke Erhitzen der Beläge vom Hersteller produzieren. Der Bearbeitungsschritt heißt “Flämmen” oder “Scorchen”. Dabei werden die Beläge der Scheibenbremse über mehrere Minuten hohen Temperaturen (400 °C) ausgesetzt.
- Verschiedene Beläge benötigen unterschiedlich lang, bis sie eingebremst sind.
- Tipp: Wenn Du die Bremsbeläge vor dem Einbau etwas mit Sandpapier anraust, kannst Du die Prozedur des Einbremsens oft etwas beschleunigen.
Was passiert, wenn Du neue Beläge nicht einbremst?
Wenn Du Deine Bremsbeläge und Bremsscheiben nicht gezielt einbremst und einfach losfährst, wird sich der Effekt irgendwann durch die ganz normale Nutzung der Bremsen einstellen. Das kann aber einige Touren dauern. So lange verzichtest Du auf einen erheblichen Teil Deiner möglichen Bremsleistung, was gerade im Gelände unangenehm sein kann. Da Vorder- und Hinterradbremse beim ganz normalen Fahren unterschiedlich stark beansprucht werden, werden sie unterschiedlich lange brauchen, bis sie eingebremst sind. Es lohnt also, ein paar Minuten ins Einbremsen zu investieren, damit Du von Anfang an die volle Power Deiner Scheibenbremsen nutzen kannst.
Basiswissen - Organische vs. Gesinterte Bremsbeläge
Im Handel findet man im Wesentlichen zwei Arten von Bremsbelägen: Organische Beläge, gefertigt aus mehrheitlich organischen Stoffen. Und gesinterte Beläge, bestehend aus gepressten Metall- und Keramikteilen. Eher selten sieht man Semi-Metall-Beläge, eine Mischform aus organisch und gesintert.
Generell kann man sagen: Organische Beläge neigen weniger zu Quietschgeräuschen als gesinterte Beläge. Sie haben eine etwas höhere Bremsleistung, verschleißen aber unterm Strich schneller. Die Metall-Kollegen vertragen höhere Temperaturen, erzeugen aber auch mehr Hitze im Bremssystem. Die Beläge selbst sind standfest, aber sie verschleißen die Scheiben schneller als organische Beläge.
Egal für welchen Typ man sich letztlich entscheidet - Das richtige Einbremsen muss sein!
Tabelle: Vergleich organischer und gesinterter Bremsbeläge
| Eigenschaft | Organische Bremsbeläge | Gesinterte Bremsbeläge |
|---|---|---|
| Geräuschentwicklung | Weniger Quietschgeräusche | Neigen eher zu Quietschgeräuschen |
| Bremsleistung | Etwas höhere Bremsleistung | Gute Bremsleistung |
| Verschleiß | Verschleißen schneller | Verschleißen langsamer |
| Temperaturbeständigkeit | Weniger temperaturbeständig | Höhere Temperaturbeständigkeit |
| Scheibenverschleiß | Verschleißen die Scheiben weniger | Verschleißen die Scheiben schneller |
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