Wo früher Züge durch malerische Landschaften ratterten, verlaufen heute gut ausgebaute Radwege. Radtouren über alte Bahntrassen sind wie eine kleine Zeitreise durch den Schienenverkehr von gestern.
Abseits vom Autoverkehr führen Fahrradwege häufig durch dichte Wälder, idyllische Täler und vorbei an kleinen Ortschaften, die zur Rast einladen. Besonders reizvoll sind die alten Bahntrassenradwege, weil sie oft an interessanten Bauwerken liegen.
Historische Viadukte spannen sich über Flusstäler, ehemalige Tunnel sorgen für eine kühle Abwechslung an heißen Tagen, und entlang der Strecken finden sich immer wieder alte Bahnhöfe, die heute als Cafés oder Museen dienen.
Dabei bieten die Strecken nicht nur Genussradlerinnen und ‑radlern perfekte Bedingungen, sondern auch Familien und E-Bike-Fans, die sich über das moderate Höhenprofil freuen können. In Deutschland hat sich eine faszinierende Vielfalt an Bahntrassenwegen entwickelt.
Das Spektrum reicht von kurzen innerörtlichen Verbindungswegen auf alten Industrieanschlussgleisen über geschotterte Wald- und Wirtschaftswege bis hin zu äußerst komfortablen Feinasphaltpisten, die eine große Bandbreite an Freizeit- und Alltagsnutzern anziehen.
Bei der geographischen Verteilung sticht ein Streifen von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz bis Sachsen hervor, also einer von Mittelgebirgen geprägten Region, in der Bahntrassenwege aufgrund ihrer besonderen Linienführung punkten können. Im Ruhrgebiet werden dabei die zahlreichen, meist kurzen Strecken zunehmend zu Netzstrukturen verbunden.
Die Vielfalt der Bahntrassenradwege in Deutschland
In Deutschland gibt es etliche solcher Bahntrassenradwege. Ob durch die Mittelgebirge, entlang von Flüssen oder durch weitläufige Ebenen - jede Strecke hat ihren eigenen Charme und erzählt ihre ganz eigene Geschichte.
Einige ausgewählte Bahntrassenradwege in Deutschland:
- Hamburg: Marschbahndamm-Radweg: Dieser Radweg führt auf rund 33 Kilometern durch die malerische Landschaft der Vier- und Marschlande nahe Hamburg.
- NRW: Vennbahnweg Aachen-Raeren: Dieser Abschnitt des Vennbahnwegs führt Radfahrerinnen und Radfahrer 17,7 Kilometer auf den Spuren der ehemaligen Bahnstrecke von Aachen-Rothe Erde über Walheim bis ins belgische Raeren.
- Baden-Württemberg: Wanderbahn Mudau-Mosbach: Die Wanderbahn Mudau-Mosbach führt durch die waldreichen Höhen des Odenwalds und bietet auf rund 27 Kilometern ein ruhiges, naturnahes Fahrraderlebnis.
- Rheinland-Pfalz: Maare-Mosel-Radweg: Der Maare-Mosel-Radweg in Rheinland-Pfalz ist ein Paradies für Familien sowie Genießerinnen und Genießer, denn er bietet nahezu keine Steigungen, dafür aber umso mehr Naturerlebnisse.
- Saarland: Bliestal-Freizeitweg: Der Bliestal-Freizeitweg führt Radfahrerinnen und Radfahrer durch das malerische Biosphärenreservat Bliesgau, eine der schönsten Naturlandschaften im Saarland.
- Thüringen: Mommelstein-Radweg: Der Mommelstein-Radweg zählt zu den landschaftlich schönsten Radwegen Thüringens und verbindet den Rennsteig-Radweg mit dem Werratal-Radweg.
- Bayern: Gaubahn-Radwanderweg: Der Gaubahn-Radweg verbindet das Maintal mit dem Taubertal und führt auf einer stillgelegten Bahntrasse durch die sanft hügelige Landschaft des Ochsenfurter Gaus von Ochsenfurt nach Weikersheim.
Der BahnRadweg Hessen: Eine detaillierte Streckenbeschreibung
Ein besonders attraktives Beispiel für einen Bahntrassenradweg ist der BahnRadweg Hessen. Ab dem Mainufer unterhalb von Schloss Philippsruhe in Hanau-Kesselstadt startet der BahnRadweg Hessen. Bis nach Bad Hersfeld sind es insgesamt 245 km landschaftlich tolle Kilometer.
245 km sind es von Hanau über Fulda bis nach Bad Hersfeld, 400 km als Rundtour unter Einbeziehung des Fuldaradweges. Dank der Routenführung über extra angelegte Radwege auf ehemaligen Bahntrassen ist der BahnRadweg Hessen auch für den untrainierten Radler ein Genuss. Eine geringe Steigung trotz Mittelgebirge und Feinasphalt mit „Rollautomatik“ machen richtig Lust auf Fahrradfahren.
Die gute Bahnanbindung - nicht nur der beiden Endpunkte - sondern auch entlang der Strecke sowie Radbusse im Sommerhalbjahr machen viele Tourvarianten möglich: vom Tagesausflug bis zur Radelwoche als 400 km lange Rundtour. Im Süden ist die Anfahrt nach Hanau über den Mainradweg eine gute Alternative zur Bahn. Im Norden bieten die Radwege an Weser, Fulda und Werra eine ideale Anfahrt für Tourenradler.
Das passende Panorama bieten die Naturparke in Spessart, Vogelsberg und Rhön.
Die Barbarossastadt Gelnhausen, die Keltenwelt am Glauberg, Fachwerk in Lauterbach, die Burgenstadt Schlitz, das barocke Fulda oder die Kur- und Festspielstadt Bad Hersfeld sind die kulturellen Höhepunkte am Weg machen die Tour zu einem unvergessenen Erlebnis. Auch die Gedenkstätte Point Alpha ist nur knapp 4 km vom Weg entfernt (ab Geisa) und einen Abstecher wert. Hier standen sich die Vorposten von NATO und Warschauer Pakt vier Jahrzehnte lang Auge in Auge gegenüber.
Die Etappen des BahnRadweg Hessen
Der BahnRadweg Hessen lässt sich ideal in Etappen einteilen, um die Vielfalt der Landschaft und Kultur optimal zu erleben. Hier eine Übersicht der einzelnen Etappen:
- 1. Etappe: Hanau-Glauburg - Vom Main in die Wetterau: Die erste Etappe des BahnRadweg Hessen kann ohne Probleme noch am Anreisetag gefahren werden. Sie startet in der schönen Stadt Hanau. Auf den folgenden 31 Kilometern für diese Etappe nach Glauburg.
- Länge: 31,2 km
- Dauer: 2 bis 3 h
- 2. Etappe Glauburg-Schlitz: Die zweite Etappe mit fast 85 Kilometern führt die Radfahrer nun weiter nach Osthessen. Der BahnRadweg führt nun weiter über Lauterbach mit dem Hohhaus-Palais nach Bad Salzschlirf, einer kleinen Kurstadt. Die Etappe endet in Schlitz - der Burgenstadt, die alle zwei Jahre ein großes Trachtenfest feiert.
- Länge: 84,4 km
- Dauer: 7 bis 8 h
- 3. Etappe Schlitz-Hilders: Der dritte Tag führt vom Vogelsberg in die Rhön. Auf 57 Kilometern folgen Sie nun dem Verlauf der Fulda in Richtung Ihrer Quelle. Auf diesem Weg erreichen Sie auch die gleichnamige Stadt Fulda. Finaler Halt dieser Etappe ist in Hilders, wo die Beine zum Ende das Tages in dem Hallenbad Ulsterwelle abgekühlt werden können.
- Länge: 57 km
- Dauer: 5 bis 6 h
- 4. Etappe: Hilders-Phillipstal: Diese Etappe des BahnRadweg Hessen folgt dem Ulstertal nach Norden. Weiter führt die Route vorbei an Vacha und endet kurz danach in Philippsthal, wo Sie den Tag entspannt am Schloss ausklingen lassen können.
- Länge: 38,9 km
- Dauer: 3 bis 4 h
- 5. Etappe: Phillipstal-Bad Hersfeld: Auf diesem Abschnitt führt Sie der Radweg in nur 32 Kilometern nach Bad Hersfeld. Mit der Stiftsruine, der Wissens- und Erlebniswelt „wortreich“ und dem dem Kurpark der Jahreszeiten gibt es wirklich allerhand zu entdecken.
- Länge: 32,1 km
- Dauer: 3 bis 4 h
- 6. Etappe: Bad Hersfeld-Lauterbach: Um die Rundtour von 400 Kilometern zu ermöglichen, führt dieser Abschnitt zum größten Teil auf dem Fulda-Radweg R1. Kurz vor Schlitz steigen Sie wieder in den BahnRadweg Hessen ein und schließen die Tour und den Tag nach 43,3 Kilometern in Lauterbach ab.
- Länge: 43,3 km
- Dauer: 4 bis 5 h
- 7. Etappe: Lauterbach-Birstein: Von Lauterbach aus fahren Sie diesen Tag in 51 Kilometern nach Birstein. In Birstein können Sie Ihren Tag mit Blick auf das Schloss des Fürstenhaus Isenburg ausklingen lassen.
- Länge: 50,9 km
- Dauer: 4 bis 5 h
- 8. Etappe: Birstein - Hanau: Auf der Strecke von 56 Kilometern fahren Sie auch durch Gelnhausen. Hier können Sie die berühmte Wasserburg Kaiserpfalz oder die Fachwerkhäuser in der Altstadt besichtigen.
- Länge: 56,2 km
- Dauer: 4 bis 5 h
Vulkan-Express im Vogelsberg
Von Mai bis Oktober fährt an allen Samstagen, Sonn- und Feiertagen der Vogelsberger Vulkan-Express. Alle Busse sindmit Radanhängern ausgestattet. Es gilt der RMV-Tarif, die Radmitnahme ist kostenlos.
Drei der sechs Buslinien verlaufen entlang des Vulkanradweges, eine Buslinie pendelt entlangdes Südbahnradweges, eine weitere teilweise entlang der Niddaroute. Fünf der sechs Linien treffen sich auch auf dem Hoherodskopf.
Die Region Vogelsberg erreichen Sie aus Richtung Rhein-Main, Fulda und Gießen bequem mit der Bahn. Umstiegsmöglichkeiten zum Vulkan-Express bestehen in Hungen, Nidda,Stockheim, Wächtersbach, Lauterbach und Mücke.
Anmeldung auch für Einzelpersonen empfehlenswert, für Pedelecs und Gruppen ab 4 Personen erforderlich! Anmeldung nur telefonisch möglich bis Freitag (bzw. bis zum letzten Werktag vor Feiertagen) 13 Uhr!
Bahntrassenradwege im Ruhrgebiet
Bahntrassenradeln im Ruhrgebiet, d.h. dort radzufahren, wo einst Güterzüge zu den großen Fabriken fuhren und tonnenschwere Produkte raus in die weite Welt rollten. Jeder Bahntrassenradweg im Ruhrgebiet gibt Einblicke in die Geschichte der Region. Die ausgebauten Radwege führen direkt vorbei an beeindruckenden Industriedenkmälern und bieten dabei Radgenuss vom Feinsten.
- Der Bananenradweg verläuft auf 3,6 Kilometern vom Dortmunder Zentrum nach Süden ins Emschertal und stellt damit eine wichtige Radverbindung vom Zentrum zum Phoenix See dar.
- Der Bahntrassenradweg der Elbschetalbahn führt vom Ruhrtal bei Wetter-Wengern nach Süden in den Ennepe-Ruhr-Kreis.
- Der Bahntrassenradweg Gneisenautrasse verläuft über 5,8 Kilometer vom Datteln-Hamm-Kanal bei Lünen zum Gelände der Zeche Gneisenau in Dortmund.
- Die Bahntrasse der ehemaligen Klöcknerbahn verläuft auf rund 13 Kilometern im Kreis Unna.
- Die Lothringentrasse verbindet auf knapp 5,5 Kilometern das Gelände der ehemaligen Zeche Lothringen mit dem Bochumer Stadtzentrum.
- Die Springorumtrasse ist die optimale Verbindung, um in Bochum auf 9,7 Kilometern bestem Asphalt von der Innenstadt ins Ruhrtal zu radeln.
- Auf knappen 4 Kilometern führt die Wolfsbahntrasse in Duisburg Radelnde durch den Stadteil Marxloh.
Bewertung von Bahntrassenradwegen
Für eine schnelle Orientierung, welche Wege einen längeren Ausflug, einen Abstecher oder Umweg lohnen, bzw. welche eher lokale Bedeutung haben, wurden die besuchten Wege mit bis zu vier Fahrrädern bewertet.
Die Dokumentation der einzelnen Wege setzt sich aus einer detaillierten Beschreibung der Routenführung, Fotografien und der Darstellung im Kartenbild zusammen, sodass der Verlauf leicht nachvollzogen werden kann.
Weitere bemerkenswerte Bahntrassenradwege
- Der Milseburgradweg liefert ein exzellentes Beispiel für einen Radweg, der eine attraktive Mittelgebirgsregion breiten Radfahrerkreisen erschließt.
- Im Juni 2009 war es soweit: Der Erzbahnweg ist mit dem Brückenschlag über den Rhein-Herne-Kanal fertig! Die auf bis zu 15 m hohen Dämmen verlaufende Trasse ist das absolute Highlight der Bahntrassenradwege im Ruhrgebiet, in dessen Umfeld zahlreiche weitere Wege zu finden sind.
- Die Nordbahntrasse in Wuppertal gehört zu den ambitioniertesten Bahntrassenwegeprojekten in Nordrhein-Westfalen, das ab Dezember 2014 durchgängig befahrbar, aber hinsichtlich aller Tunnel- und Brückensanierungen erst 2020 abgeschlossen sein wird.
- Der Panorama-Radweg Balkantrasse wurde auf dem Abschnitt von Burscheid über Wermelskirchen nach Remscheid am 22. April 2012 eröffnet, die Anbindung nach Opladen, die vom Förderverein Balkantrasse Leverkusen e. V. gebaut wird, folgte am 29. Juni 2014.
- Mit dem SauerlandRadring findet Nordrhein-Westfalen endlich Anschluss bei den längeren und touristisch relevanten Mittelgebirgs-Bahntrassenwegen.
- Der in vieler Hinsicht vorbildliche Maare-Mosel-Radweg ist nicht nur aufgrund der Streckenlänge für Bahntrassenradler ein Muss.
Informationen und Ressourcen
Dank Infotafeln und Hinweisschildern lässt sich auf vielen dieser Radtouren auch etwas über die Geschichte der ehemaligen Bahntrasse erfahren. Gepaart mit alten Viadukten, teils restaurierten Bahnhöfen und gemütlichen Cafés und Imbissbuden ist das Bahntrassenradeln nicht umsonst für viele Radlerinnen und Radler ein Highlight in Deutschland.
In Deutschland gibt es inzwischen um die 813 Bahntrassenradwege, entsprechend etwa 5600 km (Quelle: A. Bartoschek 2024), etwa weitere 80 sind bereits in der Planung.
Hinweis
In einem inzwischen recht kleinräumigen und dicht besiedelten Land wie Deutschland, wird der Raum für die Natur immer knapper. So muss es wohl nicht eigens erwähnt werden, dass auch auf den alten Bahntrassen, auf denen man abseits der großen Verkehrswege durch die Natur fahren kann, entsprechende Rücksicht und umsichtiges Verhalten angesagt ist.
Die ehemaligen Bahnstrecken ermöglichen es dem Radler, unsere Mittelgebirgslandschaft auch ohne extreme Steigungen zu durchqueren und die Landschaft zu genießen. Sie sind mit ihren Bauwerken auch ein industriell-kulturelles Erbe, das durch die Pflege der Radwege erhalten werden sollte.
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