Radfahren auf Öland: Tipps für Familien

Schweden ist ein wunderbares Reiseland für radelnde Familien, auch wenn es weniger bekannt ist als Dänemark. Der Verkehr ist niedrig und die Autofahrer sind entspannt und zuvorkommend. Flaches Radelterrain findet man vor allem auf den schwedischen Inseln. Die sonnenreiche und milde Ostseeinsel Öland ist berühmt für ihre ausladenden Strände und bekannt für ein niederschlagarmes Wetter.

Warum Öland ideal für Radtouren mit Kindern ist

Mit ihrer Ausdehnung von 140 Kilometer in der Länge und gerade mal 16 Kilometer Maximalbreite ist Öland zwar (nach Gotland) die zweitgrößte Insel Schwedens, aber gleichzeitig auch die kleinste Provinz des Landes. Mit kleinen Kindern kann man sie gemütlich in einer Woche umrunden. Und diese hat einen entscheidenden Vorteil: Die Insel ist wirklich brettflach. Die höchste Erhebung des Eilandes liegt bei gerade einmal knapp 60 Meter über Meereshöhe.

Die flache Landschaft

Für Genussradler ist die flache Topographie ideal. Die größeren Ortschaften Ölands liegen alle an der wind- und wettergeschützten Westküste, am Kalmarsund. Die hier gut ausgebaute Landstraße 136 verbindet durchgängig den Norden mit dem Süden der Insel.

Am Tag der Ankunft in Kalmar erfahren wir, dass es verboten ist, mit den Fahrrädern die Ölandbrücke, welche die Insel Öland mit dem Festland verbindet, zu befahren. Um nicht weiter in Trübsal zu ertrinken, beschließen wir das Auto mit auf die Insel zu nehmen und vom nächsten Campingplatz aus unsere Tour zu starten.

Unsere Radtour auf Öland: Ein Erfahrungsbericht

Gegen Ende der ersten Etappe unserer Langzeitreise unternehmen wir mit unseren Kindern (2 und 4 Jahre alt) noch eine letzte kleine Fahrradtour auf der schwedischen Insel Öland. Eigentlich könnte man sagen, wagen wir eine Fahrradtour, da das Wetter in den letzten Wochen einen immer stärker werdenden, schwedischen Charakter angenommen hat.

Wir starten unsere Tour in Richtung Norden, auf die immer schlanker werdende Nordspitze des Landes zu. Dem freundlichen Wetter dieses Morgens verdanken wir eine allgemein gute Laune. Auch die Kinder scheinen sich auf die bevorstehende Fahrradtour zu freuen und geben dies mit ihren ganz persönlichen Eigenschaften kund.

In der Nähe der größten Stadt Ölands, Borgholm, statten wir dem Sommerwohnsitz der schwedischen Königsfamilie, Schloss Solliden, einen kurzen Besuch ab. Das Schloss selbst kann zwar nicht besichtigt werden, dennoch lohnt ein Besuch wegen der schönen Gartenanlage, die in den Sommermonaten für Touristen geöffnet ist.

Der erste Radeltag geht für uns viel zu schnell vorüber. Mit den ausgiebigen Besichtigungen und vielen Pausen haben wir es auf eine Tagesleistung von gerade einmal 35 Kilometern gebracht. Am Abend erleben wir noch ein knackiges Sommergewitter. Es kommt genau in dem Moment runter, als ich frisch geduscht den Waschraum verlassen möchte - natürlich ohne meine Regenjacke dabei zu haben.

Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke

Weitere sehenswerte Naturschönheiten Ölands lassen wir uns natürlich nicht entgehen. So pausieren wir am eigentlich vierten Radeltag und besuchen das Naturreservat „Trollskogen“ (Zauberwald) im Ökopark Böda, im Nordosten Ölands. Der Name „Trollskogen“ (Zauberwald) verdankt das Gebiet seinen sehr alten und zumeist krumm gewachsenen Bäumen.

Der Zauberwald Trollskogen

Durch die Nähe zur Ostsee sorgt der oft starke Wind für den ungewöhnlichen Wuchs der in ungeschützter Lage stehenden Bäume. Diese von der Natur stark modellierten, und zum Teil mit wucherndem Efeu bedeckten, Kiefern geben ein äußerst bizarres Bild ab, was einem märchenhaften und urwüchsigen Zauberwald sehr Nahe kommt. Neben den dominierenden Nadelwäldern des Trollskogen kann man auch einzelne uralte Eichen bewundern, wie die besonders alte und verwachsene Eiche „Trolleken“ (Zaubereiche). Sie ist eine der ältesten Eichen Ölands. Weiterhin beherbergt der Trollskogen alte Grabhügel und Steinsetzungen prähistorischer Grabanlagen.

Nach drei gemütlichen Radeltagen und 95 Kilometern erreichen wir den nördlichsten Punkt der Insel Öland. Allen kritischen Wettervorhersagen und Bedenken zum Trotz hat das Wetter uns in dieser Zeit nicht enttäuscht.

Im leichten Nieselregen bringen wir die Nordostküste Ölands recht schnell hinter uns. Glücklicherweise führt der ausgewiesene Radweg wieder einmal durch dicht bewachsene Märchenwälder, sodass uns der immer stärker werdende Regen kaum erreicht.

Charakteristisch für Öland ist die ungewöhnlich hohe Anzahl an Windmühlen. Das einstige bäuerliche Statussymbol der Insel, das im letzten Jahrhundert jedoch zunehmend an Bedeutung verlor, findet man auch heute noch in einer stattlichen Anzahl. Von einst über 2.000 Mühlen liegen heute noch etwa 400 auf der Insel verstreut, die mit viel Liebe und Hingabe für den Kulturerhalt Ölands gepflegt werden.

Nach gefühlten drei Wochen - dabei waren es tatsächlich nur wenige Tage - erreichen wir den südlichsten Punkt der Insel. Unser Zelt schlagen wir an einem wunderschön gelegenen Campingplatz bei einem kleinen Dorf namens Ottenby auf. Von dieser Basis aus möchten wir die einzelnen Sehenswürdigkeiten der Gegend erkunden - soweit das Wetter dies zulässt.

Das Naturreservat Ottenby

Südlich von Ottenby liegt ein Naturreservat mit Vogelwarte und Vogelmuseum, welches den Namen des Ortes trägt. Auf einer Fläche von mehr als 1.000 Hektar kann man die Arbeit und die Bemühungen der Ornithologen und Vogelschützer für die heimische Vogelwelt bewundern. Das dazugehörige Vogelmuseum ist klein, beschaulich, aber gerade deshalb sehr sehenswert.

Ebenfalls sehr sehenswert die die stattliche Burganlage von Eketorp, eine wiederaufgebaute Festungsanlage, die in früheren Zeiten als Fluchtburg genutzt worden sein soll. Von hier aus begehen wir auf einer ganztägigen Wanderung die Agrarlandschaft Stora Alvaret, die sich über den gesamten inneren südlichen Teil Ölands erstreckt und damit ein Viertel der Insel einnimmt.

Stora Alvaret: UNESCO-Weltnaturerbe

Die Stora Alvaret wurde als größte naturbelassene Karstlandschaft Europas und größtes Alvargebiet der Erde von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt und darf daher nicht mehr verändert werden. Das Wort Alvar bezeichnete im Schwedischen ein baumloses, für Landwirtschaft ungeeignetes Land mit einer dünnen Vegetationsschicht auf felsigem Kalkuntergrund.

Die Wanderung durch das Naturschutzgebiet Stora Alvaret ist für unsere naturbegeisterten Kinder eine wahre Freude. In der unendlich erscheinenden, verwilderten Landschaft haben sie viel Platz zum Toben und Springen. Ein bisschen Nervenkitzel gibt es auch, wenn wir hin und wieder an einigen Kühen vorbeigehen, die hier über den Sommer grasen dürfen. Und selbst in dieser öden Landschaft gibt es noch eine sportliche Herausforderung für junge Wanderer, da das gesamte Gebiet mit Steinmauern durchzogen ist, welche die unterschiedlichen Weidegründe voneinander abgrenzen.

Nach weniger als drei Tagen ohne jeglichen nassen Gruß von oben, ändert sich die Wetterlage leider wieder. In zwei halben Tagesetappen radeln wir zügig zu unserer Basis, dem Kleinbus, zurück.

Fernradwege in Südschweden

Durch Südschweden ziehen sich gut ausgebaute Fernradwege, die für Tagesausflüge und mehrtägigen Fahrradurlaub geeignet sind.

  • Kattegattleden: Der 390 km lange Radweg führt an Schwedens Westküste entlang: von Helsingborg im Süden bis Göteborg im Norden.
  • Ätradalsleden: Eine kürzere, ländlichere Option im Westen von Schweden, die sich über knapp 200 km durch Falkenberg und Falköping schlängelt und größtenteils autofrei ist.
  • Åsnen Runt: In Småland kannst du auf einem malerischen Pfad den See Åsnen umrunden, was dir stolze 140 km im Sattel abverlangt. Der überwiegend autofreie „Åsnen Runt“ lässt sich in vier Tagesetappen unterteilen.

Praktische Tipps für die Planung

Die Zeit von Mai bis September bietet sich für einen Road Trip durch Schweden und auch für eine Reise nach Öland an. Wer die gesamte Insel entdecken möchte, dem empfehle ich nicht nur eine sondern besser zwei Unterkünfte zu buchen. Nämlich eine im Norden und eine im Süden der Insel. So kann man die verschiedenen Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten jeweils zuordnen und verliert nicht zu viel Zeit durch ständige Fahrerei. Wer die Unterkunft jedoch nicht wechseln möchte, sollte sich auf die Mitte Ölands hinsichtlich der Hotelsuche konzentrieren.

Weitere Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten auf Öland

  • Schloss Borgholm: Die Ruine gefällt mir persönlich besser als das königliche Schloss Solliden.
  • Leuchttürme: Auf Öland gibt es zwei Leuchttürme, einen im Norden (Långe Erik) und einen im Süden (Långe Jan). Långe Jan ist mit seinen 41,6 Metern der höchste Leuchtturm Skandinaviens.
  • Gräberfeld Gettlinge: Über fast zwei Kilometer erstreckt sich das Gräberfeld, bestehend aus mehr als 200 Gräbern.
  • Vida Konsthall: Bei schlechtem Wetter bietet Öland nicht allzu viel, doch die Vida Konstahll ist ein guter Rückzugsort. Hier werden sowohl Skulpturen als auch Malereien ausgestellt.

Radfahren in Schweden: Allgemeine Tipps

Südschweden, womit insbesondere die Halbinsel Götaland gemeint ist, ist relativ flach und vielerorts von Landwirtschaft geprägt. Hinzu kommen Mischwälder und die typischen Schwedenhäuschen und kleinen Küstenorte. Hier findet man das Bilderbuch-Schweden, wie man es zum Beispiel aus den TV-Serien basierend aus Astrid Lindgrens Büchern kennt.

Für die Planung on the go habe ich Komoot auf meinem Handy genutzt und die Route anschließend mit meinem Fahrrad-Computer synchronisiert. Für diese spontane Art des Reisens ist Schweden ziemlich ideal, auch weil die Logistik rund um Übernachtung und Verpflegung relativ einfach zu bewerkstelligen ist.

Der Sverigeleden ist das wichtigste Radrouten-Netzwerk in Schweden. Die Hauptroute führt auf rund 2.600 Kilometern von Helsingborg im Süden bis nach Karesuando im hohen Norden des Landes. Hinzu kommen diverse Nebenrouten, die insgesamt rund 4.000 weitere Radkilometer ergeben.

Wer mit einem Mountainbike unterwegs ist, kann übrigens auch in Betracht ziehen, zumindest auf Teilstrecken einem der vielen Wanderwege des Landes zu folgen.

Die beste Reisezeit

Besonders geeignet für eine Radtour in Schweden sind die Sommermonate von Juni bis September. Auch der Mai und Oktober können eine gute Zeit sein, insbesondere für den Süden des Landes. Der Mai ist zudem statistisch gesehen relativ trocken und oft schon ausreichend warm. Außerdem sind zu dieser Zeit noch keine Moskitoschwärme unterwegs, die den Juni und Juli bevorzugen.

Unterkünfte

Besonders praktisch für Radreisende sind die schwedischen Vandrarhem, also Jugendherbergen, wobei diese mit „Jugend“ nicht wirklich viel zu tun haben. Dort gibt es Mehrbettzimmer, die man sich mit anderen teilt, oder aber oft auch relativ günstige Einzelzimmer.

Eine tolle Sache in Schweden ist auch, dass es über das ganze Land verstreut kleine Schutzhütten und Shelter gibt - für Angler, Jäger und Outdoor-Abenteurer aller Art.

Für das weniger wilde Campen zwischendurch und für mitunter notwendige Tätigkeiten wie das Aufladen von Akkus, das Duschen und Wäsche waschen eignen sich die vielen Campingplätze in Schweden bestens.

Verpflegung

Unterwegs die Wasserflaschen aufzufüllen ist in Schweden überhaupt kein Problem. In Südschweden kommt man in der Regel mehrmals täglich an Supermärkten, Restaurants und Cafés vorbei, sodass man sich dort so gut wie keine Gedanken ums Proviant machen muss. Je weiter nördlich man sich begibt, desto größer werden die Abstände zwischen den Versorgungsmöglichkeiten.

Schwedische Supermärkte haben übrigens auch sonntags und an Feiertagen geöffnet, sodass man diesbezüglich nichts bedenken muss.

Beachten sollte man, dass viele Campingplätze oft nur während der Hauptsaison geöffnet haben. Im September zum Beispiel können diese teilweise schon wieder geschlossen sein.

Sicherheit

Schweden gehört in jeglicher Hinsicht zu den sichersten Ländern der Welt, Rad fahren kann man hier also allgemein ziemlich unbesorgt.

Tierwelt

Für Autofahrer stellen Elche mit Abstand die größte Bedrohung dar. Ein potenziell gefährliches Tier, dass mir deutlich häufiger begegnet ist als alle bisher genannten ist die Kreuzotter. Die einzige giftige Schlange in Schweden, die sogar noch oberhalb des Polarkreis vorkommt. Ihr Biss ist zwar für gesunde, erwachsene Menschen nicht tödlich, aber einen Arzt sollte man trotzdem möglichst schnell aufsuchen.

Am häufigsten begegnet sind mir aber mit Abstand die ziemlich ungeliebten Moskitos, auch wenn die mich längst nicht so häufig und zahlreich malträtiert haben wie im Vorhinein befürchtet. Eigentlich gab es nur einige wenige Abende, an denen ich vor ihnen ins Zelt flüchten musste. Grundsätzlich lieben die Stechmücken es feucht, schattig und windstill. In dichten Wäldern und Moorgebieten hatte ich die größten Probleme.

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