Radfahren bei Gicht: Was Sie wissen müssen

Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung, die durch einen erhöhten Harnsäurespiegel im Blut ausgelöst wird. Statt über die Nieren ausgeschieden zu werden, kristallisiert die Harnsäure ab einer bestimmten Konzentration im Körper aus. Diese Kristalle lagern sich in Gelenken, Geweben und Organen ab und können zu schmerzhaften Entzündungen führen. Gicht ist heute gut behandelbar. In der Therapie geht es vorranging darum, Gichtanfälle zu verhindern, Gelenkschäden zu vermeiden und so die Funktionalität zu erhalten.

Was ist Gicht?

Gicht (Arthritis urica) wird durch zu viel Harnsäure im Körper ausgelöst. Sie fällt natürlicherweise an, wenn körpereigene oder mit der Nahrung zugeführte Zellen im Stoffwechsel zerlegt werden. In wässrigem Milieu ist sie löslich, wenn auch schwer. Doch ab einer Konzentration von ungefähr 6,8 mg pro 100 ml kristallisiert sie in der Haut, den Gelenken und wichtigen Organen, wie der Niere, aus.

Anfangs verläuft Gicht oft völlig symptomlos, bis es zu einem Gichtanfall mit plötzlich auftretenden Schmerzen kommt. Ein solcher Gichtanfall tritt auf, wenn die Harnsäurekristalle von den weißen Blutkörperchen, den Leukozyten, als Fremdkörper eingestuft und attackiert werden. Die dabei freigesetzten Entzündungsstoffe lassen das betroffene Gelenk anschwellen, erröten und überhitzen. Gichtanfälle sind nicht nur äußerst schmerzhaft, langfristig schädigen sie Knorpel und Knochen irreparabel und schränken die Beweglichkeit des Gelenks ein. Allerdings entwickeln nicht alle Patientinnen und Patienten mit erhöhten Harnsäurespiegeln automatisch Gichtschübe.

Ursachen von Gicht

  • Erhöhte Harnsäureproduktion im Körper
  • Verminderte Ausscheidung von Harnsäure über die Nieren oder den Darm
  • Angeborene Störung der Harnsäuresekretion
  • Hoher Verzehr von Purinen über die Nahrung

Symptome von Gicht

  • Plötzlich auftretende, starke Schmerzen in einem einzelnen Gelenk, oft in der großen Zehe
  • Schwellung, Rötung und Überwärmung des betroffenen Gelenks
  • Bewegungseinschränkungen
  • Gichttophi (knotchenartige Verdickungen der Haut)

Wie lässt sich Gicht behandeln?

Kommt es zu einem Gichtanfall oder liegen bereits seit längerem Beschwerden vor, ist der Hausarzt zumeist der erste Ansprechpartner. Meist stellt dieser die Diagnose und kümmert sich um die Therapie. Kommt es zu Komplikationen oder schlägt die Therapie nicht an, überweist Ihr Hausarzt Sie wahrscheinlich an einen Facharzt für Gicht. Das sind in der Regel Internisten (Facharzt für Innere Medizin) oder Rheumatologen, die insbesondere bei chronischer Gicht die oft geschädigten Gelenke, Muskeln und Sehnen versorgen.

Bei der Gicht-Behandlung geht es vor allem darum, den Überschuss von Harnsäure im Blut auf ein gesundes Niveau zu senken. Eine Therapie ist bei Gicht im Grunde immer notwendig, da sie nicht von alleine weggeht. Nach einem ersten Gichtanfall ist es jedoch nicht zwingend erforderlich, mit Medikamenten zu behandeln. Reicht das zur Gicht-Therapie nicht aus, ist eine Behandlung mit Medikamenten notwendig.

Medikamente zur Harnsäurereduktion

Heilen lässt sich die Gicht mit Medikamenten nicht. Sobald Sie die Arzneien absetzen, geht ihr Einfluss auf den Harnsäurespiegel verloren und dieser steigt wieder an.

Ärzte empfehlen daher die Einnahme von Harnsäuresenkern beispielsweise in folgenden Fällen:

  • Bei Harnsäure-Werten über neun Milligramm pro Deziliter Blutserum
  • Bei familiärer Vorbelastung für Gicht und erhöhtem Harnsäurespiegel
  • Bei Gelenk-Gicht
  • Beim Vorliegen von Nierensteinen
  • Bei chronischer Gicht

Zur Behandlung eines zu hohen Harnsäurespiegels gibt es zwei Kategorien an Medikamenten: Entweder sie fördern die Harnsäure-Ausscheidung oder sie hemmen deren Produktion.

Zu Beginn einer Gicht-Behandlung verordnen Ärzte oft beide Klassen von Harnsäuresenkern. Zur langfristigen Gicht-Behandlung setzen sie vor allem Wirkstoffe ein, die die Produktion blockieren.

Urikosurika - verstärkte Harnsäureausscheidung

Urikosurika bewirken, dass der Körper vermehrt Harnsäure ausscheidet. In diese Gruppe gehört zum Beispiel Benzbromaron. Die Gicht-Behandlung mit Urikosurika beginnt in kleinen Dosen, da bei größeren Dosen die Gefahr für einen Gichtanfall besteht. Wichtig ist, dass die Patienten mehr als zwei Liter pro Tag trinken.

Urikostatika - reduzierte Harnsäurebildung

Urikostatika enthalten den Wirkstoff Allopurinol. Er hemmt ein Enzym, das für den letzten Schritt der Harnsäurebildung notwendig ist. Dadurch befinden sich im Blut vermehrt die Vorstufen der Harnsäure. Diese sind jedoch besser wasserlöslich, wodurch sie der Körper leichter ausscheidet als die Harnsäure selbst. Durch eine Behandlung mit Urikostatika lösen sich sogar bereits entstandene Ablagerungen von Harnsäurekristallen auf. Sogenannte Gichttophi und Nierensteine bilden sich so im Idealfall zurück.

Was tun bei einem akuten Gichtanfall?

Medikamente zur langfristigen Gichttherapie sind bei einem akuten Gichtanfall ungeeignet. Hier geht es vor allem darum, Beschwerden wie Schmerzen möglichst schnell zu lindern. Sie enthalten kein Kortison. Gichtpatienten erhalten vor allem Indometacin, Diclofenac oder Ibuprofen. In der Regel bessern sich die Beschwerden schon innerhalb weniger Stunden.

Kortisontherapie: Reichen NSAR nicht aus, setzen Ärzte kortisolhaltige Glukokortikoide ein, zum Beispiel Prednisolon. Sind größere Gelenke wie das Knie von Gicht betroffen, spritzt der Arzt das Kortison mitunter direkt in das Gelenk. Bei kleineren Gelenken wird Kortison in Tablettenform verabreicht. Die Kortison-Präparate dürfen Sie jedoch nicht länger als einige Tage lang einnehmen.

Bei eingeschränkter Nierenfunktion behandelt der Arzt in der Regel sofort mit Kortison. Eine Gichtanfall-Therapie mit nichtsteroidalen Antirheumatika ist dann nicht möglich.

Colchizin: Früher wurde Gicht häufig mit Colchizin behandelt. Heute verordnen es Ärzte wegen seiner Nebenwirkungen wie Durchfall, Übelkeit und Erbrechen kaum noch. In der Schwangerschaft darf es nicht eingenommen werden. Auch für Männer, die in nächster Zeit ein Kind zeugen möchten, ist es ungeeignet.

Keine Selbstbehandlung mit Schmerzmitteln!

Die Eigenbehandlung mit frei verkäuflichen, rezeptfreien Schmerzmitteln ist riskant. Acetylsalicylsäure beispielsweise erhöht mitunter den Harnsäurespiegel erheblich. Bei einem beschwerdefreien Gichtpatienten löst sie manchmal sogar einen akuten Anfall aus. Ärzte raten dringend davon ab, eine Gicht-Behandlung in Eigenregie durchzuführen. Gehen Sie hierzu immer mit Ihrem Arzt ins Gespräch.

Salben, die beispielsweise Diclofenac als Wirkstoff enthalten, sind in der Regel unbedenklich und begleitend zur lokalen Anwendung bei schmerzenden Gelenken anwendbar. Aber auch hierbei empfiehlt es sich, vor der Verwendung mit dem behandelnden Arzt zu sprechen.

Therapie auch bei Beschwerdefreiheit

Um Folgeerkrankungen zu vermeiden, ist eine konsequente Therapie bei Gicht entscheidend. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie empfiehlt eine harnsäuresenkende Therapie über mindestens fünf Jahre. Wenn sich bereits Tophi gebildet haben, ist die Behandlung für weitere fünf Jahre nach deren Auflösung angezeigt.

Operationen bei Gicht

Sind einzelne Gelenke durch die Gicht bereits stark geschädigt, besteht die Option, sie durch künstliche Gelenke zu ersetzen. Ein solcher Eingriff erfolgt stationär. Nach der Operation ist ein Aufenthalt von einigen Tagen im Krankenhaus notwendig.

Daran schließt sich eine Bewegungs- und Ergotherapie an, damit die Betroffenen lernen, mit dem neuen Gelenk umzugehen. Ein neues Gelenk verursacht manchmal zu Beginn starke Schmerzen. In der Regel ist dieser Eingriff letztlich aber schmerzloser als weiterhin mit dem kaputten Gelenk zu leben.

Auch Gichttophi lassen sich operativ entfernen. Die kleinen knötchenartigen Verdickungen der Haut bilden sich vor allem oberhalb der Gelenke und am Ohrknorpel. Sie sind zwar harmlos, Betroffene empfinden sie allerdings häufig als kosmetisches Problem. Zur operativen Entfernung ist nur eine lokale Betäubung notwendig. In Einzelfällen bilden sich an den Stellen, an denen der Arzt die Tophi entfernt hat, kleine Narben. In der Regel lassen sie sich aber restlos entfernen.

Physikalische Gicht-Behandlung

Eine physikalische Gicht-Therapie zielt darauf ab, bestehende Beschwerden zu verringern und Schmerzen zu reduzieren. Außerdem soll sie bei einer länger bestehenden Gicht Gelenkschäden und -fehlstellungen vorbeugen.

  • Wärme- und Kältebehandlungen sowie Ultraschall- und Elektrotherapie helfen, Gichtschmerzen in den Gelenken zu reduzieren.
  • Verfahren zur Muskelentspannung reduzieren Schmerzen.
  • Krankengymnastik kräftigt die Muskeln und entlastet so die Gelenke.
  • Krankengymnastik und Ergotherapie beugen Bewegungseinschränkungen und Fehlstellungen der Gelenke vor oder korrigieren diese.

Homöopathie bei Gicht

Viele Betroffene schwören bei der Frage "Was hilft gegen Gicht?" auf homöopathische Arzneien. Allerdings ist die Wirksamkeit homöopathischer Arzneimittel bislang nicht nachgewiesen worden. Wer von diesen überzeugt ist, für den sind sie therapiebegleitend eine Option. Eine Lebensstiländerung, oder wenn nötig, schulmedizinische Medikamente empfehlen sich dennoch als Hauptbestandteile einer Gicht-Therapie.

Homöopathische Gichtmittel sind:

  • Bryonia: Empfohlen vor allem bei akuten Schmerzen und zur allgemeinen Entspannung des Gemütszustandes
  • Colchicum: Bei Übelkeit und einem allgemeinen Unwohlsein
  • Ledum: Ergänzend bei erfolgreichen, schmerzlindernden Kälteanwendungen
  • Lycopodium: Bei akuten Schmerzen und einem unruhigen Allgemeinzustand
  • Belladonna: Gegen starke Schmerzen und Fieber

Hinweis: Das Konzept der Homöopathie und ihre spezifische Wirksamkeit sind umstritten und durch Studien nicht eindeutig belegt.

Hausmittel bei Gicht

Bei einem Gichtanfall gelten folgende Hausmittel als eine sinnvolle Ergänzung zur Gicht-Therapie:

  • Gelenke schonen: Stellen Sie das betroffenen Gelenk ruhig. Belasten Sie es erst dann wieder, wenn Sie keine Beschwerden mehr haben. Eventuell ist Bettruhe erforderlich.
  • Gelenke kühlen: Kühlende Umschläge lindern Schmerzen in den Gelenken. Dazu reicht ein in kaltes Wasser getränktes Handtuch. Alternativ eignen sich auch Quark-Wickel. Quark hält die Kälte länger als ein nasses Tuch. Coolpacks sind zu kalt und verursachen schnell Hautschäden. Kühlen Sie nicht länger als zehn Minuten am Stück, dafür mehrmals täglich.
  • Gelenke wärmen: Auch Wärme ist zur Linderung von Schmerzen geeignet, beispielsweise durch Bäder in warmem Wasser. Dadurch entspannen sich Muskeln und Gelenke, was die Schmerzen reduziert. Als Badezusatz sind Heublumen oder Kamillenblüten als Gichtanfall-Hausmittel empfehlenswert.
  • Tee trinken: Gut gegen Gicht ist das Trinken von Tee. Er schwemmt die Harnsäure aus dem Körper. Experten empfehlen häufig spezielle Tees, etwa aus Leinsamen, Birkenblättern oder als Aufguss mit einer Knoblauchzehe. Grundlage der Wirkung von Tee ist jedoch, dass er harntreibend ist.

Hinweis: Hausmittel haben ihre Grenzen. Wenn die Beschwerden über einen längeren Zeitraum bestehen, nicht besser oder sogar schlimmer werden, sollten Sie immer einen Arzt aufsuchen.

Ernährung umstellen bei Gicht

Betroffene haben selbst einige Möglichkeiten, dazu beizutragen, den Harnsäurespiegel zu senken. Dabei spielt die Umstellung der Ernährung eine entscheidende Rolle:

  • Purinreiche Lebensmittel nur in kleinen Portionen: Purine sind in unterschiedlichen Mengen in einigen Nahrungsmitteln enthalten. Zu den purinreichen Lebensmitteln gehören Fleisch (vor allem Innereien), Wurst, Meeresfrüchte und bestimmte Fischarten. Üppiges Essen mündet daher bei einer Veranlagung zu Gicht mitunter in einem akuten Gichtanfall. Es ist empfehlenswert, diese Lebensmittel in geringeren Mengen zu verzehren.
  • Möglichst wenig Alkohol: Übermäßiger Alkoholgenuss ist bei Gicht besonders problematisch. Die Nieren scheiden seine Abbauprodukte aus. Dabei machen sie der Harnsäure Konkurrenz. So bremst Alkohol den Abbau von Harnsäure und lässt deren Spiegel steigen. Bei Risikopersonen provozieren im schlimmsten Fall selbst kleine Mengen Alkohol einen Gichtanfall. Besonders kritisch ist Bier. Es enthält neben Alkohol auch noch viel Purin.
  • Vorsicht mit Fruchtzucker: Fruktose steckt nicht nur in Früchten. Sie ist oft auch als Süßungsmittel in Säften, Joghurt oder anderen Speisen enthalten. Der Abbau von Fruktose im Körper verstärkt die Purinbildung. Gleichzeitig hemmt der Zucker, ähnlich wie Alkohol, die Ausscheidung der Harnsäure über die Nieren.
  • Sparen Sie Fett: Auch zu viel Fett hemmt die Ausscheidung von Harnsäure. Experten empfehlen darum, möglichst wenig fettreiche Nahrungsmittel zu sich nehmen - decken Sie nicht mehr als 30 Prozent Ihrer täglichen Kalorienzufuhr über Fett. Diese Grenze ist jedoch schnell erreicht, denn Fett hat von allen Nährstoffen die höchste Energiedichte. Achten Sie besonders auf versteckte Nahrungsfette, beispielsweise in Wurstwaren oder Fertigprodukten.

Weitere Tipps gegen Gicht

  • Reduzieren Sie Übergewicht: Bei einem Body-Mass-Index von über 25 empfehlen Ärzte, Körpergewicht abzubauen. Wenn Sie weniger wiegen, sinkt Ihr Harnsäurespiegel automatisch. Aber aufgepasst: Nehmen Sie langsam und kontrolliert ab. Strenges Fasten birgt die Gefahr, einen akuten Gichtanfall auszulösen!
  • Trinken Sie viel: Ernährungswissenschaftler empfehlen, mindestens zwei Liter täglich zu trinken, am besten Mineralwasser oder ungesüßten Tee. Die Flüssigkeit im Körper hilft dabei, die Harnsäurekonzentration niedrig zu halten und unterstützt die Filterfunktion der Niere. Das schwemmt zusätzlich Harnsäure aus und der Harnsäurespiegel sinkt.
  • Bewegen, aber nicht übertreiben: Bewegung wirkt sich positiv auf die Gichtgelenke aus. Die Funktion bessert sich und Entzündungssymptome klingen schneller ab. Überanstrengen Sie sich aber nicht - durch übermäßiges Training entsteht vermehrt Milchsäure, die den Abbau von Harnsäure über die Nieren verlangsamt. Regelmäßige Spaziergänge hingegen sind empfehlenswert.

Radfahren und Bewegung bei Gicht

Bewegung ist ein wichtiger Bestandteil der Gicht-Therapie. Leichter Sport ist förderlich, gegebenenfalls mithilfe schmerzlindernder Medikamente. Regelmäßige Bewegung tut den Gelenken gut und hilft, das Gewicht zu halten und eventuelles Übergewicht abzubauen. Studien zeigen, dass sich bereits durch die Normalisierung des Körpergewichts die Harnsäurekonzentration im Blut senken lässt.

Empfehlenswerte Sportarten in der Gicht freien Zeit sind z.B. Wandern, Radfahren und Schwimmen. Die sportliche Betätigung sollte regelmäßig erfolgen. Sportliche Aktivitäten, welche die Gelenke belasten sind eher ungünstig. Bei der sportlichen Betätigung bitte immer viel trinken. Schwitzen erhöht den Flüssigkeitsverlust.

Bewegung wirkt sich positiv auf die Gichtgelenke aus. Die Funktion bessert sich und Entzündungssymptome klingen schneller ab. Überanstrengen Sie sich aber nicht - durch übermäßiges Training entsteht vermehrt Milchsäure, die den Abbau von Harnsäure über die Nieren verlangsamt. Regelmäßige Spaziergänge hingegen sind empfehlenswert.

Radfahren mit Rheuma auf einem Van Raam Dreirad

Nel van Loon ist Benutzer eines Van Raam Easy Rider Dreirads. Nel van Loon hat seit ihrem 21. Lebensjahr rheumatoide Arthritis, sekundäre Arthrose und Gicht. Nach einem Sturz auf ein normales Fahrrad fand sie die Lösung in einem angepassten elektrischen Dreirad. Nel fährt gerne mit ihrem Dreirad und das findet sie sehr wichtig.

Nel fährt zu ihren Eltern in die Stadt oder von Gouda nach Oudewater mit ihrem Mann, um Kaffee zu trinken. Sie arbeitet auch mit dem Physiotherapeuten zusammen. Nel nimmt ihr Fahrrad mit in den Urlaub: "Wir mieten einen Anhänger und das Fahrrad gehört dazu". "In Bewegung bleiben" ist das Motto von Nel.

Zusammenhang zwischen Gicht und Ernährung

Über unsere Ernährung nehmen wir sogenannte Purine zu uns - organische Substanzen, die in unserem Körper beim Zellstoffwechsel zu Harnsäure umgewandelt werden. In hoher Konzentration sind Purine etwa in Fleisch, Wurst, Innereien und manchen Fischen sowie auch in bestimmten Gemüsesorten wie etwa in grünen Erbsen, Rosenkohl oder auch Spargel enthalten. Eine üppige purinreiche Ernährung kann somit auf Dauer unseren Harnsäurespiegel erhöhen und dadurch einen Gichtanfall provozieren.

Vor allem Alkohol ist problematisch, weil dieser die Ausscheidung der Harnsäure über die Niere behindert. In der Folge steigt der Harnsäurespiegel an. Besonders ungünstig ist Bier, da dieses zusätzlich zum Alkohol auch noch viel Purin enthält. Wein hat zwar weniger Purine als Bier, dafür aber mehr Alkohol. Trotzdem gilt: Wenn es unbedingt Alkohol sein muss, dann lieber ein Glas Wein.

Seit einiger Zeit ist bekannt, dass auch fruktosehaltige, also mit Fruchtzucker gesüßte Getränke wie Säfte und Softdrinks bei Gicht ein Problem sind. Zum einen steigert Fruktose indirekt die körpereigene Purinsynthese, zum anderen hemmt sie - ähnlich wie Alkohol - die Ausscheidung der Harnsäure.

Die purinbewusste Ernährung bei Hyperurikämie und Gicht sollte grundsätzlich aus einer ausgewogenen und bedarfsgerechten Kost mit einem hohen Anteil pflanzlicher Lebensmittel bestehen. Bei der Auswahl der Lebensmittel dienen Mahlzeit und Mahlzeitenmuster als Richtschnur. So kann leichter abgeschätzt werden, worauf am jeweiligen Tag eher verzichtet werden sollte oder welche purinhaltigen Komponenten nur etwas größer oder kleiner ausfallen müssen.

Da die verträglichen Portionsgrößen purinhaltiger Lebensmittel individuell verschieden sind, gibt es keine genauen Angaben, ab wann die Schwelle für den Gichtanfall überschritten wird. Kocht man sich heute zum Beispiel eine purinhaltige Linsensuppe, fällt das Würstchen darin entweder kleiner aus oder es kommt erst morgen mit Kartoffelsalat auf den Tisch. Das kleine Bier dazu trinkt man, wenn überhaupt, in der nächsten Woche zum Gemüseauflauf.

Fast alle tierischen und pflanzlichen Produkte enthalten Purine, die sich aber nicht im gleichen Maß negativ auf den Harnsäurespiegel auswirken.

Empfehlungen für die Lebensmittelauswahl

  • Fleisch, Wurst, Innereien, Fisch und Meeresfrüchte sind sehr purinreich und können den Harnsäurespiegel und das Risiko für einen Gichtanfall deutlich erhöhen. Deshalb sollten nur an wenigen Tagen pro Woche fettarme Produkte vom Tier gegessen werden, wobei auch für Gesunde dabei nicht mehr als 300 g Fleisch pro Woche empfohlen wird.
  • Einmal pro Woche sollte es eine Portion fetter Seefisch (Makrele, Hering) sein, da er einen schützenden Effekt für das Herz hat. Meeresfrüchte bilden besser eine seltene Ausnahme im Speiseplan. Höchstens einmal pro Monat kann eine kleine Portion Innereien (Milz, Bries, Leber) gegessen werden.
  • Purine aus Gemüse, Obst, Kartoffeln, Pilzen, Getreide und Nüssen erhöhen den Harnsäurespiegel nicht. Sie reduzieren sogar das Risiko für Gicht und versorgen den Körper mit wichtigen Nährstoffen. Eine Portion Spargel darf man sich also hin und wieder schmecken lassen, nur das Spargelwasser sollte man wegschütten.
  • Die purinhaltigen Hülsenfrüchte wie Bohnenkerne, Linsen und Soja gelten als unbedenklich, wenn sie nur ein- oder zweimal pro Woche auf den Tisch kommen.
  • Ein hoher Fettverzehr kann beim Abbau von Fett im Körper die Bildung von Ketonkörpern ansteigen lassen. Das führt dazu, dass die Niere weniger Harnsäure ausscheidet. Beim Einkauf von Wurst und Fleisch mit einem hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren, sollte die Priorität deshalb auf die fettarmen Sorten gelegt werden.
  • Joghurt, Quark, Milch und Käse enthalten so gut wie keine Purine und wirken sich in der fettarmen Variante zusätzlich noch günstig auf den Harnsäurespiegel aus. Wenn täglich 2 Portionen fettreduzierte Milch oder Naturjoghurt verzehrt werden, treten wohl auch die Gichtanfälle seltener auf.
  • Viel trinken fördert die Ausscheidung der Harnsäure über die Niere und reduziert das Risiko, dass sich Harnsäuresteine bilden. Mineralwasser, Kräuter- und Früchtetee eignen sich dafür gut, weil sie purin- und kalorienarm sind.
  • Alkohol regt die körpereigene Harnsäurebildung in der Leber an und hemmt gleichzeitig die Harnsäureausscheidung in der Niere. Alkohol sollte deshalb im Hinblick auf Gichtanfälle höchstens in kleinen Mengen und an wenigen Tagen pro Woche konsumiert werden.
  • Fruchtzucker treibt den Harnsäurespiegel direkt nach oben, weil beim Abbau von Fruchtzucker Purine entstehen. Da viel Fruchtzucker auch viele Kalorien bringt, kann er Übergewicht begünstigen. Außerdem fördert Fruchtzucker die Insulinresistenz mit der Folge einer vermehrten Insulinfreisetzung.
  • Kaffee kann den Harnsäurespiegel etwas reduzieren. Ein mäßiger Kaffeegenuss von drei bis vier Tassen am Tag ist deshalb unbedenklich.
  • Wie einige Studien belegen, fördert hoch dosiertes Vitamin C (ab 500 mg/Tag) die Ausscheidung der Harnsäure über die Nieren.

Vorbeugung von Gicht

Es gibt viele Dinge, die Sie tun können, um Gicht vorzubeugen, darunter:

  • Eine gesunde Ernährung einhalten
  • Regelmäßig Sport treiben
  • Ausreichend trinken
  • Alkohol meiden
  • Übergewicht reduzieren
  • Stress vermeiden

Gicht ist zwar eine schmerzhafte und belastende Erkrankung, aber mit den richtigen Maßnahmen können Sie sowohl akute Anfälle schnell lindern als auch langfristig vorbeugen. Der Schlüssel liegt in der Kombination aus sofortiger Schmerzlinderung durch Medikamente und Kältebehandlung, einer angepassten Ernährung und nachhaltigen Lebensstiländerungen.

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