Mit dem ersten Schnee kann auch das Radfahren zur Rutschpartie werden. Kälte, Dunkelheit, mitunter Glätte oder Schnee - der Winter birgt für Menschen, die auf dem Fahrrad unterwegs sind, besondere Herausforderungen. Doch mit der richtigen Ausstattung und ein paar Tricks sind Fahrrad und Radfahrende gut vorbereitet, auch in der dunklen Jahreszeit möglichst sicher unterwegs zu sein.
Vorbereitung auf Glätte und Schnee
Alle, die das Radfahren lieben, sollten jetzt besonders vorsichtig sein, das rät Frauke Maack vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Bremen. Generell gilt: Radfahrer sollten ihre Fahrweise immer an die Wetterbedingungen anpassen. Außerdem lässt sich der Akku nicht vollständig aufladen, wenn er zu kalt ist. Soweit es möglich ist, kann es helfen, den Akku herauszunehmen und in der Wohnung aufzubewahren oder das ganze Rad in einem Keller oder einer Garage unterzubringen.
Ausrüstung und Fahrradcheck
Besonders wenn es nass und rutschig wird, muss das eigene Fahrrad sicher sein. An Vorder- und Hinterrad müssen Radfahrer jeweils ein Licht, eine Bremse und Reflektoren anbringen. Alternativ sorgen auch Reflektoren an den Pedalen dafür, dass man vom restlichen Verkehr gut erkannt wird. Überprüfen Sie vor jeder Fahrt, ob Front- und Heckstrahler am Rad tatsächlich leuchten und - falls verwendet - ob Akkus und Batterien aufgeladen sind.
Zu Beginn der dunklen und kalten Jahreszeit sollten Radfahrende ihr Bike einem technischen Check unterziehen. Das Augenmerk gilt dabei besonders den Bremsen und der Gangschaltung. Die Räder sollten beim Schieben blockieren, wenn die Bremsen betätigt werden. Andernfalls müssen die Bremsen nachgestellt beziehungsweise abgefahrene Bremsbeläge getauscht werden. Schwergängige Bremshebel und Bremszüge sollte man fetten, damit sie auch bei Minusgraden funktionieren.
Beleuchtung
Wer im Sommer nur tagsüber unterwegs war, merkt vielleicht gar nicht, wenn das Licht vorne oder hinten nicht funktioniert oder nicht optimal eingestellt ist. Je mehr man im Dunkeln oder an grauen Tagen unterwegs ist, desto wichtiger ein kurzer Check: Leuchtet es vorne und hinten? Ist das Vorderlicht so eingestellt, dass es die entgegenkommenden Verkehrsteilnehmer nicht blendet und trotzdem gute Sicht auf die vor einem liegende Strecke bietet? Hat vielleicht der Fahrradhelm eine zusätzliche Beleuchtung, die sich anschalten lässt?
Zum Beleuchtungs-Check gehört auch ein Blick auf die Reflektoren. Sind die verschmutzt, können Wasser, etwas Reinigungsmittel und ein Schwamm Wunder wirken - und die eigene Sichtbarkeit unterwegs deutlich verbessern.
Reifen
Es gibt Winterradler, die auf ihre Reifen Mäntel mit kleinen Spikes ziehen. Entweder ein Reifenwechsel wie beim Auto. Dann lässt sich für den Winter eine etwas weichere Gummimischung wählen, die eine bessere Haftung auf dem Untergrund ermöglicht. Es gibt aber auch Ganzjahresmäntel, die mischungsmäßig einen Kompromiss bieten. Außerdem hilft es, den Reifendruck etwas zu verringern, um die Bodenhaftung zu verbessern.
Wer mehr Halt auf der Fahrbahn möchte, der kann laut ADFC etwas Luft aus dem Reifen lassen und so die Auflagefläche vergrößern und die Haftung auf dem Untergrund verbessern. Allerdings darf dabei der Minimal-Druck nicht unterschritten werden. Eine weitere Alternative sind Winterreifen, mit oder ohne Spikes.
Fahrverhalten bei Glätte und Schnee
Ein paar Anpassungen beim Fahrrad und im eigenen Verhalten steigern die Sicherheit. So empfiehlt etwa der Fahrradverband ADFC neben mehr Abstand und verringertem Tempo, besonders bei Glätte und fester Schneedecke in Kurven auf das Bremsen und Treten zu verzichten. Insgesamt ist es ratsam, vorausschauender zu bremsen.
Bei Glatteis sollten Fahrradfahrer möglichst wenig lenken und das Radl ohne zu bremsen ausrollen lassen oder frühzeitig und maßvoll bremsen, am besten mit der Hinterradbremse. Blockiert das Hinterrad, ist das eher zu beherrschen als ein blockierendes Vorderrad. Hierbei wäre ein Sturz kaum zu vermeiden. Wichtig ist auch laut ADFC, Abstand zu halten, einen Helm zu tragen, das Licht anzuschalten und das Tempo zu reduzieren. Bei kurzen Strecken ist es hilfreich, den Sattel etwas nach unten zu stellen, um leichter mit den Füßen den Boden zu erreichen.
Fahren Sie im Winter generell langsamer und rücksichtsvoll, da die Bremsen und Reifen bei schneebedeckten Straßen nicht zuverlässig greifen können.
Empfehlungen des ADFC für sicheres Fahren im Winter:
- Abstand halten
- Tempo reduzieren
- In Kurven weder treten noch bremsen, insbesondere bei fester Schneedecke und Glätte
- Lässt sich Bremsen nicht vermeiden, frühzeitig und maßvoll bremsen
- Auf Glatteis Lenkbewegungen vermeiden und ohne bremsen ausrollen
Witterungsschutz und Kleidung
Für den Menschen auf dem Rad sind Schutz vor Kälte und Nässe selbstverständlich - aber auch das Rad braucht manchmal Hilfe. Dabei geht es jedoch nicht um Schal und Thermosocken, sondern um ein Universalspray mit guten Kriecheigenschaften. Das schützt Kette und Ritzel vor Feuchtigkeit und kann im Notfall auch dabei helfen, ein klemmendes Fahrradschloss wieder zu lockern.
Reflektierende Applikationen an der Jacke oder am Rucksack erhöhen die Sichtbarkeit. Die einfachste Möglichkeit ist, eine Warnweste über die Alltagskleidung zu ziehen. Reflektierende Bänder an den Beinen können auch helfen, schneller und besser gesehen zu werden.
Wer sich nach dem "Zwiebelprinzip" kleidet - also mehrere dünne Schichten übereinander trägt -, ist flexibel bei Temperaturänderungen. Schließlich kommt es im Winter vor, dass man beim Losfahren noch leicht fröstelt, einem später in Bewegung jedoch recht warm wird. Am besten eignet sich atmungsaktive, regenabweisende und winddichte Sportbekleidung.
Zur Ausstattung gehören:
- Fahrradhelm
- Dünne, winddichte Mütze
- Handschuhe
- Atmungsaktive Funktionsunterwäsche
- An der Vorderseite winddichte, am Rücken aber atmungsaktive Radjacken und -hosen
- Überschuhe
- Reflektierende Weste
E-Bike Besonderheiten im Winter
Radfahrer sind mit elektrischer Unterstützung in der Regel noch schneller unterwegs - daher ist es hier noch einmal wichtiger, dass möglichst viele Komponenten winterfest gemacht sind. Eine Besonderheit haben die Räder allerdings: ihre Akkus. Schon beim Smartphone-Akku lässt sich beobachten, dass die Laufzeit bei Kälte abnimmt. Für Fahrrad-Akkus gilt das genauso. Von der Reichweite im Sommer darf also nicht auf die Reichweite im Winter geschlossen werden. Bei E-Bikes ist der Akku im Winter der Kälte ausgesetzt.
Vor allem bei Glätte kann beim Anfahren mit E-Bike oder Pedelec das Hinterrad durch die schnelle Beschleunigung die Haftung verlieren und wegrutschen. Deswegen empfiehlt der ADAC, beim Start die geringste Unterstützungsstufe zu wählen. Zudem reagieren viele Pedelec-Antriebe zeitverzögert auf die Pedalbewegungen. Besonders bei Glatteis muss man auf diesen Zeitversatz gefasst sein.
Tipps für E-Bike Akkus im Winter:
- Neopren-Akkuhüllen verwenden, um die Akku-Leistung zu erhalten
- Akku im Warmen aufbewahren und erst kurz vor der Fahrt einsetzen
- Akku erst aufladen, wenn er Zimmertemperatur erreicht hat
Rechtliche Aspekte und Radwegbenutzungspflicht
Gibt es einen Fahrradweg, der durch ein blaues Verkehrszeichen gekennzeichnet ist, müssen Fahrradfahrer ihn auch befahren. Mit einer Ausnahme: Ist der Radweg nicht sicher genug, weil er zum Beispiel nicht von Schnee befreit oder er bestreut wurde, dann enfällt diese Pflicht. Radfahrerinnen und Radfahrer können dann auf die Straße ausweichen.
Städte und Gemeinden sind nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs verpflichtet, "verkehrswichtige" innerörtliche Radwege zu räumen und zu streuen. Wurde auf einem Radweg weder gestreut noch geräumt, entfällt auch bei entsprechenden Beschilderung die Benutzungspflicht.
Fahrradpflege im Winter
Schnee, Eis und Streusalz können Fahrrädern im Winter zusetzen. Bewegliche Teile leiden besonders unter Streusalz. Fahrradketten können schnell Rost ansetzen. Nach der Fahrradfahrt Feuchtigkeit abwischen und regelmäßig Kette ölen. Auch andere bewegliche Teile wie die Gelenke von Schaltwerken können einen Tropfen Öl im Winter gut vertragen. Ein Spritzschutzlappen schützt Fahrradketten ohne Kettenkasten vor Schmutz und Streusalz. Er verlängert das vordere Schutzblech nach unten.
Pflegetipps für Fahrräder im Winter:
- Beleuchtung vor jeder Fahrt prüfen
- Reflektoren am Fahrrad reinigen
- Fahrradbremsen regelmäßig überprüfen und pflegen
- Fahrradketten regelmäßig ölen, besonders im Winter
- Schneematsch und Feuchtigkeit nach der Fahrt abwischen
Sichtbarkeit erhöhen
Wie schlecht Radfahrende bei Dunkelheit ohne Licht tatsächlich gesehen werden, unterschätzen viele. Neben einer funktionierenden Beleuchtung, rät der ADFC auch zu reflektierenden Elementen an Kleidung und Taschen, um besser gesehen zu werden. Im Winter sollte Kleidung nicht nur warmhalten, sondern auch gut sichtbar sein. Im urbanen Raum mit vielen Lichtquellen helfen zum Beispiel reflektierende Hosenbänder, um die Sichtbarkeit zu erhöhen.
Weitere Tipps für sicheres Radfahren im Winter
- Auf Brücken langsam fahren. Dort ist es oft eisiger als davor und danach. Dasselbe gilt an schattigen Orten, etwa in Wäldern, wo die Straßen kälter und feuchter sein können.
- Bodenmarkierungen und Kopfsteinpflaster sind bei Nässe besonders rutschig.
- Vorsicht an Hindernissen wie Längsrillen (Trambahngleise) oder Längskanten, die häufig zwischen Rad- und Fußweg sind.
Verwandte Beiträge:
- Wadenkrämpfe beim Radfahren: Ursachen, Vorbeugung & Behandlung
- Schlafende Zehen beim Radfahren? Ursachen & Lösungen
- Ironman Radzeiten: Optimierung & Strategien für die perfekte Performance
- Radfahren auf Dugi Otok: Die schönsten Routen & Tipps
- E-Bike Kassette wechseln leicht gemacht – Schritt-für-Schritt Anleitung für jeden
- Fahrradversand Preise vergleichen: So versenden Sie Ihr Fahrrad günstig & sicher!
Kommentar schreiben