Wer bei Kälte draußen Sport treibt, stellt oft fest, dass die Leistungsfähigkeit deutlich geringer ist. Ob beim Joggen oder Radfahren: Wenn die Temperatur einstellig wird oder sogar unter die Nullgradgrenze fällt, ist die Zeit neuer Bestzeiten passé. Plötzlich erscheint jeder Schritt deutlich mühsamer zu werden - und die kalte Luft sich wie eine Mauer vor dem Velo aufzubauen. Doch das ist in der Regel kein Zeichen für einen plötzlichen Leistungsabfall oder gar eine aufkommende Erkrankung. Die Kälte fordert auf andere Weise Tribut.
Unter vielen Gründen der wichtigste: weil es Spaß machen kann, wenn man es richtig angeht. Natürlich sparen Sie auch Geld, wenn Sie das Auto stehen oder die U-Bahn links liegen lassen, und bei Winterstaus auch Zeit. Und Sie leben garantiert gesünder: Schon zwei mal fünf Kilometer Arbeitsstrecke pro Tag oder eine kleine sportliche Runde jeden dritten Tag stärken die Immunabwehr garantiert besser als jedes Promi-empfohlene Wellness-Joghurt. Doch wer sich und sein Bike fürs schlechte Wetter gut rüstet, der wird sowieso bald lieber mit dem Bike als mit Auto oder ÖPNV unterwegs sein. Dafür spricht morgens das gute Gefühl, an der kalten Luft richtig wach zu werden, und abends das Wissen, sich trotz Kälte bewegt zu haben und sich fit zu fühlen - auch wenn es draußen wieder mal trüb ist. Und gelassen an von Schnee gestoppten Blechkarawanen vorbeizuziehen hat auch etwas …
Radfahren im Winter: Ein winterfittes Rad mit gutem Licht, Kleidung nach dem Zwiebelprinzip und Aufmerksamkeit für den Straßenzustand - dann klappt’s.
Einstellen auf das Radfahren im Winter
Eine einfache, aber äußerst sinnvolle Einrichtung für Winterfahrer: das Außenthermometer am Fenster der guten Stube. Man muss es aber interpretieren können, denn kritisch wird’s nicht erst ab null Grad: Zeigt das Thermometer vor dem Fenster etwa vier Grad Celsius Außentemperatur, kann es an manchen Stellen auf dem Arbeitsweg schon glatt sein - etwa auf Brücken. Darauf gilt es sich einzustellen. Aber nicht nur mental müssen wir uns auf die Temperaturen, mehr Nässe von oben und unten und auf langsameres Fahren einstellen, auch unser E-Bike oder Fahrrad sollte an Veränderungen angepasst sein.
Ganz wichtig: Winterräder brauchen Schutzbleche. Ohne bringt schon Nieselregen auf kurzen Strecken einen nassen Po und Rücken, nasse Füße und Beine. Beide Radschützer sollten bis deutlich unter die Höhe der Radachsen reichen, damit Sie von unten weitgehend trocken bleiben. Wer einen verstellbaren Vorbau am Rad hat, kann ihn für die Wintermonate etwas höher stellen: Eine entspannte Sitzposition trägt zum gelassenen Fahrstil und besserer Radbeherrschung in kniffligen Situationen bei.
Wer sich bei schlechtem Wetter oder rutschigen Straßen unsicher fühlt, kann auch den Sattel etwas senken, sodass er oder sie schneller festen Boden unter den Füßen hat und schnell nicht nur mit der Fußspitze, sondern mit der ganzen Fußsohle Halt findet. Apropos Füße: Leichte Wanderschuhe oder Radschuhe mit griffigen Sohlen sind für die kalten Tage sinnvoll - schließlich will man auf dem Boden wie dem Pedal guten Grip haben. Dem Thema Reifen haben wir in diesem Beitrag einen eigenen Abschnitt gewidmet.
Pedale für den Winter?
Die klassischen Plattform-Pedale sind bequem und meist auch bei Regen ausreichend rutschsicher. Schnee oder Matsch unter den Schuhen kann die Kunststoff- oder Gummioberfläche aber zur Rutschbahn machen. Hier helfen Bärentatzen-Pedale oder Plattform-Pedale mit Pins (ähnlich den Spikes im Reifen). Absolut “unrutschbar” sind Systempedale: Sie funktionieren wie Skibindungen.
Das Gegenstück zur “Bindung” an den Pedalen ist der Cleat in der Sohle des dafür präparierten Fahrradschuhs. Mit einem Klick steigt man in das Pedal ein, mit einem Dreh der Ferse zur Seite ist man wieder befreit. Garantiert.
Allerdings sollte man diese Pedalart nur nutzen, wenn man sich vor dem Winter bereits daran gewöhnt hat - zum Beispiel als MTBler, der ohnehin diese Klickpedale nutzt. Ohne Eingewöhnungszeit ist die Umstellung tricky, man läuft Gefahr, in brenzligen Situationen zu vergessen, dass man den Fuß drehen muss, um vom Pedal zu kommen. Und natürlich braucht man wie beim Skifahren auch spezielle Schuhe dafür. Mittlerweile gibt es aber eine riesige Auswahl an Modellen, die auch wie Alltagsschuhe aussehen. Als gute Lösung haben sich Systempedale und Schuhe mit dem Shimano-SPD-System erwiesen, die sehr einfach zu nutzen sind.
Radfahren im Winter: die Basics
Bei schwierigem Wetter und schlechter Sicht zählt zunächst eines: vorausschauender fahren als üblich! Ragt da vorne ein Laubhaufen auf den ohnehin schmutzigen Radweg? Lieber mal die Geschwindigkeit zurücknehmen. Liegt in meiner nächsten Abzweigung Matsch in der Kurve? Frühzeitig bremsen, denn auf dem matschigen Abschnitt kann das sehr glatt werden. Fährt ein Fahrzeug vor Ihnen, halten Sie einen deutlich größeren Abstand ein als bei trockenem Sommerwetter - man nimmt es später wahr, wenn gebremst wird, und kann auf rutschigem Terrain nur schlecht verzögern.
Apropos Dämmerung: Natürlich ist gutes Licht im Winter absolut Trumpf. E-Bikes haben ohnehin fast immer Bike-Akkubetriebenes Licht an Bord, aber auch für den Nabendynamo gibt es heute dank LED-Beleuchtung Frontstrahler, die den Weg ausleuchten wie ein guter Autoscheinwerfer. Wer möglichst einfach nachrüsten will, findet auch Stecklichter mit eingebautem Akku, per USB-Anschluss zu laden sowie mit hohem Sicherheitsfaktor. Das Wichtigste dabei ist nicht die absolute Lux- oder Lumen-Zahl der Leuchten, sondern die Homogenität und Breite des Lichtkegels.
Das Rücklicht hat sich auch gewandelt: Mittlerweile werden beim fest montierten wie beim Steckrücklicht Modelle mit - seit einiger Zeit erlaubtem - Bremslicht angeboten. In der dunklen Jahreszeit ein absolutes Sicherheitsplus! Wichtig: Kontrollieren Sie bei Stecklichtern unbedingt, ob das Licht in seiner jeweiligen Position am Rad auch gut von der Seite sichtbar ist. Wer etwa sein Rücklicht an der linken Hinterbaustrebe auf Reifenhöhe befestigt, kann nicht erwarten, dass das Licht auch von rechts gesehen wird. In der Dämmerung muss man damit rechnen, unbeleuchtete Fahrzeuge erst spät wahrzunehmen und selbst erst spät gesehen zu werden.
Fahrradreifen: Spikes ja der nein?
Mehrere Hersteller bieten für den Winter Reifen mit Spikes an, also kleinen Metallköpfen in der Lauffläche. Bis zu 402 dieser Grip-Garantien sorgen dann auf Asphalt für ein Reifen-Surren, vor dem sich selbst dick bestollte MTBs verstecken müssen. Wer in einer Region mit viel Schnee und Eis lebt und das ganze Jahr über Rad fahren will, der ist mit diesen Reifen gut bedient: Wenn selbst Autos auf Glatteis nicht mehr weiterkommen, rollt man locker und sicher an ihnen vorbei. Tatsächlich ein Erlebnis, das man sich einmal gönnen sollte. Mit die größten Probleme bei echtem Winterwetter sind überfrierender Regen, Neuschnee und festgefahrene, verharschte Schneedecken - und da bringen uns Spikes weiter.
Nachteile: Diese Reifen sind schwerer als normale Pneus. Heißt: Stop and Go und Beschleunigen ist etwas anstrengender, und auch wenn man mal die Reisegeschwindigkeit erreicht hat, ist es wegen des höheren Rollwiderstands der Lauffläche etwas schwerer, dranzubleiben. Es bleibt abzuwägen: Ist mein Radel-Gebiet so winterlastig, dass es sich lohnt, im Dezember Pneus mit diesen Stacheln aufzuziehen, oder ärgere ich mich wahrscheinlich Ende März nächsten Jahres, weil ich vier Monate mit mehr Power pedalieren musste, ohne dass die Reifen jemals ihr Winter-Können zeigen konnten?
Übrigens: Wer diese Entscheidung für ein E-Bike fällt, kann die zusätzlich benötigte Kraft weitgehend außer Acht lassen: Der Motor nimmt ihm oder ihr die Mehrleistung ab - vielleicht gegen eine kleine Einbuße an Reichweite … Achtung: Spike-Reifen fallen meist breiter aus. Auch hier auf die Durchläufe in Hinterbau und Gabel achten!
Dicke Dinger für den Winter
Die Kontaktstelle zur Straße ist im Herbst und Winter noch wichtiger als sonst. Grundsätzlich ist für den Grip auf Asphalt zwar die Gummimischung ausschlaggebend, weshalb auch profillose Reifen bei Nässe genauso viel Halt bieten können wie grob profilierte. Doch der Schlick macht den Unterschied: Schmutz, Blätter und Matsch auf der Straße schaffen erschwerte Bedingungen, und da sind etwas profilierte Reifen im Vorteil. Auch mehr Auflagenbreite des Pneus sorgt für höhere (Rutsch-)Sicherheit. Wer viel fährt, für den lohnt es sich, einen gröberen und wenn möglich etwas breiteren Reifen für den Winter montieren zu lassen.
Aber Achtung: Passt der Wunschreifen auch in Gabel und Hinterbau sowie unter die Schutzbleche? Im Zweifelsfall den Händler checken lassen! Alternative: Im Winter mit etwas weniger Luftdruck fahren. Auch das vergrößert die Aufstandsfläche der Reifen, sie haben mehr Kontakt zur Straße und daher mehr Grip. Aber auch hier gibt es etwas zu beachten: Wer nicht mit Schlauchlos-Reifen fährt, riskiert bei zu geringem Reifendruck Durchschläge, die den Schlauch aufschlitzen können (Snakebite). Der richtige Druck ist abhängig vom Fahrergewicht und der Reifengröße. An den Reifenflanken sind minimaler und maximaler Druck aufgeprägt. Und auch hier weiß der Händler am besten, wie man im speziellen Fall auf Nummer sicher geht.
Radfahren im Winter: Schwieriges Terrain
Kopfsteinpflaster ist ohnehin nicht Radlers Liebling. Bei Regen oder Matsch potenziert sich die Abneigung nochmals, dann ist der holprige Untergrund besonders schlecht zu beherrschen. Das gilt nicht nur fürs Bremsen, sondern auch für Richtungswechsel und Schräglage - die sollte hier wesentlich geringer sein als gewohnt. Dasselbe gilt für das Queren von Straßenbahnschienen. Je schmaler der Reifen, auf dem Sie unterwegs sind, desto eher rutscht er auf dem glatten Metall weg oder verfängt sich in der Schiene. Kreuzen Sie Schienen grundsätzlich im möglichst rechten Winkel, damit das Vorderrad nicht einfädeln kann. Grundsätzlich gilt im Winter: defensiver fahren als üblich!
Die Meisterklasse: Schnee
Ganz klarer Fall: In der weißen Pracht geht mit profillosen Reifen dann doch gar nix mehr. Je grober das Profil, desto besser kommt man auch im Schnee zurecht. Dabei gilt natürlich: langsamer fahren, vor allem Kurven sehr ruhig angehen. Schräglage war gestern, auf Schnee führt sie schnell zum Abgang. MTB-Bereifung oder die kleinen Gravel-Stollen haben hier große Vorteile gegenüber klassischen Tourenreifen. So oder so: Vermeiden Sie abrupte Lenkbewegungen! Das Fahrrad schiebt sonst zunächst erst einmal in der bisherigen Richtung weiter, das Vorderrad wird aber dann irgendwann plötzlich wegrutschen. Auf Schnee lohnt sich das bereits angesprochene Tieferstellen des Sattels auf jeden Fall, da die Füße im Bedarfsfall schnell auf dem Boden sind.
Wenn man sich an die besondere Fahrweise erst einmal gewöhnt hat, kann man durchaus richtig Spaß haben und auf gering befahrenen Straßen auch mal die Sau rauslassen. Etwa durch gezieltes Bremsen des Hinterrads das Bike per “Powerslide” in die eine oder andere Richtung lenken. Nicht groß ist der Schritt vom Schnee zum Eis: Vor allem auf kleinen Straßen in Wohnvierteln, in denen sich Schneeräumfahrzeuge selten sehen lassen, wird’s brenzlig: Autos fahren den Schnee fest. So entstehen sehr harte, verharschte Oberflächen und schließlich Eis; erschwerend kommt hinzu, dass dabei tiefe, oft schmale Fahrspuren entstehen, die dem Biker zu wenig Möglichkeit zum Ausbalancieren geben.
Bei vorübergehendem Tauwetter, etwa wenn die Sonne nachmittags scheint, entstehen zusätzlich Eisplatten. Hier hilft dann nur noch schieben - außer Sie fahren mit einem Spike-Reifen. Grundsätzlich sind natürlich von Schnee geräumte Straßen den ungeräumten vorzuziehen, wenn man nicht perfekt für den weißen Traum ausgestattet ist. Letztere verwandeln sich außerdem bei Temperaturen knapp über null oder bei Salznutzung schnell in Matschautobahnen und überholende Autos in furchtbare Dreckschleudern - dies ist ein Grund mehr für robuste, wasserdichte Kleidung im Winter!
E-Biken im Winter? Aber ja!
Wenn Sie einige Punkte beachten, spricht nichts dagegen, auch im Winter unterstützt unterwegs zu sein. Achten Sie besonders auf die Akkuladung. Kälte beansprucht den Akku stärker. Sie müssen mit 10 bis 35 Prozent geringerer Reichweite rechnen.
Wenn Sie einen entnehmbaren Akku haben: Laden Sie den Akku wenn möglich immer bei Zimmertemperatur und nehmen Sie ihn erst mit in die Kälte, wenn Sie tatsächlich losfahren.
- Akku-Schutzhüllen aus Neopren sind bei kalten Temperaturen und Nässe sinnvoll.
- Fahren Sie die ersten Minuten mit geringer Unterstützung, bis sich der Akku an die Leistungsabfrage bei geringer Temperatur “gewöhnt” hat.
- Stellen Sie Ihr E-Bike möglichst regen- und schneegeschützt ab.
- Bei außen liegendem Akku sollten Sie die Kontakte von Akku und Akkuaufnahme regelmäßig reinigen.
- Gewöhnen Sie sich erst an die winterlichen Straßenverhältnisse: Gehen Sie mit der Power Ihres E-Bikes vorsichtig um - schmutzige oder nasse Straßen führen schneller zum Grip-Verlust des Hinterrads. Fahren sie daher eher auf geringer oder mittlerer Unterstützungsstufe.
Radfahren im Winter: Keine Benutzungspflicht bei unbefahrbaren Radwegen
Das leidige Thema “Fahrradwege im Winter”: Selten sind sie frei von Laub, das manchmal auch noch gefährliche Schlaglöcher und querende Wurzelhügel überdeckt. Schnee? Fahrradwege werden oft gar nicht oder erst sehr viel später als Straßen geräumt. Das heißt, sie sind oft nicht oder nur schlecht und mit Sturzgefahr befahrbar. In diesem Fall dürfen Sie mit dem Rad auch auf die geräumte Straße ausweichen. Ob das ein Gewinn ist, gerade an viel befahrenen Straßen, muss man selbst abschätzen. Gerade bei schlechter Witterung und dämmerigem Licht ist es auch ziemlich gefährlich.
Zudem haben Autofahrer oft kein Verständnis für einen Radfahrer, der ihnen an einem Wintertag “ihren” Platz auf der Straße streitig macht, wenn möglicherweise sogar Schneehaufen weit in die Fahrbahn ragen. Dass der Fahrradweg kaum passierbar ist, dürften die meisten Autofahrer gar nicht wahrnehmen. Auch wenn als Überholabstand 1,50 Meter innerorts vorgeschrieben sind: Man kann leider erwarten, dass sich viele nicht daran halten.
Windchill-Effekt beim Radfahren
Der Windchill-Effekt ist nicht zu unterschätzen: Bei Fahrgeschwindigkeiten von 30 Kilometern pro Stunde fühlen sich null Grad an wie minus sechs. Kommt Gegenwind hinzu, wird es noch eisiger. Das Temperaturempfinden sei jedoch subjektiv: Während manche schon bei zehn Grad frieren, finden andere fünf Grad nicht so schlimm. Und zwei Grad fühlen sich bei Nieselregen natürlich ganz anders an als bei Sonnenschein. Wer in den Bergen fährt, darf nicht vergessen, dass die Temperaturen oben niedriger sind: Pro 1000 Höhenmeter wird es je nach Luftdruck zwischen sechs und zehn Grad kälter.
Zusätzliche Belastung: Bei Kälte benötigt der Körper viel Energie, um die optimale Temperatur in seinem Innern zu halten. Frieren beschleunigt den Abbau von Glykogen, das in der Leber und in den Muskeln zur Energieversorgung bereitgestellt wird. Entsprechend hoch ist beim Wintertraining der Kalorienverbrauch. Studien haben bewiesen, dass sich beim anhaltenden Frieren die Fettverbrennung verdoppelt und die Oxidation von Kohlenhydraten sogar um das Siebenfache steigt.
Heißt für Winterradler: Lieber einen Energieriegel mehr in die Trikottasche packen. Auch den Wasserhaushalt beeinflusst das winterliche Wetter. Bei kühlen Temperaturen muss man öfters Wasser lassen. Weil man zudem aufgrund der eher trockenen Winterluft über die Atmung mehr Flüssigkeit verliert als im Sommer, ist es auch bei Kälte wichtig, unterwegs regelmäßig zu trinken.
Dennoch reagiert der Körper unterwegs auf dem Rennrad so, wie er immer auf Kälte reagiert: Um die Wärme in der Körpermitte zu halten und lebenswichtige Organe wie Herz und Lunge zu schützen, reduziert er die Blutzufuhr an der Hautoberfläche und in den Extremitäten. Das Resultat sind eiskalte, gefühllose Hände und Füße und damit das Risiko einer schlechteren Radbeherrschung. Insbesondere das Bremsen und Schalten wird schwieriger und die Unfallgefahr steigt. Ziel ist also, Hände und Füße bei Winterfahrten möglichst lange warm zu halten.
Der Puls sei beim Trainieren in der Kälte übrigens oft niedriger als bei gleicher Belastung im Sommer, ergänzt Sportmediziner Dinic: Das liegt daran, dass die Energie, die durch die Bewegung entsteht, den Körper aufheizt und er dadurch weniger Aufwand in die Wärmeregulation zu stecken braucht. So muss das Herz weniger pumpen.
Das Kälteempfinden ist übrigens nicht nur individuell verschieden, sondern zwischen Männern und Frauen unterschiedlich. Das liegt vor allem daran, dass Muskeln die Heizkraftwerke des Körpers sind. Sie produzieren Wärme, auch in Ruhe. Dadurch sind Männer im Vorteil, die im Schnitt ein Viertel mehr Muskelmasse haben als Frauen. Dazu kommt, dass Frauenhaut etwa um 15 Prozent dünner ist als Männerhaut - Fahrerinnen sind schlicht schlechter isoliert als ihre männlichen Mitfahrer. Die Wohlfühltemperaturen von Männern und Frauen, das haben Wissenschaftler in vielen Studien bewiesen, sind deshalb sehr verschieden. Frauen sollten beim Wintertraining also ganz besonders auf ausreichenden Kälteschutz achten.
Warm eingepackt haben Radausfahrten im Winter viele Vorteile: Sie fördern einer kanadischen Studie zufolge die Fettverbrennung. Sie kurbeln die Produktion von Vitamin D an, das der Körper nur mithilfe von Sonnenlicht selbst herstellen kann. Ein auch im Winter hoher Vitamin-D-Spiegel senkt das Osteoporose-Risiko und wirkt zudem stimmungsaufhellend. Überhaupt verringert Outdoor-Sport nachweislich das Risiko für Depressionen und hebt bei depressiven Verstimmungen, die in der dunklen Jahreszeit häufig auftreten, die Laune.
Bergsteiger etwa tragen bei extremen Temperaturen einen dünnen Synthetikstrumpf unter der eigentlichen Socke und einen dünnen Handschuh unter dem dickeren, sagt Dr. Matthias Baumann, Expeditionsarzt und Verbandsarzt beim Bund Deutscher Radfahrer. Zwar sei das Risiko für Erfrierungen verglichen mit Bergsteigern bei Radfahrern unwahrscheinlich. Bei extremen Temperaturen und langem Aufenthalt in der Kälte besteht die Gefahr aber durchaus auch auf dem Rad.
Checkliste: Bereit für die Abfahrt?
- Eine gute Routenplanung ist im Winter Gold wert - denn niemand hat Lust, sich in der Dämmerung noch zu verfahren und bei Kälte länger als geplant unterwegs zu sein.
- Ein Blick in die Wetter-App ist im Winter besonders wichtig: Wie kalt ist es? Aus welcher Richtung weht Wind? Gibt es heute noch Niederschlag? Und wann wird es dunkel? Bei Sonnenschein UV-Schutz nicht vergessen!
- Die Kleidung sollte möglichst auffällig sein. Überschuhe halten die Füße warm, eine Mütze unter dem Helm den Kopf. Ein dünnes Paar Handschuhe unter den dickeren wirkt Wunder. Es gilt das Zwiebelprinzip: je kälter, desto mehr Schichten!
- In die Radflasche - am besten eine isolierte - kommt etwas Heißes, zum Beispiel gesüßter Tee. Manche schwören auf Stücke von frischem Ingwer, weil die Schärfe gefühlt von innen wärmt.
- Um eine nasskalte Rückseite zu vermeiden und Mitfahrer vor Dreckfontänen zu schützen, gehören im Winter Schutzbleche ans Rad. Einfache Modelle zum Clippen sind am praktischsten.
Weitere Tipps für das Radfahren im Winter
- Licht einschalten: Man muss morgens schon mit Licht starten und abends am besten gleich mit zwei hellen Scheinwerfern fahren, um die nassen Straßen im Gegenverkehr der Autos überhaupt erkennen zu können.
- Winterbekleidung: Meine Winterbekleidung auf dem Rad ist mit der Zeit immer besser geworden. Ich habe sie nach und nach angeschafft, weil ich gemerkt habe, dass sie zwar teuer - aber jeden Cent wert ist.
- Korrosionsschutz: Auch auf trockenen Straßen fliegt der trockene Salz- und Taumittelstaub übrigens auf alle ungeschützten Metallteile und sorgt dort für Korrosion.
- Schutzbleche montieren.
- Kette pflegen: Die Kette bleibt dadurch in der nasskalten Jahreszeit wesentlich sauberer und muss nicht so oft nachgeschmiert werden. Gerade bei fehlendem Kettenschutz ist dies ein Supertrick!
- Korrosionsschutzmittel verwenden: Alle ungeschützten Stellen und Metallteile müssen mit einem farblosen Korrosionsschutzmittel wie z.B. einem flüssigem Wachs sorgfältig eingepinselt werden.
- Reifen: Winterreifen fürs Fahrrad sind teuer, aber keinesfalls überflüssiger Luxus.
- Sattelbezug: Das hört sich nach Oma-Fahrrad an, vermeidet aber, sich frühmorgens bei Dunkelheit auf einen eiskalten Plastiksattel setzen zu müssen.
Fahrtechnik im Winter
- Ungeübte Radfahrer müssen das Fahren auf Schnee erst mal fernab von befahrenen Straßen üben, denn es ist nicht immer ganz einfach zu erkennen, wann es gefährlich wird.
- Sattel tiefer stellen: Also sollte der Sattel bei rutschiger Fahrbahn etwas tiefer gestellt werden.
- Bremsen: Sobald man vermutet sich auf einer glatten Straße zu befinden, darf nur noch die hintere Bremse betätigt werden.
- Reifendruck: Mehr Bodenhaftung entsteht neben Winterreifen ebenfalls durch das Absenken des Reifenluftdrucks der Fahrradreifen um 1 oder 2 Bar.
- Warme Kleidung tragen: Handschuhe, Reflektorweste und Helm sind für mich obligatorisch, aus diesem Grund ist aber auch wärmende Fahrrad-Winterkleidung eine sehr gute Investition.
Tabelle: Tipps für das Radfahren bei unterschiedlichen Temperaturen
| Temperatur | Empfehlungen |
|---|---|
| Über 0°C | Auf Glätte achten, Schutzbleche verwenden, gute Beleuchtung |
| 0°C bis -5°C | Winterreifen montieren, wärmende Kleidung, vorsichtige Fahrweise |
| Unter -5°C | Spikereifen, zusätzliche Isolierung, kurze Fahrten |
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