Die Costa de la Luz, die Küste des Lichts, erstreckt sich zwischen Gibraltar und Cádiz an der Westküste Andalusiens. Hier finden Radfahrer ideale Bedingungen vor: welliges Terrain, Passstraßen, Strände und gutes Wetter. Wer im Frühjahr entspannt an der Form feilen will, ist hier bestens aufgehoben.
April in Deutschland: Wind, Regenschauer, Kälte - ein Jammertal für Rennradfahrer. Dem wollen mein Kumpel Börje und ich entfliehen. Aber nicht nach Mallorca. Nach wenigen Flugstunden landen wir im südspanischen Jerez de la Frontera und treten aus dem Flughafengebäude.
Die Sonne brennt. Zugleich kühlt eine sanfte Brise die bleiche, mitteleuropäische Gesichtshaut. Börje grinst und blinzelt in die Sonne. "Wurde auch Zeit", meint er, "endlich wieder Rennrad fahren!"
Andalusiens Vielfalt mit dem Fahrrad erkunden
Aufgrund der großen landschaftlichen Vielfalt ist Fahrradfahren in Andalusien besonders lohnenswert und eine Bereicherung für jeden Urlaub: Flache Küsten, sanfte Hügel und steile Anstiege wechseln sich ab. Hier ist für jeden was dabei: Familien mit Kindern entdecken radelnd die Küste und ihre Urlaubsstadt Málaga oder Sevilla. Sportler testen ihre Grenzen in der Sierra Nevada und finden ideale Bedingungen für Wintertrainings. Paare, Freundesgruppen, Jung und Alt haben Spaß beim Fahrradfahren in Andalusien mit dem Rennrad, Mountainbike, Cross Countrybike und Tourenrad!
In Andalusien warten reizvolle Landschaften mit blühenden Obstbäumen, Hügeln voller Olivenbäumen, schroffe Gebirge mit weißen Dörfern und das weite Meer auf dich und dein Fahrrad! Auch das Klima mit 300 Sonnentagen im Jahr und Temperaturen zwischen 15 und 20 Grad selbst im Winter ist perfekt zum Fahrradfahren.
Flache Strecken und sanfte Hügelgebiete bieten gute Bedingungen für genüssliches und entspanntes Fahrradfahren. Während die bergigen Gebiete, wie die Sierra de Grazalema oder die Alpujarras, einiges an Kondition und technischem Können abverlangen. Nicht umsonst führen weite Strecken der international bekannten Fahrradrennen Vuelta Andalucía und Vuelta España durch Andalusien.
Touren und Routen an der Costa de la Luz
Küstenrouten
Tags drauf: Westwind. Wir rasen nur so dahin. Die Straße zwischen dem Küstenstädtchen Conil de la Frontera und dem Fischerort Zahara de los Atunes windet sich durch welliges Terrain. Links liegen Kuhweiden und frisch gepflügte Felder. Rechts rauscht das Meer, kräftige Wellen rollen heran. Es duftet angenehm nach feuchter Erde und salzigem Atlantik.
Heute lassen wir uns vom Rückenwind über die Hügel und durch verschlafene Badeorte treiben. Es ist Nebensaison. Auf den Straßen wenig bis gar nichts los, auch die Strände sind wie leergefegt. Der erste ernsthafte Anstieg des Tages mündet schnell wieder in eine ebenso kurze Abfahrt. Wir rauschen bergab durch den Naturpark "La Breña y Marismas de Barbate", zwischen Pinien hindurch, deren Kronen aussehen wie grüne Pilzköpfe und neben denen Wacholder wächst und gelb der Ginster blüht.
Kurz darauf blitzt es azurblau zwischen den Stämmen, eine Kurve später öffnet sich das Panorama: Atlantik, so weit das Auge reicht - und dort, wo der Strand in schroffe Steilküste übergeht und sich die Wellen an den Felsen brechen, tummeln sich etliche Surfer im Wasser.
Die ersten Kilometer meiner ersten Tour sind flach. Ich fahre an der Küste entlang. Rechts neben mir sehe ich das glitzernde Blau des Mittelmeers. Über dem Asphalt vor mir flimmert die Hitze.
- Tour 1: Küste des Lichts (86 Kilometer, 750 Höhenmeter, max. 15 % Steigung)
Hinterland und Sierra de Grazalema
Hinter endlosen Sandstränden breitet sich saftig-grünes Hügelland aus, und am Horizont ragen Zacken aus dem Dunst: die Höhenzüge der Sierra de Grazalema. Dorthin wollen wir in ein paar Tagen.
Mein Ziel: die Sierra de Grazalema. Die Hürzeler-Guides bieten auch hier geführte Touren an - Bus- und Radtransfer inklusive. Je weiter ich mich der Region nähere, desto hügeliger wird die Landschaft. Und desto menschen- und zivilisationsleerer. Die Gegend wirkt wie aus der Zeit gefallen. Mit jedem Kilometer wird der Kontrast zur dichtbesiedelten Küste größer. Auf den Küstenstraßen sind viele Rennradfahrer unterwegs - hier nicht.
Vor Ubrique kommt mir eine Rennrad-Gruppe entgegen, Einheimische. Sie grüßen. Und schon bin ich wieder allein. Ubrique ist das „Tor“ zur Sierra de Grazalema. Die Geschäftigkeit der 16.000-Einwohner-Stadt überrascht mich. Es ist der ideale Ort für eine Pause. Ein kleines Café, ein Seniorenstammtisch, ein Tisch in der Sonne. Kein Tourist. Nirgends. Außer mir. Un cortado y un bocadillo de jamón serrano, por favor.
In dem Örtchen El Bosque beginnt der zweite lange Anstieg meines Tages: der Puerto del Boya - 15 Kilometer mit 850 Höhenmetern. Ich blicke nach oben und sehe: grau. Die Wolken werden dichter und dunkler. Die Luftfeuchtigkeit steigt. Es riecht nach Regen. Dieser Teil der Betischen Kordillere ist, unglaublicherweise, die regenreichste Region ganz Spaniens.
Die Temperatur: 15, 14, 13, 12 Grad. Und damit mehr als zehn Grad weniger als zum Start meiner Tour. Als an der Küste. Die Straße vor mir wird immer steiler, Elf, zwölf, 13, 14 Prozent. Ich fokussiere mich auf meinen Atem - und vor allem: auf die Landschaft um mich herum. Diese Leere, diese Weite, diese Natur - dies ist zu Hause, in Deutschland, kaum mehr zu finden.
Seit 30 Minuten habe ich keinen menschlich-zivilisatorischen Lärm mehr gehört. Kein Hupen, keinen Motor, keinen Laubbläser. Ich sehe: graue Felsen, hellgrüne Wiesen, dunkelgrüne Nadelbäume, braune Rinder, schwarze Stiere, weiße und graue Ziegen - und Adler. Viele Adler.
- Tour 2: Ins Hinterland (107 Kilometer, 850 Höhenmeter, max. 8 % Steigung)
- Tour 3: Karstige Sierra de Grazalema (126 Kilometer, 2.600 Höhenmeter, max. 15 % Steigung)
- Tour 4: Ausblick bis Afrika (92 Kilometer, 2.100 Höhenmeter)
TransAndalus Mountainbike Rundtour
Der TransAndalus ist eine Mountainbike Rundtour durch alle 8 Provinzen in Andalusien mit einer Gesamtlänge von 2.000 km und durch zahlreiche Naturparks. An der Küste im Südwesten der Provinz Cádiz und in der Sierra de Aracena sind die Etappen flach und mit einem Tourenrad gut zu bewältigen. Dagegen setzen die Bergstrecken einiges an Können, Kondition und Orientierungsvermögen voraus.
Dies sind die Naturparks, die du passierst: Cabo de Gata, Karst de Yesos en Sorbas, Sierra de Baza, Sierra de Cazorla, Despeñaperros, Sierra de Andújar, Sierra de Cardeña y Montoro, Sierra Norte, Sierras de Aracena und Picos de Aroche, Coto de Doñana, Meerenge von Gibraltar, Los Alcornocales, Sierras de Tejeda, Almijara and Alhama sowie den Nationalpark Sierra Nevada.
Weitere reizvolle Gebiete zum Fahrradfahren
Vías Verdes
Die Vías Verdes sind stillgelegte ehemalige Eisenbahntrassen, die heute zum Spazierengehen und Fahrradfahren dienen. Sie verlaufen überwiegend flach oder mit geringen Steigungen durch landschaftlich reizvolle Gebiete und sind deshalb für Familien mit Kindern und Kinderwagen, ältere Menschen und Menschen mit Gehbehinderungen eine gute Wahl. Auch ein Verlaufen oder Verfahren ist hier praktisch ausgeschlossen. Vorbei geht es an Eisenbahnbrücken und Bahnhöfen und zahlreichen Sehenswürdigkeiten. Vías Verdes gibt es außer in Málaga in allen andalusischen Provinzen.
Sierra Nevada und Los Alcornocales
Zugegeben, die Sierra Nevada ist mehr was für sportliche Naturen. Eine erste Orientierung bieten die Mountainbike Zentren im Nationalpark Sierra Nevada und Los Alcornocales. Zum MTB Zentrum Sierra Nevada gehören 9 Routen mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden und einer Gesamtlänge von 344 km, dazu ordentlich Höhenunterschied. Nicht ganz so kräftezehrend ist eine Tour mit dem E-Bike. Im Naturpark Los Alcornocales in der Provinz Cádiz verlaufen rund um das MTB Zentrum 8 Routen mit einer Länge von 436 km, der höchste Punkt liegt auf 837 m über dem Meeresspiegel.
Sierra Aracena
Etwas entspannter geht es in der Sierra de Aracena zu. Sie liegt in der Provinz Huelva, nur anderthalb Stunden von den schönen Stränden der Costa de la Luz entfernt. Zum Naturpark mit 190 Tausend Hektar Fläche gehören zahlreiche Viehweiden mit alten Bäumen und einem Netz idyllischer Wege. Lohnenswert ist die „Route der Burgen“ mit 10 über die ganze Sierra verstreuten Schlössern und Burgen. Hier verläuft ein Stück des MTB-Rundwegs TransAndalus.
Marbella
Marbella in der Provinz Málaga offeriert zahlreiche Möglichkeiten für Fahrradtouren. An der Küste ist es eher flach, aber im Landesinneren wird es schnell bergig. Reizvoll ist die Mischung aus Mittelmeerküste, Stadt und Bergen. Marbella und Umgebung bietet Touren für Anfänger, die entspannt entlang der Küste radeln möchten, und für ambitionierte Könner. Sportlich herausfordernd sind Radtouren zu den weißen Dörfern wie dem Dorf Istán in der Sierra Blanca. Es liegt nur 15 km von der Küste entfernt. Auch bei Ronda und der Sierra de Grazalema findest du abwechslungsreiche Fahrrad- und MTB-Routen vor.
Praktische Tipps für Radfahrer an der Costa de la Luz
Für alle, die zur Unterhaltung und Entspannung radeln möchten, erfüllt ein Leihfahrrad aus dem Hotel oder von örtlichen Anbietern seinen Zweck. Damit kannst du gut die Stadt und die Küste entdecken und ein Stück landeinwärts fahren. Ambitionierte Fahrradfahrer wissen schon vorher, welche Strecken sie fahren möchten und Radfahren ist fester Tagespunkt im Urlaubsprogramm.
Gerne fährt kommt man mit dem eigenen Rad von Zuhause her - das gilt auch für viele Radsportler und Triathleten. Das Zweirad fliegt bei den meisten Fluggesellschaften als Sport- oder Sondergepäck mit, am besten sicher in einer Fahrradtasche oder einem Hartschalenkoffer verpackt. Die Kosten für die Fahrradmitnahme liegen je nach Fluggesellschaft um die 40 Euro.
Bequemer geht es mit einer Radreise. Hier musst du dich um nichts kümmern, die Planung und Organisation übernimmt der Veranstalter. Zahlreiche renommierte und kleine ambitionierte Anbieter bieten Radreisen in Andalusien an. Hier sind Flug, Transfer, Unterkunft in verschiedenen Kategorien, Leihfahrrad und Betreuung am Urlaubsort im Reisepreis enthalten. Die Radtouren finden in einer Gruppe, mit Begleitung oder auf eigene Faust statt.
Das Angebot in Andalusien reicht vom Leihrad über geführte Touren bis zu Radtouren in Eigenregie auf ausgearbeiteten Routen. Dazu nutzt du das Equipment und die Infrastruktur des Anbieters. Bei einem Programm, das Familien-Radfahren, MTB Touren und Technik-Training, Wintertraining und Wettkampfvorbereitung für spezielle Events sowie Freizeit-Radfahren umfasst, ist für jeden was dabei. Die Anforderungen reichen von sportlich über Sightseeing bis Entspannung und Genuss. Gerade bei anspruchsvollen und unbekannten Regionen kann es sinnvoll sein, erst mal an einer geführte Radtour teilzunehmen. So lernst du die örtlichen Begebenheiten und interessante Strecken kennen.
Beste Reisezeit
Dank des milden Klimas und überdurchschnittlich vielen Sonnenstunden ist Andalusien zu jeder Jahreszeit ein attraktives Reiseziel. Aber für Radtouren ist eine Zeit zwischen April und Mai oder zwischen September und November zu empfehlen. So kann auch dein Frühjahrs- oder Herbsturlaub mit tollen Aktivitäten gefüllt werden! Und dabei musst du nicht auf Sonne verzichten: Auch zu diesen Jahreszeiten gibt es in Andalusien viele Sonnenstunden und nur selten trüben ein paar harmlose Wölkchen den Himmel.
Wenn du kühlere Temperaturen bevorzugst, kannst du auch im Winter eine Fahrradtour durch Andalusien unternehmen.
Ausrüstung und Regeln
Ein stabiles Trekkingrad mit guter Übersetzung ist deshalb Voraussetzung. Für Familien mit Kindern und unerfahrene Tourenradler ist die Region nur wenig zu empfehlen.
Achtung: In Spanien sind Helmtragen und außerhalb von Ortschaften reflektierende Kleidung Pflicht!
Anreise
Von mehreren deutschen Flughäfen starten zwischen Ostern und Ende Oktober Direktflüge nach Jerez de la Frontera, z.B. mit TuiFly und Condor. Ansonsten geht es mit Umsteigen in Madrid oder Mallorca. Fahrräder kostenmeist 50 Euro hin und zurück. Linienbusse nehmen, wenn Platz ist, auch Räder mit. Am besten vorher bei den Linien anfragen.
Rad-Service
In den größeren Orten, wie Jerez und Cadiz gibt es qualifizierte Radshops mit Verleih und Service.
Unterkünfte
Das Vier-Sterne-Hotel Barrosa Park liegt im Ortsteil Novo Sancti Petri - und: direkt an einem feinen breiten Sandstrand, der Playa de la Barrosa. Das Hotel ist auch bei Golfern sehr beliebt, es gibt spezielle Angebote und mehrere Golfplätze in der Nähe.
Radstation
Die Huerzeler Rad-Station in Chiclana befindet sich auf dem Gebiet des Hotels Barrosa Park im Stadtteil Novo Sancti Petri. Der Leiter Adolfo spricht, wie auch die Mitarbeiter, fließend Deutsch.
Touren-Tipps
- Medina Sidonia - Paterna de Rivera - Alcala de los Gazules - Medina Sidonia
- Conil de la Frontera - Cabo Trafalgar - Barbate - Vejer de la Frontera - Conil de la Frontera
- Puerto Serrano - Olvera - Setenil - Montecorto - Zahara de la Sierra - Algodonales - Puerto Serrano
Beispielhafte Radtouren ab Novo Sancti Petri
- Novo Sancti Petri - -Trafalgar -Vejer - Novo Sancti Petri (3:30 h, 72 km, ⌀ 22-25 km/h)
- Novo Sancti Petri - Naveros-Medina - Novo Sancti Petri (3:05 h, 68 km, ⌀ 22-25 km/h)
- Novo Sancti Petri - Conil-El Palmar- Trafalga - Novo Sancti Petri (3:29 h , 71 km, ⌀ 22-25 km/h)
- (Transfer: Novo Sancti Petri - Gibraltar) - Tarifa-Barbate - Novo Sancti Petri (6:30 h,120 km, ⌀ 23-25 km/h)
- (Transfer: Novo Sancti Petri - Grazalema) - Cortes de la Fr. - Jimera - Ronda - Benaojan - Grazalema - (Transfer: Grazalema - Novo Sancti Petri) (6:30 h ,105 km, ⌀ 20-23 km/h)
Rennradtour nach Grazalema
Die Rennradtour von Novo Sancti Petri nach Grazalema ist eine etwas anspruchsvollere Tour und mit einem Transfer verbunden. Nachdem die Fahrräder auf dem Anhänger verstaut wurden, geht es mit dem Kleinbus los Richtung Naturschutzgebiet Sierra de Grazalema. Die Sierra de Grazalema erhebt sich wie eine riesige Stadtmauer zum Meer hin und ist mit zahlreichen kleinen Dörfern übersät.
Tolle Bergstraßen mit vielen Kurven und ordentlichen Höhenmetern erwarten dich bei dieser atemberaubenden Tour durch die Sierra. Die Tour ist ca. 100km lang und beinhaltet 1776 Hm mit einer maximalen. Steigung von 11,7%. Während der Radtour wirst du Korkeichen, schwarzen Schweine, Ziegen und vieles mehr sehen und die Natur der Costa de la Luz lieben lernen.
Die Costa de la Luz erwartet dich
An euren Urlaub an der Costa de la Luz werdet ihr euch noch lange erinnern.
Informationsquellen
- Die ideale Allround-Reise-Info bietet „Costa da la Luz“ aus dem Michael Müller Verlag, 264 S., 15,90 Euro.
- Radtouren-Tipps mit Höhenprofil und Kartenskizze:„Radsportkarte Andalusien“, erhältlich für 5 Euro bei Bicycle Holidays Hürzeler.
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