Radfahren in Belgien: Tipps für unvergessliche Touren

Belgien ist ein ideales Land für Radfahrer. Die Rad-Infrastruktur ist gut ausgebaut, es gibt einige Fernradwege und eine günstige Anreise mit der belgischen Bahn ist möglich. Seit 2021 führen neun ikonische Themenrouten die Radfahrer zu den schönsten Orten in Flandern. Wer Geschichte, Kunst und Natur verbinden möchte, wird zum Beispiel auf der Kunststädteroute fündig.

Die Heuvelroute: Eine Herausforderung für Bikepacker

Die Heuvelroute verläuft einmal quer von West nach Ost durch Belgien. Auf ungefähr 460 km bietet die Heuvelroute alles, was das Bikepacking-Herz höher schlagen lässt: Hügel, lange Abfahrten, schattige Wälder, entspannte Wege an Kanälen und auf alten Bahnstrecken, historische Städte und viele Einkehr-Möglichkeiten. So macht Bikepacking in Belgien Spaß!

Gestartet wird meist in Poperinge, der letzten großen Stadt in Westflandern vor der französischen Grenze. Als Ende bietet sich Maastricht an, von wo aus Züge nach Aachen verkehren. Die Strecke ist herausfordernd und hügelig, daher sollte man etwas fitter sein. Die Anstiege lohnen sich jedoch, denn der Blick schweift über eine weite Landschaft. Denkmäler erinnern an den Ersten Weltkrieg, da die Belgisch-Französische Grenze hart umkämpft war.

Etappen der Heuvelroute

  • Erste Etappe: Von Popringe entlang des Flusses Leie nach Halluin.
  • Zweite Etappe: Entlang der Leie nach Kortrijk und über den Kluisberg, vorbei an Ronse zum Bauernhof-Campingplatz „Camping à la Ferme Dôrloû“.
  • Dritte Etappe: Vorbei an der "Mauer von Geraardsbergen" entlang des Kanaal Charleroi-Brüssel nach Leuven.
  • Vierte Etappe: Durch Wälder und vorbei an Obstplantagen nach Tongeren und schließlich nach Maastricht.

Gravel-Bikepacking in den Ardennen

Die Ardennen sind ein ausgedehntes Gebirge, das sich größtenteils über den Südosten der belgischen Region Wallonie, teilweise bis nach Luxemburg und Frankreich erstreckt. Mit den sogenannten GR²-Routen gibt es neuerdings eine ziemlich große Auswahl an Radstrecken in der Wallonie, die speziell für Gravelbikes entworfen wurden. Das Gesamtnetz besteht aus acht Schleifen, die man auch zu längeren Strecken kombinieren kann. Insgesamt sind so über 1.000 Kilometer und 10.000 Höhenmeter Gravel-Strecke entstanden!

Auf den GR²-Routen gibt es so ziemlich alles, was das Gravel-Herz begehrt: Jede Menge Schotterwege natürlich, mal feiner, mal holpriger, dazu auch der ein oder andere Trail, der manchmal etwas Aufmerksamkeit erfordert. Asphalt ist ebenfalls dabei, und zwar nicht zu knapp, aber dann fast ausschließlich in Form von kleinen, wenig befahrenen Straßen und Radwegen (unter anderem auch den RAVeL-Wegen), sodass auch dort jede Menge Fahrspaß aufkommt.

Die Weltkriegsgeschichte der Region ist vielerorts allgegenwärtig. Kleine, versteckte Dörfer laden zum Entdecken ein. Alte Schlösser und Burgen legen einen Hauch Mystik über die Landschaft. Lokale Brauereien sorgen für die jetzt im Sommer ziemlich nötige Erfrischung. Und ja, die Gerüchte stimmen: Es gibt definitiv keinen Mangel an Pommes!

Empfehlungen für die Gravel-Routen in den Ardennen

  • Brauerei Bellevaux: Kleine Brauerei mit Biergarten in der Nähe von Malmedy.
  • Achouffe: Bekannt für eines der bekanntesten Biere Belgiens.
  • Bastogne: Bekannt für seine Weltkriegsgeschichte und das Bastogne War Museum.
  • Abtei von Orval: Eine der sechs Trappistenabteien in Belgien, fast tausend Jahre alt, mit Bierproduktion.

RAVeL-Radwege in der Wallonie

In der Wallonie gibt es die sogenannten Ravel-Radwege. RAVeL steht für Réseau Autonome des Voies Lentes, was so viel bedeutet wie „autonomes Netzwerk für den Langsamverkehr“. Die prima asphaltierten Strecken verlaufen oft auf alten Eisenbahntrassen und Treidelpfaden. Weil die Eisenbahn extreme Steigungen nicht bewältigen konnte, ziehen sich die Trassen unmerklich sachte durch Tunnel und über Stahlträgerbrücken, die eine gute Aussicht bieten.

Das Knotenpunktsystem in Belgien

In Belgien ist es einfach, sich mit dem Rad zu orientieren. Die wichtigsten Schnittpunkte im Radwegenetz haben eine Nummer, die auf Karten verzeichnet ist. Man folgt einfach der Beschilderung von einer Kreuzung zur nächsten, zum Beispiel: 51 - 02 - 03 - 04 - 87 - 86 06 - 07 - 25.

Weitere Tipps für Radreisen in Belgien

  • Anreise: Von Deutschland aus ist die Anreise mit dem Fahrrad nicht ganz unkompliziert. Eine Ausnahme ist der European Sleeper, der von Berlin über Bad Bentheim und Amsterdam nach Brüssel fährt.
  • Sprache: In Belgien wird Niederländisch (im Norden), Französisch (im Süden) und Deutsch (im Osten) gesprochen.
  • Ausrüstung: Spezielle Ersatzteile, Flickzeug und eigenes Werkzeug sollten mitgenommen werden.
  • Unterkünfte: Neben Hotels gibt es B&Bs, Hostels und Campingplätze. Das Netzwerk Vrienden op de Fiets bietet fahrradfreundliche Gastgeber.
  • Sicherheit: In Belgien ist das Radfahren sehr sicher. Es gibt keine Helmpflicht.

Belgien entdecken: Mehr als nur Radfahren

Eine Radreise in Belgien ist viel mehr als nur das Land sehen. Historische Kunststädte, jahrhundertealte Abteien, weite Wälder, Flüsse und historische Schlagfelder in West-Flandern bieten eine abwechslungsreiche Kulisse. Und natürlich darf man die belgische Nationalspeise Pommes Frites und das gute Bier nicht vergessen!

Wissenswertes über Belgien

  • Belgier trinken jedes Jahr im Durchschnitt 150 Liter Bier pro Person.
  • Belgien hat mehr Schlösser pro Quadratkilometer als jedes andere Land der Welt.
  • Antwerpen ist die Diamantenhauptstadt der Welt.
  • In Belgien werden jedes Jahr mehr als 220.000 Tonnen Schokolade produziert.

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