Utrecht ist die kleinste Provinz der Niederlande der Fläche nach, allerdings die viertgrößte der Bevölkerung nach. Hier gibt es mehr als 300 Schlösser und Landsitze zu entdecken. Es ist in der Region Utrecht möglich, von Punkt zu Punkt zu wandern oder zu radeln und sich dann nach Lust und Laune zu entscheiden, wie die Tour weitergeht.
Anreise nach Utrecht
Der Bahnhof Utrecht Centraal ist der größte Bahnhof der Niederlande und somit auch bestens an die Bahnlinien aus Deutschland angebunden. Innerhalb von 2,5 (von Düsseldorf) bzw. 3 (von Köln) Stunden bist du aus Deutschland angereist. Utrecht Stadt liegt auch auf der Nachtzug-Linie.
Utrechtse Heuvelrug: Natur und Schlösser mit dem Rad entdecken
Bevor es in die Stadtmitte Utrechts zieht, kann man die besondere Ruhe und landschaftliche Idylle in der Naturregion Utrechtse Heuvelrug genießen. Der Utrechtse Heuvelrug ist bekannt für seine sanften Hügel, die während der Eiszeit vor mehreren tausend Jahren durch Gletscherbewegungen entstanden sind. Heute bieten sie die besten Voraussetzungen für Outdoor-Aktivitäten.
Der Nationalpark beheimatet eine reiche Tier- und Pflanzenwelt. Der Utrechtse Heuvelrug ist das ideale Reiseziel, um dem hektischen Stadtleben zu entfliehen und die Schönheit der Natur zu genießen. Viele bekannte Schlösser und Landsitze liegen hier zwischen Wasser und grüner Idylle versteckt.
Unter dem Motto „Schlösser und Landgüter” beginnt eine Radtour am Kastell Kerckebosch etwas außerhalb von Zeist. Der schöne Radweg führt größtenteils durch Wälder, vorbei an Dünen bis zum Nationaal Bomenmuseum Gimborn. Es geht weiter zum Huis Doorn, das seine Bekanntheit Kaiser Wilhelm II. zu verdanken hat. Er hat in diesem Haus nach der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg Exil in den Niederlanden gefunden.
Immer wieder passiere ich schattenspendende Waldabschnitte, bevor es dann in die schöne Weite der niederländischen Idylle geht. Die Anwesen sind ziemlich beeindruckend, und bei der Lage einiger Häuser am Wasser würde ich definitiv auch nicht nein sagen. Selten habe ich so viele hübsche Häuserfassaden und liebevoll gepflegte Gärten gesehen wie hier. Ein weiteres Highlight meiner heutigen Tour ist Schloss Zeist, ein Schloss aus dem 17. Jahrhundert. Schloss Zeist kann man heute nur im Rahmen einer Führung besichtigen. Zudem gibt es immer wieder Ausstellungen, die man hier besuchen kann.
Die Stadt Utrecht erkunden
Die Stadt Utrecht hat mich direkt von Beginn an mit ihrem Flair begeistert. Man kann sich durch Gassen treiben, entlang der blühenden Grachten schlendern und es genießen, auch mal wieder in der Stadt zu sein. Vor einer Wanderung kann man sich der langen Geschichte der Stadt widmen und den Dom besuchen. Den Domturm siehst du bereits von weitem, egal, wo du in Utrecht unterwegs bist. Der Domplatz ist somit eigentlich nicht zu verfehlen.
Der Domturm ist das Wahrzeichen der Stadt und gehört mit 112 Metern zu den höchsten und auch ältesten Kirchtürmen der Niederlande. Der Turm ist von der Domkirche separiert. Nach einem starken Sturm in 1674 wurde das Mittelschiff der Kirche zerstört, und seitdem sind beide Gebäude voneinander getrennt. Den Dom kann man von oben, mittig und DOMunder entdecken und so in die Geschichte Utrechts, der Niederlande und Europas eintauchen. Mit einer Taschenlampe ausgerüstet geht es unter dem Domplatz auf Entdeckungstour.
Auch wenn es heute kaum vorstellbar ist, aber nur wenige Meter entfernt, floss der Rhein entlang. Während der Römerzeit und im Mittelalter verlief der Limes, die Grenze des Römischen Reiches, durch das Gebiet um Utrecht. Die Römer bauten hier eine Festung namens Traiectum, die den Rhein überquerte und als wichtiger Handels- und Verteidigungsstützpunkt diente.
Wandern auf dem Kromme Rijn Pad
Nach so viel Geschichts-Input kann man die neu gewonnenen Erkenntnisse erst einmal sacken lassen und beschließen, die Wanderschuhe zu schnüren und ein Stück auf dem Kromme Rijnpfad zu gehen. Der Kromme RIjnpad ist insgesamt 29 Kilometer lang und führt durch die grüne Landschaft von Utrecht bis nach Wijk bij Duurstede. Ein schmaler Pfad führt meist unter schattenspendenden Bäumen durch die grüne Landschaft unweit der Stadt. Der Wanderweg führt entlang des alten Flussbetts des Rheins. Die Wanderung führt bis zu den Landgütern Amelisweerd und weiter zur Festung Rhijnauwen. Einen kulinarischen Stopp sollte man unbedingt im De Veldkeuken einlegen. Wenn du noch Lust hast, kannst du anschließend noch einen kleinen Abstecher zur Festung Vechten unternehmen.
Radfahren entlang der Vecht
Radfahren ist die schönste Art, sich in den Niederlanden fortzubewegen. Am schönsten ist es, wenn man einmal die Städte verlässt und sich plötzlich in einer Landschaft aus weiten Wiesen und Feldern, Flüssen und Kanälen sowie kleinen Bauernhöfen und Windmühlen wiederfindet. Wenn man an der Oudegracht im Herzen von Utrecht Richtung Norden fährt, dauert es keine Viertelstunde, dann hat man das Zentrum hinter sich gelassen und fährt vorbei an Einfamilienhäusern und grünen Wiesen entlang des Kanals, der inzwischen zu einem Fluss, nämlich der Vecht geworden ist.
Nach fünf Kilometern erreichen wir den Ort Out-Zuilen direkt am Ufer der Vecht. Eine Allee führt zum Schloss Slot Zuilen. Ursprünglich wurde das Schloss im 13. Jahrhundert erbaut, doch durch holländische Kriege im 15. Jahrhundert komplett zerstört. Dem Wiederaufbau im Jahr 1510 haben wir es zu verdanken, dass man die schönen Mauern heute noch bewundern kann.
Man kann den Schildern zu den Maarsevenschen Plassen folgen, einem Seengebiet nördlich von Utrecht. Wir haben das Vechtufer inzwischen verlassen und sind auf schmalen Radwegen mitten durch die Felder und Wiesen unterwegs. Der Weg ist gut ausgeschildert und so kommen wir wenig später am ersten See der Maarsevenschen Plassen vorbei. Dieser ist umgeben von grünen Bäumen und an seinem Ufer befindet sich ein kleiner Steg an dem ein paar verlassene Ruderboote im seichten Wasser treiben.
Weiter geht es Richtung Norden. Hier wird deutlich, dass wir uns langsam den Loosdrechtsche Plassen nähern. Um das Gebiet zu entwässern grub man Entwässerungsgräben zu den Flüssen Vecht und Drecht in der Nähe gegraben. In dem durch die Kanäle entstandenen Niedermoor wurde der Torf im 16. Jahrhundert abgetragen und auf schmalen Landstreifen zum Trocknen ausgelegt. Diese Streifen sind heute noch deutlich erkennbar. Auf der Suche nach einem freien Seenblick fahren wir auf die Halbinsel Breukeleveen.
Das Restaurant Belle van Zuylen ist in einem alten Backsteinbauernhaus untergebracht. Von der Terrasse kann man herrlich den vorbeifahrenden Schiffen zusehen. Hier kann man ein typisch holländisches Mittagsmenü genießen, bestehend aus einer Suppe, einem Klecks Kartoffelsalat sowie einem Vollkorntoast mit Spiegelei und einer Frikandel.
Utrecht: Fahrradhauptstadt Europas
Utrecht gilt als fahrradfreundlichste Stadt der Welt. Alle Radwege sind vom Autoverkehr abgetrennt, es gibt eigene Ampeln, clevere Wegführung an Kreuzungen und das größte Fahrradparkhaus der Welt steht auch hier. Start und Ziel der kleinen Stadtrundfahrt ist der Dom. Unterwegs kreuzt man die von Grachten durchzogene historische Altstadt und radelt schließlich durch das grüne Umland. Die Stadt zeigt, wie bereitwillig sich Menschen für eine aktive und klimafreundliche Mobilität entscheiden, wenn man ihnen die Voraussetzungen dafür bietet.
Hier entstand 1885 der erste Radweg der Niederlande. Bilder aus den 1920er-Jahren zeigen: Das Fahrrad war das Transportmittel Nummer eins für die Arbeiterschicht, die sich jeden Morgen aus den Vororten über die vielen Brücken ins Zentrum begab. Kurze Zeit später wurde auch Utrecht von der Autofaszination gepackt. Doch der Siegeszug des PKWs zeigte schnell seine Schattenseiten. Die schleichende Verdrängung des Fahrrads aus dem öffentlichen Raum, die Zunahme tödlicher Unfälle und die Ölkrise 1973 führten zu einem Umdenken.
Heute dominiert erneut das Zweirad das Stadtbild und nirgendwo sieht man das so deutlich wie an den Utrechter Kreuzungen. Hier staut sich das, was zuvor floss. Bei jeder Ampelphase sammeln sich dutzende Radfahrer:innen und warten geduldig. Schaltet die Ampel auf Grün, geht es los: Von allen vier Seiten strömen die Zweiräder herbei und bevölkern für einige Augenblicke die gesamte Kreuzung. Denn niederländische Kreuzungen sind nach dem Prinzip “Rundum Grün” geschaltet: Alle Fahrräder bekommen gleichzeitig grünes Licht, sodass sie in einem Schwung auch links abbiegen können.
Ein Grund für die wenigen Autos in der Innenstadt ist der Mangel an Parkplätzen: Sie wurden in den 1970er-Jahren stückweise abgeschafft und in umliegende Parkhäuser verwiesen. Während man gemächlich durch die Gassen fährt, fällt es schwer zu glauben, dass dieses Idyll einst bedroht war. Heute ist die Stadt dabei, Fehler der autozentrierten Verkehrsplanung von damals zu korrigieren. So wurde der einstige Stadttunnel stillgelegt und renaturiert.
Die Qualität der Radwege scheint sich mit jedem Kilometer, den man sich von der Stadt entfernt, sogar zu verbessern. Utrecht hat viel Geld in sogenannte Radschnellwege investiert, die die Außenbezirke bequem mit dem Zentrum verbinden.
Weitere Tipps für Radtouren in den Niederlanden
- LF-Küstenroute: Von Cadzand-Bad an der Grenze zu Belgien bis Bad Nieuweschans an der deutschen Grenze immer der Nordseeküste entlang.
- LF-Zuiderzeeroute: Diese Radroute startet und endet in Amsterdam. Zum Schutz vor Sturmfluten wurde die Bucht 1932 eingedeicht - den imposanten Damm überquert man noch heute.
- Van-Gogh-Radwegnetz: In der Provinz Brabant im Süden der Niederlande gibt es ein Netz aus Van-Gogh-Themenradwegen.
Praktische Tipps für den Radurlaub in den Niederlanden
Die Niederlande sind das ultimative Fahrradland! Die ausgeklügelte Infrastruktur macht das Fahrradfahren in Großstädten sicher und komfortabel. Es gibt nicht nur zahlreiche Radwege, sondern auch immer mehr reine Fahrradstraßen. Du kannst dich frei bewegen und fahren, wohin du willst. In fast jeder niederländischen Stadt gibt es mindestens einen Fahrradverleih, wo du problemlos (Elektro-)Fahrräder ausleihen kannst (oft direkt am Bahnhof). Die Preise sind in der Regel recht günstig - je nachdem, für welches Modell du dich entscheidest.
Die flache Landschaft und das milde Klima sind wie gemacht für Fahranfänger*innen. Fahrradfahren in den Niederlanden ist sicher, kinderleicht und eine großartige Möglichkeit, um die Niederlande „like a local“ zu erleben. Außerdem ist es die nachhaltigste Form der Fortbewegung. Die wohl schönsten Radrouten führen um das IJsselmeer, entlang der Nordseeküste oder durch die Veluwe.
Die Niederlande sind sehr sicher für Radfahrer*innen. Egal, ob du mit dem Zug oder mit dem Auto anreist, dein Fahrrad ist überall willkommen. Es gibt zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten, die sich auf den Fahrradtourismus spezialisiert haben.
Radfahren in Utrecht: Fakten und Zahlen
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Fahrradparkhaus am Utrechter Hauptbahnhof | Größtes der Welt mit 12.500 Stellplätzen |
| Radfahrer in der Innenstadt von Utrecht | 125.000 täglich |
| Investitionen in die Radverkehrsinfrastruktur (2015-2020) | 186 Mio. Euro |
| Geschützte Radwege (2019) | 245 Kilometer |
| Radfahreranteil für Fahrten ins Stadtzentrum | 60 Prozent |
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