Fahrradfahren lernen: Tipps für Eltern und Kinder

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) gibt Eltern Tipps, wie Kinder Radfahren lernen und wie Eltern ihre Kinder dabei unterstützen können. Die ersten eigenen Erfahrungen mit Mobilität machen die meisten Kinder heute mit dem Laufrad oder Roller. Das ist gut, denn im Gegensatz zu Stützrädern vermitteln sie keine falsche Sicherheit und Kinder lernen früh, das Gleichgewicht zu halten, zu lenken und sich richtig in die Kurve zu legen. Sie bekommen ein Gefühl für Geschwindigkeiten und üben, schnell zu reagieren - das macht ihnen den Umstieg aufs Fahrrad leichter.

Die Vorbereitung: Ort, Fahrrad und Helm

Für die ersten Fahrversuche ist ein passender Ort wichtig. Am besten eigenen sich ruhige Orte, ohne Autoverkehr mit gut befahrbarem Untergrund und genug Platz wie Parks oder Parkplätze von Supermärkten am Sonntag. Ebenso wichtig ist, dass das Fahrrad zum Kind passt. Es sollte nicht zu groß, aber auch nicht zu klein sein. Das Kind sollte, wenn es auf dem Sattel sitzt, bequem mit beiden Füßen auf den Boden kommen und aufrecht sitzend den Lenker bedienen können. Voraussetzung für das Radfahren ist, dass Kinder das Fahrrad motorisch gut beherrschen.

Die ersten Fahrversuche

Hier sind einige Schritte, die helfen können:

  • Das Fahrrad kennenlernen: Fahrrad schieben und wiegen, geradeaus und Kurven lenken, Bremsen üben.
  • Das Fahrrad wie ein Laufrad benutzen und ggf. Pedale abschrauben.
  • Zur Unterstützung können Eltern das Kind am Rücken zwischen den Schulterblättern stabilisieren oder unter dem Sattel anfassen.
  • Das Anfahren üben.
  • Das Kind auf dem Rad leicht anschieben und nebenherlaufen.

Wichtig ist:

  • das Kind schaut nach vorne, nicht auf den Boden
  • Zeit lassen und Geduld haben
  • auf die Bedürfnisse des Kindes achten
  • Pausen machen
  • loben und bestärken

Stürze gehören dazu, viel Üben und Wiederholen ist wichtig.

Radfahrübungen im Schonraum

Kann sich das Kind ohne Hilfe auf dem Rad halten, gilt es die fahrerischen Fähigkeiten wie einhändig fahren, sich umdrehen, abbremsen und ausweichen zu erlernen und durch ständiges Üben zu verbessern.

Wann ist der richtige Zeitpunkt? Und sind Stützräder sinnvoll?

Fahrradfahren lernen ist für kleinere Kinder oft herausfordernd, denn sie brauchen dafür Konzentration, Körperbeherrschung, Gleichgewichtssinn und Koordination. Jedes Kind lernt individuell, und auch beim Radfahren ist das nicht anders. Wichtig ist, dass die Kleinen von sich aus Fahrradfahren lernen wollen und von Anfang an Spaß an der Bewegung mit dem Rad haben. Generell bestimmt somit die individuelle Entwicklung des Kindes den richtigen Zeitpunkt, um Fahrradfahren zu lernen. Das Üben ohne Zwänge oder Drängen der Eltern ist dabei ganz entscheidend. Konkret bedeutet das, viel Geduld beim Üben mit den Sprösslingen zu haben, sie immer wieder neu zu motivieren und den Spaß am Radfahren durch entsprechende Belohnungen zu fördern.

Eltern sollten mit ihren Kindern zunächst in sogenannten Schonräumen wie Garagenvorhöfen oder Parkplätzen üben. Erst wenn das Kind sich auf dem Fahrrad sicherer fühlt, sollte es gemeinsam mit der Mutter oder dem Vater zum Beispiel in verkehrsberuhigten Bereichen oder Spielstraßen üben. Ideal ist es, wenn Kinder vor den ersten Fahrversuchen mit dem Rad bereits Erfahrungen mit dem Laufrad oder Roller sammeln konnten. Weil dadurch die Konzentration auf das Gleichgewicht geschult wird, ist dies die beste Vorbereitung.

Denn Kinder konzentrieren sich beim Fahren mit Stützrädern hauptsächlich auf das Treten der Pedale und nicht darauf, das Gleichgewicht zu halten. Die Ausgleichsbewegungen des Körpers durch das Lenken bei gleichzeitigem Treten der Pedale fallen hier weg. Diese beiden Bewegungen zugleich auszuführen, um so im Gleichgewicht zu bleiben, ist jedoch wichtig, um das Radfahren richtig zu lernen. Insbesondere beim Kurvenfahren sind Stützräder kontraproduktiv für den Lernerfolg. Die richtige Koordination der verschiedenen Aktionen - Pedale treten, lenken, bremsen - und die schräge Körperhaltung in der Kurve sind für Kinder gewöhnungsbedürftig. All das muss geübt werden, um sicher auf dem Rad unterwegs zu sein.

Durch die Stützräder kommt es in Kurven jedoch nicht zur Schräglage, und die kleinen Radler trainieren nicht, das Gleichgewicht in dieser Fahrsituation zu halten. Somit lernen sie nicht das beim Fahrradfahren übliche Kurvenverhalten. Der ADAC empfiehlt deshalb, Kindern immer die Möglichkeit zu geben, ohne Stützräder zu üben.

Zudem bieten die Fahrhilfen gerade am Anfang eher eine trügerische Sicherheit. Auch die Gefahr von Stürzen ist hoch: Es gibt "Stolperfallen" wie Bordsteinkanten, bei denen ein Stützrad in der Luft hängen und das Fahrrad so nicht mehr stützen kann. Oder weichere Oberflächen wie Rasen, in die Stützräder einsinken können. Die kleinen Radler können so unkontrolliert rückwärts rollen oder sogar durch die Stützräder gefährdet werden.

5 Tipps: Bremsen, Kurvenfahren und Co.

  • Anfahren: Ein Fuß des Kindes sollte auf dem oberen Pedal platziert sein. Erst das Anfahren mit Anschieben üben, dann ohne. Dabei möglichst nur so lange anschieben und halten, wie es nötig ist. Außerdem beim Anfahren zunächst das einfache Geradeausfahren üben. Übrigens: Viele Kinder schieben sich mit den Füßen an, wie sie es vom Laufrad kennen. Das ist fürs erste Lernen in Ordnung.
  • Bremsen: Idealerweise sollten Kinder nicht mit ihren Füßen bremsen. Deshalb empfiehlt es sich, zu Beginn die Vorder- und Hinterradbremse zu erklären und das Kind bremsen üben zu lassen. Erst mit Festhalten üben, dann selbstständig fahren und bremsen lassen. Spielerisch können Haltelinien auf den Boden gezeichnet werden, an denen das Kind bremsen und zum Stehen kommen soll. So lassen sich erste Bremsversuche gut begleiten.
  • Kurvenfahren: Das Ausfahren von Kurven trainiert man am besten, indem ein Erwachsener neben dem radelnden Kind her läuft. Dabei stets sowohl die Links- als auch die Rechtskurve in großen Bögen üben, die dann immer kleiner werden.
  • Üben: Das Kind sollte alle Fahrtechniken auf spielerische Weise möglichst oft wiederholen: bremsen, Slalom fahren, Schwung holen, Hindernissen ausweichen, kleine und große Kurven fahren, wenden.

Im Straßenverkehr kommen noch äußere Einflüsse hinzu, etwa andere Radfahrende, E-Scooter, E-Bikes und Pedelecs sowie Fußgänger - und das alles auch im Gegenverkehr. All das überfordert Kinder anfangs schnell und sollte immer wieder geübt werden. Dabei können kurze Trainingseinheiten in Schonräumen wie Parkplätzen und Garagenvorhöfen helfen. In jedem Fall ist ein langsames Herantasten an den Straßenverkehr und komplexere Verkehrssituationen zusammen mit Erwachsenen sinnvoll.

Die selbstständige Teilnahme am Straßenverkehr ohne erwachsene Begleitperson sollte immer erst nach der Radfahrprüfung in der Schule (3. oder 4. Klasse) erfolgen und immer wieder geübt werden.

Das richtige Kinderfahrrad finden

Die richtige Größe hat ein Fahrrad, wenn das Kind aufrecht sitzend den Lenker bedienen und auf dem Sattel sitzend mit beiden Beinen bequem auf dem Boden stehen kann. So können Kids besonders am Anfang das Radfahren sicher üben. Auch die richtige Reifengröße des Fahrrads sollte vor dem Kauf immer bedacht werden. Sie sollte sich stets an der Körpergröße des Kindes orientieren. Ab dem Alter von drei Jahren und einer Körpergröße von rund 90 Zentimetern kommt zum Beispiel ein Fahrradmodell mit 12-Zoll-Reifen infrage. Wichtig: das Rad vor dem Kauf im Fachhandel ausprobieren.

Hinweis: Eltern sollten ihrem Kind kein zu großes Fahrrad kaufen, nur damit es über einen längeren Zeitraum genutzt werden kann. Für den Spaß am Fahrradfahren ist das kontraproduktiv, und das Kind kann so keine Sicherheit beim Radfahren gewinnen.

Vor dem Kauf zu beachten:

  • Höhenverstellbarer Lenker und Sattel (damit das Rad mitwachsen kann)
  • Kindgerechte Rahmenergonomie: Kinder sollten mit der gesamten Fußfläche auf den Boden kommen.

Wo in Berlin das Fahrradfahren üben?

Natürlich gehen wir an dieser Stelle davon aus, dass die Kleinkinder mit euch an sicheren, verkehrsfreien Orten erste Fahrraderfahrungen sammeln. Das können zum Beispiel Abschnitte in Parks oder auf Spielstraßen sein. An einem Sonntag oder Feiertag bietet sich vielleicht auch ein großer Parkplatz an. Die Hauptsache ist, dass eure Übungsflächen ebenmäßig, flach und gut überschaubar sind. In den Berliner Verkehrsschulen habt ihr natürlich ideale Übungsbedingungen. Dort gibt‘s meistens auch Fahrräder, Laufräder und Co. zum Ausleihen.

Hilfreiche Tipps für Eltern und Kinder:

  • Kinder frühzeitig und spielerisch an das Radfahren heranzuführen. „Ein Laufrad ab etwa zwei Jahren ist ideal, um Gleichgewicht und Koordination zu trainieren. Das kann bei gemeinsamen Spaziergängen mitgenommen werden. So hat das Kind Spaß und lernt gleichzeitig die ersten Grundlagen des Fahrradfahrens.“
  • Regelmäßige Übungen auf verkehrsberuhigten Plätzen. Dabei sollten Eltern geduldig bleiben und die individuellen Fortschritte ihres Kindes im Blick behalten.
  • Mit Tretrollern die ersten Fahrten wagen. Sie helfen, das Gleichgewicht zu trainieren und sich im Straßenverkehr zu orientieren.
  • Bewegung der Kinder im Alltag und in der Freizeit fördern!

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