Radfahren mit Blasenkatheter: Wichtige Tipps und Informationen

Jeder Mensch muss mehrmals am Tag seine Blase entleeren. Wenn Ihnen Ihr Urologe Intermittierende Selbstkatheterisierung (ISK) empfohlen hat, hat das in erster Linie Einfluss auf Ihren Alltag und auch auf den Umgang mit Ihrem Körper, speziell mit Ihrem Intimbereich.

Was ist intermittierender Katheterismus?

Für unseren Organismus ist es wichtig, dass die Blase immer wieder vollständig entleert wird. Normalerweise sendet die Blase ein Signal ans Gehirn, dass sie voll ist, wir verspüren einen Harndrang, gehen auf die Toilette und entleeren die Blase. Dies ist jedoch nicht bei jedem Menschen möglich. Funktionelle bzw. neurologische Störungen (die Koordination zwischen Nervensystem und Muskeln ist gestört) kommen z.B. in Frage. Intermittierender Katheterismus schafft hier Abhilfe: Die Blase wird regelmäßig über einen Einmalkatheter entleert. Beim Intermittierenden Selbstkatheterismus führt der Patient den Katheter selbst - ohne Unterstützung durch Angehörige oder Pflegekräfte - über die Harnröhre in die Blase ein.

Anleitung zur Selbstkatheterisierung

Wenn Sie sich bisher noch nie selbst katheterisiert haben, sind Sie am Anfang wahrscheinlich etwas unsicher. Das ist auch ganz natürlich. Mit einer guten Anleitung und etwas Übung werden Sie aber schnell feststellen, dass die Selbstkatheterisierung recht einfach funktioniert.

Für Frauen:

  1. Wählen Sie eine bequeme Position (z. B. auf der Toilette oder dem Bett). Sitzen Sie so entspannt wie möglich.
  2. Spreizen Sie Ihre Schamlippen mit Zeige- und Mittelfinger der einen Hand und ziehen Sie sie leicht nach oben.
  3. Mit der freien Hand führen Sie nun den Katheter langsam durch die Harnröhre in die Blase ein, bis der Urin zu fließen beginnt.
  4. Sobald der Urin abläuft, schieben Sie den Katheter vorsichtig noch 1- 2 cm weiter.
  5. Falls der Harnfluss stoppt, ziehen Sie den Katheter etwas zurück, bis der Urin wieder fließt.

Für Männer:

  1. Wählen Sie eine bequeme und entspannte Position (z. B. Nehmen Sie Ihren Penis mit der einen Hand und heben ihn leicht in Richtung Bauchdecke.
  2. Mit der freien Hand können Sie nun den Katheter vorsichtig durch die Harnröhre in die Blase einführen, bis der Urin zu fließen beginnt.
  3. Falls der Harnfluss stoppt, ziehen Sie den Katheter etwas zurück, bis der Urin wieder fließt.

Tipps und Ratschläge rund um ISK

  • Der intermittierende Selbstkatheterismus tut nicht weh. Der Vorgang ist zunächst ungewohnt und das Einführen des Katheterschlauchs kann zu Beginn ein wenig brennen oder stechen. Mit etwas Übung sollte das Katheterisieren aber immer einfacher werden.
  • Gleitgel, ein entsprechend beschichteter Katheter oder das Variieren der Körperhaltung bei der Katheterisierung können helfen.
  • Grundsätzlich sollte eine Katheterisierung immer aseptisch oder hygienisch, also unter keimfreien Bedingungen, erfolgen. Das heißt, dass Materialien und Umgebung keimfrei sein müssen. Ist dies der Fall, sind Infektionen eher selten.
  • Reizgefühle unmittelbar nach dem Katheterisieren klingen meist schnell wieder ab.
  • Unerlässlich beim intermittierenden Selbstkatheterismus ist die Einhaltung der Intimhygiene. Dazu gehört tägliches Waschen des Genitalbereichs mit einer pH-neutralen Waschlotion. Bei der Monatsblutung gelten die gleichen Hygienevorgaben wie sonst auch.
  • Das Wichtigste bei einer Reise ist der ausreichende Vorrat an Kathetermaterial. Nehmen Sie dies immer mit ins Handgepäck. So sind Sie auf jede Situation vorbereitet. Das zusätzliche Handgepäck in Form von Kathetern oder sterilen Kompressen können Sie in der Regel problemlos mit sich führen.
  • Holen Sie sich von Ihrem Arzt einen Stempel in Ihrem PubliCare-Katheterpass.
  • Der intermittierende Selbstkatheterismus erleichtert Ihnen einen unbeschwerten Umgang mit Körperlichkeit und Sexualität. Denn durch das Katheterisieren vermeiden Sie unwillkürlichen Urinverlust während des Geschlechtsverkehrs. Sie müssen sich hinsichtlich Ihrer sexuellen Aktivität nicht einschränken. Es wird empfohlen, die Harnblase vor dem Geschlechtsverkehr per Katheter zu entleeren um einen ungewollten Urinabgang zu verhindern.
  • Planen Sie vor allem in der Anfangszeit genügend Zeit, Ruhe und gutes Licht ein.
  • Stellen Sie an Ihrem Handy Erinnerungsfunktionen für die Blasenentleerung ein.
  • Achten Sie auf ausgewogene Ernährung: Verstopfung kann die Katheterisierung negativ beeinflussen.
  • Katheterisieren Sie sich direkt vor dem Antritt einer Flug-, Bahn- oder Autoreise. Das erspart Ihnen ggf.
  • Auf Reisen sollten Sie immer Ihren Hilfsmittelpass und Medikamentenausweis dabeihaben.
  • Der Euro-WC-Schlüssel öffnet europaweit die Türen von Behindertentoiletten.
  • Selbsthilfegruppen und Vereine bieten für Patienten und Angehörige Raum zum Austausch und für Unterstützung.
  • Auf Anzeichen von Komplikationen achten, z.B.

Ernährung und Flüssigkeitszufuhr

Wenn Sie Blasenprobleme haben, ist es wichtig, ausreichend zu trinken (ca. 2 Liter am Tag). Das richtige Trinken wird oft unterschätzt und Menschen mit einer schwachen Blase trinken oft extra wenig, um weniger auf Toilette gehen zu müssen. Aber durch die geringe Trinkmenge ist der Harn konzentrierter und das wiederum verstärkt das Gefühl auf Toilette gehen zu müssen. Trinken Sie dagegen genug und gleichmäßig über den Tag verteilt, fördert das die Urinbildung und krankheitserregende Keime werden leichter ausgespült.

  • Ideal sind ausgleichende Sportarten, die zusätzlich auch den Beckenboden stabilisieren.
  • 1,5 Liter Flüssigkeit sind eine gute Orientierung für die empfohlene Tagesmenge. Darüber hinaus bestimmen verschiedene Faktoren den individuellen Flüssigkeitsbedarf, wie Alter, das Ausmaß an Bewegung oder mögliche Erkrankungen.
  • Wasser ist essenziell, aber auch Kräutertees wie Kamille oder Fenchel können beruhigend auf die Blase wirken.
  • Alkohol und koffeinhaltige Getränke wie Kaffee sollten Sie nur vorsichtig und in Maßen trinken, da diese die Blase reizen.
  • Auch Getränke mit Kohlensäure und/oder viel Zucker z.B. Energy Drinks können die Blase reizen und harntreibend wirken.

Blasentraining

Eine schwache oder überaktive Blase, mit häufigen Toilettengängen und häufig tröpfchenweisem Harnverlust, lässt sich in vielen Fällen gut mit einem Blasentraining behandeln. Unter einem Blasentraining, auch Toilettentraining genannt, versteht man verschiedene speziell aufeinander abgestimmte praktische Übungen und mentale Verhaltenstipps, die dabei helfen die schwache bzw. überempfindliche Blasenmuskulatur zu stärken. Denn die Harnblase ist ein muskuläres Hohlorgan, dass sich, wie jeder andere Muskel auch, mithilfe von gezielten Übungen trainieren und damit kräftigen lässt.

Ziel des Blasentrainings ist es die Blasenfunktion zu stärken und damit den übermäßigen Harndrang bzw. den unkontrollierten Harnverlust zu verringern oder gar zu beheben. Das Blasentraining ist nur zur Behandlung einer Harninkontinenz geeignet. Eine Stuhlinkontinenz kann damit nicht behandelt werden.

Wie funktioniert ein Blasentraining?

Das Blasentraining besteht aus einer Kombination von verschiedenen praktischen Maßnahmen sowie verhaltenstherapeutischen Ansätzen, die jeweils aufeinander aufbauen. Am Anfang des Blasentrainings steht in der Regel das Miktionsprotokolls. Das ist eine Art Tagebuch oder auch Bestandaufnahme über das eigene Toilettenverhalten, das vor der eigentlichen Durchführung des Blasentrainings vom Patienten angefertigt wird. Vorlagen dazu gibt es kostenlos im Internet zum Herunterladen. In die Liste trägt man dann über einen bestimmten Zeitraum - meist mehrere Tage über 24 Stunden - z.B. Begleitende Ereignisse bei den Toilettengängen, z.B. Was und wie viel Flüssigkeit zu welcher Uhrzeit getrunken wurde.

Herzstück des Blasentrainings ist der individuell angefertigte Plan zum Toilettentraining. Dabei erfolgt das Wasserlassen nicht mehr willkürlich, sondern in regelmäßigen Abständen nach einem vorgegebenen Zeitplan. Patienten lernen dabei dem ersten Harndrang nicht mehr sofort nachzugeben, sondern den Urin möglichst lange bis zum anvisierten Zeitpunkt anzuhalten. Wichtig ist dabei auch vorbeugende Toilettengänge, wie sie sich viele Patienten mit Blasenschwäche, etwa einer Dranginkontinenz bzw. überaktiven Blase im Laufe ihrer Erkrankung oft angewöhnt haben, möglichst zu unterlassen. Denn dieses häufige Wasserlassen verschlimmert die Symptome der überaktiven Blase sowie der Dranginkontinenz und ist damit kontraproduktiv.

Das Urinanhalten und die Verzögerung der Toilettengänge dagegen trainieren die schwache Blase und stärken die Harnblase, so dass sie die natürliche Ausdehnung wieder zulassen und mehr Urin zu speichern kann. Das verfrühte Auftreten von Harndrang bei noch sehr geringen Füllständen wird damit verbessert.

Wie kann ich meine Blase trainieren?

Das Wasserlassen aktiv hinauszuzögern und dem Harndrang nicht gleich nachzugeben ist anfangs nicht ganz einfach. Bleiben Sie trotzdem dran und versuchen Sie nicht gleich aufzugeben. Vielfach zeigen sich schon nach wenigen Tagen die ersten Erfolge. Überfordern Sie sich dabei aber auch nicht. So kann man zum Beispiel erstmal damit anfangen dem Harndrang für nur fünf Minuten standzuhalten.

Auch, wenn der Druck anfangs für kurze Zeit stark ansteigt, beruhigt sich die Blase erfahrungsgemäß meist schnell wieder. Vorsorglich können Sie auch spezielle Inkontinenzprodukte, wie Einlagen und Vorlagen, in die Unterwäsche legen, um bei einem Missgeschick versorgt zu sein bzw. sich in jeder Situation trocken und sicher fühlen zu können.

Wenn die Blase nach etwas Übung schon etwas trainiert ist und Sie fünf Minuten bereits gut aushalten, können Sie die Wartezeit weiter auf 10, 15 oder gar 20 Minuten ausweiten. Versuchen Sie sich beim Auftreten des Harndrangs aktiv abzulenken, z.B. Auch bewusstes Atmen in den Unterbauch sowie Entspannungstechniken, wie z.B. Wichtig ist außerdem die Toilette mit gemächlichen Schritten und entspannt aufzusuchen.

Neben dem Toilettentraining gehört zum Blasentraining auch ein Trinkplan. Viele Patienten mir nervöser Blase und Dranginkontinenz neigen dazu nur wenig zu trinken, um nicht so schnell wieder aufs die Toilette gehen zu müssen. Damit erreichen Sie aber oft genau das Gegenteil. Denn, wenn dem Körper zu wenig Flüssigkeit zur Verfügung steht, konzentriert sich der Harn und reizt dann die Blasenwände, was wiederum zu vermehrtem Harndrang führt. Achten Sie auf eine ausreichende Trinkmenge von ca. 1,5 Litern Flüssigkeit pro Tag. Bei großer Hitze bzw.

Vermeiden Sie stark zuckerhaltige und kohlensäurehaltige Getränke, wie Limonaden und Colagetränke. Dasselbe gilt für den Genuss von Tee, Kaffee und alkoholischen Getränken.

Die Übungen des Blasentrainings können von Männern und von Frauen gleichermaßen angewendet werden. Es gib also keine Unterschiede zwischen den Übungen beim Blasentraining für den Mann bzw. dem Blasentraining für die Frau.

Hilft Blasentraining bei Dranginkontinenz?

Ja, bei Dranginkontinenz, die vor allem bei Männern, aber auch bei Frauen in späteren Jahren vermehrt auftritt, gilt ein Blasentraining, neben Medikamenten sowie Beckenbodentraining, als besonders hilfreiche Therapieform. Als wenig hilfreich gilt das Blasentraining - laut Experten - dagegen bei einem noch liegenden Katheter.

Hier wurde bis vor einigen Jahren noch ein sogenanntes intermittierendes Abklemmen eines dauerhaft liegenden Blasenkatheters zur Steigerung der Blasenkapazität durchgeführt. Diese Form des Blasentrainings mit Katheter wird heute nicht mehr empfohlen.

Welcher Sport stärkt die Blase?

Sport und Bewegung können unterstützend dazu beitragen die Blasenfunktion zu stärken.

Um die Blasenwand bzw. Blasenschleimhaut nach einer Blasenentzündung, aber auch vorbeugend, natürlich zu stärken, können u.a. Homöopathische Globuli, die bei Blasenbeschwerden besonders gut helfen sollen und dazu beitragen können die Blase zu stärken, sind u.a. Darüber hinaus sollten Betroffene auf eine gesunde und pflanzenbasierte Kost ohne scharfe Gewürze, die die Blase reizen können, achten.

Fahrradfahren trotz Blasenkatheter

Nach einer TUR B (transurethrale Resektion der Blase) Operation kann das Fahrradfahren unangenehm sein. Ein Tipp von Betroffenen ist, einen Sattel ohne Nase zu verwenden, bei dem man nur auf dem Becken sitzt. Dies kann anfangs gewöhnungsbedürftig sein, ermöglicht aber oft schon nach kurzer Zeit wieder kleine Fahrradtouren.

Es ist jedoch wichtig, körperliche Anstrengungen in den ersten Wochen nach der Operation zu vermeiden und die Meinung eines Fahrradhändlers nicht über die qualifizierte Meinung eines Arztes zu stellen. Achten Sie auf die Signale Ihres Körpers und überanstrengen Sie sich nicht.

Weitere wichtige Hinweise

  • Inkontinenzvorlagen: Lassen Sie sich bereits vor der OP Inkontinenzvorlagen verschreiben und nehmen Sie einige davon schon mit ins Krankenhaus.
  • Schmerzen: Bei starken Schmerzen, insbesondere am Morgen, kann ein Mittel zur Stuhlweichung helfen, um den Druck auf die Blase zu verringern.
  • Infektionen: Jeder Blasenkatheter ist nach spätestens vier Tagen mit Bakterien besiedelt. So lange dies keine Beschwerden auslöst, braucht und sollte man nicht mit einem Antibiotikum behandeln.
  • Dauerkatheter: Sollte ein Dauerkatheter medizinisch notwendig sein, dann sei bei Männern ein Bauchdeckenkatheter die bessere Wahl.

SPK (suprapubischer Katheter)

Einige Patienten entscheiden sich für einen SPK, der durch die Bauchdecke in die Blase gelegt wird. Das Legen des SPK ist in der Regel keine große Sache und kann unter Beobachtung passieren. Nach dem Abheilen des Einstichlochs ist das Tragen eines SPK in der Regel schmerzfrei und unkompliziert.

Beim Wechsel des Beutels am SPK kann ein Katheter-Ablassventil mit einem Druckknopf hilfreich sein, um den Urinfluss zu stoppen. Die Einstichstelle sollte regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden.

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