Radfahren nach Stent-Implantation: Ein umfassender Leitfaden

Für zahlreiche Patienten mit Herzerkrankungen ist ein Stent ein Lebensretter. Allein in Deutschland finden jährlich 300.000 Eingriffe statt. Doch was bedeutet das für die sportliche Betätigung, insbesondere das Radfahren?

Was ist ein Stent?

Unter einem Stent versteht man ein Hilfsmittel, dass dem Stabilisieren und Offenhalten von Gefäßen und Hohlorganen dient. Vor dem Setzen eines Stents werden die verengten Blutgefäße erweitert. Durch das Offenhalten soll einer erneuten Gefäßverengung bzw. -verschließung vorgebeugt werden. Zudem hilft der Stent die Oberfläche des Gefäßinnenraumes zu glätten. Ein Stent besteht meist aus Metall oder Kunstfasern. Die gängigste Form eines Stents ist eine Spiraldrahtprothese in Röhrchenform.

Arten von Stents

  • Selbstentfaltender Stent: Besteht aus einem Gittergeflecht aus Stahl, das von einer Plastikhülle umschlossen ist.
  • Ballon-expandierender Stent: Sitzt zusammengefaltet auf einem Ballon-Katheter. Durch das Aufblasen des Katheters expandiert der Stent und wird an die Gefäßwand gepresst.
  • Beschichteter Stent (DES - Drug Eluting Stent): Ist mit Medikamenten ummantelt, die einer Zellneubildung vorbeugen.
  • Bioresorbierbarer Stent: Baut sich innerhalb von 24 Monaten schrittweise ab.

Gründe für eine Stentimplantation

Das Setzen eines Stents kann zahlreiche Gründe haben. Die Einsatzgebiete sind umfangreich. Ist die konstante Aufdehnung eines Blutgefäßes oder Hohlorgans mittels einer PTA (perkutane transluminale Angioplastie) nicht gewährleistet, muss ein Stent gesetzt werden. Dieser sorgt für die dauerhafte Durchlässigkeit des Gefäßes. In vielen Fällen ist als Hauptursache einer Gefäßverengung die Arterienverkalkung (Arteriosklerose) zu nennen. Durch Ablagerungen von Kalk, Blutfetten sowie Bindegewebe an den Gefäßwänden kommt es zur Entstehung von Plaque. Durch die Ansammlung von Plaque an den Gefäßwänden kommt es zur Gefäßverengung - Arteriosklerose. Hauptverursacher einer Plaquebildung ist das Rauchen.

Ablauf einer Stentimplantation

Die Platzierung eines Stents zählt zu den minimal-invasiven Eingriffen. Sie hat Ähnlichkeit mit einer PTCA (perkutane transluminale coronare Angioplastie) oder Untersuchung mittels Herzkatheter. Im Vorfeld auf die Implantation erfolgen gewisse Routineuntersuchungen wie das Erstellen eines Elektrokardiogramm (EKG) und einer Blutanalyse. Vor dem Eingriff wird dem Patient ein lokales Betäubungsmittel am Katheterzugangsbereich verabreicht. Dem Setzen des Stents geht eine sogenannte PTA (perkutane transluminale Angioplastie) voraus. Hierbei handelt es sich um ein Verfahren zur Erweiterung oder Wiedereröffnung verengter bzw. verschlossener Blutgefäße. Hierfür führt der Arzt eine Kanüle in ein Gefäß ein, welches sich dicht an der Oberfläche befindet. Meistens wird hierfür eine Arterie in der Leistenregion gewählt. Mit Hilfe eines Kontrastmittels in Kombination mit einer Röntgenkontrolle wird ein Führungskatheter an die Engstelle des betroffenen Gefäßes geschoben.

Am vorderen Ende des Führungskatheters ist ein zusammengefalteter Ballon befestigt. Nachdem die Engstelle erreicht ist, wird der Ballon mittels Luft ausgedehnt. Dadurch werden die Verkalkungen an die Gefäßwand gedrückt. Das Gefäß öffnet sich. Zeitgleich dehnt sich der ballon-expandierende Stent auf. Die Gefäßwand wird stabilisiert. Nachdem der Ballon wieder entleert wurde, entfernt der Arzt den Katheter aus dem Gefäß.

Was ist nach der Stentimplantation zu beachten?

Für gewöhnlich kann der Patient nach einer Stentimplantation taggleich entlassen werden. Ist der Patient durch einen vorangegangen Herzinfarkt vorbelastet muss er jedoch länger im Krankenhaus verweilen. Der Zeitraum ist abhängig vom Umfang der Schädigungen, die durch den Infarkt resultiert sind. Lag ein leichter Herzinfarkt vor, reicht es beispielsweise den Patienten für eine Woche unter Beobachtung in der Klinik zu behalten.

Nach dem Eingriff schließt sich eine dauerhafte Einnahme von Medikamenten an. Dies dient in erster Linie der Prophylaxe einer erneuten Gefäßverengung. Um Blutgerinnseln vorzubeugen nimmt der Patient blutverdünnende Medikamente wie Acetylsalicylsäure (Aspirin) bzw. Thrombozytenaggregationshemmer wie Clopidogrel ein. Diese Präparate hemmen das Verklumpen von Blutplättchen. Um den Cholesterinspiegel stabil zu halten bzw. diesen zu senken werden Cholesterin- bzw. Lipidsenker, sogenannte Statine, eingenommen.

Eine Stentimplantation verläuft im Allgemeinen ohne große Schwierigkeiten. Der Eingriff kann vereinzelt Herzrhythmusstörungen auslösen. Bei der Verwendung von Kontrastmitteln kann eine allergische Reaktion erfolgen, die sich in Form eines Hautauschlags oder Juckreiz äußert. An der Einstichstelle des Katheters kann es zu einem Bluterguss kommen. Durch das Verabreichen gerinnungshemmender Medikamente vor dem Eingriff, ist das Risiko von Blutungen während der Stentplatzierung deutlich erhöht. Bei der Aufdehnung der Engstelle innerhalb des Gefäßes ist eine Gefäßverschließung möglich. Zu den größeren Komplikationen ist eine Stentthrombose zu nennen. Bildet sich innerhalb des platzierten Stents ein Blutgerinnsel, führt dies zu einer potentiell lebensbedrohlichen Durchblutungsstörung.

Radfahren nach Stentimplantation

Nach einer Stentimplantation kann der Patient wieder uneingeschränkt Sport betreiben. Gerade bei einer koronaren Stentplatzierung ist es jedoch wichtig, dass es sich um Sportarten wie Radfahren, Joggen, Schwimmen, Wandern, Walken oder Skilanglauf handelt, die wenig Überbelastungspotential besitzen. Im Vergleich dazu sind Ballsportarten (Fußball, Handball, Squash etc.) riskant, da sie den Ehrgeiz triggern, den Ball unbedingt noch erreichen zu wollen. Dieser Kraftaufwand kann mit einer Überbelastung des Herzmuskels einher gehen. Auch bei Ausdauersportarten, wie z.B. dem Joggen soll der Patient auf einen Endspurt am Ende der Trainingseinheit verzichten. Diese Belastung kann dem Herz mehr schaden als helfen.

Die Vorteile des Radfahrens

Regelmäßiger Ausdauersport gehört zu den besten Möglichkeiten, sich vor Herzerkrankungen zu schützen, den Blutdruck zu senken oder ein angeschlagenes, schwaches Herz zu stärken. So kann das Fortschreiten der koronaren Herzkrankheit durch Ausdauersport verlangsamt, zum Teil gestoppt und in Einzelfällen sogar zurückgebildet werden. Ein besonders schonendes Ausdauertraining ist Fahrradfahren.

Radfahren - egal ob auf dem normalen Fahrrad, dem E-Bike oder dem Fahrradergometer - fördert die Fitness: Es trainiert Herz und Lunge, verbessert die Ausdauer und kräftigt die Gesäß- und Beinmuskulatur. Zugleich ist Radfahren gelenkfreundlich: Da das meiste Körpergewicht auf dem Sattel lastet, werden Hüft- und Kniegelenke geschont. Die Tretbewegung fördert zudem die Versorgung der Gelenkknorpel mit Nährstoffen. Auch unterstützt regelmäßiges Fahrradfahren ein gesundes Körpergewicht.

Treten Sie eine halbe Stunde in die Pedale, verbrennen Sie bei einer Geschwindigkeit von 15-20 km/h in ebenem Gelände etwa 150 bis 250 Kilokalorien, bei höheren Geschwindigkeiten oder Anstiegen entsprechend mehr (bei 30 km/h ca. 450 Kilokalorien in 30 min).

E-Bike: Eine gute Alternative?

Fahrräder mit einem Elektromotor, der bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h den Fahrer unterstützt (sog. Pedelecs -landläufig meist als E-Bike bezeichnet) sind in den letzten Jahren stark in Mode gekommen. Etwa ein Drittel der E-Bikefahrer hat Vorerkrankungen, etwa Bluthochdruck oder es liegt bereits ein Herzinfarkt vor. Eine Befragung ergab, dass sie häufiger als normale Radfahrer offenbar bereit sind, das Auto zugunsten des Rads stehen zu lassen. Viele werden erst durch das E-Bike (wieder) zum Radfahrer.

Pedelecs kombinieren Muskelkraft und Motor. „Das Radfahren kann besser an die individuelle körperliche Belastbarkeit angepasst werden - für ein effektives, aber sicheres Training“, erklärt Professor Scharhag.

Empfehlungen für das Radfahren nach Stentimplantation

Herzkranke sollten generell, bevor sie in die Pedale treten, ihr Herz von einem Kardiologen untersuchen lassen. „Der Arzt kann mit Hilfe eines Belastungselektrokardiogramms (Belastungs-EKG) die individuelle Belastbarkeit des Herzens sowie den passenden Trainingspuls ermitteln. Zudem kann er den Einfluss von Herzmedikamenten auf das Herz-Kreislauf-System und die körperliche Leistungsfähigkeit überprüfen“, sagt Professor Dr. med.

„Für Menschen mit Herzkrankheiten ist es zudem empfehlenswert, mit einem Pulsmesser aufs Fahrrad zu steigen, um die Herzfrequenz im Blick zu behalten und so einer Überlastung des Herzens vorzubeugen. Wer doch mal ohne Pulsmesser mit dem Fahrrad, dem E-Bike oder auf dem Fahrradergometer unterwegs ist, kann sich an folgendem Ratschlag orientieren: Radfahren ohne Keuchen. Ein beschleunigter und tiefer Atem ist beim Radfahren sowie bei anderen Sportarten normal. Beginnen Sie allerdings, auf dem Sattel zu keuchen und können sich nicht mehr unterhalten, ist das Training zu intensiv. Schalten Sie einen Gang runter. Eine gute Faustregel ist, die Intensität so zu wählen, dass Sie zwar ins Schwitzen kommen, sich aber noch unterhalten können.

Die Deutsche Herzstiftung e.V. empfiehlt ein moderates Ausdauertraining von mindestens 30 Minuten, fünfmal pro Woche (insgesamt > 150 Minuten/Woche). Generell gilt aber: Jedes Mehr an Aktivität wirkt sich positiv auf Ihre Gesundheit aus! Nutzen Sie daher das Fahrrad für den Weg auf die Arbeit, radeln Sie zum Bäcker und nutzen Sie den Feierabend für eine kleine Fahrradtour - so erreichen Sie Ihr tägliches Sportpensum fast nebenbei.

Weitere wichtige Aspekte

Menschen mit einem Stent können ein uneingeschränktes Leben führen. Hierzu zählt, bei Übergewicht, die Reduzierung des bisherigen Körpergewichts. Das geht häufig mit einer ausgewogenen Ernährung einher. Falls noch nicht geschehen, sollte auf das Rauchen verzichtet werden. Für die Stressbewältigung und einen besseren Umgang mit den Anforderungen des Alltags eignen sich Methoden wie autogenes Training, Yoga und Meditation.

Ernährung nach Stentimplantation

Nach dem Setzen eines Stents spielt eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung eine große Rolle. Zum einen hilft sie dem Körper sich vom vorangegangenen Eingriff zu erholen. Zum anderen minimiert eine gesunde Ernährung das Risiko von Komplikationen nach der Stentplatzierung. Die erneute Entstehung von schädlichen Arterienablagerungen (Arteriosklerose) kann verhindert werden.

  • Fisch - einmal wöchentlich fettreiche Arten wie Lachs, Makrelen oder Sardinen, die wertvolle Omega-3-Fettsäuren enthalten.
  • Gesunde Fette - kleine Mengen an gesunden, herzfreundlichen Fetten wie sie z.B.
  • Wasser - ausreichend trinken und hierbei auf gesüßte Getränke verzichten.

Zusätzlich sollte der Konsum von Salz drastisch reduziert werden. Dies wirkt sich positiv auf die Blutdruckwerte und den Wasserhaushalt des Körpers aus. Den Genuss von zuckerlastigen Lebensmitteln gilt es einzugrenzen. Stark zuckerhaltige Lebensmittel werden gerne anstatt gesunder Alternativen konsumiert. Häufig führt dies jedoch zu nicht gewünschter Gewichtszunahme bzw.

Rehabilitation nach Stentimplantation

Nach einem Ereignis wie einem Herzinfarkt oder einer Bypass-Operation wird Patienten stets nach der Akutbehandlung auch ein Bewegungsprogramm nahegelegt, um wieder auf die Beine zu kommen. Das kann dann entweder in einer REHA-Klinik starten oder als ambulante Anschlussrehabilitation.

Grundsätzlich haben Betroffene sowohl bei akuter, schwerer Erkrankung - wie einem Herzinfarkt - als auch sich verschlechternder, schwerer chronischer Erkrankung - etwa bei Herzschwäche - ein Anrecht auf eine Rehabilitationsmaßnahme. Allerdings wird nur von etwas mehr als der Hälfte der anspruchsberechtigten Patienten mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung überhaupt ein Antrag auf eine kardiologische Reha gestellt.

Eine kardiologische Rehabilitationsmaßnahme, kurz Reha, soll die körperliche Leistungsfähigkeit und die Lebensqualität von Patientinnen und Patienten mit einer Herzkrankheit verbessern. Die Betroffenen lernen zudem, was sie selbst tun können, um das Risiko von Folgeerkrankungen zu verringern.

Auch Patientinnen und Patienten mit einem akuten Herzinfarkt, die einen Stent implantiert bekommen haben, wird die Reha empfohlen. Außerdem kann eine Reha für Menschen mit symptomatischer Herzschwäche sinnvoll sein.

Patientinnen und Patienten mit einem Herzinfarkt oder einer Herzoperation begeben sich in der Regel direkt im Anschluss an die Behandlung für drei Wochen in eine Reha. „Wenn alles unkompliziert verläuft, stellen sie sich acht bis zwölf nach der Reha wieder beim behandelnden Kardiologen oder der Kardiologin vor“, erklärt Prof. Klingenheben den weitern Verlauf. Die nächsten Kontrolltermine folgen nach sechs und nach zwölf Monaten.

Schon während der Behandlung im Krankenhaus und in der Reha sollte die Patientin oder der Patient aufgeklärt werden, warum die Medikamente wichtig sind, die ihm verschrieben wurden - und was passiert, wenn er sie nicht einnimmt.

Kardiologinnen und Kardiologen empfehlen generell Ausdauersportarten wie Walking oder Jogging, Radfahren oder Schwimmen. Ideal sind zwei Stunden pro Woche, verteilt auf jeweils 30 Minuten an vier Tagen.

In ambulanten Herzsportgruppen kommen Patientinnen und Patienten mit chronischen Herz-Kreislauf-Krankheiten mindestens einmal pro Woche zusammen, um gemeinsam Sport zu machen und so ihre körperliche Belastbarkeit zu trainieren. Sie werden dabei von ausgebildeten Fachleuten angeleitet und immer von einem Arzt oder einer Ärztin betreut. „Für viele Patientinnen und Patienten ist eine Herzsportgruppe sehr sinnvoll, weil es zusätzlich motiviert, wenn man in der Gruppe gemeinsam aktiv wird“, sagt Prof. Klingenheben.

Medikamententreue

Trotz der Aufklärung in Krankenhaus und Reha halten sich viele chronisch Kranke - und dazu gehören grundsätzlich alle Menschen mit einer Herzoperation - nicht an die Hinweise und Empfehlungen der Ärztinnen und Ärzte zu den Medikamenten. „Die Therapietreue ist bei bis zu 50 Prozent der Patientinnen und Patienten schlecht“, berichtet Prof. Klingenheben, „und sie wird immer schlechter, je mehr Tabletten verschrieben werden.“ Wer drei oder mehr Medikamente nehme, habe nach zwölf Monaten oft mindestens eines abgesetzt, ohne mit Ärztin oder Arzt Rücksprache zu halten.

Psychische Gesundheit

Viele Patientinnen und Patienten leiden nach einer Herzerkrankung an Angst oder Depressionen. In beiden Fällen ist meist eine professionelle Mitbehandlung von Ängsten und Depressionen unumgänglich.

Stress ist ein anerkannter Risikofaktor und Mitauslöser von Herzkrankheiten. Für die Stressbewältigung sollte die Grundlage bereits in der Reha gelegt werden. Kardiologinnen und Kardiologen empfehlen nach der Reha zudem Ausdauersport wie zum Beispiel Jogging. Die Bewegung stärkt nicht nur das Herz-Kreislauf-System, sondern setzt auch die Glückshormone Serotonin und Endorphine frei. „Das sind die natürlichen Gegenspieler der Stresshormone“, sagt Prof. Klingenheben.

Nachsorge nach Koronarintervention

Die Nachsorge der Patienten nach Koronarintervention ist von besonderer Bedeutung und in drei Stufen zu gliedern:

  1. Anamnese und klinische Untersuchung
  2. funktionelle Ischämietestung (Dobutamin-Stress-MRT, Myokard-Perfusions-MRT, Stress-Echokardiographie, Einzelphotonen-Emissionscomputertomographie [SPECT])
  3. morphologische Darstellung der Koronararterien (Herzkatheterdiagnostik und CT-Angiographie).

Klinische Nachsorge nach Entlassung

Innerhalb der ersten Woche nach Intervention empfiehlt es sich, im Rahmen der ambulanten Nachsorge durch den Hausarzt/den hausärztlich tätigen Internisten/den weiterbehandelnden Arzt folgende Untersuchungen durchzuführen:

  • körperliche Untersuchung (Auskultation von Herz/Lunge sowie Punktionsstelle, Ausschluss von Einflussstauung, feuchten Rasselgeräuschen, peripheren Ödemen)
  • Ruhe-EKG mit zwölf Ableitungen
  • Blutdruckmessung
  • laborchemische Untersuchung (Elektrolyte, Blutbild, Leber- und Nierenwerte).

Besonderes Augenmerk sollte im Rahmen der Nachbehandlung auf folgende Aspekte gerichtet werden:

  • die Punktionsstelle (Blutung, Hämatom, Aneurysma, AV-Fistel)
  • eine mögliche Anämie (Hb-Wert)
  • eine mögliche kontrastmittelinduzierte Nierenschädigung (Kreatininwert)
  • mögliche Unverträglichkeit gegen Statine bei neu eingeleiteter Therapie (Muskelsymptome, Leberwerte)
  • Aufrechterhaltung der verordneten medikamentösen Therapie, besonders aber der dualen antithrombozyteren Therapie nach Implantation eines Stents.

Nach Empfehlungen der Nationalen Versorgungsleitlinien werden Patienten mit KHK beziehungsweise nach Implantation eines Stents zu regelmäßigen Untersuchungen in die hausärztliche Praxis eingeladen (viertel- bis halbjährlich). Bei der regelmäßigen Untersuchung wird eine Anamnese in Bezug auf aktuelle Beschwerden (spezifisch kardiale, aber auch Müdigkeit, Leistungsknick), Belastbarkeit und funktionellen Status (Auswirkungen auf Familie, Beruf, Alltagsaktivitäten, Sport, Sexualleben) erhoben.

Während des ersten Jahres nach PCI sollten die Patienten gemeinsam durch ihren Hausarzt/hausärztlich tätigen Internisten und einen Facharzt für Kardiologie betreut werden.

Sport als Herztherapie

Sport reduziert Blutfettwerte, die sonst Ablagerungen in und an den Gefäßwänden bilden. Es entsteht Arteriosklerose - eine Hauptursache für Herzinfarkt und Schlaganfall. Bei körperlicher Aktivität aber zirkulieren vermehrt HDL-Lipoproteine im Blut, die Cholesterin zurück zur Leber transportieren, wo der Abbau erfolgt. Daher wird weniger Cholesterin an die Wand der Blutgefäße abgelagert.

Für Menschen mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung gelten in der Regel die gleichen Richtlinien wie für gesunde Menschen: Insgesamt sollten sie mindestens 150 Minuten wöchentlich Sport treiben.

Sie sollten möglichst an den meisten Tagen der Woche ein Ausdauertraining absolvieren. Ergänzend sollten idealerweise zwei bis drei Einheiten Krafttraining pro Woche hinzukommen.

Sportmedizinische Untersuchung

Eine Sportmedizinische Untersuchung bietet Herzpatienten Sicherheit. Dabei lotet der Arzt unter kontrollierten Bedingungen aus, mit welcher Intensität der Patient trainieren kann, so dass er einen Trainingseffekt hat, ohne sich zu überlasten.

Ermittelt wird das in der Regel über ein Belastungs-EKG: Der Patient tritt auf einem Fahrradergometer in die Pedale, wobei die Belastung langsam gesteigert wird. Währenddessen zeichnet ein EKG die Herzreaktionen des Patienten auf.

Mit Hilfe einer Pulsuhr kann er diese Belastungsgrenze später im Training im Auge behalten. Ein guter Hinweis dafür, dass man sich nicht zu sehr verausgabt: Man kommt beim Training zwar ins Schwitzen, kann sich aber noch ohne Probleme mit einem Sportpartner unterhalten.

Auch wenn Sie Ihre Belastungsgrenze beim Training nicht überschreiten: Beschwerden wie Atemnot, Schwindel, Übelkeit, Schmerzen oder ungewöhnlich heftiges Schwitzen beim Training sind ein ernstes Alarmsignal. Brechen Sie Ihr Training dann ab und lassen Sie sich kardiologisch untersuchen!

Geeignete Sportarten

Wichtig ist, dass Herzpatienten sich beim Training nicht überlasten. Sportarten mit hohen Belastungsspitzen sind daher ungeeignet.

Bei Ausdauersportarten lässt sich die Belastung sehr gut dosieren. Dazu gehören beispielsweise:

  • Radfahren
  • Walken
  • Wandern
  • Joggen
  • Rudern
  • Schwimmen
  • Langlauf

Auch Krafttraining ist für Herzpatienten als Ergänzung zum Ausdauertraining geeignet. Auch hier gilt die Vorgabe, zu große Anstrengungen zu vermeiden. Der Fokus sollte daher eher auf der Kraftausdauer liegen - das bedeutet, mit weniger Gewicht oder Widerstand trainieren, dafür aber die Übungen häufiger wiederholen.

In einer Herzsportgruppe werden Menschen mit einer Herzerkrankung unter medizinischer Anleitung an den Sport herangeführt. Die Anwesenheit eines Arztes gibt vor allem zu Beginn vielen Patienten Sicherheit, sich nicht zu gefährden. Die regelmäßigen Treffs mit anderen Betroffenen können zudem die Patienten zu regelmäßigem Training motivieren.

Trainingstipps für die wichtigsten Herzerkrankungen

Abhängig von der jeweiligen Herz-Kreislauf-Erkrankung müssen beim Training unterschiedliche Aspekte berücksichtigt werden.

Sport bei koronarer Herzkrankheit (KHK)

Moderates Ausdauertraining bei einer Herzfrequenz von 60 bis 90 Prozent ist am besten geeignet. Beginnen Sie zunächst mit kurzen Belastungsphasen von ca. 5 Minuten und steigern Sie das Training langsam. 4 bis5 Mal pro Woche für je 30 Minuten sollten KHK-Patienten das Ausdauertraining betreiben. Schnelles Spazierengehen, Fahrradfahren, Walking oder Schwimmen sind geeignete Sportarten bei KHK.

Sport nach Herzinfarkt

Bereits ca. sieben Tage nach einem Herzinfarkt sollte eine Frühmobilisation starten. Moderates Ausdauertraining ist am besten geeignet. Die Belastung umfasst zunächst nur kurze Intervalle von ca. 5 bis 10 Minuten. Steigern Sie das Training langsam, aber kontinuierlich. Das Ziel sind vier bis fünf Ausdauereinheiten pro Woche, je 30 Minuten.

Sport bei Herzinsuffizienz

Vor dem Trainingsbeginn ermittelt der Arzt mittels einer Spiroergometrie die maximale Leistungsfähigkeit des Patienten. Der Trainingsplan wird dann den individuellen Bedürfnissen angepasst. Geeignet sind Ausdauertraining, HIT und Kraftausdauer-Übungen.

Sport bei Vorhofflimmern

Extremer Ausdauersport ist ein Risikofaktor für Vorhofflimmern. Doch dabei handelt es sich um Leistungssport wie Marathonläufe oder Skilanglauf. Bei nicht Leistungssportlern kann regelmäßiges moderates Ausdauertraining das Risiko für erneute Vorhofflimmer-Episoden reduzieren. 60 bis 120 Minuten Bewegung pro Woche gilt als Richtwert. Gut geeignete Sportarten sind Gehen, Joggen, Wandern, Walking, Radfahren oder Tanzen. Nicht geeignet sind Sportarten wie Schwimmen, Klettern.

Sport nach Bypass-OP

Bereits 24 bis 48 Stunden nach einer Bypass-OP kann der Patient eine Frühmobilisation starten. In den ersten Wochen sollten Patienten Druck-, Zug und Stützbelastungen meiden. Schonendes Ausdauertraining ist allerdings möglich. Die Belastung nach individuellem Wohlbefinden langsam steigern, auf drei Mal wöchentlich 30 Minuten Ausdauertraining.

Sport bei Aortenklappenstenose

Ob körperliche Aktivität möglich ist, hängt vom Schweregrad der Erkrankung ab. Vor Trainingsbeginn ist ein Belastungs-EKG nötig, um die Belastbarkeit der Herzklappen zu überprüfen. Bei leichter Stenose ist Sport uneingeschränkt möglich, mittelgradige Stenose erlaubt nur leicht dynamische Sportarten (z.B. Spazierengehen, Radfahren in der Ebenen, Golf, Yoga), eine schwere Aortenklappenstenose ermöglicht nur schonende Aktivität (Spazierengehen, Radfahren in der Ebene, Yoga, Bowling, Golf).

Sport mit Herzklappenfehler

Ob und in welcher Form Sport bei einem Herzklappenfehler möglich ist, hängt immer von der Art und dem Schweregrad der zugrundeliegenden Erkrankung ab. Bei einem erworbenen Herzklappenfehler wird im Zuge der kardiologischen Untersuchung eine Leistungsdiagnostik durchgeführt. Sie bildet die Grundlage für die Sportempfehlung. Bei angeborenen Herzklappenfehlern gibt es keine allgemeingültigen Empfehlungen.

Sport bei Kardiomyopathie

Ob und wie viel Belastung bei einer Kardiomyopathie möglich ist, hängt immer von der zugrundeliegenden Erkrankung ab. Die Empfehlungen gehen mitunter weit auseinander. Sprechen Sie vor Trainingsbeginn mit Ihrem Kardiologen. Von mehr Bewegung im Alltag profitieren die meisten Herzpatienten: Gehen Sie öfter zu Fuß, radeln Sie zur Arbeit oder motivieren Sie sich im einem Schrittzähler.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0