Nach einer Corona-Infektion ist der Wiedereinstieg in den Sport, insbesondere das Radfahren, ein Thema, das viele Sportler beschäftigt. Es ist wichtig, den Körper nicht zu überlasten und mögliche Komplikationen zu vermeiden. Dieser Artikel bietet Ihnen einen umfassenden Leitfaden, wie Sie sicher und effektiv wieder mit dem Radfahren beginnen können.
Gründe für eine Trainingspause nach Corona
Sportler müssen nach einer Corona-Infektion eine Trainingspause einlegen, um Komplikationen wie eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) oder Herzrhythmusstörungen zu vermeiden. Selbst bei symptomfreiem oder mildem Verlauf ist eine ärztliche Untersuchung empfehlenswert, um die körperliche Belastbarkeit zu prüfen.
Empfehlungen für die Trainingspause je nach Verlaufsschwere
Experten raten: Verlief die Covid-19-Erkrankung ohne Symptome, sollten Sie mindestens 14 Tage auf Sport verzichten. Bei einem milden Verlauf mit Husten oder Fieber sollte die Trainingspause zwei bis vier Wochen dauern. Schwere Verläufe verlangen eine längere Sportabstinenz: mindestens vier Wochen nach einer Lungenentzündung und mindestens drei Monate Sportpause nach einer Herzmuskelentzündung.
Das 6-stufige Modell für den Wiedereinstieg
Das 6-stufige Modell von Elliott et al. empfiehlt:
- Mindestens 10 Tage Ruhe nach der Infektion und wenigstens 7 symptomfreie Tage.
- Problemlose Bewältigung deiner Alltagsaktivitäten und einer Gehstrecke von 500m auf der Ebene ohne ausgeprägte Müdigkeit oder Atemnot.
- Abgeschlossene medikamentöse Behandlung der Infektion.
Treten bei dir im Verlauf der Trainingssteigerung Symptome auf, solltest du erst einmal pausieren, bis du wieder mindestens 24 Stunden symptomfrei warst.
Handlungsempfehlungen für den Wiedereinstieg
In einem Positionspapier, das in der Deutschen Zeitschrift für Sportmedizin publiziert wurde, haben Experten 21 Handlungsempfehlungen für das RTS nach Covid-19 vorgestellt. Der Wissenschaftliche Rat der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention hat 21 Handlungsempfehlungen für ein Return to Sport nach Covid-19-Infektion erarbeitet.
Die Empfehlungen wurden im Konsensusverfahren mit Experten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz abgestimmt sowie im Anschluss von einer unabhängigen Co-Autorin ausgewertet. Abschließend erfolgte eine gemeinsame Freigabe. Die ersten sechs Empfehlungen (Nr. 1 - 6) differenzieren zunächst die Schwere der Erkrankung - asymptomatische, milde, moderate oder schwere Verläufe.
In den Empfehlungen werden die milden Symptome unter anderem als leicht erhöhte Temperatur, Halsschmerzen und leichtem Krankheitsgefühl bezeichnet. Bei einem moderatem Verlauf treten beispielsweise eine Ruhe-Atemnot, höheres Fieber sowie Kopf- und Gliederschmerzen auf.
Die Empfehlungen sieben bis 12 befassen sich mit Trainingspause und den Trainingsbeginn. Hierbei wurde je nach Verlauf unterschieden. Bei einer asymptomatischen Infektion sollte frühestens ab dem 4. Tag nach Beginn der Krankheit wieder mit dem Training begonnen werden. Nach einem milden Verlauf wird empfohlen, die ersten drei Tage der symptomfreien Zeit abzuwarten. Anschließend kann das Training wieder mit reduziertem Umfang und reduzierter Intensität wieder aufgenommen werden.
Eine Intensitätssteigerung sollte nur unter Beobachtung und bei ausbleibender Symptomatik erfolgen. Falls sich im Laufe des Trainings Symptome zeigen, sollte ärztlicher Rat eingeholt und eine Trainingspause eingelegt werden.
In den weiteren Empfehlungen (Nr. 12 - 19) wird die medizinische Diagnostik im Falle eines moderaten bzw. schweren Verlaufes beschrieben. Die Experten raten, sich vor dem Trainingsbeginn einer medizinischen Untersuchung zu unterziehen, bei der unter anderem körperliche Untersuchungen und ein Ruhe-EKG gemacht werden. Außerdem sollten im Labor die Entzündungswerte, Creatin-Kinase und Kreatin bestimmt werden.
Falls kardiologische Symptome auftreten, sollte zusätzlich noch ein Belastungs-EKG gemacht sowie die Werte von NT-Pro-BNP und Troponin untersucht werden. Respiratorische Symptome wie Bronchokonstriktionen oder Dyspnoe in Ruhe und bei Belastung sollten mittels eines Lungen-Funktionstest und Spiroergometrie mit Blut-Gas-Analyse getestet werden.
Je nach Schweregrad der Infektion sowie den aktuellen Symptomen variieren diese Empfehlungen. Aufgrund von zu früher Rückkehr zum Sport können gesundheitliche Folgen, wie beispielsweise einer Herzerkrankungen, entstehen. Dies sollte unbedingt verhindert und möglichst schnell entdeckt werden.
Individuelle Vorgehensweise je nach Symptomen und Verlauf
Die Länge einer Sportpause nach COVID-19-Erkrankung hängt vom individuellen Verlauf und der Schwere der Erkrankung ab. Sport kann begonnen werden, wenn die Symptome (ohne Medikation) abgeklungen sind. Häufig kann 2 - 4 Wochen nach der Infektion wieder mit einem leichten Training (in Bezug auf Umfang und Intensität) begonnen werden.
Bei Infekten mit sehr milden und kurzanhaltenden Verläufen oder ohne Symptome kann dies verkürzt werden auf 7 - 10 Tage. Gelegentlich wird eine anhaltende allgemeine Müdigkeit und Abgeschlagenheit (Fatigue) beschrieben, so dass längere Sportpausen notwendig sind.
In solchen Fällen und bei schweren Verläufen ist es sinnvoll, sich vor Trainingsbeginn sportmedizinisch untersuchen zu lassen. Insbesondere, wenn intensive sportliche Ziele verfolgt werden, ist eine sportkardiologische Untersuchung zu empfehlen. Es sollte stets in einem niedrigintensiven Bereich begonnen werden. Bei gutem Befinden kann es durchaus 1 - 2 Wochen dauern, bis das gewohnte Trainingsniveau erreicht wird.
Spezifische Empfehlungen nach Symptomen
Hier sind spezifische Empfehlungen basierend auf den Symptomen und dem Verlauf der Corona-Infektion:
- Bei einem sehr milden Verlauf: Nach Symptomende (!) noch etwa 7-10 Tage warten, bevor das Training wieder aufgenommen wird. Eine Untersuchung ist nicht zwingend erforderlich.
- Bei milden Symptomen: Hausärztin aufsuchen, EKG und Blutwerte bestimmen lassen. Nach im Mittel 10 Tagen Pause nach Ende der „Hauptbeschwerden“ kann wieder begonnen werden.
- Nach einem stärkeren Verlauf: 14 Tage nach Abklingen der Symptome keinen Sport betreiben. Eine Untersuchung beim Kardiologen ist sinnvoll, besonders bei Kurzatmigkeit, Herzunregelmäßigkeiten oder Druckgefühl im Brustkorb.
- Bei einer nachgewiesenen Lungenentzündung: Mindestens 4 Wochen Sportpause nach Abheilung, anschließend Nachuntersuchung beim Lungenarzt.
- Bei Verdacht auf eine Herzmuskelentzündung: Mindestens 4 Wochen keinen Sport betreiben und danach kardiologisch vorstellen.
- Bei bestätigtem Befund einer Herzmuskelentzündung: Bis zu 3 Monaten Sportpause einhalten. Zwischenuntersuchungen nach z.B. 6 Wochen sind sinnvoll.
- Nach einer Corona-Impfung: Bei guter Verträglichkeit zumindest 1 Woche mit dem Training pausieren.
Gesundheitscheck und Vorbeugung
Um mögliche Folgeerkrankungen einer Corona-Infektion wie Herzmuskelentzündungen oder Lungenschäden aufzudecken, empfehlen Expert*innen, sich vor Beginn von intensiven sportlichen Belastungen zur Sicherheit im Rahmen eines Corona-Nachsorge-Check untersuchen zu lassen. Selbst wenn klassische Symptome wie Erschöpfung, Engegefühl in der Brust, Atemnot, Herzrhythmusstörungen, Geruchs- und Geschmacksstörungen, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Husten oder Gelenkschmerzen nicht oder nur leicht vorhanden sind.
Durch einen Gesundheits-Check, bei dem die Lunge und das Herz neben einer klinischen Untersuchung mit einen EKG, einem Belastungs-Test und bei Bedarf auch mit einer Laborentnahme und einer Herz-Ultraschall-Untersuchungen untersucht werden, können mögliche Folgeerkrankungen im besten Fall ausgeschlossen werden oder auch Risikofaktoren erkannt und therapiert werden.
Wiedereinstieg ins Training
Und natürlich sollte nach Corona oder Impfung stets mit reinem Grundlagentraining unter Beachtung des subjektiven Befindens begonnen werden, d.h. langsames Tempo und zunächst allmählicher Ausbau der Dauer einer Einheit. Geht es gut, kann nach 2-3 Wochen aber durchaus wieder normal trainiert werden.
Eine Leistungsdiagnostik als Bestandteil der ärztlichen Untersuchung ist hilfreich, um die geeigneten Pulse zum Wiederbeginn einschätzen und das Training besser steuern zu können.
Absolute Kontraindikationen für die Sportausübung
- Fieber (> 38° C) oder Körpertemperatur 0,5 bis 1° C höher als gewöhnlich
- Ruhe-Puls > 10/min höher als normal
- Gliederschmerzen bzw. generalisierte Symptome (Krankheitsgefühl, "grippal", "matschig") im Rahmen einer akuten Infektion
- Lymphadenopathie
Wiedereinstieg nach Infektionen der oberen Atemwege
Bei Erkältungserscheinungen (Rhinorrhö, Halsschmerzen oder Husten) ohne Allgemeinsymptome bzw. mit unauffälligen Blutwerten gibt es keine Evidenz für schädliche Auswirkungen von (moderater) körperlicher Aktivität. Allerdings herrscht Konsens unter Experten, dass Vorsicht geboten ist, da eine Organgefährdung (z. B. Myokarditis) auch unter diesen Umständen nie gänzlich auszuschließen ist.
Sobald Beschwerden „unterhalb des Genicks“ wie Fieber, Myalgien, Arthralgien oder Tachykardien als begleitende Allgemeinsymptome auftreten, ist eine Sportpause angezeigt. Dies gilt explizit für eine akute Bronchitis, Influenza oder Pneumonie, aber auch für eine Sinusitis, die mit Allgemeinsymptomen einhergeht: kein Sport während der akuten Erkrankungsphase.
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