Radfahren nach Herzinfarkt: Studien und Empfehlungen

Zu viel sitzen und zu wenig Bewegung gehören neben einem zu hohen Cholesterinspiegel und Übergewicht zu den größten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bewegung hat nachweislich einen positiven Effekt auf das Herz. Denn Sport lässt das Fortschreiten von Fett- und Kalkablagerungen in den Gefäßen (Atherosklerose) verlangsamen. Das wiederum verringert die Gefahr einer sogenannten kardiovaskulären Erkrankung, zum Beispiel eines Herzinfarkts. Ein weiteres Plus: Sport senkt die Cholesterinwerte und verringert wie nebenbei Übergewicht.

Wie bei vielen anderen Veränderungen des Lebensstils kann ein Plus an Bewegung selbst noch im Alter positive Effekte erzielen. Eine Studie der Universität Heidelberg belegt, dass durch regelmäßige körperliche Aktivitäten auch im Seniorenalter Herzmuskelzellen neu gebildet werden, die durch eine zuvor verminderte Pumpleistung abgestorben waren.

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) dürften bis 2030 fast 500 Millionen Menschen weltweit mangels Bewegung unter anderem Herzkrankheiten, aber auch Fettleibigkeit, Diabetes, Depressionen und Demenz, entwickeln. Univ.-Prof. Dr. Generell empfiehlt die WHO mindestens 150 Minuten körperliche Aktivitäten in der Woche für Erwachsene, um Krankheiten vorzubeugen.

„Nur wenige Minuten Training am Tag halten uns und vor allem das Herz fit und biologisch jung“, so die Erfahrung von Prof. Halle. „Schon 15 Minuten zügiges Gehen macht 70 bis 80 Prozent der Herzgesundheit aus. Deshalb empfiehlt Prof. Halle eindringlich: „Hoch vom Sofa - und jeden Tag für mindestens eine Viertelstunde den Herz-Kreislauf in Schwung bringen.“ Neben flottem Gehen sind dafür auch Radfahren (auf einem Ergometer oder draußen) oder Schwimmen empfehlenswert. „Allgemein gesagt: Der Blutdruck nimmt ab, der Cholesterinspiegel verbessert sich, das Diabetes-Risiko sinkt, die Gefäße werden geschmeidiger - und damit auch das Herz“, erklärt Prof. Halle.

„Wenn man sich körperlich belastet, werden die Stammzellen aus dem Knochenmark mobilisiert, da sie besser durchblutet sind. Sport verlangsamt die natürliche Alterung von Zellen, deren schützende Kappen (Telomere) sich immer mehr verkürzen. Mit ausreichender Bewegung lassen sich diese Telomere wieder verlängern. „Außerdem schütten die Muskeln bei Beanspruchung Botenstoffe aus, die an die einzelnen Organe - und darunter eben auch das Herz - gesendet werden. Diese Hormone stoppen beispielsweise Entzündungen und unterstützen bei der Regeneration. Wer seine Muskeln stärkt, verlangsamt die natürliche Alterung der Zellen.

Zu den beliebten Empfehlungen gehören: Nehmen Sie grundsätzlich die Treppe statt des Aufzugs. Fahren Sie möglichst mit dem Fahrrad ins Büro. Steigen Sie eine Haltestelle eher aus und gehen zu Fuß weiter. Oder machen Sie beim Zähneputzen Kniebeugen. Vielen Herzmedizinerinnen und Herzmedizinern gilt Ausdauertraining als wichtigstes „Herz-Kreislauf-Medikament des 21. Jahrhunderts“.

Bei einem Ausdauertraining soll eine körperliche Leistung über einen längeren Zeitraum erreicht und sich anschließend schnell erholt werden können. Je besser die körperliche Ausdauer ist, desto mehr wird das Herz entlastet. Der Grund: Die Muskulatur, insbesondere die der Beine und des Rumpfes, wird gestärkt. Dies führt zu einer Optimierung des Energiestoffwechsels und einer verbesserten Blut- und Sauerstoffversorgung. So wird jede körperliche Belastung besser toleriert. Auch die Mikrodurchblutung des Herzens steigt, weil sich ein stärker verzweigtes Netzwerk der kleinsten Gefäße - also der Mikrogefäße - ausbildet. Geeignete Ausdauersportarten sind zum Beispiel Nordic-Walking, Wandern, Radfahren und Schwimmen.

Wie intensiv und in welcher Taktung trainiert wird, kann jeder genau an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Alle Einsteiger - aber vor allem Menschen mit Herzproblemen - stimmen ihren Trainingsplan unbedingt mit einer Ärztin oder einem Arzt ab. Dabei sind selbst ein vorangegangener Herzinfarkt oder eine Bypass-Operation kein Grund, auf sportliche Aktivität zu verzichten. Im Gegenteil: Die vielfältigen positiven Auswirkungen von körperlicher Aktivität helfen bei jeder Therapie.

Dennoch gilt: Sprechen Sie vorher mit Ihrem Kardiologen oder Kardiologin, um die Gefahr auszuschließen, dass das Herz durch Sport überlastet und möglicherweise geschädigt wird. Sowohl mit dem herkömmlichen Drahtesel als auch mit einem E-Bike tun Sie Ihrem Herz etwas Gutes. Regelmäßiger Ausdauersport gehört zu den besten Möglichkeiten, sich vor Herzerkrankungen zu schützen, den Blutdruck zu senken oder ein angeschlagenes, schwaches Herz zu stärken. So kann das Fortschreiten der koronaren Herzkrankheit durch Ausdauersport verlangsamt, zum Teil gestoppt und in Einzelfällen sogar zurückgebildet werden.

Ein besonders schonendes Ausdauertraining ist Fahrradfahren. Radfahren - egal ob auf dem normalen Fahrrad, dem E-Bike oder dem Fahrradergometer - fördert die Fitness: Es trainiert Herz und Lunge, verbessert die Ausdauer und kräftigt die Gesäß- und Beinmuskulatur. Zugleich ist Radfahren gelenkfreundlich: Da das meiste Körpergewicht auf dem Sattel lastet, werden Hüft- und Kniegelenke geschont. Die Tretbewegung fördert zudem die Versorgung der Gelenkknorpel mit Nährstoffen. Auch unterstützt regelmäßiges Fahrradfahren ein gesundes Körpergewicht.

Treten Sie eine halbe Stunde in die Pedale, verbrennen Sie bei einer Geschwindigkeit von 15-20 km/h in ebenem Gelände etwa 150 bis 250 Kilokalorien, bei höheren Geschwindigkeiten oder Anstiegen entsprechend mehr (bei 30 km/h ca. 450 Kilokalorien in 30 min). Fahrräder mit einem Elektromotor, der bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h den Fahrer unterstützt (sog. Pedelecs -landläufig meist als E-Bike bezeichnet) sind in den letzten Jahren stark in Mode gekommen. In der Stadt wie am Berg ziehen junge und alte Menschen damit inzwischen überall ihre Runden. Doch werden dabei die Muskeln und das Herz-Kreislaufsystem ebenso gefordert wie beim herkömmlichen Radeln?

Dieser Frage sind Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) in einer Studie nachgegangen. 1250 E-Biker und 629 konventionelle Fahrradnutzer wurden dazu mit Aktivitätstrackern ausgestattet, um Zeit, Distanz und Herzfrequenz beim Radfahren über vier aufeinanderfolgende Wochen bei insgesamt am Ende fast 60.000 Fahrten zu messen. E-Biker waren im Schnitt 135 Minuten pro Woche unterwegs. Zwar erreichten weniger E-Biker als “Normalradler” dabei die von der WHO geforderte Belastungsintensität (mindestens 150 Minuten mit moderater Belastung). Dennoch war das bei immerhin knapp einem Viertel der Nutzer von E-Bikes der Fall. Etwa ein Drittel der E-Bikefahrer hat Vorerkrankungen, etwa Bluthochdruck oder es liegt bereits ein Herzinfarkt vor.

Eine Befragung ergab, dass sie häufiger als normale Radfahrer offenbar bereit sind, das Auto zugunsten des Rads stehen zu lassen. Viele werden erst durch das E-Bike (wieder) zum Radfahrer. Herzkranke sollten generell, bevor sie in die Pedale treten, ihr Herz von einem Kardiologen untersuchen lassen. „Der Arzt kann mit Hilfe eines Belastungselektrokardiogramms (Belastungs-EKG) die individuelle Belastbarkeit des Herzens sowie den passenden Trainingspuls ermitteln. Zudem kann er den Einfluss von Herzmedikamenten auf das Herz-Kreislauf-System und die körperliche Leistungsfähigkeit überprüfen“, sagt Professor Dr. med.

„Für Menschen mit Herzkrankheiten ist es zudem empfehlenswert, mit einem Pulsmesser aufs Fahrrad zu steigen, um die Herzfrequenz im Blick zu behalten und so einer Überlastung des Herzens vorzubeugen. Wer doch mal ohne Pulsmesser mit dem Fahrrad, dem E-Bike oder auf dem Fahrradergometer unterwegs ist, kann sich an folgendem Ratschlag orientieren: Radfahren ohne Keuchen. Ein beschleunigter und tiefer Atem ist beim Radfahren sowie bei anderen Sportarten normal. Beginnen Sie allerdings, auf dem Sattel zu keuchen und können sich nicht mehr unterhalten, ist das Training zu intensiv. Schalten Sie einen Gang runter. Eine gute Faustregel ist, die Intensität so zu wählen, dass Sie zwar ins Schwitzen kommen, sich aber noch unterhalten können.

Elektrofahrrad ist nicht gleich Elektrofahrrad. Wer von einem E-Bike spricht, meint in der Regel ein Pedelec, also ein Pedal Electric Cycle. Die meisten E-Bikes in Deutschland sind genau genommen Pedelecs. Es funktioniert auch ohne Motorunterstützung. Das bedeutet: Das Pedelec fährt zwar nur, wenn man in die Pedale tritt, doch der Motor unterstützt auch schon bei leichtem Antritt. Pedelecs kombinieren Muskelkraft und Motor.

„Das Radfahren kann besser an die individuelle körperliche Belastbarkeit angepasst werden - für ein effektives, aber sicheres Training“, erklärt Professor Scharhag. Die Deutsche Herzstiftung e.V. empfiehlt ein moderates Ausdauertraining von mindestens 30 Minuten, fünfmal pro Woche (insgesamt > 150 Minuten/Woche). Generell gilt aber: Jedes Mehr an Aktivität wirkt sich positiv auf Ihre Gesundheit aus! Nutzen Sie daher das Fahrrad für den Weg auf die Arbeit, radeln Sie zum Bäcker und nutzen Sie den Feierabend für eine kleine Fahrradtour - so erreichen Sie Ihr tägliches Sportpensum fast nebenbei.

Bewegungsmangel setzt im Körper viele zerstörerische Prozesse in Gang und schadet dem Herzen. Individuell dosierte körperliche Aktivität verbessert die Perfusion des Myokards. Nitroglycerinpräparate prophylaktisch eingenommen unterstützen den Trainingseffekt.Viele Patienten mit koronarer Herzkrankheit (KHK) beziehungsweise Herzinsuffizienz können von körperlicher Bewegung profitieren. Sie verwies auf eine Studie ihres Instituts, in die 101 Patienten mit stabiler KHK bei mindestens 75-prozentiger Koronarstenose eingeschlossen waren. Sie wurden auf täglich 20 Minuten Ergometertraining mit 70 Prozent der maximalen Belastung oder auf eine perkutane Intervention randomisiert. „Die Rate des ereignisfreien Überlebens fiel mit 88 versus 70 Prozent signifikant zugunsten der Sportgruppe aus“, sagte Uhlemann (p = 0,023).

Priv.-Doz. Dr. med. Ivo Buschmann vom Gefäßzentrum der Charité - Universitätsmedizin Berlin betonte: „Neben einer verbesserten Endothelfunktion induziert Sport auch die Ausbildung von Kollateralgefäßen. Und Kollateralen sind der effektivste endogene Weg des Körpers, einer Hypoperfusion entgegenzuwirken, auch am Herzen.“

Bei Herzinsuffizienzpatienten ohne diese Einschränkungen sollte in einer ersten Trainingseinheit unter kardiologischer Aufsicht besonders auf Ischämiezeichen, ventrikuläre Tachykardien und den Blutdruck geachtet werden. Vor allem bei schwer erkrankten Patienten sei es empfehlenswert, in einem kardiologischen Rehazentrum ein individuelles Trainingsprogramm zu erstellen. „Anfangs genügen drei- bis viermal wöchentlich moderates Ausdauertraining und moderates Krafttraining mit maximal 15 Wiederholungen“, meinte Grunze, „dann kann langsam gesteigert werden.“

Welche Ausdauersportart langfristig ambulant zum Einsatz komme - Wandern, Walken, Schwimmen, Radfahren - , sollte sich nach den Patientenpräferenzen richten, sagte Grunze. Die Intensität sollte so bemessen sein, dass dem Patienten „warm wird und er tiefer atmen muss, er aber noch zusammenhängend reden kann“. Dies sei der Fall bei einer Belastung von etwa 40 bis 55 Prozent der maximal erzielbaren Herzfrequenz. Patienten mit ICD sollten eine Herzfrequenz mindestens 30 Prozent unter der Detektionsfrequenz - nicht höher - anstreben.

Daneben sollten alle Patienten für Zeichen einer Verschlechterung der Herzinsuffizienz sensibilisiert werden: „Wer unter dem Training mehr als 1 kg am Tag oder 1,8 kg an drei Tagen zunimmt, nachts mehr als ein- bis zweimal urinieren muss, Beinödeme oder einen Ruhepuls von mehr als 100 bekommt, sollte seinen Arzt aufsuchen.“

Patienten, die unter stabiler KHK, aber nicht unter Herzinsuffizienz leiden, kann durchaus etwas mehr Sport zugemutet werden: „Mindestens fünfmal wöchentlich je 30 Minuten mit 60 bis 70 Prozent der maximalen Leistungsfähigkeit, die zuvor im Ergometertest ermittelt wurde - nahe der anaeroben Schwelle“, beschrieb Uhlemann die „richtige“ Dosis. Noch erfolgreicher habe sich hier ein Intervalltraining gezeigt. Dabei können die Patienten unter ärztlicher Aufsicht, etwa in der Rehaklinik, kurzzeitig bis an ihre Grenzen gehen: „Für etwa zwei Minuten sollen sie hier 90 bis 95 Prozent ihrer maximalen Leistungsfähigkeit erreichen; diese intensiven Trainingsabschnitte sind eingebettet in Phasen moderaten Ausdauertrainings“, erklärte Uhlemann.

Um die Patientenadhärenz beim Sport trotzdem zu fördern, empfiehlt sich der Einsatz kurz wirksamer Nitroglycerinpräparate wie Nitrolingual®: Dies steigert dosisabhängig die Anginaschwelle, die Zeit bis zum Auftreten einer klinisch relevanten ST-Strecken-Senkung und somit die körperliche Belastbarkeit.

Nach einem Herzinfarkt ist eine Lebensstiländerung wichtig, um einen zweiten Infarkt zu vermeiden. Dabei gilt es, an verschiedenen Stellschrauben zu drehen - von der Ernährung über Bewegung bis hin zum Stressmanagement. Nach einem Herzinfarkt erleiden bis zu einem Drittel der Betroffenen einen zweiten Infarkt, der oft mit einer schlechteren Überlebensrate einhergeht. „Das Risiko für einen zweiten Infarkt besteht immer und sollte ernst genommen werden“, sagt Kardiologe Dr. Franz Goss.

Wie hoch es genau ist, ist individuell verschieden. Neben dem Alter spielen Begleiterkrankungen wie Diabetes, Übergewicht und Bluthochdruck eine Rolle. Auch der Lebensstil beeinflusst das Risiko für einen zweiten Infarkt. Die Gefahr für einen zweiten Herzinfarkt wird von vielen Patientinnen und Patienten und sogar von Ärztinnen und Ärzten unterschätzt, so das Ergebnis des DGK-Versorgungsforschungsprojekts GULLIVE-R.

Entscheidend nach einem Herzinfarkt sind daher ein gut eingestellter Blutdruck und niedere Cholesterinspiegel. Die nach einem Herzinfarkt verschriebenen Medikamente müssen gewissenhaft eingenommen werden. Alle 2-4 Wochen, 3 Monate, 6 Monate und 12 Monate nach einem Herzinfarkt sollten Betroffene zur ärztlichen Kontrolle gehen. Sport stabilisiert die Herz-Kreislauf-Regulation und regelmäßige Bewegung reduziert das Risiko für einen zweiten Herzinfarkt um bis zu 15 Prozent. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt mindestens 150 Minuten moderate körperliche Aktivitäten pro Woche. „Es muss nicht das Fitnessstudio sein“, sagt Goss.

Auch die Ernährung hat einen großen Einfluss auf die Herzgesundheit. Diäten für die Herzgesundheit gibt es viele. Besonders empfehlenswert ist eine mediterrane Kost mit viel frischem Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen, fettem Fisch und nativem Olivenöl. Übergewicht schadet dem Herzen und fördert Krankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck. Schon eine moderate Gewichtsabnahme senkt das Risiko für einen zweiten Herzinfarkt. Dauerstress macht das Herz krank und auch akute Stresssituationen können zu Herzereignissen führen.

Das Problem: Viele der Maßnahmen sind bekannt, werden aber nicht dauerhaft umgesetzt. „Etwa sechs Monate nach einem Herzinfarkt nehmen die meisten ihre Medikamente gewissenhaft ein - dann geht die Einnahme um 40 bis 50 Prozent zurück. Nur 15 Prozent gehen nach einem Herzinfarkt in eine Herzsportgruppe, lediglich 10 Prozent nehmen an einem Programm zur Raucherentwöhnung teil. Woran liegt es, dass die Motivation nach ein paar Monaten sinkt? „Die Leidenslast nach einem Herzinfarkt ist nicht groß genug“, sagt Goss.

Nicht zuletzt ist es wichtig, sich Wissen über das eigene Krankheitsbild und die Risiken für einen zweiten Infarkt anzueignen. „Wer gut informiert ist, dem fällt es leichter, neue Routinen zu entwickeln und sein Leben nach einem Herzinfarkt dauerhaft gesünder zu gestalten“, ist Goss überzeugt. „Aber dafür muss man etwas tun. 30 Minuten moderates Radfahren, drei- bis fünfmal die Woche, können das Leben verändern. Studien zeigen, dass regelmäßiges Fahrradfahren das Herzinfarktrisiko um bis zu 30 Prozent senken kann. Ihr Herz wird es dir danken!

Radfahren kräftigt den Herzmuskel und verbessert seine Effizienz. Durch die gleichmäßige Bewegung pumpt das Herz effektiver und arbeitet ökonomischer. Dies führt zu einer besseren Durchblutung des gesamten Körpers und fördert die langfristige Herzgesundheit. Die regelmäßige Bewegung auf dem Fahrrad hält die Blutgefäße flexibel und trägt dazu bei, den Blutdruck zu regulieren. Elastische Gefäße sind entscheidend für einen gesunden Blutkreislauf. So kann Radfahren helfen, Bluthochdruck vorzubeugen oder zu verringern. Aktives Radfahren kann den Cholesterinspiegel verbessern.

Das „böse“ LDL-Cholesterin, das als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gilt, wird gesenkt. Gleichzeitig steigt das „gute“ HDL-Cholesterin, das schützend auf die Gefäße wirkt. Radfahren fördert die Ausschüttung von Endorphinen - den Glückshormonen - und senkt das Stresshormon Cortisol. Dies führt zu Entspannung und Wohlbefinden. Weniger Stress bedeutet weniger Belastung für das Herz und eine insgesamt bessere Gesundheit.

Zahlreiche Studien belegen die positiven Effekte des Radfahrens auf das Herz. Das European Heart Journal zeigt in seiner Veröffentlichung „Physical activity and cardiovascular risk reduction“, wie regelmäßige körperliche Aktivität das Herz-Kreislauf-Risiko senkt. Auch die Harvard Medical School hebt in „Benefits of cycling on heart health“ die Bedeutung des Radfahrens für ein gesundes Herz hervor.

Wer regelmäßig das Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit nutzt, schont in der Regel sein Herz. Radpendler sind seltener übergewichtig und leiden weniger häufig an zu hohen Blutdruck- und Cholesterinwerten sowie an Typ-2 Diabetes als die Autofahrer. Nur wenig Aufwand braucht es, um gesünder zu leben und um damit auch das Risiko für einen Herzinfarkt zu verringern. Täglich zweimal zehn Minuten zügiges Radfahren reichen aus, um sich fit zu halten. Auch wer erst in der Lebensmitte das Fahrrad für sich wieder entdeckt, kann noch viel für sein Herz erreichen.

Zwei skandinavische Studien zeigen jetzt, dass sich die Parameter für die Herzgesundheit am meisten verbesserten, nachdem Berufstätige vom Auto oder von den öffentlichen Verkehrsmitteln auf das Rad umgestiegen sind. Wer diese Gewohnheit über viele Jahre hinweg regelmäßig beibehielt, konnte den herzschützenden Effekt dann zwar nicht wesentlich steigern, wohl aber ihn erhalten. Regelmäßiges Fahrrad fahren hilft im Alltag, ohne massiven Aufwand eine koronare Herzerkrankung und letztendlich einen Herzinfarkt vorzubeugen.

Rund 10 Minuten Radfahren auf den Hinweg und 10 Minuten auf den Rückweg reichten schon aus, um diesen Schutz gegen die koronare Herzerkrankung auszulösen. 2.892 Herzinfarkte traten während der Studiendauer von 20 Jahren auf. Das Wissenschaftlerteam um Kim Blond von der Abteilung für Sportwissenschaften und Klinische Biomechanik der Universität Süddänemark rechneten hoch, dass mehr als 7% dieser Herzinfarkte hätten vermieden werden können, wenn die Betroffenen von Anfang an regelmäßig Rad gefahren wären bzw.

Das Risikoprofil, das zu Studienbeginn für rund 24.000 schwedische Männer und Frauen im mittleren Alter von 43,5 Jahren erstellt worden war, ergab einen Vorteil für die Rad fahrenden Studienteilnehmer. Diese waren von Anfang an um 15 % weniger übergewichtig, hatten um 15 Prozent seltener zu hohe Blutdruck-, um 15 % zu hohe Blutfett- sowie um 12 % viel zu hohe Blutzuckerwerte.

Die Gesundheitsprüfung nach 10 Jahren Studiendauer bestätigte die herzschützende Wirkung des Radelns für diese Gruppe und auch für die Pendler, die erst später begannen, ihren Arbeitsweg mit dem Rad anstatt mit anderen Verkehrsmitteln zu fahren. Die günstigen Ergebnisse unterschieden sich weder bei Frauen und Männern noch bei Menschen mit einem höheren oder niedrigen Bildungsgrad.

Regelmäßiger Ausdauersport gehört zu den besten Möglichkeiten, sich vor Herzerkrankungen zu schützen oder ein krankes Herz zu stärken. So kann das Fortschreiten der koronaren Herzkrankheit durch Ausdauersport verlangsamt, zum Teil gestoppt und in Einzelfällen sogar zurückgebildet werden.

Wer auf einem Pedelec unterwegs ist, muss zwar auch treten, hat aber den Vorteil, dass er sich bei Bedarf - etwa bei Steigungen - dabei unterstützen lassen kann. Man kann beim Pedelec den Motor auch ausschalten und „ganz normal“ Fahrrad fahren. „Von der optionalen Fahrunterstützung können Herzkranke profitieren, da durch die motorisierte Unterstützung eine zu intensive Belastung und somit eine Herzfrequenz im roten Drehzahlbereich mit einer erhöhten gesundheitlichen Gefährdung vermieden werden kann“, betont der Sportkardiologe Scharhag. Die Deutsche Herzstiftung empfiehlt moderates Ausdauertraining von mindestens 30 Minuten, fünfmal pro Woche. Dieses Training kann in mehrere kleinere Abschnitte unterteilt werden.

Mit dem Rad zur Arbeit oder zum Bäcker zu fahren, hilft dabei, das tägliche Sportpensum zu erreichen und schont gleichzeitig die Umwelt.

Positive Auswirkungen des Radfahrens auf die Herzgesundheit

Aspekt Wirkung
Herzmuskel Kräftigung und verbesserte Effizienz
Blutdruck Regulierung und Flexibilität der Blutgefäße
Cholesterinspiegel Senkung des LDL-Cholesterins und Erhöhung des HDL-Cholesterins
Stress Reduzierung von Stresshormonen und Förderung von Endorphinen

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