Wenn die vorausgegangenen Untersuchungen eine schwerwiegende Erkrankung der Herzkranzgefäße oder der Herzklappen vermuten lassen, kann zur weiteren Abklärung eine Herzkatheteruntersuchung (Linksherzkatheter) mit Darstellung der Herzkranzgefäße mittels Kontrastmittel (Koronarangiographie) erforderlich werden.
Die Koronarangiographie ist zur Zeit die aussagefähigste Untersuchung, mit der man Engstellen der Herzkranzgefäße sicher nachweisen kann. Sollten sich bei Ihnen hochgradige Engstellen (Stenosen) der Herzkranzgefäße zeigen, werden wir gegebenenfalls auch eine Aufdehnungsbehandlung (PTCA) vorschlagen.
Der Herzkatheter-Eingriff: Ein Überblick
Im Folgenden soll kurz das Vorgehen bei der Linksherzkatheteruntersuchung mit Koronarangiographie geschildert werden. Es erfolgt zunächst eine örtliche Betäubung der Stelle, an der der Herzkatheter in die Schlagader eingeführt wird (Punktionsstelle). Die Untersuchung kann über eine Leistenarterie oder die kleinere Arterie des Handgelenks erfolgen.
Die Untersuchung über das Handgelenk ist komfortabel, weil anschließend lediglich ein kleiner Druckverband am Handgelenk erforderlich ist. Die Beinschlagader hat sich wegen der Größe des Gefäßes als einfacher Zugangsweg erwiesen, über den auch komplexe Untersuchungen durchgeführt werden können.
Die Auswahl der Punktionsstelle wird der untersuchende Arzt mit ihnen festlegen. Der Herzkatheter, ein dünner biegsamer Kunststoffschlauch, wird von der Punktionsstelle über die Hauptschlagader bis zum Herzen vorgeschoben. Dies ist für schmerzfrei, weil die Blutgefäße von innen weder berührungs- noch schmerzempfindlich sind. Bei Untersuchungen über die Handgelenksarterie kann es zu Mißempfindungen kommen, wenn das kleine Gefäß sich verkrampft.
Durch den in der linken Herzkammer plazierten Herzkatheter wird Kontrastmittel gegeben, so dass mittels Röntgendurchleuchtung die Größe, die Form und die Schlagkraft des linken Herzens beurteilt werden kann. Während der Kontrastmitteleinspritzung werden Sie ein kurzes, starkes Wärmegefühl verspüren.
Bei der anschließend durchgeführten Koronarangiographie wird ein Herzkatheter jeweils in den Abgang der rechten und linken Koronararterie eingeführt. Die Untersuchungsdauer beträgt üblicherweise etwa 20 bis 30 Minuten, sie kann jedoch in Einzelfällen und bei besonderen Untersuchungsverfahren länger dauern.
Am Ende der Untersuchung wird ein Druckverband an der Punktionsstelle angelegt. Mit dem Druckverband ist eine strenge Bettruhe für etwa 4 bis 5 Stunden erforderlich, um Nachblutungen an der Einstichstelle zu vermeiden. Ein Gang zur Toilette während der Bettruhe und Überwachung ist möglich, wenn die Untersuchung über das Handgelenk durchgeführt wurde.
Nach einem Gespräch über Ihren Befund können Sie sich nach Hause abholen lassen. Sie dürfen nach der Untersuchung nicht selbst Auto fahren. Am nächsten Tag dürfen sie sich in der Regel wieder normal bewegen.
Alternative Diagnoseverfahren
Mit speziellen Untersuchungsverfahren wie der Stress-Echokardiographie, der Myokardszintigraphie oder der Stress-MRT lassen sich Durchblutungsstörungen des Herzmuskels nachweisen. Kritische Verstopfungen (Stenosen) der Herzkranzgefäße sind wenig wahrscheinlich, wenn keine Durchblutungsstörungen nachweisbar sind.
Eine Herzkatheteruntersuchung ist erforderlich, wenn Durchblutungsstörungen eindeutig nachgewiesen werden, um die Ursache zu klären und gegebenenfalls sofort zu behandeln. Die Treffsicherheit der Verfahren zur Durchblutungsmessung beträgt bei optimalen Bedingungen ca. 90%. In ca. 10% sind die Ergebnisse nicht eindeutig oder falsch. Nicht bei jedem sind diese Untersuchungen anwendbar.
Das hochauflösende Kardio-CT zeigt mit hoher Sicherheit Verkalkungen der Herzkranzgefäße. Engstellen der Herzkranzgefäße lassen sich aber nur ungenau erfassen, so dass im Zweifelsfall doch eine Herzkatheteruntersuchung erforderlich wird.
Nur bei eindeutig unauffälligem Befund kann somit eine kritische koronare Herzerkrankung ausgeschlossen werden. Wenn keine akut bedrohliche Situation erkennbar ist, können die Beschwerden zunächst medikamentös behandelt werden.
Weil die Erkrankung dann aber nicht geklärt ist, kann es sein, dass die medikamentöse Behandlung nicht optimal oder unnötig erfolgt. In Einzelfällen kann eine bedrohliche Situation übersehen werden, wenn auf weitere Untersuchungen verzichtet wird.
Wichtige Verhaltensweisen nach dem Eingriff
Das bei der Herzkatheteruntersuchung verabreichte Kontrastmittel muss durch die Nieren ausgeschwemmt werden. Es ist daher besonders wichtig, dass Sie bereits am Morgen des Untersuchungstages viel Flüssigkeit zu sich nehmen. Nach einer Herzkatheteruntersuchung halten Sie bitte die angeordnete Bettruhe ein.
Sie sollten dabei flach liegen und das betreffende Bein gestreckt halten. Mit Hilfe eines für einige Stunden verbleibenden Druckverbandes wird die Einstichstelle in der Leiste oder des Handgelenks komprimiert.
Bei Auftreten von Beschwerden (z. B. Herzbeschwerden, Bluterguss, Blutung, Taubheitsgefühl) benachrichtigen Sie bitte sofort das Pflegepersonal oder den Arzt. Zu Hause sollten Sie sich nach der Untersuchung noch schonen. Am nächsten Tag können Sie sich wieder frei bewegen. Die volle Belastbarkeit des Beins besteht etwa ab dem 4. Tag.
Mögliche Komplikationen
Um Sie umfassend über die bei Ihnen geplante Untersuchung aufzuklären, werden wir Sie auch über die möglichen Risiken informieren. Grundsätzlich sind bedeutsame Komplikationen bei der Herzkatheteruntersuchung gering (unter 1 %). Die Komplikationsrate hängt sehr von den individuellen Risikofaktoren und Begleiterkrankungen ab.
Durch Ihre Fragen und Angaben können Sie uns helfen Ihr persönliches Risiko möglichst gering zu halten. Es kommt relativ häufig zu einem kleinen Bluterguss an der Einstichstelle. Dieser wird begünstigt durch die Gabe von gerinnungshemmenden Medikamenten, die einer Blutgerinnselbildung (Thrombose) und einer Lungenembolie vorbeugen sollen.
Trotz der mitunter erheblichen Ausdehnung eines Blutergusses kommt es in der Regel nicht zu einem bedeutsamen Blutverlust. An der punktierten Schlagader kann es auch zu einer örtlichen Ausweitung kommen (Aneurysma), die sich meistens durch Komprimieren beheben lässt.
Eine Verbindung zwischen Schlagader und Vene (AV-Fistel), die durch die Punktion verursacht werden kann, muss manchmal chirurgisch verschlossen werden. Gelegentlich kommt es nach der Herzkatheteruntersuchung zu Übelkeit, Erbrechen, Schwitzen und Blutdruckabfall, selten auch mit kurzer Bewußtlosigkeit.
Dies ist in den meisten Fällen auf eine Irritation des vegetativen Nervensystems zurückzuführen und bei Patienten mit einer ausreichenden Herzfunktion relativ harmlos. Sehr selten können diese und andere Beschwerden, wie z. B. Hautausschlag, Juckreiz und Atemnot, jedoch Ausdruck einer Überempfindlichkeitsreaktion auf das Kontrastmittel sein.
Leichte Kontrastmittelreaktionen sind häufig und in der Regel harmlos. Schwerste lebensbedrohliche allergische Reaktionen mit Schädigung von Atmung, Herz, Niere oder Gehirn treten äußerst selten auf (ca. 0,01%).
Bei einer Vorschädigung der Schilddrüse kann das Jod im Kontrastmittel eine Schilddrüsenüberfunktion auslösen. Bitte geben Sie daher bekannte Allergien und Schilddrüsenerkrankungen unbedingt an!
Bei einer Vorschädigung der Nierenfunktion können insbesondere bei Diabetikern durch das Kontrastmittel eine Verschlechterung der Nierenfunktion und des Stoffwechsels auftreten, bis hin zum dialysepflichtigen Nierenversagen.
Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Metformin-Medikation bei Diabetikern! Sehr selten kann es auch zu einer Nervenverletzung in der Leiste kommen, die ein Taubheitsgefühl im Bein und schlimmstenfalls eine Lähmung nach sich ziehen kann.
Ebenfalls selten sind die Verletzung oder der Verschluss des punktierten Gefäßes, die eine chirurgische Behandlung erforderlich machen. Auch eine Verknotung des Herzkatheters ist bei stark geschlängelten Gefäßen denkbar.
Bei dieser sehr seltenen Komplikation muss der Katheter operativ entfernt werden. Insgesamt liegt die Rate für die örtlichen Komplikationen bei etwa 0,5%. In ungünstigen, sehr seltenen Fällen können langfristige Schäden (Narben, Taubheitsgefühl, Schmerzen der Leiste, Lähmungen, Schwellungsneigung) zurückbleiben.
Eine Blutung nach außen und die Ausbildung eines Blutergusses können grundsätzlich auch einen starken Blutverlust mit sich bringen, so dass in sehr seltenen Fällen eine Bluttransfusion vorgenommen werden muss.
Mögliche Komplikationen einer Bluttransfusion sind eine Infektion mit Hepatitis (Gelbsucht), HIV (Erreger der Immunschwächekrankheit AIDS), und anderen auch bisher unbekannten Erregern, weiterhin Unverträglichkeits- sowie Herz und Kreislaufreaktionen.
Man wird sich nach sorgfältiger Abwägung nur dann für eine Bluttransfusion entscheiden, wenn die Vorteile für die Erhaltung von Gesundheit und Leben gegenüber den Risiken einer Transfusion überwiegen.
Während der Herzkatheteruntersuchung kommt es häufig zu einem harmlosen Herzstolpern (Extrasystolen). Schwerwiegendere Herzrhythmusstörungen mit Bewußtlosigkeit, die zur Gabe von Medikamenten oder sogar zu einer elektrischen Behandlung zwingen, sind selten (1 % bzw. 0,1 %).
Denkbar wäre auch, dass sich ein Blutgerinnsel löst, in eine hirnversorgende Schlagader gelangt und so einen Schlaganfall verursacht. Diese Komplikation stellt jedoch eine Rarität dar. Insbesondere bei schweren Vorerkrankungen des Herzens kann es zu einem Herzinfarkt oder zu einer akuten Herzschwäche kommen.
Die letzte Mahlzeit sollte länger als vier Stunden vor der Untersuchung zurückliegen. Die meisten Medikamente sollten Sie mit etwas Wasser auch am Untersuchungstag einnehmen. Es wird eine lokale Betäubung am Punktionsort, das heisst am Unterarm oder der Leiste erfolgen.
Die Punktion können Sie als Druck empfinden. Die eigentliche Herzkatheteruntersuchung ist schmerzfrei. Bis zur Untersuchung halten Sie sich im Wartebereich des Herzkatherlabors auf.
Nach der Untersuchung bleiben Sie bei ambulanten Herzkatheteruntersuchungen zur Nachbetreuung durch das Team des Herzkatheterlabors im Bereich des Herzkatheterlabors / Krankenhauses und können das Krankenhaus nach ca. Die Unterlagen, die Sie vorab von unserem Praxisteam erhalten sowie Ihre Gesundheitskarte bringen Sie bitte mit zur Untersuchung.
Bitte bringen Sie ebenfalls Waschzeug, Schlafanzug, etc. mit, für den Fall, dass eine stationäre Nachüberwachung notwendig sein sollte. Leichte Komplikation (Bluterguss und Nachblutung an der Arterienpunktionstelle, allergische Hautreaktion nach Kontrastmittel, etc.) treten in weniger als 1-2% der Untersuchungen auf.
In der Woche nach der Untersuchung sollten Sie schwere körperliche Tätigkeiten (z.B. Lasten heben, Sport) vermeiden, um die Punktionsstelle am Unterarm oder in der Leiste zu schonen.
Am Untersuchungstag dürfen Sie nicht selbständig am motorisierten Straßenverkehr teilnehmen oder mit dem Fahrrad fahren. Duschen ist am Folgetag der Untersuchung möglich.
Ein Vollbad, Schwimmen oder ein Saunabesuch sowie starkes Pressen beim Stuhlgang sollten Sie in der ersten Woche nach der Untersuchung vermeiden. Medikamente, die die Substanz „Metformin“ enthalten (betrifft Diabetiker) müssen 2 Tage vor und nach der Untersuchung pausiert werden.
Ebenso müssen blutverdünnende Medikamente, wie z.B. Marcumar®, Pradaxa®, Xarelto®, Eliquis®, Lixiana®, etc. einige Tage zuvor pausiert werden (bitte nur nach Rücksprache mit Ihrem behandelnden Kardiologen).
PTCA und Stent-Implantation
Zunächst muss über die Engstelle ein dünner Draht geschoben werden. Er dient als Führung für den Ballonkatheter. Der Ballon wird im nicht-entfalteten Zustand in die Engstelle eingeführt. Dann wird er unter hohem Druck mit Flüssigkeit gefüllt, so daß er eine zylindrische Form annimmt.
Die verengenden Ablagerungen werden in die Innenschicht der Herzkranzarterie hinein gepresst. Bei der Ballonerweiterung entstehen kleine Risse in der innersten Gefäßschicht (Dissekate), die später von Gefäßwandzellen überzogen werden.
Nach Entfernen des Katheters kann das Blut an dieser Stelle wieder ungehindert fließen. Damit die Ablagerungen nicht wieder zurück in die Gefäßlichtung fallen, setzt man heute in den meisten Fällen eine Gefäßstütze ein. Sie besteht aus einem dünnen Drahtmaschengeflecht welches mit Hilfe des Ballons entfaltet wird.
Medikation gemäß des Medikamentenplans fortführen, wenn im Vorfeld nicht anders festgelegt. Gerinnungshemmende Medikamente werden im Vorfeld genau besprochen, bitte diesem Vorgehen folgen.
Verhaltensregeln nach der Entlassung
Halten Sie die Extremität, an welcher sich die Punktionsstelle der Arterie befindet (Leiste oder Handgelenk) bis zum nächsten Tag möglichst ruhig. Nach ihrer Entlassung sind leichte Belastungen wie Gehen und Aufstehen, z.B. zur Toilette, möglich.
Nach der Abnahme des Druckverbandes ist Duschen erlaubt, eine intensive mechanische Reinigung der Punktionsstelle soll vermieden werden. Auf Baden oder Saunieren sollte für ca. Vermeiden Sie für ca. 1 Woche körperliche Belastungen wie Heben schwerer Lasten und Sport, insbesondere nach Leistenpunktion.
Treppensteigen sowie starkes Pressen beim Toilettengang sollten ebenfalls vermieden werden. Nach arteriellen Punktionen am Handgelenk müssen anstrengende Tätigkeiten des betroffenen Armes und der Hand für ca. Ein Bluterguss im Bereich der Punktionsstelle ist in der Regel nicht Besorgnis erregend.
Der Herzkatheter: Ein minimalinvasiver Eingriff
Das bedeutet, dass für die Untersuchung ein Eingriff in den Körper erfolgt. In diesem Fall führen Ärzte und Ärztinnen einen dünnen biegsamen Kunststoffschlauch, den Katheter, über ein Blutgefäß zum Herzen.
Es gibt zwei Formen der Herzkatheteruntersuchung: Der Linksherz-Katheter wird über eine Arterie in der Leiste, Armbeuge oder am Handgelenk bis in die linke Herzkammer geschoben. Er ist die häufigere Untersuchungsform.
Der Rechtsherz-Katheter wird über eine Vene in der Leiste, Armbeuge oder am Handgelenk in die rechte Herzkammer geführt. Durch eine Linksherzkatheteruntersuchung werden unter anderem die Herzkranzgefäße beurteilt, die das Herz mit Sauerstoff versorgen.
Diese Untersuchung heißt Koronarangiographie. Durch die Verwendung eines Kontrastmittels können dabei in der gleichzeitigen Röntgenuntersuchung am Bildschirm Engstellen erkannt werden. Wird das Kontrastmittel in die Herzkammern gespritzt, kann man die Herzklappenfunktion und die Pumpleistung des Herzens messen und darstellen.
Der Rechtsherzkatheter dient zur Druckmessung in der Lungenstrombahn und in den rechtsseitigen Herzhöhlen. So können verschiedene Formen des „Lungenhochdrucks“ (pulmonale Hypertonie) unterschieden werden.
Weiterhin kann durch den Rechtsherzkatheter die Herzleistung und das Ausmaß von Herzklappenerkrankungen bewertet werden.
Herzkatheter bei bestimmten Erkrankungen
Eine Herzkatheteruntersuchung ist bei einem Herzinfarkt eine oft sogar lebensrettende Untersuchung. Wird ein verstopftes Herzkranzgefäß erkannt, kann das Blutgerinnsel gezielt aufgelöst und das verengte Gefäß wieder aufgeweitet werden.
Hierdurch wird verhindert, dass das nicht mehr mit Sauerstoff versorgte Herzmuskelgewebe abstirbt. Bei Verdacht auf eine Koronare Herzerkrankung (KHK) ist eine medikamentöse Therapie und körperliche Aktivität die Behandlung der Wahl.
Eine Herzkatheteruntersuchung wird dann durchgeführt, wenn eine Behandlung notwendig ist. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn ausgeprägte Symptome der koronaren Herzerkrankung bestehen, zum Beispiel Herzschmerzen, die ab einer bestimmen Belastung auftreten und einschränkend sind oder wenn die Beschwerden sich unter medikamentöser Behandlung nicht ausreichend bessern. Aber auch wenn ein Diabetes oder eine gleichzeitige Herzschwäche besteht.
In diesen Fällen erfolgt eine Herzkatheteruntersuchung, um eine Bypass-Operation zu planen oder um zum Beispiel durch Einlage eines oder mehrer Stents die Engstelle aufzuweiten. Bei manchen Erkrankungen lässt sich ohne Eingriff eine Herzerkrankung zwar feststellen, aber die Herzkatheteruntersuchung liefert exakte Informationen zum Ausmaß.
Kardiologen und Kardiologinnen führen eine Herzkatheteruntersuchung auch dann durch, wenn folgende Krankheiten vermutet werden oder vorliegen: Erkrankung der Herzklappen, Herzrhythmusstörungen, Herzmuskelentzündung mit Indikation zur Gewebeprobe, Erkrankungen der Aorta oder der Lungenarterie.
Schließlich wird eine Herzkatheteruntersuchung auch zur Vorbereitung von Herzoperationen vorgenommen. Auch die Herzmuskeldurchblutung oder der Herzinnendruck lassen sich mittels Herzkatheter messen.
Behandlungsmöglichkeiten über einen Herzkatheter
Ärzte und Ärztinnen können mit dem Herzkatheter kleine minimalinvasive Eingriffe vornehmen. Bei verengten Herzkranzgefäßen im Rahmen einer Koronaren Herzerkrankung und auch bei einem Herzinfarkt können Gefäße geweitet werden, um den Blutfluss zu verbessern. Dieser Eingriff wird perkutane Koronarintervention (PCI) genannt und kann im Notfall Leben retten:
Die Spitze eines Katheters, an der sich ein Ballon befindet, wird bis zur Verengung vorgeschoben und der Ballon mit Flüssigkeit gefüllt. Dadurch dehnt sich der Ballon auf und weitet das Gefäß von innen. Um das Gefäß dauerhaft offen zu halten, wird meist ein kleines Gitter, ein Stent, eingelegt und aufgedehnt.
Außerdem kann in speziellen Situationen über einen Katheter eine Herzklappe ersetzt werden, zum Beispiel bei einer Verengung der Aortenklappe (Aortenklappenstenose) oder wenn die Aortenklappe nicht mehr richtig schließt (Aorteninsuffizienz). Eine weitere Behandlungsmethode ist die Katheterablation.
Diese wird bei bestimmten Herzrhythmusstörungen eingesetzt, wenn elektrische Leitungsbahnen Fehlreize senden. Der Eingriff ist in der Regel schmerzlos, kann aber Risiken bergen.
Zweitmeinung und Alternativen
Die Herzkatheteruntersuchung ist ein etabliertes Verfahren, birgt aber mehr Risiken als nicht invasive Methoden wie die Echokardiografie. Forschende haben herausgefunden: In Deutschland werden erheblich mehr Herzkatheteruntersuchungen durchgeführt als in europäischen Nachbarländern.
Eine Studie mit Versicherten der AOK Sachsen-Anhalt ergab, dass bei 54,2 Prozent aller Linksherzkatheteruntersuchungen innerhalb des folgenden Jahres keine Intervention erfolgte. Auch im Falle der perkutanen Koronarintervention (PCI) bei einer stabilen koronaren Herzkrankheit - bei der Beschwerden nur unter Belastung auftreten - vermuten Fachleute, dass der in Deutschland häufige Eingriff oft nicht notwendig ist.
Daraus lässt sich schließen, dass viele Herzkatheteruntersuchungen und PCIs überflüssig sein könnten und damit eine unnötige Belastung für Patienten und Patientinnen darstellen.
Eine Entscheidungshilfe für Patientinnen und Patienten, ob sie einen Herzkatheter machen sollen, bietet die nationale Versorgungsleitlinie. Betroffene, die unsicher sind, ob für sie eine Herzkatheteruntersuchung oder eine PCI sinnvoll ist, können außerdem eine ärztliche Zweitmeinung einholen. Die Kosten dafür übernimmt die AOK.
Ablauf der Untersuchung
Die Untersuchung wird in einem sogenannten Katheterlabor in einem Krankenhaus oder einer fachärztlichen Praxis vorgenommen. Der Arzt oder die Ärztin wählt eine Stelle (Armbeuge, Handgelenk oder Leiste) aus und betäubt diese lokal. Eine Vollnarkose ist nicht notwendig, aber auf Wunsch kann ein Beruhigungsmittel gegeben werden.
Nach der lokalen Betäubung sticht er oder sie das Blutgefäß mit einer Nadel an und schiebt den Katheter über die Arterie oder Vene bis zum Herzen, was mit Röntgenbildern kontrolliert wird. Davon spürt man meist nichts, weil die Gefäßinnenwände nicht schmerzempfindlich sind. Das Kontrastmittel kann ein Wärmegefühl auslösen.
Bei einer Gefäßerweiterung kann es im Rahmen der Dehnung zu einem kurzzeitigen lokalen Schmerz kommen. Oft kann die Untersuchung auch vom Patienten oder der Patientin „live“ am Monitor verfolgt werden.
Die eigentliche Untersuchung dauert in der Regel etwa eine halbe Stunde, manchmal auch weniger. Inklusive Vorbereitung ist mit rund einer Stunde zu rechnen. Wenn eine Dehnung von Blutgefäßen oder der Einsatz von Stents erforderlich ist, dauert es länger.
Je nach Ort des Einstichs werden die Patienten und Patientinnen im Anschluss unterschiedlich lange überwacht. Bei einer Einführung des Katheters in der Leistengegend müssen Betroffene in der Regel noch rund vier Stunden im Liegen verbringen. Bei Durchführung des Katheters vom Arm aus reicht oft eine etwa einstündige Bettruhe.
Wurde eine Engstelle gefunden und erweitert, erfolgt in der Regel eine Nachbeobachtung im Krankenhaus.
Verhalten nach der Herzkatheteruntersuchung
Auch wenn es ein minimalinvasiver Eingriff ist, stellt eine Herzkatheteruntersuchung eine körperliche Belastung dar. Oft fühlen sich Patienten und Patientinnen danach noch erschöpft, auch ein Bluterguss an der Einstichstelle ist nicht selten.
Damit die Einstichstelle verheilen kann, sind mehrere Tage Schonung zuhause wichtig und schweres Heben ist absolut tabu. Wie lange Sie nach einer Herzkatheteruntersuchung konkret arbeitsunfähig sind, muss der Arzt oder die Ärztin entscheiden.
Falls Sie nach dem Herzkatheter bestimmte Medikamente einnehmen müssen, etwa zur Blutverdünnung nach dem Einsatz eines Stents, halten Sie sich unbedingt an die Vorgaben, da sonst das Risiko besteht, dass sich Blutgerinsel in dem Stent bilden.
Medikamenteneinnahme vor der Untersuchung
Blutverdünnende Medikamente wie z.B. sogenannte NOAKs, die unter anderem bei Vorhofflimmern häufig eingesetzt werden, sind nach ärztlicher Rücksprache am Untersuchungstag zu pausieren.
Patienten mit einer Marcumar-Therapie sollten nach ärztlicher Rücksprache dies gegebenenfalls schon einige Tage vorher, unter engmaschiger Gerinnungskontrolle, pausieren. Die anderen blutverdünnenden Substanzen aus der Gruppe der Thrombozytenaggregationshemmer (z.B. Aspirin, Clopidogrel, Ticagrelor oder Prasugrel) werden für die Untersuchung nicht abgesetzt.
Gerade wenn in den Monaten zuvor ein Stent eingesetzt worden ist, müssen diese Medikamente unbedingt ohne Unterbrechung fortgesetzt werden. Medikamente bei einer Zuckererkrankung wie z.B. Insulin wird am Morgen des Untersuchungstages nicht gespritzt.
Vor der Untersuchung wird ebenso festgelegt, ob über den sogenannten femoralen Zugang, das heißt im Bereich der Leiste oder über den radialen Zugang, das heißt die Arterie am Handgelenk, die Untersuchung erfolgt.
Wichtige Punkte nach der Herzkatheteruntersuchung
Hierzu gehören, dass in den ersten 10 Tagen nach der Herzkatheteruntersuchung sportliche Betätigung und das Heben schwerer Lasten gemieden werden sollte. Beobachten Sie die Punktionsstelle in der Leiste oder am Handgelenk: sollte es im Verlauf zu Schwellungen oder Schmerzen kommen, kontaktieren Sie unverzüglich Ihren Arzt.
Der Medikationsplan wird eventuell geändert und insbesondere nach Stentimplantation um blutverdünnende Substanzen ergänzt.
Verhaltensregeln zur Vermeidung von Komplikationen
Im Allgemeinen sind im Bereich der Punktionsstelle bei Befolgung gewisser Verhaltensregeln keine Probleme zu erwarten. Um eine Nachblutung zu verhindern, sollten Sie sich in der ersten Woche an folgende Regeln halten:
- keine schweren Sachen heben oder tragen
- kein Fahrradfahren
- kein Sport
- möglichst kein verstärktes Pressen beim Stuhlgang
- möglichst keine Bewegungen, die zu einer Belastung des Leistenregion bzw. des Armes führen
- kein Schwimmbadbesuch / keine warmen Bäder
Warnsymptome für eine Blutung sind:
- starke Schmerzen
- Umfangsvermehrung des Oberschenkels/ Armes
- umschriebene Verdickung im Bereich der Punktiosstelle
Bei Verdacht auf eine Nachblutung sollten Sie sich umgehend bei uns vorstellen (kard. Ambulanz bzw. Erstaufnahme nach 16:00 Uhr).
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