Radfahren nach Prostataentfernung: Erfahrungen und Tipps

Viele Männer fragen sich, wann und wie sie nach einer Prostataentfernung wieder mit dem Radfahren beginnen können. Dieser Artikel fasst Erfahrungen von Betroffenen zusammen und gibt Ratschläge zu Sattelwahl, Training und Kontinenz.

Wiederaufnahme des Radsports nach der Operation

Viele Betroffene können es kaum erwarten, wieder auf ihr geliebtes Fahrrad zu steigen. Die Meinungen der Ärzte und Therapeuten bezüglich des Zeitpunkts der Wiederaufnahme des Radfahrens gehen auseinander. Einige empfehlen eine Pause von 4 Wochen, andere raten zu 3 Monaten oder 100 Tagen ohne "Leistungssport".

Es ist wichtig, auf den eigenen Körper zu hören und die Ratschläge der Ärzte und Therapeuten zu berücksichtigen. Viele Betroffene berichten, dass sie anfangs mit Inkontinenz zu kämpfen haben, was das Radfahren erschweren kann. Es empfiehlt sich daher, mit dem Radfahren zu warten, bis man wieder halbwegs "wasserdicht" ist.

Ein Betroffener begann bereits zwei Wochen nach der Zystektomie (Blasenentfernung) wieder mit dem Training auf dem Indoor-Rad. Er betont, dass Radfahren besser sei als Spazierengehen.

Sattelwahl und Anpassung des Fahrrads

Ein wichtiger Aspekt beim Radfahren nach einer Prostataentfernung ist die Wahl des richtigen Sattels. Konventionelle Sättel können den Druck auf den Dammbereich und die Prostata erhöhen, was zu Taubheitsgefühlen und Prostatareizung führen kann.

Prostata-Fahrradsättel sind so konzipiert, dass sie den Druck auf den empfindlichen Dammbereich reduzieren oder überhaupt keinen Druck ausüben. Dadurch ist der vordere Bereich des Sattels tiefer und der Druck auf den Damm wird reduziert.

Es gibt verschiedene Modelle für unterschiedliche Fahrradkategorien wie Rennräder, Mountainbikes, Trekkingbikes oder Citybikes. Einige Beispiele für medizinische Fahrradsättel sind der SQ-Lab 600 active oder der Hobson Easy Seat, die eine 100-prozentige Entlastung der Prostata ermöglichen.

Einige Betroffene haben ihre Rennräder umbauen lassen, um eine optimale Sitzposition entsprechend ihren Bedürfnissen (Neoblase) zu erreichen. Dies geschah gemäß den Empfehlungen von Ärzten und Physiotherapeuten.

Empfehlungen für Sättel

  • SQlab 610 M-D active: Sportliche Version, geeignet für MTB und Trekkingbike.
  • SQlab 602 M-D active: Komfortabler, für längere Touren und den Alltagseinsatz auf Trekkingbikes.
  • SQlab 621 M-D active: Für Citybikes und Tourenräder mit aufrechter Sitzposition.

Wer bisher noch ein Fahrrad ohne Federung nutzt, kann durch das Nachrüsten einer hochwertigen gefederten Sattelstütze die Belastung für das Gesäß um über 60 Prozent reduzieren.

Training und sportliche Aktivität

Sport gilt als wirksames "Medikament" bei vielen Erkrankungen, auch bei Prostatakrebs. Ärzte empfehlen Ausdauersportarten wie Joggen, Schwimmen, Radfahren oder Wandern, aber auch moderates Krafttraining hat positive Effekte auf die Gesundheit.

Studien zeigen, dass Sport bei Prostatakrebs das Rückfallrisiko um bis zu 57 Prozent vermindern kann. Körperlich aktive Krebspatienten leiden weniger unter der chronischen Erschöpfung (Fatigue) und bewältigen ihren Alltag insgesamt besser.

Es ist wichtig, ein individuelles Bewegungsprogramm zu entwickeln, das auf die eigenen Bedürfnisse und Fähigkeiten abgestimmt ist. Dabei sollte man sich sportmedizinisch beraten lassen. Es gibt auch spezielle Sportgruppen für Krebskranke.

Ein Betroffener berichtet von seinen Trainingsleistungen nach der Zystektomie und sieben weiteren Operationen im Zusammenhang mit Blasenkrebs:

Jahr Kilometer Höhenmeter
2014 (Zystektomie 3.2014) 3.110 km 46.000 Hm
2015 4.485 km 49.500 Hm
2016 7.515 km 122.300 Hm
2017 9.150 km 149.600 Hm
2018 12.440 km 211.200 Hm
2019 17.100 km 236.000 Hm

Er betreibt auch Laufen, Schwimmen und Krafttraining. Sein tägliches Pensum an sportlichen Aktivitäten beträgt zwischen 3 und 5 Stunden.

Empfehlungen für sportliche Aktivität

  • Ausdauertraining: Dreimal pro Woche für jeweils 60 Minuten oder fünf bis sechs Einheiten wöchentlich für jeweils 30 Minuten.
  • Krafttraining: Zwei- bis dreimal pro Woche für 45 bis 60 Minuten.
  • Bewegung im Alltag: So wenig wie möglich sitzen oder liegen, sondern untertags möglichst viel in Bewegung bleiben.

Beckenbodentraining und Kontinenz

Männer mit Prostatakrebs leiden oft unter Inkontinenz als Folge der radikalen Prostatektomie. Beckenbodentraining (Schließmuskeltraining) ist empfehlenswert, um die Beckenbodenmuskulatur zu stärken und die Kontinenz zu verbessern.

Einige Experten sind der Meinung, dass das Beckenbodentraining speziell auf den Blasenschließmuskel abzielen sollte, ohne den Beckenboden zu stark zu beanspruchen. In speziellen Reha-Kliniken wird gelehrt und trainiert, den Blasenschließmuskel bewusst anzusteuern, ohne den Beckenboden mit zu bewegen.

Es ist wichtig, das Beckenbodentraining unter professioneller Anleitung eines Physiotherapeuten zu erlernen, um die Übungen richtig auszuführen und die besten Ergebnisse zu erzielen.

PSA-Wert und Radfahren

Vor einer PSA-Wert-Bestimmung beim Urologen sollte man auf das Radfahren verzichten, da es den PSA-Wert kurzzeitig erhöhen und die Testergebnisse verfälschen kann. Die Dauer des Verzichts reicht von 24 Stunden bis zu 3 Tagen.

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