Radfahren auf Sardinien ist wunderschön und noch relativ unbekannt. Sardinien bleibt ein unpolierter Edelstein, wo Mallorca längst zum Trainingslager für den Breitensport geworden ist und die Toskana unter dem Gewicht der touristischen Erwartung ächzt.
Sardinien mit dem Fahrrad zu erkunden ist ein wahres Abenteuer: Die Wege sind oft schmal, der Asphalt nicht immer königlich. Wer morgens noch in der salzgetränkten Luft der Küste unterwegs war, kann am Nachmittag bereits auf einem schattigen Gebirgspass durch Steineichenwälder klettern, während Bussarde ihre Kreise ziehen. Die Straßen Sardiniens erzählen Geschichten. Sie sind keine klinisch glatten Pisten, sondern oft rau, eigenwillig, voller Persönlichkeit.
Die beste Zeit für eine Radtour
Aber gibt es wirklich eine “beste” Jahreszeit? Wir fahren sowohl Renn-, als auch Mountain-Bike das ganze Jahr über.
Mountainbike: Mit dem Mountain-Bike kann man ganzjährig fahren, aber ab Mitte Juli bis Ende August raten wir die zweite Nachmittagshälfte, um der Hitze zu entkommen, d.h. nach 16 Uhr. Die Tage sind länger und es bleibt lange hell, sodass wir immerhin 5 Stunden Zeit haben.
Rennrad: Auch mit dem Rennrad können wir das ganze Jahr über fahren. Der Winter zeigt uns keine unmöglichen Wetterbedingungen und wenn man die Höhen vermeidet, hat man Temperaturen, die zwischen fünf und zehn Grad plus liegen (Mitte Februar - erste Märzwoche sind die kältesten Monate im Jahr).
Ein paar Worte mehr zum Thema Regen. Sardinien ist ein Gebiet mit niedrigem und tendenziell tropischem Regenfall: kurze, heftige Regenschauer. Wir können also sagen, dass es 30 Tage im Jahr regnet, also mehr als in der Wüste, aber weniger als im Regenwald!
Im Allgemeinen sind die beste Reisezeit für Radfahrer auf Sardinien:
- Frühling (März bis Juni)
- Herbst (September bis Oktober)
Jetzt zeigt sich die Insel in ihrem schönsten Gewand. Die Macchia blüht, die Luft ist klar, und die Temperaturen bewegen sich angenehm zwischen 15 und 25 Grad.
Noch einmal flackert der Sommer auf. Die Hitze weicht milder Wärme, das Meer bleibt badetauglich, die Weinernte duftet durchs Land, schwere Oliven hängen an den grün schimmernden Bäumen.
Die Küste ist mild, das Licht weich, die Straßen leer. Die Sonne brennt, das Thermometer steigt bis auf 40 Grad - wer jetzt radelt, sollte das Morgengrauen lieben.
Die beste Gegend zum Radfahren auf Sardinien
Die Größe Sardiniens entspricht nicht den Vorstellungen. Auf diesen 24.000 qkm ändert sich die Bodenbeschaffung, die Temperatur und die Regenintensität.
Wir teilen Sardinien in 5 Gebiete, in denen man dann die für uns Radfahrer, fast einheitlichen Bedingungen, vorfindet. Für jedes Gebiet werden die Eigenschaften in Kurzform ausgedrückt.
Zentral Sardinien
Für uns Fahrradliebhaber ist es ein wahrer Spielpark. Hier gibt es die schönsten und unberührten Bergregionen, die vielfältigste Naturlandschaft. Aber es ist auch ein Gebiet mit einer niedrigen Bevölkerungsdichte, das noch keinen Schlüssel gefunden hat, um die Radliebhaber zur Entdeckung seiner Geheimnisse hierher zu führen. Leider gibt es auch, im Gegensatz zu den Küstengebieten, sehr wenige Unterkünfte.
- Für die Rennradfahrer:
- Auf und Abs, wie in den Dolomiten, perfekter Asphalt.
- Kleine Bergdörfer, wo man eine Cappuccino Pause einplanen kann.
- Eine hohe Gastfreundschaft.
- Für Mountain-Biker:
- Mit dem Mountain-Bike in grenzenlosen Gebieten und in großer Freiheit.
- Leider gibt es noch keine gekennzeichnete Strecken für das Mountain-Bike. Deshalb muss die Route genau festgelegt werden und man muss sich mit den Karten oder dem GPS Gerät auskennen. Oder Sie können auch die Tour mit einem erfahrenen Guide von SardiniaCycling fahren. In Kürze stehen auch unsere Radkarten zur Verfügung.
Sulcis Iglesiente
Im Prinzip ein sehr gutes Gebiet für das Mountain-Bike. An der Küste, im Süden oder im mittleren Teil, öffnet sich ein Streckennetz mit Schotterstraßen, die das Gebiet kreuz und quer erforschen. Für die Rennrad- oder Touring-Radliebhaber gibt es die Wahl zwischen Meer oder Berge mit wilden und intakten Landschaftsbildern.
- Und wieder sind die Auf und Abs an der Küste die Favoriten. Aus unserer Sicht gibt es zwei Abschnitte, die man ausprobieren sollte, und zwar die Küste zwischen Chia und Teulada und die Küste zwischen Buggerru und Fluminimaggiore. Was Sie dort sehen werden, bleibt noch lange in Erinnerung.
- Eine gute Auswahl an Hügel- und kleiner Berglandschaft.
- Ein Paradies für Mountain-Biker ist der Regionalpark von Piscina Manna, der viele Alternativen und sogar Startpunkte vom Hotel aus bietet.
- In diesem ehemaligen Bergbaugebiet befindet sich ein weiteres Paradies für Mountain-Biker.
Leider gibt es zu wenige Unterkünfte, aber das könnte ja auch für viele ein Pluspunkt sein, da noch nicht so erforscht. Sie haben die Wahl.
Gallura
Hier, im Gegensatz zu vielen anderen Gebieten auf Sardinien, gibt es viele Unterkunftsmöglichkeiten. Sowohl für das Rennrad, als auch für das Mountain-Bike eignet sich die Gegend nördlich von Olbia.
- Spektakuläre Küstenstraßen, mit aufeinanderfolgenden Auf und Abs und atemberaubenden Panoramen.
- Da wir die Steigungen lieben, nennen wir auch den Monte Limbara (1350 m über dem Meeresspiegel). Radfahrer aus ganz Europa lieben diesen Aufstieg in Sardinien.
- Es ist nicht das beliebteste Ziel der Mountain-Biker, auch wenn es einige sehr gute Strecken gibt, die für einen Biker absolut unterhaltsam sind. Das ist z.B. Monte Pino oder auch der Monte Limbara. Auch hier sind einige Transfers zum Ausgangspunkt ein Muss.
Alghero
Radliebhaber aus der ganzen Welt bevorzugen die Stadt Alghero mit ihrem Flughafen, der mit vielen Städten Europas durch preiswerte Flüge verbunden ist. Auch für das Mountain-Bike gibt es interessante Möglichkeiten, aber wie in anderen Gegenden, ist es besser mit dem Auto zu den Ausgangspunkten zu fahren.
Anreise
Wer mit dem Rad nach Sardinien reist, tut gut daran, sich dem Rhythmus des Meeres anzuvertrauen. Die Fähre ist mehr als ein Verkehrsmittel - sie ist ein Übergangsritual.
Die wichtigsten Häfen auf Sardinien heißen Olbia, Porto Torres, Golfo Aranci, Arbatax und Cagliari - jedes ein eigenes Kapitel, ein Tor zu anderen Landschaften. Die Preise für eine einfache Deckpassage schwanken zwischen 50 und 100 Euro, je nach Saison und Startpunkt. Wer sein Fahrrad dabei hat, zahlt in der Regel nur ein paar Euro extra. Als Fußpassagier mit Fahrrad an Bord zu gehen, ist völlig unproblematisch. Der Drahtesel rollt einfach mit - kein Aufheben, kein Stress.
Für Eilige oder Weitgereiste bleibt der Griff zum Flugticket. Sardinien verfügt mit Olbia im Nordosten und Cagliari im Süden über zwei gut angebundene Flughäfen.
Wichtig: Das Fahrrad muss ordentlich verpackt sein. Eine Fahrradtasche, ein Hartschalenkoffer oder ein stabiler Karton sind Pflicht. Die wichtigsten Handgriffe: Pedale ab, Lenker quer, Luft raus.
Hier eine tabellarische Übersicht der wichtigsten Fährverbindungen:
| Hafen | Verbindungen |
|---|---|
| Genua | Olbia, Porto Torres |
| Livorno | Olbia |
| Piombino | Olbia |
| Civitavecchia (Rom) | Cagliari, Olbia |
| Neapel | Cagliari |
| Palermo | Cagliari |
| Savona | Porto Torres |
| Nizza | Porto Torres |
Empfohlene Routen
Wer das Meer liebt, wird Sardiniens Küstenstraßen verehren. Eine der eindrucksvollsten Routen beginnt in Olbia und schlängelt sich gen Süden über Orosei und Arbatax bis nach Cagliari. Diese Strecke ist kein Sonntagsspaziergang, sondern ein wogendes Band aus Steigungen, Serpentinen und grandiosen Panoramen.
Für jene mit Ausdauer und Abenteuerlust empfiehlt sich die vollständige Umrundung der Insel - ein heroischer Kreis von etwa 835 Kilometern und mehr als 9.000 Höhenmetern.
Ein kurzes, aber filmreifes Teilstück ist die Panoramastraße von Bosa nach Alghero. 45 Kilometer purer Küstenrausch - Felsen, Wind, Meer.
Wer sich in die Berge wagt, betritt eine andere Welt. Das Gennargentu-Massiv erhebt sich wie ein altes Rückgrat in der Mitte der Insel, rau, herb und majestätisch.
Im Süden wartet der urwüchsige Zauber der Monti del Sulcis. Im Naturschutzgebiet Monte Arcosu führen kleine Straßen und Pfade durch tiefgrüne Wälder, in denen Wildschweine und Mufflons zu Hause sind.
Die Ostküstenroute
Wer Sardinien in einer Woche mit dem Fahrrad entdecken will, sollte sich für ihre spektakulärste Seite entscheiden: die Ostküste.
Gesamtdistanz: ca. 400 km
Diese Strecke folgt dem natürlichen Atem der Insel - zwischen der steilen, zerklüfteten Kalksteinküste des Golfo di Orosei und den weichen, mediterranen Farben der Hauptstadt Cagliari. Diese Ostküstenroute ist mehr als nur ein schöner Weg - sie ist ein sinnliches Erlebnis. Sie führt durch eine Landschaft, die atmet und spricht, durch Stille und Gastfreundschaft, durch Anstrengung und Belohnung.
Etappen:
- Olbia - Siniscola (ca. 75 km)
- Siniscola - Orosei (ca. 40 km)
- Orosei - Santa Maria Navarrese (ca. 65 km)
- Santa Maria Navarrese - Arbatax (ca. 35 km)
- Arbatax - Muravera (ca. 85 km)
- Muravera - Cagliari (ca. 100 km)
Ob Rennrad, Tourenrad oder Mountainbike - mit kleinen Varianten ist die Strecke für alle Radtypen geeignet. Und das Beste: Unterkunft und Verpflegung sind unterwegs nie weit. Wer will, kann luxuriös nächtigen.
Straßennetz und Verkehr
Sardinien bietet ein gut ausgebautes Straßennetz, das vielerorts wie gemacht scheint für das rhythmische Rollen schmaler Reifen. Die Hauptverbindungen - etwa jene entlang der Küste - sind oft in hervorragendem Zustand, gleichmäßig asphaltiert und mit großzügigen Fahrbahnrändern versehen.
Radwege im klassischen Sinn sind seltene Erscheinungen, vor allem in Städten oder an touristisch erschlossenen Küstenabschnitten. Zwar wirbt Sardinien mit über 2.600 Kilometern ausgewiesener Radrouten, doch deren Qualität ist so vielfältig wie das Inselrelief selbst: mal perfekt asphaltiert und beschildert, mal kaum mehr als eine Idee aus Schotter und Sonne.
Im Landesinneren sind Autofahrer meist freundlich, fahren langsam und überholen mit großzügigem Abstand - so als wüssten sie, dass auf zwei Rädern mehr Mensch als Maschine unterwegs ist. Doch auf den größeren Verbindungsstraßen wie der SS 125 oder der SS 131 wird der Ton rauer: Enge Leitplanken, schlechte Sicht, hoher Verkehr - hier ist Aufmerksamkeit Pflicht, besonders in der Hochsaison oder zu Stoßzeiten.
Das bedeutet nicht, dass Sardinien unsicher wäre. Im Gegenteil: Wer seine Route mit Umsicht wählt, wird meist mit ruhigen Strecken, schöner Linienführung und entspannter Atmosphäre belohnt.
Unterkünfte und Verpflegung
Für Radreisende ist Sardinien ein gastliches Land. Entlang der Küste reihen sich Campingplätze wie Perlen an einer Kette - oft direkt am Meer gelegen, mit einfachem Komfort, viel Schatten und einem Hauch von Freiheit. Besonders charmant: Die Agriturismi, jene ländlichen Gästehäuser, in denen man nicht nur nächtigt, sondern auch schmeckt. Sardinien ist kein Land der Tankstellensandwiches. Wer einkehrt, wird belohnt - mit handgemachten Teigtaschen, duftendem Brot, kräftigem Käse, Oliven und Hauswein. In fast jedem Ort gibt es kleine Bars, Cafés oder Restaurants. Wichtig zu wissen: Viele Lokale schließen am Nachmittag oder öffnen erst spät am Abend.
Wasserstellen - die kleinen Helden jeder Tour - findet man auf vielen Dorfplätzen, oft bei Kirchen oder alten Brunnen. Wer ins Hinterland fährt, sollte den Wasservorrat ernst nehmen.
Kulinarische Köstlichkeiten
Die sardische Küche ist ein Fest für Radfahrer: Pane Carasau als knuspriger Begleiter, Pecorino Sardo mit kräftigem Aroma, Culurgiones mit Kartoffel-Minz-Füllung, dazu ein Glas Cannonau - ein Wein, der auch müde Beine wieder stolz macht.
Die richtige Ausrüstung
Wer hier radelt, sollte sein Gefährt mit Bedacht wählen. Rennräder sind ideal für die gut ausgebauten Küsten- und Landstraßen, die sich in sanften Kurven oder giftigen Rampen durch die Landschaft winden.
Gravelbikes bieten den besten Kompromiss für alle, die sich nicht zwischen Asphalt und Schotter entscheiden wollen. Ein Trekkingrad tut ebenfalls gute Dienste, vor allem auf Touren mit Gepäck und Genussfaktor.
Apps wie Komoot, Naviki, Bikemap oder auch Strava sind Gold wert - vorausgesetzt, man lädt sich Karten vorher offline aufs Handy. Der Mobilfunk ist auf Sardinien oft lückenhaft wie ein Sommerfeld nach der Ernte.
Die wichtigsten Ausrüstungsgegenstände:
- Gepäcktaschen oder Bikepacking-Setups
- Offline-Karten auf dem Handy
- Ersatzmaterial für Gangschaltung, Bremsen und Reifen
Sardinien bietet eine seltene Kombination: raue Natur und feine Küche, bergige Herausforderungen und stille Strände, geschwätzige Einheimische und schweigende Landschaften.
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