Das Radfahren gehört in Deutschland zu den beliebtesten Sommersportarten. Und das nicht ohne Grund! Denn die gelenkschonende Sportart hält nicht nur körperlich und geistig fit, sondern fungiert zudem als schnelles und klimaneutrales Transportmittel für kurze Strecken. Warum auch Prostatakrebspatienten nicht auf ihren Drahtesel verzichten sollten, erklären wir im folgenden Beitrag.
Radfahren, Prostatitis und PSA-Wert: Ein Mythos wird entlarvt
Fahrradfahren schadet der Prostata und erhöht den PSA-Wert - ein Mythos, der seit Jahren kursiert und Unsicherheiten verbreitet. Der Irrglaube wurde unter anderem durch Fälle von Profiradsportlern mitgetragen, die an Prostatakrebs erkrankten. Die Ursache der Erkrankung lag hier jedoch in den meisten Fällen an einer chronischen Prostatitis. Dabei handelt es sich um eine Entzündung und/oder schmerzhafte Schwellung der Prostata. Die Erkrankung macht sich unter anderem durch Schmerzen in Becken, Damm, Leiste, beim Wasserlassen oder nach der Ejakulation bemerkbar. Das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, kann sich bei Betroffenen erhöhen, das gilt jedoch nicht für Menschen ohne Prostatitis.
Und der Zusammenhang zwischen Radfahren und dem PSA-Wert? Der PSA-Wert kann dadurch kurzzeitig in die Höhe getrieben werden und die Testergebnisse verfälschen, denn Fahrradfahren und der Sitz im Sattel wirken wie eine Prostatamassage, bei der vermehrt das Eiweiß PSA gebildet wird; soll heißen: Fällt der PSA-Wert hoch aus, deutet das erstmal nicht auf Veränderungen der Prostata hin, sondern liegt am Drahtesel. Für einen aussagekräftigen PSA-Wert können Sie vor Blutentnahme vorübergehend auf das Radeln verzichten.
Es gilt daher: Wer Prostatakrebs hat oder im Alter ist, in dem das Krebsrisiko steigt, kann beruhigt auf das Fahrrad steigen. Denn prinzipiell ist Radfahren nicht schädlich. Ganz im Gegenteil!
Fit und mobil - so gesund ist Fahrradfahren
Prostatakrebspatienten wird meist empfohlen, sich regelmäßig zu bewegen und sportlich zu betätigen. Hierfür eignet sich das Radfahren wunderbar. Der Ausdauersport fördert die körperliche Gesundheit, indem er das Herz-Kreislaufsystem ankurbelt, für eine gute Durchblutung sorgt und den Stoffwechsel anregt. Im Gegensatz zu anderen Ausdauersportarten gibt es hier jedoch einen entscheidenden Vorteil: Radeln schont die Gelenke. Das Körpergewicht wird, durch das Sitzen auf dem Sattel, vom Fahrrad getragen. Dadurch kommt es nicht - wie beispielsweise beim Joggen - zur Belastung der Gelenke.
Auch als Transportmittel ist der Drahtesel bestens geeignet. Schnell mal zum Supermarkt oder auf einen Besuch zu den Enkelkindern - besonders kurze Strecken lassen sich oft schneller zurücklegen als beispielsweise mit dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln. Das Beste daran: Auch der Umwelt wird damit Gutes getan.
Kontinuierliches Radfahren bei niedrigem Gang ist ein effektiveres Training als gelegentliches Treten bei hohem Gang. So werden die Kräfte besser eingeteilt und das Herz-Kreislaufsystem bleibt durchgehend in Schwung.
Die richtige Haltung und Einstellung für optimalen Komfort
Für eine optimale Haltung beim Fahrradfahren ist es besonders wichtig, den Rücken gerade zu halten. Egal ob bei einem Mountainbike, Hollandrad oder E-Bike. Dabei sollten die Ellenbogen leicht gebeugt und die Handgelenke nicht zu sehr abgeknickt sein. Die Knie sollten - wenn der Ballen auf dem Pedal aufgestellt ist - beim Fahren nie ganz durchgesteckt sein.
Lenker und Sattel sollten für ein angenehmes Fahrerlebnis richtig eingestellt sein. Um die richtige Sattelhöhe zu ermitteln, muss zunächst eines der Pedale auf den tiefsten Punkt gebracht werden. Nun sollte das Bein durchgestreckt sein, wenn der Fuß auf das Pedal gestellt wird. Die richtige Lenkerhöhe ist abhängig vom Fahrrad. Während der Lenker bei Rennrädern bis zu zehn Zentimetern unter dem Sattel liegen sollte, sollte er beispielsweise bei Holland- und Stadträdern einige Zentimeter über ihm liegen. Wichtig ist, dass die Arme nicht gänzlich ausgestreckt werden müssen, um an den Lenker zu gelangen.
Der richtige Sattel für die Prostata
Um Druck, Taubheitsgefühle und mögliche Verletzungen an der Prostata zu vermeiden, können sogenannte Prostata-Sattel montiert werden. Diese haben eine Wölbung, sodass weniger Druck auf den empfindlichen Dammbereich ausgewirkt wird.
Beim Radfahren sind der Sattel und die Sitzposition für die Gesundheit besonders wichtig. Der Sattel sollte den Druck gleichmäßig auf die beiden Sitzbeinhöcker verteilen und die Nase darf gerne leicht nach unten geneigt sein. Der hintere Sattelteil sollte breit genug für das Gesäß sein. Auch ein Sattel mit Aussparung des Dammbereichs und des Schambeinbogens ist empfehlenswert. Am besten lassen Sie sich im Fachgeschäft beraten und dort auch den Sattel richtig einstellen. Sinnvoll ist es auch, dass die Radler zu gepolsterten Satteln oder Sporthosen greifen.
Wer bisher noch ein Fahrrad ohne Federung nutzt, kann durch das nachrüsten einer hochwertigen gefederten Sattelstütze, die Belastung für sein Gesäß um über 60 Prozent reduzieren.
Hier einige Tipps zur Auswahl des richtigen Sattels:
- Ergonomische Form: Wähle einen Sattel, der speziell für die männliche Anatomie entwickelt wurde und eine Aussparung oder Vertiefung im Dammbereich hat.
- Größe und Breite: Der Sattel sollte breit genug sein, um das Körpergewicht gleichmäßig zu verteilen, aber nicht zu breit, um Reibung zwischen Oberschenkel und Sattel zu vermeiden.
- Polsterung: Eine ausgewogene Polsterung erhöht den Komfort und reduziert den Druck auf empfindliche Stellen. Die Einsinktiefe (zu regulieren über die Schaumhärte) sollte so gewählt werden, dass die tiefliegenden Strukturen der Prostata nicht unnötig belastet werden.
Die richtige Sitzposition
Die richtige Sitzposition kann ebenfalls dazu beitragen, den Druck auf die im Sitzbereich liegenden Strukturen und somit auch auf die tiefer liegende Prostata zu minimieren. Beachte folgende Punkte:
- Höhe des Sattels: Der Sattel sollte so eingestellt sein, dass die Beine fast durchgestreckt sind, während die Ferse auf dem Fahrradpedal in seiner tiefsten Position ruht. Das Becken muss dabei zwingend gerade (waagerecht) auf dem Sattel lagern.
- Neigung des Sattels: Generell sollte der Sattel waagerecht eingestellt werden, um nicht den Körperschwerpunkt zu beeinflussen. Letztlich soll der Sattel den Druck nur ableiten, nicht jedoch auf Arme und den Rumpf umverteilen.
Wenn man es richtig macht, hat Fahrradfahren einen positiven Effekt auf die Potenz. Denn es fördert die Durchblutung im Beckenbereich. Der normale Mann hat eigentlich kein relevantes Risiko durch das Fahrradfahren - wenn man es mit dem Radfahren nicht übertreibt.
Radfahren und Prostatakrebs: Eine Studie gibt Anlass zur Diskussion
Laut einer britischen Studie könnten ältere Männer, die häufig radeln, ein leicht höheres Risiko haben, an Prostatakrebs zu erkranken. In der im "Journal of Men's Health" veröffentlichten Studie sprechen die Forscher von einem "statistisch signifikanten Zusammenhang" für Männer über 50.
Die Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass das Risiko, Prostatakrebs zu bekommen, bei Männern über 50, die pro Woche mindestens neun Stunden Rad fahren, um das sechsfache steigt - im Vergleich zu Männern, die nur knapp vier Stunden im Sattel sitzen. Prostatakrebs ist mit 26 Prozent die häufigste Krebsform des Mannes und kann bei frühzeitiger Entdeckung gut behandelt werden.
Ausgewertet wurden die Daten, die 5200 aktive britische Radler im Alter zwischen 16 und 88 Jahren in den Jahren 2012 und 2013 per Internet an die Wissenschaftler gemeldet hatten. Unter anderem mussten sie angeben, wie viele Stunden sie im Sattel verbringen. Mit der Studie sollte ein möglicher Zusammenhang zwischen Radfahrgewohnheiten, Erektionsstörungen, Unfruchtbarkeit und Krebs ermittelt werden. In puncto Erektionsstörung und Unfruchtbarkeit gab es schnell Entwarnung.
Um Aufschlüsse über ein mögliches Prostatakrebsrisiko zu bekommen, wurden die Daten von 2027 Studienteilnehmern ausgewertet, die 50 Jahre und älter waren. Bei Jüngeren liegt das Risiko bei unter einem Prozent.
Kritiker der Studie bemängeln, dass es keine Kontrollgruppe mit Nicht-Radlern gab und die Probanden die gewünschten Daten zum Teil nur abschätzten. Das mache die Studie fehleranfällig.
Privatdozent Dr. Rolf Gillitzer, Chefarzt für Urologie am Klinikum Darmstadt, misst der Studie keine weitreichende Bedeutung bei. Vorwiegend junge Leute betrieben Radfahren als Extremsport, sagt er, und in dieser Gruppe sei keine Zunahme des Prostatakrebsrisikos bekannt. Bei älteren Männern sieht es etwas anders aus. Eine Vergrößerung der Prostata mit einer Zunahme des PSA-Wertes bis 4 ng/ml (PSA = prostataspezifisches Antigen) gilt bei Männern über 50 als normal. „Das ist ein Alterungsprozess - wie das Grauwerden der Haare“, beruhigt Gillitzer. Es gibt verschiedene Theorien zur Entstehung eines Prostatakarzinomes, die Ursache ist wahrscheinlich multifaktoriell.
Der PSA-Wert und Radfahren
PSA ist ein Eiweiß, das in den Zellen der Prostata gebildet und aufgrund von Alter, Entzündungen oder bei bösartigen Veränderungen vermehrt produziert wird. Der Wert spielt bei der Krebsfrüherkennung zwar eine Schlüsselrolle, sagt aber nichts über die Ursache der Veränderung aus. Bei Verdacht auf Prostatakrebs verschafft nur eine Biopsie - die Entnahme einer Gewebeprobe aus dem verdächtigen Bereich - Gewissheit.
Durch die mechanische Reizung im Dammbereich und das Anspannen der Beckenbodenmuskulatur beim Radfahren erhöht sich dieser Wert.
Deshalb wird Patienten drei Tage vor einer Blutabnahme zur PSA-Bestimmung empfohlen, aufs Radfahren zu verzichten, damit sich der PSA-Spiegel wieder normalisieren kann.
Vorteile überwiegen die Risiken
Zu guter Letzt hält das Radfahren nicht nur den Körper gesund, sondern fördert auch die mentale und geistige Gesundheit. Bei schönem Wetter, gemeinsam mit den Liebsten eine Fahrradtour machen - was gibt es Schöneres? Besonders nach einer Krebsdiagnose kann die gemeinsame Zeit mit Freunden und Familie an der frischen Luft eine Wohltat sein und für Entspannung sorgen. Im Körper werden durch die Bewegung vermehrt Glückshormone ausgeschüttet, die den Fahrer oder die Fahrerin gut fühlen lassen. Die regelmäßigen Tritte in die Pedale wirken sich außerdem nachweislich beruhigend und entspannend auf die Psyche aus. Wussten Sie schon? Wer kein Fan von Sudokus und Kreuzworträtseln ist, sollte sich ebenfalls auf den Sattel schwingen.
Vor- und Nachteile des Radfahrens für die Gesundheit
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Verbessert die Herz-Kreislauf-Gesundheit | Erhöhter PSA-Wert bei intensiver Belastung |
| Hilft bei der Gewichtsreduktion | Druckschmerzen und Taubheitsgefühle |
| Stärkt die Muskulatur | Mögliche Beschwerden bei falscher Sitzposition |
Dr. Uwe Niekerken, Urologie-Oberarzt des Marienhaus-Klinikums in Neuwied, betont: "Die Sorge, dass Radfahren generell schädlich für die Prostata ist, ist unbegründet. Mit der richtigen Ausrüstung und Technik können Männer bedenkenlos in die Pedale treten und die vielen gesundheitlichen Vorteile des Radfahrens genießen."
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