Radfahren statt Autofahren: Vorteile für Gesundheit, Umwelt und Geldbeutel

In der heutigen Zeit stellt sich immer mehr Menschen die Frage: "Fahrrad statt Auto?". Diese Frage ist für viele von uns relevant, da die Entscheidung, wie wir uns fortbewegen, erhebliche Auswirkungen auf unsere Gesundheit, die Umwelt und unseren Geldbeutel hat.

Vorteile des Radfahrens

Radfahren bietet eine Vielzahl von Vorteilen gegenüber dem Autofahren. Im Folgenden werden einige der wichtigsten Vorteile näher beleuchtet:

1. Gesundheitliche Vorteile

Radfahren ist doppelt gesund - für dich und die anderen. Es verbessert die eigene körperliche Fitness und baut nebenbei Stress ab. Radfahren bedeutet somit Vorsorge gegen Zivilisationskrankheiten wie Herzinfarkt und Diabetes. Es macht zudem keinen Lärm und erzeugt keine gesundheitsschädlichen Abgase oder Feinstaub.

Regelmäßiges Radfahren bringt den Blutkreislauf auf Trab. Herz und Kreislauf werden weniger belastet und arbeiten fortan ökonomischer. Auch die Durchblutung des Herzmuskels in den Koronararterien wird positiv beeinflusst. Vor allem wer länger als 30 Minuten Rad fährt, verbessert seine Herzfunktionen.

Zudem wird Cholesterin abgebaut, das die Blutgefäße verkalken lässt. Die Adern werden wieder flexibler, das Herz-Kreislauf-System insgesamt wird trainiert und erreicht eine höhere Leistungsfähigkeit. Regelmäßige körperliche Aktivität reduziert die Gefahr eines Herzinfarktes um bis zu 50 Prozent. Die WHO schätzt, dass von 100.000 Bypass-Operationen an Menschen mittleren Alters rund 95.000 nicht nötig wären, wenn sich das Radfahren wieder selbstverständlicher in den Alltag einbringen ließe.

Laut ⁠WHO⁠ reichen bereits 30 Minuten tägliche Bewegung, um Gesundheit und Wohlbefinden erheblich zu steigern. Radfahren ist ideal dafür geeignet. Auch zeigen viele Beispiele aus Großunternehmen mit innerbetrieblichem Mobilitätsmanagement, dass mit steigender Anzahl Rad fahrender Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die krankheitsbedingten Fehlzeiten abnehmen.

2. Umweltvorteile

Radfahren verbraucht keine fossilen Energien. Jeder Kilometer, der mit dem Fahrrad statt mit dem Pkw zurückgelegt wird, spart 140g CO2 ein und dient damit dem Klimaschutz. Auch machen die Autos Städte zu Räucherkammern aus Kohlenmonoxid und Stickoxiden. Laut Europäischer Umweltagentur (EUA) stehen jährlich etwa 400.000 Todesfälle in Europa in Verbindung mit Luftschadstoffen wie Feinstaub, Stickstoffdioxid oder bodennahem Ozon.

Jede Fahrt mit dem Fahrrad verringert die Nachteile, die der Autoverkehr in den Innenstädten mit sich bringt: etwa durch Parkraumbedarf, Parkplatzsuche, Fahrzeuglärm, Abgase und Unfallpotenzial. Fahrradförderung macht Städte attraktiver.

3. Finanzielle Vorteile

Radfahren ist günstig für dich. Keine Kosten für Treibstoff, Versicherung und Steuer, geringe Reparaturkosten. Wer Fahrrad fährt, spart Geld.

Greenpeace hat in einer Mobilitätsstudie noch größere Sparpotenziale ermittelt. Demnach kann ein Single-Haushalt, der sich kein neues Auto mehr anschafft und stattdessen nur noch Rad (und Bahn) fährt, bis zu 680 monatlich sparen. Was im Laufe des Lebens an Fahrtkosten zusammenkommt, möchte man lieber gar nicht wissen. Oder doch? Im deutschen Durchschnitt sind es 332.000 Euro. Das war das Ergebnis der Branchenstudie Autofahren in Deutschland der Motor Presse Stuttgart. Dabei gehen 116.900 Euro für den Autokauf drauf, 78.900 Euro für den Sprit und 58.100 Euro für Versicherungen und Steuern.

Das Fahrradfahren spart außerdem beträchtliche Kosten im Gesundheitssektor. Nutzen Sie das Fahrrad so oft wie möglich: Dies schont Ihren Geldbeutel, hält Sie gesund und hilft der Umwelt.

4. Weitere Vorteile

  • Radfahren macht Spaß. Die selbstständige Bewegung bringt Lebensfreude und fördert die mentale Ausgeglichenheit. Außerdem macht Radfahren munter. Wer mit dem Rad zur Arbeit oder zur Schule fährt, kommt dort wacher an, ist den ganzen Tag leistungsfähiger und weist 50 Prozent weniger krankheitsbedingte Fehlzeiten auf.
  • Radfahren macht den Verkehr sicherer, weil vom Fahrrad im Vergleich zum Auto eine viel geringere Unfallgefahr für andere ausgeht.
  • Radfahren ist für alle: Das Fahrrad eröffnet Menschen fast jeden Alters und aus allen sozialen Gruppen eine individuelle und kostengünstige Fortbewegung. Dies gilt insbesondere für den Alltagsverkehr bis zu zehn Kilometern sowie für den Freizeitverkehr. Auch mobilitätseingeschränkte Menschen können mit speziellen Rädern ihren Bewegungsradius erweitern und sind damit von Fahrdiensten unabhängig mobil.
  • Fahrradfahrende sind flexibel und schnell unterwegs. Das Fahrrad bringt dich schneller voran als die eigenen Füße, so dass eine zehnmal größere Strecke ohne zusätzlichen Energieaufwand zurückgelegt werden kann. In der Stadt bringt dich das Fahrrad auf Strecken von bis zu 5 Kilometern schneller ans Ziel als das Auto.
  • Radfahrende brauchen wenig Platz auf der Straße und beim Parken. Das schafft Raum für Fußgänger*innen, spielende Kinder, Grünflächen, Cafés und vieles mehr, was das öffentliche Leben ausmacht. Auch die Autofahrenden profitieren durch weniger Stau auf den Straßen.
  • Radfahrende kaufen meistens wohnortnah ein und stützen damit den lokalen Einzelhandel. Ganze 80% des Umsatzes lokaler Einzelhändler geht auf Kund*innen zurück, die mit dem Rad, zu Fuß oder dem ÖPNV kommen.

Die richtige Ausrüstung

Für alle Alltagsradler*innen können aber folgende Hinweise Orientierung bieten:

  • Bequem und alltagstauglich: Das Gesamtgewicht sollte 18 Kilogramm nicht überschreiten, die Reifenbreite mindestens 37 Millimeter betragen. Das Rad sollte über Schutzbleche sowie einen Gepäckträger mit einer Traglast von mindestens 25 Kilogramm verfügen.
  • Wartungsarm: Nabenschaltungen sind wartungsärmer als Kettenschaltungen und haben inzwischen auch große Übersetzungsvarianzen. Die Kette kann in einem geschlossenen Kettenschutz liegen. Federgabeln und Scheibenbremsen sind wartungsintensiver.
  • Verkehrssicher: Das Rad sollte mit einem Nabendynamo ausgerüstet sein, der auch bei Regen verlässlich und ausreichend Licht gibt; Vorder- und Rücklicht mit Standlichtfunktion. Achten Sie auf ein hochwertiges Bremssystem. Sofern das Fahrrad mit Felgenbremsen ausgerüstet ist, achten Sie auf Felgen mit Verschleißindikator und tauschen Sie die Felge bei angezeigtem Verschleiß aus. Unabhängig vom Bremsentyp ist die regelmäßige Kontrolle und der rechtzeitige Austausch der Bremsbeläge zu empfehlen.
  • Gesichert: Sichern Sie Ihr Rad möglichst immer über den Rahmen an einem festen Gegenstand. Massive Bügelschlösser sind besonders schwer zu knacken. Flexiblere Schlösser wie Panzerkabel und Kettenschlösser eignen sich hingegen besser, um Räder festzuketten oder zusammenzuschließen. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, kombiniert verschiedene Schlösser miteinander. Für wertvolle Räder lohnt sich eine Fahrradversicherung, die oft günstig über die Hausratversicherung abgeschlossen werden kann.

Was Sie noch tun können

  • Warten Sie Ihr Fahrrad regelmäßig oder schließen Sie mit einem Fahrradhändler einen Wartungsvertrag ab.
  • Kaufen Sie mit dem Fahrrad ein: Fahrradtaschen oder Lenkradkorb ermöglichen die sichere Beförderung kleinerer und mittlerer Lasten.
  • Mit einem Fahrradanhänger oder einem Lastenrad (mit oder ohne elektrischer Motorunterstützung) können Sie auch schwerere Lasten (z.B. Getränkekisten) oder Kinder einfach transportieren.
  • Nutzen Sie das Fahrrad in Kombination mit öffentlichen Verkehrsmitteln (z.B. Arbeits- oder Schulweg) - so können Sie auch längere Strecken umwelt- und klimaschonender zurücklegen.
  • Damit Ihre Kinder lernen, selbstständig, aktiv und sicher per Fahrrad zur Schule zu gelangen, können Sie einen Fahrradbus ins Leben rufen.
  • Machen Sie Urlaub mit dem Fahrrad.

Das E-Bike als Alternative

Für Pendler*innen, die längere Strecken zurücklegen müssen, kann ein E-Bike oder Pedelec eine gute Alternative sein. E-Bikes überbrücken größere Distanzen aus dem Umland in die Stadt mit Leichtigkeit. Denn für die Fahrer:innen fallen schon mal zwei entscheidende Dinge weg: Stau und hohe Spritpreise.

Laut Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) spart ein Pedelec gegenüber einem typischen Verbrenner-Auto rund 90 % der CO2-Emissionen ein. Entscheidend dabei ist, dass du Ökostrom lädst. Nur so bewegst du dich wirklich CO2-frei.

Radverkehr in Deutschland

Immer mehr Menschen fahren mit dem Fahrrad. Das belegen bundesweite Mobilitätsuntersuchungen wie Mobilität in Deutschland (MID). Insgesamt werden in Deutschland jedoch noch immer "nur" elf Prozent aller Wege mit dem Rad zurückgelegt.

Andere Länder sind Deutschland weit voraus: die Niederlande erreichen einen Radverkehrsanteil von 28 Prozent und Dänemark 16 Prozent. Insgesamt verliert die Autonutzung in den europäischen Großstädten wie Kopenhagen, Paris oder Berlin an Bedeutung. Die Menschen setzen zunehmend auf eine umweltfreundliche, sportliche, gesunde und unabhängige Fortbewegung.

Verkehrspolitik und Fahrradförderung

Auch die Bundesregierung fördert den Radverkehr im Sinne einer nachhaltigen, integrierten Verkehrsplanung. Ein wesentliches Instrument dieser Förderung ist der Nationale Radverkehrsplan. Der aktuelle Nationale Radverkehrsplan 3.0 - Fahrradland Deutschland 2030 folgt 11 Leitzielen und strebt unter anderem eine Verdopplung der gefahrenen Kilometer per Rad bis 2030 (Vgl. 2017) an. Das BMDV unterstützt den Radverkehr zudem mit einer Reihe von Förderprogrammen.

Öffentliche Fahrradverleihsysteme

Werden die Stärken der öffentlichen Verkehrsmittel mit den Vorteilen des Fahrrades verbunden, steigert das die individuelle Mobilität und nachhaltige Verkehrsmittelwahl (Nutzung im Verbund). Fahrradverleihsysteme haben meist mehrere Radverleihstationen, die häufig in der Nähe von Bahn- und Bushaltestellen verteilt sind. Damit können Einwohnerinnen und Einwohner sowie Besucherinnen und Besucher Fahrradfahrten auch spontan unternehmen.

Gesetzeslage

Das Radfahren tangiert viele rechtliche Aspekte: Welche Lichtanlagen sind am Fahrrad vorgeschrieben? Welche Wege muss und welche darf man als Radfahrender benutzen? Was muss man bei der Leitung von Radelgruppen beachten? Die rechtlichen Grundlagen finden sich unter anderem in der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO), der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO), dem Personenbeförderungsgesetz (PBefG) und der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV). Das Internetangebot vom ADFC Verkehrsrecht für Radfahrende bietet hierzu eine Übersicht zu das Radfahren betreffenden Paragraphen.

Tabelle: Luftschadstoffemissionen von Fahrzeugen

Schadstoff Pkw (Benzin) Pkw (Diesel) Fahrrad
Kohlenmonoxid (CO) 0,38 g/km 0,12 g/km 0 g/km
Stickoxide (NOx) 0,02 g/km 0,18 g/km 0 g/km
Feinstaub (PM10) 0,001 g/km 0,005 g/km 0 g/km

Quelle: Umweltbundesamt 11/2020

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