Radfahrer schwer verletzt: Ursachen und Folgen

Schätzungen des ADAC gehen davon aus, dass deutsche Straßen und Radwege jährlich von über 50 Millionen Radlern benutzt werden. Eine Fahrradfahrt dient der Fortbewegung und sportlicher Betätigung, ist aber nicht immer ein reines Vergnügen: Insbesondere, wenn sich ein Fahrradunfall ereignet.

Das Statistische Bundesamt ermittelte, dass sich im Jahr 2014 knapp 80.000 Fahrradunfälle ereigneten, bei denen über 14.500 Fahrradfahrer schwer verletzt wurden. 396 Fahrradfahrer kamen dabei ums Leben, was 12 Prozent aller Verkehrstoten entspricht.

Ein aktuelles Beispiel zeigt die Tragweite solcher Unfälle: Im Allgäu kam es zu einem schweren Verkehrsunfall, bei dem ein Radfahrer beim Überqueren einer Straße von einem Auto erfasst und lebensgefährlich verletzt wurde.

Häufige Ursachen von Fahrradunfällen

In 80 Prozent der Fahrradunfälle ereignete sich eine Kollision zwischen Auto und Fahrrad. Häufige Gründe sind Straßenschäden, unachtsame Passanten oder der tote Winkel im Auto. Einige Fahrradfahrer verursachen einen Fahrradunfall auch durch ihre riskante Fahrweise.

Immer häufiger verunglücken Fahrradfahrer ohne Fremdeinwirkung. Besonders in den Wintermonaten ist die Gefahr dazu laut einer Studie groß. Bei jedem dritten tödlichen Unfall mit dem Fahrrad sind keine weiteren Verkehrsteilnehmer beteiligt. Die Zahlen bezogen sich auf das Jahr 2023. Bei knapp 27.400 Radunfällen ohne weitere Beteiligte verletzten sich demnach rund 6.400 Menschen schwer und 147 tödlich.

Laut der UDV (Unfallforschung der Versicherer) gehen jeder dritte Alleinunfall auf das Konto mangelhafter Infrastruktur, wobei Verunglückte dies sogar als Hauptursache sehen. Vor allem Bordsteinkanten und Straßenbahnschienen machen es Radfahrenden der Studie zufolge schwer. Die meisten Stürze passierten zwischen Dezember und Februar. Nässe, Eis, Schnee und Laub seien besonders gefährlich.

Unfälle mit Pedelecs führten häufiger zu schweren Verletzungen als solche mit nichtmotorisierten Rädern. Pedelecs seien schwerer, beschleunigten stärker und seien "daher nicht ganz leicht zu handhaben", so Zeidler.

Verletzungen und Gesundheitliche Aspekte

Ein Fahrradunfall kann zu schwerwiegenden körperlichen Schäden führen, weshalb die Frage nach Schmerzensgeldansprüchen im Zentrum eines jeden Fahrradunfalls steht. Schäden am Fahrrad selbst betragen dagegen oftmals nur einen Bruchteil der Schmerzensgeldansprüche.

So schön es ist, auf dem Bike unterwegs zu sein: Wer Fahrrad fährt, hat ein gewisses Verletzungsrisiko. Zum einen kann hartes Training zu einer Überlastung des Körpers und damit einhergehenden Beschwerden führen, zum anderen kann ein Sturz oder Unfall Verletzungen hervorrufen.

Nicht-traumatische Verletzungen

Eine länger andauernde Überlastung kann nicht-traumatische Verletzungen, also Verletzungen ohne Gewalteinwirkung von außen, hervorrufen. Treten beim Radfahren Beschwerden an Zeige-, Mittelfinger oder Daumen auf, kann ein hoher Druck auf dem Ausgang des Karpaltunnels der Grund dafür sein.

Das Knie ist während der Fahrt einer harten Belastungsprobe ausgesetzt, denn bei jedem Tritt wird das Gelenk beansprucht. Ein durchschnittlicher Fahrer fährt mit einer Trittfrequenz von 60-80 Kurbelumdrehungen pro Minute. Profisportler kommen auf bis zu 110 Umdrehungen pro Minute.

Eine Entzündung der Achillessehne äußert sich durch Schmerzen und Steifheit im Bereich der Sehne, die sich beim Radfahren verstärken. Die Ursache dafür kann ein zu hoch eingestellter Sattel sein. Die Gründe für Rücken- und Nackenschmerzen sind mannigfaltig. Ein zu hoher oder zu geneigter Sattel kann genauso dafür verantwortlich sein, wie ein nicht richtig eingestellter Lenker oder ein zu kleiner oder zu großer Rahmen.

Traumatische Verletzungen

Zu diesen Verletzungen zählen alle, die durch Krafteinwirkung von außen entstehen. Im Fall von Radfahrern ist das meist ein Sturz. Kommt es zu einem direkten Aufprall, ist häufig das Schlüsselbein von einem Riss oder Bruch betroffen.

Wer mit Schwung vom Fahrrad fällt, trifft häufig mit Schulter und Kopf voran auf dem Boden auf. Eine Luxation, also das Auskugeln des Schultergelenks, kann die Folge sein. Dabei können auch die Bänder, die das Schlüsselbein und Schulterblatt zusammenhalten, überdehnt werden. Manchmal bricht auch das Schlüsselbein.

Der Reflex, die Hand bei einem Sturz auszustrecken, um die Landung abzufedern, kann zu Verletzungen führen. Häufig treten Brüche im Handgelenk, im Daumen oder im Unterarm auf. Bänderzerrungen und -risse entstehen, wenn der Daumen, Finger oder die ganze Hand bei einem Aufprall nach hinten gedrückt werden.

In den unteren Extremitäten kommt es vor allem zu Schürfwunden, Platzwunden und Prellungen. Nach Sprüngen treffen Mountainbiker oft mit einem Fuß auf, der die gesamte Einschlagkraft zu spüren bekommt.

Rechtliche Aspekte nach einem Fahrradunfall

Bei einem Fahrradunfall müssen die gleichen Maßnahmen wie bei einem Autounfall getroffen werden. Fahrradfahrer sind zur Absicherung der Unfallstelle verpflichtet und müssen etwaigen Verletzten helfen. Bei einem Fahrradunfall stehen stets die beiden Delikte "Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort" (§ 142 StGB) und "Unterlassene Hilfeleistung" (§ 323c StGB) im Raum.

Wenn der Radfahrer selbst Unfallopfer ist, kann er Schadensersatz verlangen, unter anderem Schadensersatz für ein beschädigtes Fahrrad und Schmerzensgeld. Die Geltendmachung erfolgt gegenüber dem Unfallgegner oder gegenüber der Haftpflichtversicherung des Fahrers. Gegen die Versicherung besteht ein Direktanspruch, weshalb die Kfz-Versicherung direkt in Anspruch genommen werden kann.

Bei einem Fahrradunfall bekommt der Autofahrer sehr oft eine Teilschuld zugesprochen. Dies liegt an der sogenannten "Betriebsgefahr" des Autos: Grundsätzlich geht von jedem Auto eine Gefahr aus. Die für Autofahrer ungünstige Regelung bezieht also die Tatsache ein, dass Autos prinzipiell gefährlicher sind als Fahrräder.

Wurde ein Fahrradfahrer oder eine Fahrradfahrerin mit dem Auto angefahren und hat sich -eventuell auch nur leicht- verletzt, kommt auf den Autofahrer häufig noch ein Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung zu.

Was tun nach einem Unfall?

Das sollten Sie nach einem Unfall beachten, um Ansprüche gegenüber der gegnerischen Kfz-Haftpflichtversicherung zu sichern:

  • Gehen Sie bei Schmerzen und Verletzungen sofort zum Arzt.
  • Bei Streit über den Unfallhergang die Polizei rufen.
  • Zu Beweiszwecken Fotos der beteiligten Fahrzeuge (Kfz-Kennzeichen) und entstandenen Schäden machen.
  • Namen, Anschrift und Telefonnummer etwaiger Zeugen notieren.
  • Nutzen Sie den Unfallbericht zur Dokumentation des Unfalls.

Als ADAC Mitglied erhalten Sie eine erste kostenfreie Beratung telefonisch oder vor Ort bei einer oder einem der 500 ADAC Vertragsanwältinnen und Vertragsanwälte. Bei einem unverschuldeten Unfall muss die gegnerische Versicherung auch Ihre Anwaltskosten tragen.

Ob Sie sich den Schaden auszahlen oder Ihr Fahrrad reparieren lassen, ist ganz allein Ihre Entscheidung. Wenn Sie Ihr Fahrrad reparieren lassen, werden die Kosten in Höhe der Reparaturrechnung samt Mehrwertsteuer erstattet. Bei einem Totalschaden erhalten Sie den im Gutachten angegebenen Wiederbeschaffungswert abzüglich des Restwerts Ihres Fahrrads.

Suchen Sie unbedingt sofort einen Arzt auf, wenn Sie verletzt sind, und lassen Sie dies dokumentieren. Dies ist unerlässlich, wenn Sie Schmerzensgeld fordern möchten. Sie können eine Unkostenpauschale von ca. 30 Euro für allgemeine Kosten wie Telefonkosten oder Porto im Zusammenhang mit dem Unfall bei der gegnerischen Versicherung geltend machen. Wer bei einem Unfall schwer verletzt wird, hat gegen den Verursacher einen Anspruch auf Ausgleich des Haushaltsführungsschadens.

Wo macht man Ansprüche geltend?

Geschädigte Radfahrerinnen und Radfahrer können ihre Ansprüche direkt bei der gegnerischen Kfz-Haftpflichtversicherung geltend machen. Ist diese nicht bekannt, weil vielleicht kein Unfallbericht vorliegt, können Sie diese anhand des Kfz-Kennzeichens über den Zentralruf der Autoversicherer recherchieren.

Statistiken und Verkehrssicherheit

Die Straßenverkehrsunfallstatistik hat das Ziel, Strukturen des Unfallgeschehens und Abhängigkeiten zwischen unfallbestimmenden Faktoren aufzuzeigen. Die Ergebnisse dieser Bundesstatistik dienen der Gewinnung zuverlässiger, aktueller und bundesweit vergleichbarer Daten für vekehrszweigübergreifende Unfallrisikovergleiche und schaffen eine notwendige Grundlage für die staatliche Verkehrspolitik.

Zeitraum Anzahl der Straßenverkehrsunfälle
Erste Hälfte 2025 1,21 Millionen

Der interaktive Unfallatlas der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder zeigt das Unfallgeschehen auf regionaler Ebene: Wo passieren in meiner Stadt die meisten Verkehrsunfälle? Wo bin ich auf dem Weg zur Arbeit besonders gefährdet? Wo gab es Unfälle mit Verkehrstoten?

Die Vorteile des Radfahrens überwiegen Nachteile wie Verletzungen und Überlastungen. An sich ist Radfahren gesund und gelenkschonend. Die meisten Prellungen und Knochenbrüche heilen nach einigen Wochen gut ab und die wenigsten Fahrradfahrer beschweren sich über ihre Leiden.

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