Fahrradunfälle in Dortmund: Eine Analyse der Statistik und Maßnahmen zur Verkehrssicherheit

Die Straßen in Dortmund sind unsicherer geworden, dies betrifft die absolute Zahl der Verkehrsunfälle. Laut dem aktuellen Verkehrsbericht des Polizeipräsidiums Dortmund stieg die Gesamtzahl der polizeilich registrierten Unfälle um 3,5 Prozent auf 25.458.

Nachdem die Unfallstatistik in den Pandemiejahren etwas zurückgegangen ist, steigt sie nun wieder leicht an. Auffallend ist, dass es auch viele Opfer gibt, die nicht einmal mit einem Kraftfahrzeug unterwegs waren. Im laufenden Jahr sind bereits zwei Menschen nach Fahrrad-Unfällen in Dortmund gestorben.

Dortmund - Nachdem die Unfallstatistik in den Pandemiejahren etwas zurückgegangen ist, steigt sie nun wieder leicht an. Auffallend ist, dass es auch viele Opfer gibt, die nicht einmal mit einem Kraftfahrzeug unterwegs waren.

Die Polizei Dortmund hat ihren Bericht zum Unfallgeschehen in Dortmund und Lünen veröffentlicht. Das steigende Interesse an dieser umweltfreundlichen und gesundheitsfördernden Fortbewegungsmethode [Fahrrad], spiegelt sich auch bei den Verunglücktenzahlen wider.

Insgesamt zählten die Statistiker im vergangenen Jahr 92.882 Fahrradunfälle mit sogenanntem Personenschaden. 360 Radfahrer*innen sind in Dortmund verunglückt. Das sind 3,2% mehr als 2015. Insgesamt bleibt die Zahl in den letzten Jahren eher konstant (2012: 358; 2013: 313; 2014: 317; 2015: 349). In Lünen sind 103 Radfahrer*innen verunglückt. Auch hier bleibt die Zahl in den letzten Jahren eher konstant (2012: 90; 2013: 78; 2014: 98; 2015: 86). 15,6 % der Verunglückten waren Radfahrer*innen.

Doch es gibt auch positive Nachrichten: Trotz des Anstiegs der Unfallzahlen verzeichnet die Polizei einen Rückgang bei den Verletzten. So wurden im Jahr 2024 insgesamt 1.879 Personen leicht verletzt, was einem Rückgang von 3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Die Zahl der Schwerverletzten sank sogar um 11,7 Prozent auf 204 Personen. „Diese Entwicklung ist erfreulich, trübt aber nicht den ernsten Blick auf die sieben tödlichen Verkehrsunfälle“, heißt es im Bericht der Polizei.

Tödliche Fahrradunfälle in Dortmund im Jahr 2024

Mehrere tragische Fälle verdeutlichen die Gefahren für Radfahrer in Dortmund:

  • Im April 2024 ist an der Evinger Straße Höhe Kemminghauser Straße eine Radfahrerin unter einen Sattelzug geraten und verunglückt.
  • Ein Pedelecfahrer, der einen Unfall am 12. Januar 2024 nicht überlebte. Er stürzte auf einer winterglatten Fahrbahn und schlug mit dem Kopf auf einem Bordstein auf. Er trug keinen Helm und erlag den Verletzungen.
  • Eine Pedelecfahrerin, die am 23. April 2024 von einem Lkw überrollt wurde. Der Fahrer übersah die Frau, als er von der Evinger in die Kemminghauser Straße abbiegen wollte.

Trauer herrschte auch in Eving, wo ein 11-jähriger Junge am 2. Juli 2024 bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. Er und seine Schwester wurden von einem 19-Jährigen überfahren, der unerlaubt wendete, beschleunigte und über die rote Ampel fuhr.

Sogenannte „Ghost Bikes“ erinnern als Mahnmale an im Verkehr getötete Radfahrer, die die Unfälle nicht verschuldet haben.

Risikogruppen und Unfallursachen

Der Verkehrsbericht zeigt zudem einen deutlichen Wandel im Mobilitätsverhalten der Dortmunder. Während die Zahl der verunglückten Fahrer klassischer Fahrräder seit 2021 rückläufig ist, steigt sie bei Pedelec-Fahrern und E-Scooter-Nutzern kontinuierlich an. Bei den E-Scootern verzeichnet die Statistik einen Anstieg von 19,4 Prozent bei den Verunglückten - von 103 auf 123 Personen.

Eine Ausnahme bilden hier radelnde Kinder: Mit ihnen gab es 40 Unfälle. Hier wurde sogar der Höchstwert seit 2019 erreicht. Die Polizei will nun ihre Präventionsangebote weiter ausbauen. Kinder sind nach Angaben der Polizei besonders an Bushaltestellen und zwischen parkenden Autos gefährdet. „Wir appellieren an alle Fahrzeugführenden, an Bussen mit eingeschalteter Warnblinkanlage nur mit Schrittgeschwindigkeit vorbeizufahren und bremsbereit zu sein.

Zu den häufigsten Unfallursachen gehören die üblichen Gründe: zu geringer Abstand, zu hohes Tempo, Fehler beim Abbiegen, Überholmanöver, Vorfahrtverstöße, Ablenkung durch elektronische Geräte, sowie Fehlverhalten zu Fuß oder auf dem Fahrrad.

Analysen im Zusammenhang mit der Verursacherfrage kommen zu dem Ergebnis, dass etwa jeder vierte Fahrradfahrer einen Unfall mit Personenschaden selbst verursacht hat, indem er die Vorfahrt missachtete oder fehlerhaft abgebog. Im Bereich der Polizeidirektion waren Radfahrer*innen 2.276 mal von Maßnahmen betroffen aufgrund Fehlverhalten beim Radfahren, was nicht als Hauptunfallursache erfasst wird im Gegensatz zum Fehlverhalten von Fußgänger*innen. Allein aufgrund Ablenkungen durch das Mobiltelefon waren es ansonsten schon 5.577 Maßnahmen.

Helm tragen - Vorbild sein!

Auffallend ist ein Trend: Der Polizei fällt auf, dass bei radfahrenden Familien meist die Kinder Helme tragen, die Eltern jedoch nicht. Das wirkt sich negativ auf die Vorbildfunktion aus. Die Polizei fordert auch die Eltern und Großeltern auf, Helme zu tragen. Zur eigenen Sicherheit und um ein Vorbild zu sein.

Die Dortmunder Polizei plädiert noch einmal an alle Radfahrer, im Straßenverkehr einen Helm zu tragen. Dennoch scheint Helmtragen ein wichtiges Thema zu sein für die Polizei. Die Jugendverkehrsschule Lünen rühmt sich einer Helmtragequote von fast 100 %.

Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit

Um die Verkehrssicherheit zu erhöhen, hat die Stadt Dortmund in Zusammenarbeit mit der Polizei mehrere neue Maßnahmen eingeleitet. Dazu gehört ein Pilotprojekt zur Einrichtung von Schulstraßen. Zudem wurden an mehreren Schulen Hol- und Bringzonen eingerichtet, um Eltern-Taxis zu reduzieren und Kinder zu ermutigen, den restlichen Schulweg selbstständig zu Fuß zurückzulegen.

Auch weitere Bedrohungen für Radfahrer werden nun angegangen. Die Niederlande will E-Bike-Fahrer mit Software zum Langsamfahren zwingen.

Gefährliche Situationen gibt es in Dortmund in Nordrhein-Westfalen regelmäßig, gegenwärtig werden von dort 294 Gefahrenstellen gemeldet. Insbesondere für Radfahrer und Fußgänger ist es an diesen Stellen besonders gefährlich. Den Meldungen von vor Ort zufolge entsteht Gefahr hier insbesondere durch Fehlverhalten der Fahrer.

Besonders viele Meldungen bzw. Kommentare zu Gefahrenstellen in Dortmund, aktuell 39, finden sich in der Nähe von:

  • Hohe Straße 4 (44139 Dortmund)
  • Rheinische Straße 37 (44137 Dortmund)
  • L609 (44359 Dortmund)

Vorsicht ist rund um alle Gefahrenstellen im Bereich Dortmund geboten, die Unfallgefahr kann hier deutlich erhöht sein.

Hier eine Liste von weiteren Gefahrenstellen in Dortmund:

  • Flughafenstr. - Brackeler Hellweg
  • Leni-Rommel-Str.
  • Zillestraße - Heideblick
  • Hiltropwall - Hövelstraße
  • Lindemannstraße - Neuer Graben
  • Leopoldstraße - Münsterstraße
  • Rheinische Straße - Wittener Straße
  • Hohe Straße - Dudenstraße
  • Neuer Graben - Große Heimstraße
  • Am Zehnthof - Lange Reihe
  • Schüruferstraße - Auffahrt B236n FR Lünen
  • Brackeler Straße - Lüner Straße
  • Hohenzollernstraße - Arndtstraße
  • Rheinlanddamm - Wittekindstraße
  • Brackeler Hellweg Nr. 121
  • Westfalendamm - Obere Brinkstraße
  • Europaplatz - Lissaboner Allee
  • Borsigplatz
  • Schützenstraße - Mozartstraße
  • Münsterstraße - Kleiststraße
  • Willem-van-Vloten-Straße - Semerteichstraße
  • Schützenstraße - Grüne Straße
  • Wittbräucker Straße - Viermärker Weg
  • Westfalendamm Nebenfahrbahn - Karl-Liebknecht-Straße
  • Mallinckrodtstraße - Uhlandstraße
  • Weißenburger Straße - Geschwister-Scholl-Straße
  • Rheinische Straße - Hoher Wall
  • Hörder Bahnhofstraße Nr.

Bundesweite Entwicklung und Vergleiche

Jeder sechste Verkehrstote ist ein Fahrradfahrer - das zeigen Unfallzahlen des Statistischen Bundesamts. Im vergangenen Jahr starben nach vorläufigen Ergebnissen 441 Radfahrerinnen und Radfahrer auf deutschen Straßen. Die Zahl der getöteten Radler lag 2024 um 11,4 Prozent höher als 2014. Dabei ist die Zahl der Verkehrstoten in diesen zehn Jahren insgesamt um 18,3 Prozent auf 2.759 gesunken.

«Der Anstieg ist vor allem auf die steigende Zahl an getöteten Pedelec-Nutzenden zurückzuführen», stellen die Statistiker fest. Von den 2024 getöteten Fahrradfahrern waren 192 mit einem E-Bike unterwegs.

Auch hier hat das Bundesamt eine klare Antwort: «Ältere Radfahrende sind im Straßenverkehr besonders gefährdet.» Unter den tödlich verletzten Fahrradfahrern waren 2024 knapp zwei Drittel 65 Jahre oder älter. Während der Anteil von verunglückten Senioren mit normalen Fahrrädern bei 59,4 Prozent lag, waren 68,8 Prozent der Getöteten aus E-Bikes 65 Jahre oder älter.

An einem Großteil der Fahrradunfälle mit Verletzten war ein zweiter Verkehrsteilnehmer beteiligt. In 70,7 Prozent der Fälle war das ein Auto. 44.424 Fahrradunfälle mit Personenschaden gingen also auf einen Zusammenprall mit einem Auto zurück.

In rund der Hälfte der Fälle waren die verunglückten Radfahrerinnen und Radfahrer an dem Unfall selbst Schuld, wie die Statistiker ausführen. «Je nach Unfallgegner zeigen sich allerdings Unterschiede.» Bei Unfällen mit Fußgängern wurde den Radfahrern in 57 Prozent der Fälle die Hauptschuld angelastet. Kollisionen mit Krafträdern wurden in 50 Prozent der Fälle von Radfahrern verschuldet. Waren Autofahrer beteiligt, trugen die Radler nur in 25 Prozent der Fälle die Hauptschuld. Bei Fahrradunfällen mit Lastwagen lag der Anteil noch darunter: Nur bei 21 Prozent wurde die Hauptschuld bei den Radlern gesehen.

Die meisten tödlichen Unfälle passieren bei Kollisionen mit Autos. «Besonders problematisch sind dabei Kreuzungen und Zufahrten», sagt Unfallforscherin Zeidler. «Hier gilt es Sicht zu schaffen, etwa das Zuparken zu verhindern. Auch eigenes Ampel-Grün für Abbiege- und Radverkehr ließe Unfälle vermeiden.»

Der ADFC fordert mehr und bessere Radwege. «Dass Fahrradunfälle zunehmen, ist allerdings kein Wunder», erklärt Bundesgeschäftsführerin Caroline Lodemann. «Radwege sind oft kaputt, von Hindernissen übersät, viel zu schmal, zugeparkt oder fehlen - beispielsweise an Landstraßen - oft ganz.» Viel zu häufig müssten sich Radfahrer die Fahrbahn mit Autos teilen. «Das bringt Stress und Gefahr für alle Beteiligten.» 70 Prozent der Befragten des ADFC-Fahrradklima-Tests fühlten sich im Straßenverkehr nicht sicher.

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