Innerorts ist jeder vierte Getötete im Straßenverkehr ein Radfahrer. Als besonders gefährlich haben sich Konflikte zwischen abbiegenden Kraftfahrzeugen und geradeausfahrenden Radfahrern herausgestellt. Eine Unfallart, die fast ausschließlich vom Autofahrer verursacht wird und in 80 Prozent der Fälle mit Verletzten endet.
Häufige Ursachen und Risikofaktoren
Autofahrer vergessen beim Abbiegen viel zu oft den Schulterblick oder können wegen Sichtbehinderungen und ungünstig geführter Radwege gar nichts sehen. Deshalb kommt es häufig zu schweren Unfällen mit geradeausfahrenden Radfahrern.
Die häufigsten Fehler traten beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren auf. Zweithäufigste Unfallursache war das Missachten der Vorfahrt beziehungsweise des Vorrangs. Vorfahrtsfehler sind die zweithäufigste Ursache für Unfälle mit Personenschaden.
Ergebnisse der UDV-Studie:
- Unfälle mit abbiegenden Kfz und geradeausfahrenden Radlern passierten zu zwei Drittel beim Rechtsabbiegen.
- Unfälle mit Verletzten waren sechsmal so häufig wie im Gesamtunfallgeschehen.
- In 90 Prozent der Fälle hatte der Kfz-Fahrer die Hauptschuld.
- Anteil der Lkw und Lieferwagen unter den Unfallgegnern: 11 Prozent.
- Unfallauffällig waren an Ampeln vor allem Radwege, die zwischen zwei und vier Meter von der Straße abgesetzt waren. Bei Kreuzungen ohne Ampeln waren es die, die mehr als vier Meter abgesetzt waren. Hier waren oft Sichtbehinderungen vorhanden.
- Unfallbegünstigende Faktoren: Linksfahrende Radfahrer, Radfahrer auf dem Gehweg und abschüssige Straßen.
- Bei der Verhaltensbeobachtung wurde vor allem der fehlende Schulterblick festgestellt (in jedem 5. Fall). Bei Konflikten mit Radfahrern hatte sogar jeder dritte Autofahrer den Schulterblick „vergessen“.
- Häufigste Fehler bei den Radlern: Fahren in falscher Richtung und queren an Fußgängerfurten.
Bei den Kraftfahrzeugen sollten nach Ansicht der UDV Abbiegeassistenten weiterentwickelt und die Chancen der Vehicle-to-Vehicle-Kommunikation (Informationsaustausch zwischen Fahrrad und Auto) genutzt werden.
Vorfahrtsunfälle im Detail
Vorfahrts- und Vorrangunfälle sind vor allem ein innerstädtisches Problem: 45.489 Fehler dieser Art machten Verkehrsteilnehmende 2024, davon 34.324 innerorts - knapp 75 Prozent! Außerdem sind Vorfahrtsverletzungen die zweithäufigste Unfallursache innerorts. In etwa jeder siebten Unfallursache (14,7 Prozent) innerhalb geschlossener Ortschaften war ein Vorfahrts- oder Vorrangfehler.
Laut Statistischem Bundesamt lag 2024 bei Fahrradunfällen mit Personenschaden in rund 80 Prozent der Fälle die Hauptschuld bei Fahrenden des Güterkraftfahrzeugs, bei Unfällen zwischen Pkw und Fahrrädern zu etwa 75 Prozent bei den Pkw-Fahrenden. Insgesamt 210 Radfahrerinnen und Radfahrer kamen bei Zusammenstößen mit Pkw und Lkw ums Leben.
Die drei häufigsten Vorfahrts- und Vorrangfehler aller Fahrenden bei Unfällen mit Personenschaden:
- Nichtbeachten der die Vorfahrt regelnden Verkehrszeichen (31.879)
- Nichtbeachten der Verkehrsregelung durch Polizeibeamte oder Lichtzeichen (6.299)
- Nichtbeachten der Regel „rechts vor links“ (5.392)
Insgesamt gab es 7032 Unfälle mit Fahrradbeteiligung. Das ist ein Rückgang um 5,6 Prozent zum Vorjahr. Körperlich zu Schaden kamen 4810 Radfahrer:innen, was knapp sieben Prozent weniger sind als 2022.
Mit Abstand die meisten Unfälle gegenüber Radfahrer:innen fallen unter die Kategorie „Fehler beim Abbiegen“. Konkret heißt das: Radfahrer:innen fahren auf dem Radweg, das Kfz biegt rechts ab, entweder bei einer Kreuzung oder einer Einfahrt, missachtet dabei die Vorfahrt der Radfahrer:innen - es kommt zum Zusammenprall. 1571 Radfahrer:innen wurden 2023 hierbei verletzt, drei davon wurden getötet.
Empfehlungen zur Verbesserung der Sicherheit
An die Autofahrer appelliert Brockmann angesichts der oft unübersichtlichen Abbiegesituationen, den Schulterblick konsequent anzuwenden und im Zweifel auch mehrmals zu schauen. „Radfahrer sollten an Kreuzungen besonders aufmerksam sein und zur eigenen Sicherheit auch einmal auf ihr Vorfahrtsrecht verzichten“, rät Brockmann.
Schließlich müssen die Verkehrsräume so gestaltet werden, dass im Kreuzungsbereich eine freie Sicht auf die Radfahrer gegeben ist. Der Radverkehr sollte daher auf Radwegen nahe an der Fahrbahn oder auf Radfahrstreifen auf der Fahrbahn geführt werden. Wo möglich, sollten eigene Ampelphasen für Radfahrer geschaltet werden.
Tipps für Kraftfahrende:
- Besonders beim Rechtsabbiegen das Tempo reduzieren, den mehrmaligen Schulterblick nicht vergessen und auf Radfahrerinnen bzw. Radfahrer und Fußgängerinnen bzw. Fußgänger achten, die sich im toten Winkel befinden können.
- Wenn Sie mit dem Lkw unterwegs sind, kann ein elektronischer Abbiegeassistent helfen, Unfälle zu vermeiden. Blicken Sie beim Abbiegen mehrfach in die Spiegel, um sicherzugehen, dass sich keine am Verkehr teilnehmende Person im toten Winkel befindet.
- Nutzen Sie beim Einordnen in den fließenden Verkehr, beim Abbiegen, beim Fahren entlang einer abknickenden Vorfahrtstraße, beim Überholen und Herausfahren aus einem Kreisverkehr immer den Blinker.
- Drosseln Sie an Fußgängerüberwegen (Zebrastreifen) grundsätzlich Ihr Tempo und seien Sie dort besonders bremsbereit.
Tipps für Radfahrerinnen bzw. Radfahrer und Fußgängerinnen bzw. Fußgänger:
- Beachten Sie, dass Sie auf dem Fahrrad beim Nutzen eines Zebrastreifens keine Vorfahrt haben. Sie müssen absteigen und das Fahrrad über den Fußgängerüberweg schieben.
- Autofahrende und besonders Führende von Güterkraftwagen haben nur einen sehr eingeschränkten Rundumblick.
- Sorgen Sie als Fahrradfahrerin bzw. Fahrradfahrer oder Fußgängerin bzw. Fußgänger dafür, dass Sie insbesondere bei Dunkelheit für andere Verkehrsteilnehmende gut zu sehen sind - durch Kleidung oder Zubehör aus reflektierendem und fluoreszierendem Material und durch funktionierende Beleuchtung am Rad.
- Achten Sie beim Radfahren auf kombinierten Rad- und Fußwegen auf Fußgängerinnen und Fußgänger, insbesondere auf ältere Menschen und Kinder. Rechnen Sie stets damit, dass diese auf den Radweg treten.
Unsere Forderungen: Alle Lkw und Busse müssen mit Abbiegeassistenten mit Notfallstopp ausgestattet werden. Stärkere Polizeikontrollen sollen sicherstellen, dass Lkw die vorgeschriebene Schrittgeschwindigkeit beim Abbiegen einhalten. Außerdem müssen Radfahrende und Kfz sich besser sehen können - mit geschützten Radwegen, die bis an Kreuzungen heranreichen, wäre das gewährleistet.
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