Radlagerwechsel am Motorrad: Eine detaillierte Anleitung

Radlager sind sicherheitsrelevante Komponenten in einem Fahrzeug und gewährleisten eine reibungsarme Rotation der Räder. Sie sind jedoch einer hohen Belastung ausgesetzt und müssen regelmäßig überprüft werden. Ein wichtiges Indiz für ein verschlissenes Radlager ist zu viel Spiel.

Vorbereitung und Werkzeuge

Bevor Sie mit dem Wechsel des Radlagers beginnen, müssen Sie das jeweilige Rad ausbauen. Für den Wechsel des Radlagers benötigen Sie einen Schlüsselsatz, einen passenden Drehmomentschlüssel sowie eine geeignete Hydraulikpumpe, um das Radlager aus der Fassung zu entfernen.

Ausbau des alten Radlagers

  1. Entfernen Sie die Distanzbuchse und den Wellendichtring.
  2. Entfernen Sie den Sicherungsring mit einer Zange.
  3. Erhitzen Sie die Nabe mit einem Brenner, um das Lager leichter herauszubekommen.
  4. Lösen Sie das Kugellager mit einem Schraubenzieher und einem Hammer.
  5. Reinigen Sie die Nabe sorgfältig.

Hinweis: Um die alten Radlager rauszubekommen, muss man die Lagersitze mit Lötlampe oder Heißluftfön ordentlich erhitzen. Dabei hilft der “Spucketest”: Etwas Spucke an den Finger und kurz an den Lagersitz tippen. Dann das Rad auf zwei Holzklötze legen (damit die Radnabe nicht auf dem Untergrund aufliegt) und das erste Radlager von innen vorsichtig mit einem großen Schraubenzieher (oder Durchschlag) und einem Hammer rausklopfen. Die Distanzhülse zwischen den Lagern lässt sich dafür ein bisschen zur Seite drücken, damit der Schraubenzieher auf dem Innenring des Lagers Halt findet. Damit das Lager nicht verkantet, immer abwechselnd links und rechts klopfen. Irgendwann macht es dann “Klonk” und das Lager liegt auf dem Tisch. Achtung, heiß!

Sollte ein Lager so festsitzen, dass es trotz Wärme und gefühlvoller Gewalt nicht rauskommt, hilft das Schweißgerät. Entweder eine alte Schraube quer über den Innenring schweißen, oder die Achsbohrung gleich komplett zuschweißen. Dann ist das Lager erstens ordentlich heiß und zweitens kann man sehr viel besser mit dem Schraubenzieher ansetzen, ohne abzurutschen oder das Lager zu verkanten.

Einbau des neuen Radlagers

  1. Montieren Sie das erste Rillenkugellager auf einer Seite der Nabe.
  2. Vergessen Sie den Sicherungsring nicht.
  3. Setzen Sie die Distanzhülse ein.
  4. Wiederholen Sie den Vorgang auf der gegenüberliegenden Seite.
  5. Befestigen Sie die Rillenkugellager und Sicherungsringe fest.
  6. Montieren Sie die neuen Wellendichtringe.

Der Einbau läuft wie der Ausbau, nur umgekehrt: Lagersitz säubern, Radnabe erhitzen, ein Lager vorsichtig mit dem Hammer einschlagen. Dabei nicht direkt auf das Lager schlagen, sondern das alte Lager als Auflage verwenden. Immer abwechselnd links und rechts auf den Außenring schlagen, damit das Lager nicht verkantet. Wenn die Lagersitze gut erhitzt sind, sollten die neuen Lager ohne großen Widerstand reinrutschen. Das ist völlig unbedenklich, solange im kalten Zustand nichts rumklappert. Unbedingt darauf achten, dass die Lager wirklich komplett eingeschlagen sind!

Wenn die Distanzhülse lose hin- und herwackelt, sind die Lager nicht weit genug drin und würden bei angezogener Achse durch die seitliche Belastung schnell verschleißen. Das Gleiche passiert, wenn die Lager zu tief eingeschlagen sind. (Was normalerweise kaum möglich ist.) Das erkennt man daran, dass sich die Lager nicht frei drehen lassen. Wenn die Lager sich (mit einem gewissen Widerstand) frei drehen lassen und die Distanzhülse nur geringes Spiel hat, passt alles.

Wichtige Hinweise und Tipps

  • Das gleichmäßige Einpressen über den Aussenring ist ein Muss und die Gewähr dass ein neues Lager nicht beschädigt wird.
  • Es ist aus der Erfahrung besser sich ein Set vom Fahrzeughersteller zu kaufen, da sind meist auch die kleineren Teile wie Splinte, Sicherungen oder auch wenn erforderlich Simmeringe inkludiert.
  • Weiters sind die Bezeichnungen nicht immer Ident.
  • Schmierung: Eine ausreichende Schmierung der Radlager ist entscheidend, um Reibung und Verschleiß zu reduzieren.
  • Schutz vor Feuchtigkeit und Schmutz: Halten Sie die Radlager frei von Feuchtigkeit, Schmutz und anderen Ablagerungen.
  • Vermeidung von Überlastung: Übermäßige Belastungen können die Radlager stark beanspruchen und zu vorzeitigem Verschleiß führen.
  • Fahrweise: Eine rücksichtsvolle Fahrweise kann ebenfalls dazu beitragen, die Lebensdauer der Radlager zu verlängern.

Kosten für den Radlagerwechsel

Die Kosten für Radlager variieren normalerweise zwischen 50 und 300 Euro, abhängig vom Modell und Hersteller Ihres Fahrzeugs. Bei einem Stundenlohn von 100 Euro ergeben sich Kosten für den Radlagerwechsel von 150 bis 400 Euro. Die Gesamtkosten belaufen sich somit auf etwa 200 bis 850 Euro.

Tabelle: Übersicht der Kosten für den Radlagerwechsel

Kostenfaktor Preisspanne
Radlager 50 - 300 Euro
Arbeitskosten (bei 100 Euro Stundenlohn) 150 - 400 Euro
Gesamtkosten 200 - 850 Euro

Häufige Fehler beim Radlagerwechsel

Ein Radlagerwechsel verursacht hohe Kosten, wenn dieser nicht fachgerecht ausgeführt wurde. Der wohl häufigste Fehler besteht darin, nur ein Radlager zu wechseln. Zum einen ist es wahrscheinlich, dass das zweite Radlager ebenfalls bald ausgetauscht werden muss. Zum anderen führt ein solcher einseitiger Wechsel zu einem Ungleichgewicht. Dadurch werden die Radlager unterschiedlich stark belastet, was zu einem schnelleren Verschleiß des neuen Radlagers führen kann. Aus diesem Grund ist es wichtig, immer beide Radlager gleichzeitig auszutauschen.

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