Race Across Germany: Die Strecke von Flensburg nach Garmisch-Partenkirchen

Das "Race Across Germany" ist ein jährlich stattfindendes Ultracycling-Radrennen quer durch Deutschland, das in der Ultracycling-Szene jährlich an Zuspruch gewinnt und die Teilnehmerzahlen wachsen seit einigen Jahren stetig an.

Die Nord-Süd-Variante: Flensburg nach Garmisch-Partenkirchen

Anfang Juli startet die Nord-Süd-Variante des Race Across Germany in Flensburg (Nord-Deutschland) nach Garmisch-Partenkirchen (Süd-Deutschland) mit einer Streckenlänge von 1.100 Kilometern und 7500 Höhenmetern. Das Zeitlimit beträgt 60 Stunden.

Die Geschichte des Rennens

Dieter Göpfert, der Veranstalter des Race Across Germany, bezeichnet sich selbst als "Veranstalter aus Leidenschaft" und organisiert die Events mit Leib und Seele. Die Rennen sind familiär, die sportliche Leistung jedes einzelnen steht im Mittelpunkt und großes Rahmenprogramm findet rund um das Rennen wenig bis kaum statt.

Dieter Göpfert fuhr 1998 die "Styrkeprøven", ein etabliertes Ultracycling-Event in Norwegen, welches nonstop von Trondheim nach Oslo führt. Unterwegs entstand die Frage, warum es eine ähnliche Veranstaltung nicht in Deutschland gibt. Im Jahr 2000 nahmen 18 Leute an der organisierten Gruppenfahrt teil und die Anzahl der Mitfahrenden nahm auch in den darauffolgenden Jahren stetig zu. Erst 2014 wird die Veranstaltung als Veranstaltung mit Zeitnahme für Einzelstarter angeboten und bis 2016 parallel zu der geführten Gruppenfahrt ausgetragen - Dazu kommt bis 2017 auch die Variante von Aachen nach Görlitz als geführte Gruppenfahrt.

Die Strecke im Detail

Die jeweils aktuelle Strecke des Race Across Germany von Flensburg nach Garmisch-Partenkirchen wird den Veranstaltungsteilnehmern vor dem Rennen als GPX-Track zugesendet. Der Start liegt an der Hafenspitze in der Innenstadt von Flensburg, wo für gewöhnlich viel Verkehr herrscht.

Die Strecke ist nicht abgesperrt und die Veranstaltung findet wie im Ultracycling gewöhnlich im öffentlichen Straßenverkehr statt. Nach wenigen Höhenmetern in Flensburg startet die Strecke in leicht welliges Profil auf kleine bis mittelgroße Straßen durch Nord-Deutschland.

Je nach Wind, Wetter und Athlet verfliegen die ersten 450 Kilometer bis zum nördlichen Harzrand am ersten Tag der Veranstaltung. An den Ausläufern des Harz-Mittelgebirge beginnt für die Spitzenfahrer auf der 1.100 Kilometer langen Strecke häufig die erste Nacht: Etwa 18 kurze Anstiege, verwinkelte Straßen und ständige Richtungs- und Steigungswechsel verlangsamen das Tempo.

Die Strecke führt hier nicht durch den Harz hindurch, sondern durch das hügelige Harz-Vorland, Ausläufer des Eichfelds, das Werratal, an der Rhön vorbei und durch das fränkische Weinland. Der letzte Teil der Strecke führt durch Mittelfranken ins Donauries, quert bei Donauwörth die Donau und führt in der Nähe von Augsburg vorbei Richtung Ammersee bis an den Rand der Voralpen hinunter.

Das Ziel des Race Across Germany lag bis 2022 auf dem Schanzentisch der großen Olympiaschanze in Garmisch-Partenkirchen, welches gleichzeitig auch der höchste Punkt der Strecke ist. Die Veranstaltung findet im Sommer statt, weil die Nächte hier kurz und die Tage lang sind. Der Wind weht meistens in großen Teilen aus südlicher Richtung nach Westen.

Varianten des Rennens

In der Solo-Supported-Variante des Race Across Germanys bilden ein Athlet, mindestens ein Begleit-Fahrzeug und mindestens zwei Betreuer ein Team. Auch wird die Veranstaltung für 2-er oder 4-er Teams in zwei Kategorien angeboten: In der "Team-Staffel" sitzt immer nur ein Athlet auf dem Fahrrad, wogegen im "Team" alle Athleten des Teams die komplette Strecke absolvieren. Grundsätzlich werden die Varianten alle getrennt voneinander gewertet, wobei die Solo-Supported-Variante des Race Across Germanys die meist am teilnehmerstärksten besetzte Variante ist.

In der Solo-Nonsupported-Variante des Race Across Germanys starten die Athleten ohne Support-Team und müssen sich unterwegs selbst an Tankstellen, Supermärkten oder Bäckereien versorgen. Es gibt keine Turnhallen oder andere Übernachtungs-Möglichkeiten und teilweise besteht über längere Distanzen keine Einkaufsmöglichkeit.

Auf der Strecke des Race Across Germany von Flensburg nach Garmisch-Partenkirchen gibt es traditionell eine Bushaltestelle in Bilderlahe, was ungefähr bei Strecken-Kilometer 500 liegt, in welcher Anwohner kleinere Snacks und Getränke verteilen.

Regeln und Herausforderungen

Das Regelwerk der Veranstaltungen zielt darauf ab, die Sicherheit der Teilnehmer zu gewährleisten, aber dennoch möglichst viele Freiheiten zu erlauben. Es wird zum Beispiel nicht vorgeschrieben, dass man schlafen muss (Die meisten Teilnehmer schlafen dennoch zwischen 0 und 10 Stunden).

Die Strecke kann unter anderem durch unvorhersehbare Baustellen führen: Hier muss nach eigenem Ermessen entschieden werden, ob eine Durchfahrt möglich ist oder eine Umleitung gefahren werden muss.

Erfahrungen und Anekdoten

Norbert Vohn fuhr das "Race across Germany" von Flensburg nach Garmisch-Partenkirchen in einer unglaublichen Zeit. Mit dem Fahrrad dauerte es laut Navigationssoftware schon ein ganzes Stück länger, nämlich nonstop rund 55 Stunden. Norbert Vohn hat am letzten Juniwochenende mit seinem Rennrad eine "längere" Pause von 15 Minuten gemacht und ist die Strecke in 39 Stunden und vier Minuten gefahren!

Als Norbert Vohn nach intensiver Vorbereitung am Freitag, den 29. Juni 2018, an den Start ging, war ihm eines klar. Die ersten Kilometer durch Schleswig-Holstein und Niedersachsen liefen für ihn sehr flott. Nach 245 Kilometer ging es am Nachmittag schon über die Elbe. Weiter ging es dann über viele Hügel bis in die Region um das schwäbische Mauren. Bis hierhin hatte er bereits 918 Kilometer bewältigt.

Er schaffte es dort am Samstagnachmittag zeitweise sogar an die Spitze des Rennens. Leider begann zu dieser Zeit langsam sein Knie zu schmerzen. Rund 75 Kilometer weiter vermehrten sich seine Befürchtungen. Aber es kam anders! Aufgeben war jetzt keine Alternative mehr. Garmisch-Partenkirchen zog sich dann für Norbert Vohn wie Kaugummi. Aber gegen 23 Uhr konnte Norbert Vohn ins Ziel, das Olympiastadion in Garmisch-Partenkirchen, einbiegen. Als Zweiter in der Gesamtwertung und als Erster in der Altersklasse über 50!

Flensburg-Garmisch mit quäldich

Bei "Flensburg-Garmisch mit quäldich" war die Organisation perfekt. In der Speedgruppe geht es schnell zur Sache, aber die Lockerheit ging bei Flensburg-Garmisch nie verloren. Die haben einfach Bock auf sowas. Mein Körpergefühl ist dabei beschreiblich: Grenzerfahrungen an der Belastungsgrenze mit Ruhephasen im Windschatten.

Reiseverlauf

  • Freitag, 4.: Individuelle Anreise nach Flensburg.
  • Samstag, 5.: Start um 9 Uhr zur ersten geführten Etappe von Harrislee nach Hamburg.
  • Sonntag, 6.: Zweite geführte Etappe von Hamburg nach Braunschweig.
  • Montag, 7.: Dritte geführte Etappe von Braunschweig nach Göttingen.
  • Dienstag, 8.: Vierte geführte Etappe von Göttingen nach Fulda.
  • Mittwoch, 9.: Fünfte geführte Etappe von Fulda nach Würzburg.
  • Donnerstag, 10.: Sechste geführte Etappe von Würzburg nach Schwäbisch Gmünd.
  • Freitag, 11.: Siebte geführte Etappe von Schwäbisch Gmünd nach Memmingen.
  • Samstag, 12.
  • Sonntag, 13.

Sowohl in Flensburg als auch in Garmisch sind die großen Autovermieter vertreten. Die Deutsche Bahn toleriert erfahrungsgemäß die Mitnahme eines in einer Radtasche verpackten Rades. Nach Voranmeldung (mittels Kontaktformular) können wir eine Radtasche mit kleinem Packmaß (keinen Radkoffer oder gepolsterte Radtasche) für euch von Flensburg nach Garmisch transportieren.

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