Unfallstatistik im Radrennsport der Frauen: Ursachen, Folgen und Prävention

Die Zahl der Radunfälle insgesamt ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Dies liegt im Wesentlichen an der wachsenden Beliebtheit an Pedelecs. Im Jahr 2021 waren es 17.285 gemeldete Pedelec-Unfälle mit Personenschaden, verglichen mit 2014 von nur 2.245. Bei nicht-motorisierten Fahrrädern ist die Zahl der Unfälle mit Personenschaden im gleichen Zeitraum von 76.643 auf 67.931 gesunken.

Aus jahreszeitlichem Blickwinkel gilt festzustellen, dass die Fahrrad-Saison länger geworden ist und sich weniger ausgeprägt nur in den Sommermonaten abspielt. An Wochentagen gibt es mehr Radunfälle als am Wochenende. Pedelec-Unfälle enden häufiger tödlich als bei Fahrrädern ohne Hilfsmotor (je 1.000 Unfälle 7,6 Tote vs.

Es gibt eine ganze Reihe möglicher Ursachen für einen Unfall mit einem Radfahrenden. Das Spektrum reicht von mangelnder Erfahrung, geringer Achtsamkeit über falsche Einschätzung einer risikoreichen Situation bis hin zu Übermut. Die Unfallverursachenden können dabei alle Verkehrsbeteiligte sein.

Klassische Beispiele sind, dass Radfahrende die Vorfahrt missachten, Radwege in falscher Richtung nutzen oder bei Rot fahren. Autofahrende hingegen sind nicht aufmerksam beim Abbiegen und übersehen Radler. Typisch ist ebenfalls das plötzliche Öffnen von Autotüren.

Laut Statistischem Bundesamt sind falsche Straßenbenutzung, nicht angepasste Geschwindigkeit und Fehler beim Abbiegen die häufigsten Fehlverhalten der Radfahrer*innen bei Radunfällen mit Personenschaden (2020).

Radfahrende sind im Straßenverkehr relativ „ungeschützt“ unterwegs, wodurch es häufiger zu schweren Radunfällen kommen kann. Die Folgen für den/die unfallbeteiligte/n Mitarbeiter/in reichen von körperlichen Schädigungen über psychische Belastungen bis hin zu finanziellen Einbußen bei langfristiger Arbeitsunfähigkeit.

Die Bedeutung des Fahrradhelms

Auch beim Training: immer mit Helm! 25 Prozent aller Rad-Unfälle führen zu einer Kopfverletzung, aber nur sechs Prozent der Verunglückten trugen einen Fahrradhelm, so die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU). Schädel-Hirn-Verletzung um mindestens 50 Prozent, so die DGU.

Die Präventionsarbeit soll sich daher auf drei Säulen stützen. Erstens: Das Tragen eines Fahrradhelms, und zwar bei jeder Fahrt. Schädel-Hirn-Verletzung um mindestens 50 Prozent reduziert." Zweitens: Aufklärung über Radfahren unter Alkohol.

Ebenfalls in den Top Ten, aber mit nur 83 gemeldeten Unfällen (Anteil gesamt: 1,3 %), rutscht Tennis im Jahr 2024 von Platz 9 auf Platz 7. Einer der Gründe könnte auch hier sein, dass sich der Sport mit dem grellgelben Filzball wieder zunehmender Beliebtheit erfreut, wie der Deutsche Tennis Bund bestätigt.

Viele Unfälle im Sport sind kein Zufall. Sie passieren häufig, wenn ausreichende Vorbereitung fehlt. Keine Schutzausrüstung, kein Aufwärmen, kein Gefühl für Grenzen. Dabei kann Vorsorge einfach sein. Protektoren dämpfen Stürze. Wer regelmäßig trainiert, überlastet sich seltener.

Über die gesetzliche Unfallversicherung nicht versichert sind sportliche Aktivitäten in der Freizeit. Über 70 % aller Unfälle und damit auch Sportunfälle passieren aber genau in diesen Alltagssituationen außerhalb von Arbeit und Schule. Eine private Unfallversicherung schließt diese Lücke. Sie bietet Schutz rund um die Uhr und weltweit. Neben der finanziellen Absicherung bei dauerhaften Gesundheitsschäden übernimmt sie auch Rettungs- und Bergungskosten sowie unfallbedingte kosmetische Operationen - jeweils bis zu den tariflich festgelegten Höchstbeträgen. Unfälle passieren.

Kristina Vogel: Ein Beispiel für den Kampfgeist

Es war ein normaler Tag, einer wie jeder andere: Kristina Vogel, die erfolgreichste Bahnsprinterin der Welt, trainierte auf dem Holzoval von Cottbus. Später stellte sich heraus: Sie erlitt dabei eine schwere Wirbelsäulenverletzung. Nach der Erstversorgung wurde sie nach Berlin in ein Unfallkrankenhaus geflogen, noch in der Nacht notoperiert und seitdem dort intensivmedizinisch versorgt.

Vor neun Jahren war die Erfurterin schon einmal schwer verunglückt. Damals nahm ihr ein Zivilfahrzeug der Polizei die Vorfahrt und rammte sie vom Rad. Sie erlitt schwere Verletzungen und lag zwei Tage lang im Koma. Doch sie kämpfte sich zurück und ist inzwischen zweifache Olympiasiegerin und elffache Weltmeisterin. Auf diese Kämpfernatur hoffen nun alle, die Kristina Vogel kennen. Sie wünschen ihr, dass sie erneut den Weg zurück ins Leben findet.

Für alle, die sich öffentlich äußern, ist dies auch eine Art der Verarbeitung, um das Geschehene zu begreifen. Wenn Leistungssportler eine so schwerwiegende Verletzung erleiden, trifft es sie besonders hart. Denn ihr Körper ist ihr Kapital. Für den Sport haben sie gelebt, viele Entbehrungen in Kauf genommen.

Was sie aber am meisten auszeichnet, ist ihr starker Wille, ihr großes Kämpferherz. Das hat ihr schon einmal geholfen, aus dem tiefen Tal herauszukommen und den Gipfel zu erklimmen. Jetzt kämpft sie ihren wohl schwersten Kampf.

Sicherheit im Radrennsport: Ein Dauerthema

„Wenn Radrennen-Fahren eine neue Sportart wäre, würde es niemals erlaubt werden.“ Wer zu diesem Fazit kommt, ist kein sportferner „Experte“, sondern der Tour-de-France-Sieger von 2018, Geraint Thomas. Dessen Anlass: etliche Stürze im Verlauf von Radrennen, aber vor allem ein einzelner, besonderer.

Es geschieht in einer unscheinbaren Abfahrt, einer unspektakulären Kurve: Die vorderen Fahrer des Pelotons fahren mit knapp 80 km/h über eine Bodenwelle. Einige von ihnen verlieren dabei die Kontrolle über ihr Rad und stürzen in einen Betongraben links neben der Straße.

Für mehr Medienpräsenz und Diskussionen als andere sorgte er nur wegen der Fahrer, die diesmal verletzt wurden: Rund ein Dutzend Radprofis stürzte dabei, unter anderem Remco Evenepoel, Primož Roglič und Jonas Vingegaard. Damit waren drei der vier Top-Favoriten für das wichtigste Radrennen der Welt, La Grande Boucle, betroffen. Der zweimalige Tour-de-France-Sieger aus Dänemark trug die schwersten Verletzungen davon. Er brach sich das Schlüsselbein, einen Finger und mehrere Rippen. Doch seine schlimmste Verletzung war eine punktierte Lunge. Erst nach mehreren Operationen und zwölf Tagen wurde er aus dem Krankenhaus in Vitoria entlassen.

„Jetzt reden alle darüber, weil die bekanntesten Fahrer gestürzt sind, aber genau das passiert schon seit Jahren“, sagt Geraint Thomas. „Bei fast allen Rennen gibt es verschiedene Gefahrenstellen, aber ich habe das Gefühl, dass man viel mehr für die Sicherheit der Fahrer tun könnte. Es gibt Verkehrsinseln, Blumenkübel, Fahrbahnverengungen und weitere Elemente, die für die Fahrer im Rennen gefährlich sein können. Wenn ich darüber nachdenken würde, müsste ich ganz hinten fahren. Es ist ein großes Problem, dass nicht alle Fahrer die Möglichkeit haben, die Strecke im Vorfeld zu besichtigen. 90 Prozent von ihnen kennen die Strecken nicht.

Bereits die Klassiker-Saison im Frühjahr war von vielen Stürzen geprägt. Einer davon hatte potenziell sehr weitreichende Konsequenzen - jener des Wout van Aert. Der Belgier aus dem Top-Team Visma-Lease a Bike hatte sich vor dieser Saison speziell auf die Klassiker vorbereitet. Laut Grischa Niermann, einem der Sportlichen Leiter des Teams, war er in der Form seines Lebens. Er wäre - neben Fahrern wie Mathieu van der Poel und Tadej Pogačar - als einer der absoluten Top-Favoriten in jedes große Rennen gegangen. Doch ein Sturz änderte alles.

Radrennen und Stürze gehören - leider - zusammen. Aus einer UCI-Studie aus dem Jahr 2023 geht hervor, dass die Zahl der Stürze in den vergangenen fünf Jahren immer weiter zugenommen hat - allein im Vorjahr um 24 Prozent. Detaillierte Informationen zu den Unfällen bei Radrennen bietet unter anderem das auf Krankenhausdaten basierende niederländische Verletzungsüberwachungssystem. 2020 gaben über zehn Prozent der in einer Notaufnahme behandelten Radfahrer an, zum Zeitpunkt des Unfalls ein Radrennen gefahren zu sein.

Die gleiche Datenerhebung zeigte zudem, dass mehr als 40 Prozent der Rennradfahrer ohne Fremdeinwirkung gestürzt waren, etwa indem sie weggerutscht sind. Ein gleicher Prozentsatz war mit einem anderen Verkehrsteilnehmer zusammengestoßen, 15 Prozent mit einem Radsportler. 41 Prozent führten den Unfall auf die Unachtsamkeit eines anderen Verkehrsteilnehmers zurück.

Der UCI-Präsident David Lappartient sagte zu dem Thema in einem AFP-Interview: „Fünfzig Prozent der Stürze sind je auf die Einstellung des Fahrers zurückzuführen. Ich will damit nicht sagen, dass es ihre Schuld ist. Es könnte einfach ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit sein. Auch die Scheibenbremsen sind ein Thema, das wir wieder auf den Tisch bringen müssen. Ein Tabuthema gibt es nicht. Die Ausrüstung ist definitiv eines der Themen. Fahrräder haben einen großen Entwicklungssprung gemacht. Zudem wollen wir in diesem Jahr Gelbe und Rote Karten einführen, so wie im Fußball.

Geraint Thomas reagierte auf diese Aussagen: „Ich denke, David Lappartient muss sich mehr auf die 50 Prozent konzentrieren, die er beeinflussen kann. Ich stimme ihm in dem, was er sagt, zu, aber es ergibt für mich einfach keinen Sinn, so etwas zu sagen. Es bedeutet, dass 50 Prozent immer noch von ihm und den Organisatoren abhängen.

Im Sport braucht es oft zunächst ein tragisches Ereignis, um einen Wandel herbeizuführen. Erst nachdem der Top-Sprinter Fabio Jakobsen während der Eröffnungsetappe der Polen-Rundfahrt 2020 so schwer gestürzt war, dass er beinahe gestorben wäre, rückte man das Thema „Fahrersicherheit“ stärker in den Mittelpunkt. Nach dem sturzbedingten Tod von Gino Mäder bei der Tour de Suisse im Juni 2023 drängte Adam Hansen, der Präsident der Fahrer-Gewerkschaft, darauf, dass die Organisatoren in den Auslaufzonen besonders gefährlicher Kurven Heuballen oder Matten anbringen.

Vor dieser Tour de France wurde nun ein neues unabhängiges Gremium gegründet, das sich mit der Sicherheit der Fahrer befasst: das SAROC, ein Akronym für „Safe Road Cycling“. Initiiert wurde es von mehreren Teams - unter anderem Soudal Quick-Step, Visma-Lease a Bike, dsm-firmenich PostNL und Ineos Grenadiers - gemeinsam mit der UCI und verschiedenen Rennveranstaltern. Als eine der ersten Maßnahmen wurde eine Datenbank, in der alle Stürze erfasst werden, erstellt, um deren Ursachen besser analysieren zu können - und damit auch Lösungen dagegen zu finden.

Geraint Thomas analysierte bereits 2023: „Ich denke, es ist vernünftig, die Fahrer dazu aufzufordern, langsamer zu fahren, wenn die Straßen rutschig sind. Ich verstehe völlig, dass man die Etappe gewinnen will, aber es sollte auf eine vernünftige Art und Weise passieren und nicht dadurch, dass man mit Vollgas in Kreisverkehre fährt. Es geht darum, mehr Rücksicht aufeinander zu nehmen. Ja, natürlich will man im Rennen gut abschneiden, aber das ist es meiner Meinung nach nicht wert, zu stürzen.

Die Rennen werden immer schneller - und immer offensiver gefahren. „Neutrale“ Renn-Phasen gibt es kaum mehr. Damit steigt auch das Risiko. Strecken-Entschärfungen und passive Sicherheitsmaßnahmen wie mehr und andere Barrieren oder das Aufstellen von Aufprallschutzmaterialien können - in geringem Umfang - potenzielle Sturzschäden mindern. Doch das Risiko bleibt bestehen.

Tabelle: Sportunfälle in Deutschland (ERGO Unfallstatistik 2024)

Sportart Anzahl der Unfälle Anteil
Fußball 2.425 36,7 %
Skisport 929 -
Radsport 684 10,3 %
Reitsport 213 -
Handball 192 2,9 %
Volleyball - 2,0 %
Tennis 83 1,3 %
Basketball 78 1,2 %

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