Radrennen in Italien: Arten und populäre Rennen

Die Begeisterung für den Radsport setzte in Belgien, den Niederlanden, Frankreich sowie auch in Italien bereits sehr früh ein. Kein Wunder also, dass die ältesten und renommiertesten Straßenradrennen in diesen Ländern beheimatet sind. Im Kalender von Radsportprofis und Fans sind nicht nur die drei großen Landesrundfahrten, der Giro d’Italia, die Tour de France und die Vuelta a España fest eingeplant, auch die fünf Monumente, die bedeutendsten Eintagesrennen im Radsport, gehören zu den Jahreshighlights.

Was sind die Monumente des Radsports?

Neben den berühmten Grand Tours, den dreiwöchigen Rundfahrten Giro d‘Italia, Tour de France und Vuelta a España, lassen auch die sogenannten fünf Monumente Radsport-Fans und -Profis ins Schwärmen kommen. Diese Rennen, die wie andere kleinere Eintagesrennen auch als Klassiker oder Halbklassiker bezeichnet werden, zeichnen sich durch ihre besondere Tradition und lange Erfolgsgeschichten aus. Die Monumente des Radsports sind die fünf größten Rennen unter den Klassikern und gehören neben der UCI Straßen-Weltmeisterschaft zu den wichtigsten Eintagesrennen.

Vier der Rennen finden im Frühjahr statt, Il Lombardia schließt die Saison des Straßenradsports im Oktober ab. Sie haben eine lange Tradition und ziehen Radsportfans aus der ganzen Welt in ihren Bann - für die Fans direkt an der Strecke haben sie fast schon den Charakter eines Volksfests. Die fünf Monumente des Radsports können auch Hobbysportler in speziellen Jedermann-Rennen und Events nachfahren.

Aus den Klassikern des Radsports haben sich fünf besonders prestigeträchtige und traditionsreiche Rennen herauskristallisiert: die sogenannten „fünf Monumente des Radsports“.

Die fünf Monumente des Radsports

  1. Mailand-Sanremo
  2. Flandern-Rundfahrt
  3. Paris-Roubaix
  4. Lüttich-Bastogne-Lüttich
  5. Lombardei-Rundfahrt

Die Frühjahrsklassiker

Als Frühjahrsklassiker werden gerne die Rennen zusammengefasst, die im Radsport im Frühjahr (daher auch der Name) in Frankreich, Belgien und in den Niederlanden gefahren werden. Klassiker sind Straßenrennen, die schon seit Jahrzehnten auf dem Programm stehen und jedes dieser Rennen hat sich einen bestimmten Ruf erarbeitet. Die großen Etappenrennen wie die Tour de France sind medial mehr im Mittelpunkt, aber wer die Klassiker unter den Eintagesrennen gewonnen hat, hat sich genauso viel Ehre erarbeitet.

Im Gegensatz zu den Etappenrennen gilt es hier, die perfekte Tagesform aufzubieten, denn am Ende des Tages steht der Sieger fest und eine zweite Chance gibt es nicht. Der Radsport bietet beides und Fahrer, die die hohen Berge nicht gut und schnell überwinden können, haben bei den Klassikern die Chance, berühmt zu werden und umgekehrt können Fahrer ohne Sprintfähigkeiten bei den großen Rundfahrten erfolgreich agieren.

1. Mailand-Sanremo

Die Italiener nennen das Rennen liebevoll La Primavera („der Frühling“) oder ehrfürchtig La Classicissima (zu Deutsch etwa: „der Klassiker der Klassiker“). Mit einer Rennstrecke von fast 300 Kilometern ist es das längste klassische Eintagesrennen. Das Rennen ist ein klassisches Eintagesrennen und zählt zu den fünf Monumente des Radsports. Das Rennen ist mit fast 300 Kilometer länger als alle anderen Rennen, selbst länger als die Weltmeisterschaft.

Zum ersten Mal fand La Classicissima im Jahr 1907 statt und wird seither alljährlich ausgetragen. So renommiert war das Radrennen von Anfang an, dass es sogar in den Kriegsjahren ausgetragen wurde: 1917 stellten die italienischen Regimenter zahlreiche Profis frei, damit diese an dem Rennen teilnehmen konnten. Die Strecke selbst weist nur wenige Schwierigkeiten auf - doch die haben es dafür in sich! Dazwischen gibt es aber ein paar kleine Wellen und einen Berg mit 200 bis 300 bzw. 500 Meter Seehöhe. Alpinpässe findet man in dieser Region nicht vor, aber vor allem kleine Wellen vor dem Ziel nach 280 gefahrenen Kilometern können sehr schmerzen und können das Feld noch auseinanderreissen.

Die Rennhalbzeit ist mit dem Turchinopass (mit 588 Meter der höchste Punkt der Strecke) erreicht; nun verläuft die Rennstrecke entlang der italienischen Riviera bis Sanremo. Die sogenannten capi, kurze, aber extrem steile Anstiege, sorgen hier für Spannung. Traditionell leiteten die beiden letzten dieser Anstiege, die Cipressa (circa 20 Kilometer vom Ziel entfernt; 240 Meter Höhe) und der Poggio di Sanremo (circa sechs Kilometer vor dem Ziel; 162 Meter Höhe), die Entscheidung ein. In den letzten Jahren änderte sich das: die capi gaben nicht mehr den Ausschlag.

Um die Jahrtausendwende gewann der deutsche Radsportler Erik Zabel vier Mal in Sanremo. Die Italiener verliehen ihm daher ehrfürchtig den Namen „Signore San Remo“. Zabel war es auch, der die Sprints auf dem letzten Streckenabschnitt, der Via Roma, wieder salonfähig machte: Während seinen Konkurrenten nach den letzten capis die Luft ausging, setzte Sprintmeister Zabel zum Endspurt an und erreichte somit als erster das Ziel.

Der bisher erfolgreichste Teilnehmer war die belgische Radlegende Eddy Merckx - insgesamt sieben Mal gewann er die Classicissima zwischen 1966 und 1976. Neben „Signore San Remo“ Erik Zabel (1997, 1998, 2000, 2001) gab es mit Rudi Altig (1968), Gerald Ciolek (2013) und John Degenkolb (2015) drei weitere Deutsche, die die Siegertrophäe entgegennehmen durften. 2017 hoffte Degenkolb erneut auf einen Sieg, musste sich jedoch wie zahlreiche Mitfavoriten dem Polen Michal Kwiatkowski geschlagen geben.

2. Flandern-Rundfahrt

Anfang April folgt das zweite Monument des Radsports: Die Flandern-Rundfahrt - in der Landessprache Ronde van Vlaanderen genannt - bildet den Höhepunkt der flämischen Radsport-Saison in Belgien. Zum ersten Mal wurde das Eintagesrennen im Jahr 1913 ausgetragen und ist damit das jüngste der fünf Monumente. Die Rundfahrt durch Ost- und Westflandern ist als „Ausscheidungsrennen“ berühmt-berüchtigt: Nur die Allerbesten unter den Radprofis können bei den steilen Anstiegen bestehen, vor allem, wenn Wind und Regen für erschwerte Verhältnisse sorgen.

Die Start- und Zielorte von „Flanderns Schönster“ (Vlaanderens Mooiste) wechselten von Zeit zu Zeit. 2017 startete das Radrennen nicht mehr in Brügge, wie in den 19 Jahren zuvor, sondern in Antwerpen. Die besondere Schwierigkeit des Rennens liegt in den sogenannten hellingen.

Die sogenannte Mauer von Geraardsbergen ist der berühmteste Streckenabschnitt des flämischen Radklassikers: eine schmale, mit Kopfsteinen gepflasterte Straße, die im Zentrum des Ortes Geraardsbergen beginnt und über den Oudeberg führt. Auf dem entscheidenden Teil des Anstiegs müssen die Radprofis auf einer Länge von 475 Metern einen Höhenunterschied von 44 Metern überwinden. Neben der charakteristischen Linkskurve bildet die Kleine Kapelle am Scheitelpunkt des Anstiegs eine einzigartige Kulisse.

Nachdem die Veranstalter der Ronde 2012 das Ziel nach Oudenaarde verlegt hatten, fiel die berühmte Mauer von Geraardsbergen kurzerhand aus dem Programm. Fahrer wie Fans waren geschockt. Die Flandern-Rundfahrt ohne die legendäre Mauer? Das schien bis dahin undenkbar. Ganze fünf Jahre fand der belgische Frühjahrsklassiker ohne die Muur statt.

Bisher gewann kein Fahrer die Ronde van Vlaanderen mehr als drei Mal. Die erfolgreichsten Teilnehmer waren - wen wundert es - vor allem Belgier. Die Rekordsieger des Klassikers: Achiel Buysse aus Belgien (1940, 1941, 1943), Fiorenzo Magni aus Italien (1949, 1950, 1951), Eric Leman aus Belgien (1970, 1972, 1973), Johan Museeuw aus Belgien (1993, 1995, 1998), Tom Boonen aus Belgien (2005, 2006, 2012) und Fabian Cancellara aus der Schweiz (2010, 2013, 2014). Zwei Deutsche haben bislang die Ronde für sich entschieden: Rudi Altig (1964) und Steffen Wesemann (2004). 2017 siegte der Belgier Philippe Gilbert. Es war sein erster Sieg bei der Ronde. 2011 hatte er dafür gleich drei Klassiker für sich entscheiden können: das Amstel Gold Race, La Flèche Wallonne und Lüttich-Bastogne-Lüttich.

Das Rennen wird traditionell Anfang April gefahren und ist Teil einer ganzen Reihe von Eintagesklassikern, die in Belgien, Frankreich und in den Niederlanden gefahren werden. Das Rennen ist sehr speziell und ein Fall für die Allrounder, aber auch für die Sprinter. Die Flandern-Rundfahrt ist eine Hochgebirgsstrecke, wie man es von Bergetappen der Tour de France kennt. Aber es gibt insgesamt 17 Hügel, die zu überwinden sind, wobei manche nur 75 Höhenmeter aufweisen, andere aber 150 Höhenmeter. Das ist auch noch nicht so wild, doch diese Höhenunterschiede werden häufig durch hohe Prozentwerte erzielt, sodass ein an sich flaches Rennen plötzlich eine Mauer von bis zu 20 % Steigung anzubieten hat. Es ist also die Kunst, seinen Rhythmus nicht zu verlieren, wenn die Strecke sich hebt und senkt, was vor allem auf der zweiten Streckenhälfte der Fall ist.

Dieser Eintagesklassiker lockt genausoviele Leute auf die Straßen wie die belgischen Klassiker und natürlich warten die Leute auch bei den Kopfsteinpflasterstücken auf die Radprofis. Diese kommen mit hoher Geschwindigkeit von der normalen Straße und müssen sich dann fest am Lenker anhalten, damit das Rad nicht ausbricht. Es gibt unterschiedliche Kopfsteinpflaster, manche sind flacher und fast wie eine normale Straße zu befahren, andere sind höher und dann schüttelt es die Fahrer durch. Meist fahren sie auf einem schmalen Band neben dem Kopfsteinpflaster, doch das heißt auch, dass das ganze Feld nicht so wie gewohnt fahren kann. Entweder fahren alle am Band und das Feld wird sehr lange oder einige fahren doch in der Mitte und lassen sich durchschütteln. Die Folge ist, dass es immer neue Gruppen gibt, die sich durch die Kopfsteinpflaster bilden. Wer im Feld hinten fährt, hat bald den Abstand verloren, weil vorne immer wieder Unfälle passieren können und dann reißt das Feld auseinander. Den Rückstand kann man nur schwer wieder gutmachen.

3. Paris-Roubaix

Der Frühlingsklassiker Paris-Roubaix - zum ersten Mal 1896 ausgetragen - trägt den stolzen Beinamen „Königin der Klassiker“ (La Reine des Classiques). Auch wenn das berühmt-berüchtigte Eintagesrennen Paris im Namen trägt - es beginnt seit 1977 im rund 80 Kilometer nördlich gelegenen Compiègne. Charakteristisch an der 250 Kilometer langen Strecke sind die sogenannten Pavé-Sektoren: Abschnitte mit teils historischem Kopfsteinpflaster, die insgesamt 55 Kilometer der Rennstrecke ausmachen. Ein holpriges Vergnügen für die Teilnehmer! Immerhin: dem Sieger wird am Ende ein großer Pflasterstein als Trophäe überreicht.

Berüchtigt ist natürlich Paris - Roubaix in Frankreich, ein Eintagesrennen, bei dem es über 50 Kilometer an Kopfsteinpflasterpassagen zu überwinden gilt. Dieses Rennen wird auch "die Hölle des Nordens" genannt, weil das Durchschütteln durch die Kopfsteinpflaster erfordert schon viel Willenskraft, zumal die Radprofis nicht unbedingt langsamer fahren. Fahrrad und Fahrer müssen daher sehr widerstandsfähig sein und wenn es am Tag des Rennens auch noch regnet, wird das Rennen überhaupt zum ultimativen Bewährungstest.

Das Highlight des Klassikers Paris-Roubaix ist eindeutig die legendäre Schneise im Wald von Arenberg, die das Finale des Rennens eröffnet: Hier werden die Nerven von Rennfahrern wie Zuschauern besonders strapaziert, denn der Abschnitt hat den höchsten Schwierigkeitsgrad 5. Die Fahrer geben dennoch Vollgas, um sich für das letzte Pflasterstück gute Positionen zu sichern. Stürze, etwa bei Ausreißversuchen, sind hier gang und gäbe. Der Fahrer, der im Anschluss als Erster das Pavé des Carrefour de l'Arbre erreicht, soll besonders gute Aussichten auf den Sieg haben.

Die gute Nachricht ist, dass das Streckenprofil kein Thema ist. Es ist eine fast topfebene Fahrt und es gibt keine Hügel wie bei der Flandern-Rundfahrt. Der erste Sieger von Paris-Roubaix war der Deutsche Joseph Fischer. Nach ihm sollte es aber ganze 119 Jahre dauern, bis wieder ein deutscher Teilnehmer gewann: 2015 sprintete John Degenkolb ins Ziel.

Bekannt ist der französische Radklassiker auch für seine Rekordsieger: Eddy Merckx (1968, 1970, 1973), Roger De Vlaeminck (1972, 1974, 1975, 1977) und Tom Boonen (2005, 2008, 2009, 2012) - alle drei Belgier. Auch 2017 gewann wieder ein Belgier: Olympiasieger Greg van Avermaet fuhr nach einer kräftezehrenden Hetzjagd als erster ins Ziel.

4. Lüttich-Bastogne-Lüttich

La Doyenne - „die Älteste“ heißt das Radrennen Lüttich-Bastogne-Lüttich im Volksmund: 1892 wurde es zum ersten Mal durchgeführt und ist damit das älteste der fünf Monumente. Es findet jährlich Ende April statt. Wegen seines hügeligen Profils durch die wallonischen Ardennen gilt es als einer der schwersten Klassiker des Radsports.

Ausgangspunkt des Rennens ist die wallonische Stadt Lüttich. Von hier geht es für die Teilnehmer zunächst rund 100 Kilometer gen Süden nach Bastogne, dem Wendepunkt des Rennens. Insgesamt legen die Fahrer rund 258 Kilometer zurück und das mit so vielen Höhenmetern wie sonst nur bei einer Bergetappe der Tour de France. Denn das Streckenprofil weist zahlreiche kurze, sehr steile Anstiege auf, die hier côtes genannt werden. Der berühmteste dieser Anstiege ist der Côte de la Redoute, der in der zweiten Rennhälfte erklommen werden muss. An dieser Stelle trennt sich die Spreu vom Weizen und nur noch wenige Fahrer bleiben an der Spitze. Die Entscheidung fällt meist an der Côte de Saint-Nicolas kurz vor Ans oder an der lang ansteigenden Zielanfahrt.

Das Finale dieser Radrennen ist durch den Klassiker Lüttich - Bastogne - Lüttich gegeben, der auch unter dem französischen Namen Liège - Bastogne - Liège weltweit bekannt ist. Und das Rennen ist ein würdiger Abschluss der Frühjahrsklassiker, bevor die großen Rundfahrten für die Radprofis beginnen. Denn Lüttich - Bastogne - Lüttich führt noch einmal in die Ardennen und weist ein hügeliges und anspruchsvolles Streckenprofil auf, weshalb das Rennen zu den schwersten der Frühjahrsklassiker zählt. Immer wieder gibt es die berühmten giftigen, wenn auch nicht langen Anstiege, die sehr steil sein können und den Rhythmus unterbrechen. Lüttich - Bastogne - Lüttich ist nicht nur ein spannendes Rennen über 250 anstrengende Kilometer für die Radprofis, es ist auch das älteste im Terminkalender der Radprofis.

Das Rennen hat wie die anderen belgischen Klassiker viele Wellen anzubieten, aber bei der Fahrt in den Süden von Lüttich aus gibt es auch Hügel mit einer Höhe über 500 Meter Seehöhe und damit doch mehr Höhenunterschied als bei den anderen Rennen, bei denen häufig nicht höher als 200 Meter gefahren wird. Lüttich liegt selbst auf 75 Meter Seehöhe und so kann man das Terrain recht gut nachvollziehen. Allerdings ist der höchste Punkt schon bei Kilometer 185 erreicht, doch bis dahin ist das Feld oft in Teile zersplittert.

Das erste Rennen 1892 gewann der Belgier Léon Houa. Wesentlich berühmter ist sein Landsmann Eddy Merckx, der sich Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre auch bei den anderen Klassikern des Radsports einen Namen gemacht hat. Er gewann Lüttich-Bastogne-Lüttich insgesamt fünf Mal: 1969, 1971, 1972, 1973 und 1975. Bisher gingen nur zwei Deutsche aus dem Rennen als Sieger hervor: 1930 Hermann Buse, 1979 Dietrich Thurau. 2017 nahm Alejandro Valverde aus Spanien die Siegertrophäe entgegen.

5. Lombardei-Rundfahrt

Der einzige Herbstklassiker unter den fünf Monumenten des Radsports ist „Il Lombardia“ (bis 2012 „Giro di Lombardia“), die Lombardei-Rundfahrt in Norditalien. Im Vergleich mit den anderen Monumenten gerät die Lombardei-Rundfahrt oft etwas ins Hintertreffen: Die Frühjahrsklassiker bilden den Auftakt der Radsportsaison und folgen in zeitlich kurzen Abständen aufeinander.

Das erste Mal wurde das Rennen im Jahr 1905 veranstaltet und seither zählt die Lombardei-Rundfahrt zu den wichtigsten Rennen im Jahr. Gefahren wird in der Region von Bergamo und Como, wobei die Strecke rund um den Lago di Como führt. Sie variiert in den letzten Jahren mehrfach, doch eines bleibt stets gleich - die Streckenführung ist nicht einfach. Es wird nämlich in einem sehr hügeligen Terrain gefahren, wobei es keine schweren Bergpässe gibt, aber das Profil der Lombardei-Rundfahrt zeigt nachdrücklich, dass Sprinter wenig Chancen auf den Sieg haben.

Während die Streckenführung bei den meisten Radklassikern nur selten und unwesentlich abgewandelt wird, gab es bei der Lombardei-Rundfahrt in der Vergangenheit jede Menge Änderungen. Das Profil der Strecke ist dabei zum Teil deutlich anspruchsvoller als die Mittelgebirgsetappen bei der Tour de France: Bei der Austragung der 110. Lombardei-Rundfahrt 2016 mussten die Teilnehmer auf der neuen Route von Como nach Bergamo (240 Kilometer) rund 4400 Höhenmeter überwinden!

Obwohl sich die Strecke ab und an ändert, bleibt eines gleich: Sprinter werden kaum einen Erfolg verbuchen können, denn Start und Ziel liegen auf etwa 250 Meter Seehöhe, während die höchsten Berge dieses Rennens bei über 1.000 Meter Seehöhe, teilweise gar über 1.300 Meter liegen. Damit ist das Streckenprofil zum Teil schwerer als die Mittelgebirgsetappen einer Tour de France oder eines Giro d´Italia und es braucht schon gewisse Kletterqualitäten, um erfolgreich sein zu können. Dazu gibt es vor dem Ziel auch noch einen kleinen Berg, der die verbliebenen Fahrer des Hauptfeldes aufteilen kann.

Zu den großen Herausforderungen des Rennens gehört der Anstieg von Bellagio zur Madonna del Ghisallo bei Magreglio. Traditionell ist dieser Abschnitt ein Ort der Vorentscheidung, denn hier bilden die stärksten Fahrer erste Ausreißergruppen. Richtig hart wird es für die Teilnehmer, wenn sie sich über die steilen Rampen mit bis zu 17 Prozent Steigung auf den 1.336 Meter hohen Valcava-Pass kämpfen.

Besonders stark zeigen sich die Italiener bei ihrem Herbstklassiker. Bei der ersten Austragung der Lombardei-Rundfahrt im Jahr 1905 gewann Giovanni Gerbi. Mitte des 20. Jahrhunderts sorgte sein Landsmann Fausto Coppi mit fünf Siegen (1946, 1947, 1948, 1949, 1954) für Furore. Die deutschen Teilnehmer konnten bisher noch keinen einzigen Sieg verbuchen; immerhin schaffte es Fabian Wegmann 2006 auf Platz 3 - die bisher beste Platzierung für die Deutschen beim „Rennen der fallenden Blätter“. 2016 entschied Esteban Chaves aus Kolumbien den Herbstklassiker für sich - der erste Sieg eines Kolumbianers bei einem Radsport-Monument.

Weitere Radrennen in Italien

Neben den Monumenten gibt es in Italien noch viele weitere Radrennen, die sowohl für Profis als auch für Hobbyfahrer attraktiv sind. Hierzu gehören historische Radrennen wie L’Eroica und Gran Fondos.

L’Eroica: Historisches Radrennen in der Toskana

Die Eroica, die berühmteste historische Radveranstaltung der Welt, zieht jedes Jahr zahlreiche Teilnehmer, Nostalgiker und Zuschauer in die italienische Toskana - genauer gesagt in das kleine Bergdorf Gaiole in Chianti. So gesellen sich immer am ersten Oktoberwochenende zu den knapp 3000 Einwohnern mehr als doppelt so viele Menschen - mit Vintage-Rad und Retro-Trikot ausgestattet.

Seit 1997 fahren Fahrrad-Begeisterte aus aller Welt mit historischen Rädern die steilen Hügel der italienischen Berglandschaft hinauf. Zur Veranstaltung zugelassen sind nur Rennräder aus Stahl mit einem Herstellungsjahr von vor 1987. Moderne Radlerkleidung aus Elasthan sind übrigens genauso wenig erlaubt wie technische Hilfsmittel - schließlich ist das Ziel der Eroica , das Lebensgefühl vergangener Zeiten aufleben zu lassen. So tragen die Teilnehmer Trikots aus Wolle und Kappen aus Baumwolle statt Fahrradhelmen (obwohl diese zur Sicherheit der Teilnehmer erlaubt sind). Einige ergänzen ihr Outfit sogar mit einem stilechten Schnauzbart.

Giancarlo Brocci, ein gelernter Mediziner, hat die Veranstaltung mit dem Ziel ins Leben gerufen, das inspirierende Lebensgefühl vergangener Zeiten zu konservieren. Gleichzeitig dient das Event auch als Basis, die letzten charakteristischen Schotterstraßen der Toskana, die „strade bianche“, vor einer Asphaltierung zu schützen - was bisher auch gelungen ist. Beim ersten Klassiker-Radrennen 1997 gingen 92 Teilnehmer ins Rennen, um diese Ziele zu verfolgen.

Zur Wahl stehen fünf unterschiedliche Strecken über 46, 81, 106, 135 und 209 Kilometer. Alle haben es in sich: Die schwer zu befahrenen Schotterstraßen schlängeln sich mit bis zu 18-prozentiger Steigung durch die Landschaft. Bei der längsten Strecke sind insgesamt rund 3900 Höhenmeter zu bewältigen.

An den Zwischenstationen machen die Radfahrer bei Rotwein und toskanischen Spezialitäten Rast, um sich für die kommenden Streckenabschnitte zu stärken.

Gran Fondos in Italien

Auf einer Länge von mindestens 120 km, bei gleichzeitig ziemlich vielen Höhenmetern und Zeitlimits, stellt der Gran Fondo definitiv die beliebteste Renn-Gattung für Amateur-Rennradler*innen dar. Schon wenig später wurden Gran Fondos unter italienischen Rennradler*innen sehr beliebt, so dass es heute eine Vielzahl an Veranstaltungen dieser Art in jeder Region gibt. Die Teilnahme an einem Gran Fondo bedeutet das Eintauchen in die wahre Bike-Kultur Italiens.

Egal ob im äußersten Norden oder ganz weit im Süden - Gran Fondos locken regelmäßig eine Vielzahl von passionierten Rennradlern*innen an, die es kaum erwarten können, sich auf den schönsten Straßen und Anstiegen Italiens zu messen. Neben einer Mindestlänge von 120 km muss ein echter Gran Fondo auch einiges an Anstiegen bereithalten, wobei oft mehr als 3500 Höhenmeter zu erklimmen sind. Bei einem italienischen Gran Fondo geht es nicht nur um den Wettstreit mit anderen, sondern auch um den Kampf gegen sich selbst und das Ausloten der eigenen Grenzen.

Bekannte Gran Fondos in Italien

  • Nove Colli: Der bekannteste Gran Fondo der Welt mit 3840 Höhenmetern.
  • Maratona delle Dolomiti: Ein Rennen mit 4230 Höhenmetern durch die Dolomiten.
  • Strade Bianche: Ein spektakuläres Rennen auf den Schotterpisten der Toskana.
  • Gran Fondo Stelvio Santini: Ein anspruchsvolles Rennen mit dem Stilfser Joch und dem Mortirolo Pass.
  • Gran Fondo Pinarello: Ein Rennen durch die Prosecco-Hügel mit der Mauer von Cà del Poggio.
  • Gran Fondo Colnago: Ein Rennen am Gardasee mit anspruchsvollen Anstiegen wie dem Valvestino.

Die Monumente des Radsports sind die fünf größten Rennen unter den Klassikern und gehören neben der UCI Straßen-Weltmeisterschaft zu den wichtigsten Eintagesrennen. Sie haben eine lange Tradition und ziehen Radsportfans aus der ganzen Welt in ihren Bann - für die Fans direkt an der Strecke haben sie fast schon den Charakter eines Volksfests. Die fünf Monumente des Radsports können auch Hobbysportler in speziellen Jedermann-Rennen und Events nachfahren.

Die folgende Tabelle zeigt die Termine und Streckenlängen einiger Jedermann-Rennen zu den Monumenten:

Rennen Datum Strecke
Mailand-Sanremo Jedermann 8. März ca. 300 km
Ronde van Vlaanderen Jedermann 5. April 80, 144, 177, 242 km
Paris-Roubaix Jedermann 12. April 54 km Kopfsteinpflaster
Lüttich-Bastogne-Lüttich Jedermann 26. April 80 km/1.500 hm, 150 km/ca. 2.700 hm, 250 km/ca.
Lombardei-Rundfahrt Jedermann - -

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