Sanfte Hügel und Zypressen entlang malerischer Wege gehören zur Toskana genauso wie die strade bianche, die weißen Straßen. Das Gebiet südlich von Florenz um Siena und Montalcino ist landschaftlich eine der schönsten Gegenden der Toskana und strahlt einen besonderen Reiz aus, den sich niemand entziehen kann.
Die hügelige Gegend ist ideal für eine E-Bike Reise durch die Toskana. Kein Wunder, dass man gerade in dieser Gegend wegen der landschaftlichen Schönheit viele weltbekannte Filme wie z. B. „Der englische Patient“ gedreht hat.
Das Besondere in dieser Gegend ist die eingangs erwähnte Eroica-Strecke, denn dort findet jährlich das L’Eroica statt. Hier, wo der Duft des Weines die Touristen und Radsportfans durch Weinberge, kleine Dörfer und Zeugnisse aus dem Mittelalter begleitet, vereinen sich Stätten der Kunst mit jenen der weinkundlichen Kultur und des „Savoir vivre“.
Die Eroica: Ein historisches Radrennen in der Toskana
Die Eroica, die berühmteste historische Radveranstaltung der Welt, zieht jedes Jahr zahlreiche Teilnehmer, Nostalgiker und Zuschauer in die italienische Toskana - genauer gesagt in das kleine Bergdorf Gaiole in Chianti. So gesellen sich immer am ersten Oktoberwochenende zu den knapp 3000 Einwohnern mehr als doppelt so viele Menschen - mit Vintage-Rad und Retro-Trikot ausgestattet.
Seit 1997 fahren Fahrrad-Begeisterte aus aller Welt mit historischen Rädern die steilen Hügel der italienischen Berglandschaft hinauf. Durch das zunehmende Interesse an klassischen Rädern mit Stahlrahmen und Anbauteilen vergangener Epochen steigt die Teilnehmerzahl der im Jahr 1997 erstmals ausgetragenen Veranstaltung ständig. 2008 war das erste Jahr, in dem das „Rennen“ mit 3000 Teilnehmern ausgebucht war.
Die Topografie und Beschaffenheit der Strecke macht die Rundfahrt zu einer Herausforderung, da etwa 50 % der Strecke aus den für die Toskana typischen „weißen Straßen“ (strade bianche) besteht. Dies sind Schotterstraßen, welche teilweise schwierig zu befahren sind.
Die charakteristischen Schotterstraßen wurden in der Vergangenheit nach und nach asphaltiert - jedoch wollte Giancarlo Brocci das nicht so einfach hinnehmen. Giancarlo Brocci, ein gelernter Mediziner, hat die Veranstaltung mit dem Ziel ins Leben gerufen, das inspirierende Lebensgefühl vergangener Zeiten zu konservieren. Gleichzeitig dient das Event auch als Basis, die letzten charakteristischen Schotterstraßen der Toskana, die „strade bianche“, vor einer Asphaltierung zu schützen - was bisher auch gelungen ist.
Beim ersten Klassiker-Radrennen 1997 gingen 92 Teilnehmer ins Rennen, um diese Ziele zu verfolgen. Seitdem wächst das Event fast kontinuierlich und zieht immer mehr Begeisterte an. Aufgrund des erfolgreichen Konzepts gibt es mittlerweile mehr als ein Dutzend Ableger-Veranstaltungen auf der ganzen Welt.
Aber sowohl am Anfang wie auch jetzt gilt: Sportlicher Ehrgeiz und ein Rennen gegen die Zeit war und ist weniger wichtig als der Zusammenhalt auf der Strecke. Diese verlangt den Radlern nämlich hohes Durchhaltevermögen und gute Kondition ab.
Regeln und Bestimmungen der Eroica
Zum Rennen zugelassen sind nur historische Rennräder aus Stahl mit einem Herstellungsjahr von vor 1987. Denn schließlich soll es stilecht durch die italienische Berglandschaft gehen. Zur Veranstaltung zugelassen sind nur Rennräder aus Stahl mit einem Herstellungsjahr von vor 1987.
Moderne Radlerkleidung aus Elasthan sind übrigens genauso wenig erlaubt wie technische Hilfsmittel - schließlich ist das Ziel der Eroica , das Lebensgefühl vergangener Zeiten aufleben zu lassen. So tragen die Teilnehmer Trikots aus Wolle und Kappen aus Baumwolle statt Fahrradhelmen (obwohl diese zur Sicherheit der Teilnehmer erlaubt sind). Einige ergänzen ihr Outfit sogar mit einem stilechten Schnauzbart.
Neben dem Alter des Fahrrads (Herstellungsdatum vor 1987) und einigen Empfehlungen gibt es weitere zusätzliche Reglements der Rennleitung, die wichtigsten davon hier aufgelistet:
- Rennräder sollten über außen liegende Züge und Schalthebel, die am Unterrohr angebracht sind, verfügen.
- Für die vier längsten Strecken ist ein medizinischer Nachweis für das „kompetitive Radfahren“ notwendig, für die kürzeste reicht eine allgemeine Bescheinigung.
- Teilnehmer müssen 15 Jahre oder älter sein.
- Die Mitgliedschaft im Radsportverband U.C.I. ist für internationale Teilnehmer zwingend.
- Sollten Teilnehmer keine Vintage-Kleidung bzw. daran angelehnte Trikots und Jerseys tragen, ist eine Disqualifikation möglich.
- Von dieser Regelung ausgenommen sind moderne Schutzhelme, die die Rennleitung auch empfiehlt.
- Teilnehmer müssen ein Reparaturkit für unterwegs mitführen.
Wer übrigens kein passendes altes Rennrad zuhause stehen hat, findet vor Ort Möglichkeiten, ein passendes Modell zu mieten oder sogar zu kaufen. Verschiedene Stände bieten zudem auch Bekleidung zur Vervollständigung des Nostalgie-Outfits an.
Die Strecken der Eroica
„Eroica“ stammt aus dem Italienischen und bedeutet „heldenhaft“ - und das beschreibt sehr treffend, wie die Radfahrer die Hügel der Toskana hochstrampeln. Zur Wahl stehen fünf unterschiedliche Strecken über 46, 81, 106, 135 und 209 Kilometer. Alle haben es in sich: Die schwer zu befahrenen Schotterstraßen schlängeln sich mit bis zu 18-prozentiger Steigung durch die Landschaft. Bei der längsten Strecke sind insgesamt rund 3900 Höhenmeter zu bewältigen.
So schön das toskanische Hügelpanorama auch sein mag - den Teilnehmern des Nostalgie-Radrennens macht es das Leben schwer. Vor idyllischer Kulisse kämpfen sie ums Zurücklegen jeden Meters. Die Zeit wird wie erwähnt nicht gemessen. Vielmehr geht es darum, möglichst heldengleich ins Ziel zu kommen. Dazu zählt zum Beispiel auch, anderen Teilnehmer beim Aufpumpen eines Reifens zu helfen.
An den Zwischenstationen machen die Radfahrer bei Rotwein und toskanischen Spezialitäten Rast, um sich für die kommenden Streckenabschnitte zu stärken. Auch an den Zwischenstationen gibt es nicht den üblichen Standard: Rotwein statt Energydrinks - und dazu natürlich toskanische Spezialitäten.
Teilnehmerzahlen der Eroica
Die Teilnehmerzahl steigt dabei jährlich! Hier eine Übersicht der Teilnehmerzahlen der Eroica in Gaiole von 1997-2019:
| Jahr | Teilnehmer |
|---|---|
| 1997 | 92 |
| ... | ... |
| 2019 | ca. 8.000 |
Weitere Eroica-Veranstaltungen weltweit
Aufgrund des erfolgreichen Konzepts gibt es mittlerweile mehr als ein Dutzend Ableger-Veranstaltungen auf der ganzen Welt. Hier eine Auswahl:
- Eroica Japan - 12. & 13. April 2025
- Eroica Montalcino, Italien - 25. Mai 2025
- Eroica Valkenburg, Niederlande - 6. Juni 2025
- Eroica Germania, Deutschland - 23. August 2025
- Eroica Dolomiti, Italien - 6. September 2025
Weitere historische Radrennen in Italien
Allein sieben L’Eroica-Termine gibt es in Italien inzwischen. Doch es gibt noch weitere sehenswerte historische Radrennen:
- L’Intrepida (Anghiari): Schauplatz jener Schlacht, die die Grenzen der Toskana neu absteckte, scheint der mittelalterliche Ort Anghiari einem Gemälde entsprungen zu sein. Hier ist die L’Intrepida zu Hause, die drei Streckenvarianten aufweist: die klassische über 42 km, die Langstrecke über 85 km und der Intrepido über 120 km Länge.
- La Polverosa (Parma): In der einladenden und gastfreundlichen Stadt Parma, die das Zentrum der Poebene bildet, und nur wenige Kilometer entfernt, in Montechiarugolo, befindet sich der Startplatz der La Polverosa.
- La Moserissima (Trento): Zu Ehren von Francesco Moser und seiner Familie, die seit den fünfziger Jahren bis heute Radsportgeschichte geschrieben hat, möchte die internationale Radrundfahrt La Moserissima das Ausüben von Rennrad-Oldtimer-Fahrten wie auch die zahllosen Attraktionen der Stadt Trento und ihrer Umgebung fördern.
- Coppi e Bartali (Novi Ligure): Im allgemeinen Sprachgebrauch genügt es, die magischen Worte „Fausto Coppi” auszusprechen, um in der kollektiven Vorstellungswelt vieler Zweiradfans eine ganze Radsportepoche und die denkwürdige Rivalität mit Gino Bartali heraufzubeschwören. Dies ist der richtige Moment, um einen Sprung in die Geschichte zu wagen.
- L’Imperiale (Rom): Ein Schauspiel von seltener Schönheit in einer Stadt wie Rom mit ihrer tausendjährigen Geschichte, ihrem Kunstreichtum, historischen Stätten, Zentrum der Christenheit und Hauptstadt Italiens.
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