Vuelta a España: Geschichte und Aktuelles zum Radrennen in Spanien

Die Vuelta a España, oft auch La Vuelta genannt, ist neben der Tour de France und dem Giro d’Italia eines der drei großen Etappenrennen im Radsport. Offiziell heißt sie Vuelta Ciclista a España. Obwohl die Organisatoren jedes Jahr bestrebt sind, eine noch spektakulärere Rundfahrt zu gestalten, steht die Vuelta oft im Schatten der beiden anderen Rennen.

Geschichte und Entwicklung

Die Vuelta Ciclista a España wurde erstmals 1935 ausgetragen und ist somit die jüngste der Grand Tours. Nach dem vielversprechenden Auftakt 1935 folgte 1936 eine zweite Austragung, bevor der Spanische Bürgerkrieg das Rennen bis 1940 zum Stillstand brachte. Auch der Zweite Weltkrieg sorgte für eine weitere Zwangspause. Erst seit 1955 wird die Vuelta ununterbrochen ausgetragen - sogar die weltweite Pandemie im Jahr 2020 konnte sie nicht aufhalten. Heute ist sie lebendiger denn je.

Inspiriert von den italienischen und französischen Landesrundfahrten wurde die Vuelta a España das erste Mal 1935 ausgetragen. 50 Fahrer nahmen an dem Rennen teil, das aus 14 Etappen bestand. Sieger wurde der Belgier Gustaf Deloor. Schon damals war die Strecke mehr als 3000 Kilometer lang. Auch ein Jahr später konnte der belgische Radsportler die Vuelta für sich entscheiden. In den darauffolgenden Jahren fand die Spanien-Rundfahrt nur sehr unregelmäßig statt.

Seit 1955 findet die Spanienrundfahrt jährlich statt - auch mit immer mehr Teilnehmern und Zuschauern. Zunächst legte der Veranstalter das Rennen in den Frühling. Dies führte allerdings zu Überschneidungen mit den anderen Grand Tours, sodass die Vuelta Mitte der 90er auf August/September verlegt wurde. Seit 1979 ist Unipublic der Veranstalter der Rundfahrt, der seit 2014 mit der Amaury Sport Organization (A.S.O.) zusammenarbeitet.

Im Jahr 2020 wurde die Vuelta aufgrund der COVID-19-Pandemie auf den 20. Oktober verschoben. Dabei kam es zu einer Überschneidung mit dem Giro d’Italia, der vom 3. bis 25. Oktober stattfand. Deshalb mussten sich die Fahrer entscheiden, an welcher Grand Tour sie teilnehmen. Die Rundfahrt umfasste erstmals seit 1985 nur 18 anstatt 21 Etappen und startete nicht wie vorgesehen im niederländischen Utrecht.

Besonderheiten der Vuelta

Ein wesentlicher Unterschied zur Tour de France besteht in der Streckenführung. Während die Tour de France abwechselnd im und gegen den Uhrzeigersinn verläuft, gibt es bei der Vuelta keine feste Strategie. Die Streckenführung variiert stark von Jahr zu Jahr. Mal führt die Hälfte der Rundfahrt entlang der spanischen Südküste und durch das Landesinnere mit seinen hohen Bergen, mal werden die eher kleinen Hügel im Nordwesten nördlich von Portugal in Angriff genommen.

Interessant ist der Unterschied der Vuelta in puncto Landschaftsgestaltung. Es gibt bei dieser Rundfahrt vor allem an der Atlantikküste und im äußersten Nordwesten Spaniens Berge, die nicht höher sind als Orte im Flachland von Bayern oder Niederösterreich, aber die werden vom Meeresniveau aus angefahren und sind Bergwertungen der 1. Kategorie. Zum Vergleich: Berge der 1. Kategorie sind üblicherweise bei Giro, Tour oder auch bei Tour de Suisse und Österreich Radrundfahrt zumindest 1.000 Meter hoch, häufig auch deutlich höher.

Die Vuelta besticht durch ihre hügeligen Etappen und eindrucksvolle Umgebung. Sie erstreckt sich meistens über eine Länge von 3300 bis 3500 Kilometern, aufgeteilt auf 21 Etappen. Dabei überwinden die Fahrer häufig bis zu 5000 Höhenmeter an nur einem Tag. Durch ihre wenigen Flachetappen, die oftmals auch mit einer kürzerer Bergankunft enden, gilt die Vuelta als die bergigste Grand Tour. Daher sind starke Kletterer in der Regel die Topfavoriten.

Das Markenzeichen der Vuelta ist der Anstieg des Alto de Angliru in Asturien, bei dem das Fahrerfeld eine steile Rampe mit bis zu 24 Prozent Steigung überwinden muss. Dieser Anstieg zählt zu den schwierigsten im gesamten Radsport. Weitere hart umkämpfte und spannende Etappen sind zum Beispiel die Bergankünfte am Puerto de las Peñas Blancas, der Sierra de la Pandera oder die Hoya de la Mora in der Sierra Nevada.

Die Trikots und Wertungen

Die Wertungen und Trikots der Vuelta wurden in der Vergangenheit mehrfach angepasst. Heute wird die Spanien-Rundfahrt nach dem Reglement der UCI und des Sonderreglements des Veranstalters, der Firma Unipublic, ausgetragen. In der Vergangenheit war das Trikot viele Jahre golden oder gelb, aber auch weiß, orange und weiß mit roten Bruststreifen.

  • Gesamtwertung: Für die Gesamtwertung werden die Zeiten aller gefahrenen Etappen addiert - abzüglich der Zeitgutschriften, die die ersten Drei im Ziel und bei Zwischensprints erhalten. Der Radprofi, der für den gesamten Parcours am kürzesten braucht, gewinnt die Gesamtwertung.
  • Punktewertung: Wie bei der Tour de France ist auch bei der Vuelta das Trikot der Punktewertung grün. Die Punkte werden bei den Zwischensprints und Zielankünften an die Top 15 bzw. Top 3 vergeben.
  • Bergwertung: Dieses Trikot ist wie bei der Tour de France weiß, allerdings nicht mit roten, sondern blauen Punkten. Die Gipfel der Vuelta sind wie bei den anderen beiden Landesrundfahrten in vier Kategorien eingeteilt.
  • Nachwuchswertung: Er wird wie der Führende der Gesamtwertung durch Addition der Zeiten der Tagesabschnitte aller Fahrer unter 25 Jahren ermittelt.

Darüber hinaus gibt es die Mannschaftswertung und die Kür des kämpferischsten Fahrers. Bis 2018 hatte die Vuelta mit wenigen Unterbrechungen eine Besonderheit im Radsport: die Kombinationswertung. Sie zeichnete den vielseitigsten Radprofi aus. Hierfür wurden die Ergebnisse der Gesamt-, Berg- und Punktewertung addiert. Der Fahrer mit der niedrigsten Summe führte diese Kombinationswertung an.

Vergangene Sieger

Die meisten Gesamtsiege bei der Spanienrundfahrt konnte der Spanier Roberto Heras (2000, 2003, 2004, 2005) erringen. Der Schweizer Tony Rominger (1992-1994), der spanische Radprofi Alberto Contador (2008, 2012, 2014) und der Slowene Primož Roglič (2019-2021) kommen auf jeweils drei Siege. Auf die meisten Etappensiege kommt der Spanier Delio Rodríguez. Er hält mit 39 Siegen den Rekord.

Generell dominieren die Spanier bei den Ergebnissen ihrer Heimrundfahrt: Sie konnten die Vuelta insgesamt 33 Mal gewinnen und auch viele Tagessiege erringen. Aus Deutschland waren Rudi Altig, Rolf Wolfsdohl und Jan Ullrich je einmal Gesamtsieger. Weitere bekannte deutsche Teilnehmer waren Klaus-Peter Thaler, Dietrich Thurau und Marcel Wüst.

Siegerliste der letzten zehn Jahre

Jahr Sieger Land
2022 Remco Evenepoel Belgien
2021 Primož Roglič Slowenien
2020 Primož Roglič Slowenien
2019 Primož Roglič Slowenien
2018 Simon Yates Großbritannien
2017 Christopher Froome Großbritannien
2016 Nairo Quintana Kolumbien
2015 Fabio Aru Italien
2014 Alberto Contador Spanien
2013 Christopher Horner USA

Ausblick auf die Vuelta a España 2025

2025 feiert die Vuelta a España ihr 90-jähriges Jubiläum. Zum 90. Jubiläum beginnt die Vuelta ausnahmsweise im Ausland - und zwar stilvoll: Die ersten drei Etappen führen durch das italienische Piemont. Die Vuelta 2025 startet erstmals in Italien, genauer gesagt in Turin.

Die 80. Ausgabe der Vuelta startet am 23. August zum ersten Mal in ihrer Geschichte in Italien. Nach dem Start in Turin stehen vier Renntage im Nordwesten des Landes auf dem Programm, bevor es auf der vierten Etappe über die französische Grenze und die Alpen nach Voiron geht. Die 5. Etappe führt das Feld dann nach Spanien zum Mannschaftszeitfahren [TTT], aber es dauert nicht lange, bis das Rennen sein viertes Land erreicht: Die Etappen 6 und 7 enden bzw. beginnen in Andorra.

Die Strecke von Turin bis Madrid umfasst 3.180 km und 54.588 Höhenmeter. Neben dem roten Trikot für den Führenden der Gesamtwertung werden während des dreiwöchigen Rennens drei weitere Wettbewerbe ausgetragen - der Sprint, der Bergkönig und die Jugendwertung.

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