Radtour auf dem Erft-Radweg: Eine Reise durch die Eifel und das Rheinland

Zwei Tage lang radelten wir auf dem Erft-Radweg. Begleite uns auf unserer Fahrradtour entlang der Erft, die sich von der Eifel bis ins Rheinland in Neuss durch wundervolle Landschaften schlängelt. Ich zeige dir die schönsten Highlights, die es unterwegs zu entdecken gibt und welche Abstecher du unternehmen kannst. Außerdem verrate ich dir, wie wir uns die Etappen aufgeteilt haben und habe noch weitere Tipps für dich.

Dies war übrigens unsere erste mehrtägige Radtour, umso gespannter war ich, wie es klappen und was mich erwarten würde.

Der Erft-Radweg im Überblick

Der Erft-Radweg ist ein Flussradweg, der sich entlang der Erft schlängelt. Er verläuft von der Quelle in Nettersheim-Holzmühlheim in der Eifel bis zur Rheinmündung in Neuss. Dabei radelt man durch wunderschöne Landschaften und idyllische Ortschaften. Unterwegs gibt es eine Menge zu erleben.

Insgesamt ist der Erft-Radweg 110 Kilometer lang, die man hervorragend in zwei Etappen aufteilen kann. Wir entscheiden uns für folgende Erft-Radweg Etappen:

  • Tag 1: von Blankenheim nach Weilerswist
  • Tag 2: von Weilerswist nach Neuss

In 2 Etappen meistern wir den Erft-Radweg

Unsere Anreise zum Erft-Radweg

An einem Samstagmorgen packen wir unsere sieben Sachen und begeben uns mit unseren Fahrrädern zur Bahn. Wir wollen das sonnige Herbstwochenende nutzen und eine zweitägige Fahrradtour entlang der Erft unternehmen. Mit der Bahn fahren wir samt unseren Rädern zu unserem Startpunkt in die Eifel. Da das Wetter an diesem Wochenende so wundervoll ist, begegnen wir in der Bahn sehr vielen Fahrradfahrern, doch alle finden irgendwie noch einen Platz für ihren Drahtesel.

Mein Tipp daher: Fahre am besten früh morgens los, damit du entspannt einen Platz in der Bahn findest.

Früh morgens am Kölner Hauptbahnhof

Sehenswertes auf den Erft-Radweg Etappen

Tag 1: Von Blankenheim nach Weilerswist

In Blankenheim-Wald startet unsere Tour durch die traumhafte Landschaft in der Eifel. Wir fahren eine ganze Zeit lang an Bahngleisen und Wäldern entlang. Immer wieder sehen wir Hochstände, die jedoch zu dieser Zeit nicht besetzt sind. Meine Bedenken, dass die Radtour von Radfahrern überfüllt sein würde, waren unbegründet. Wir sind auf dieser Strecke fast alleine unterwegs, nur ab und zu begegnen wir Wanderern und so können wir die herrliche Natur und die Stille ganz für uns genießen.

Ab Blankenheim geht es los

Den Römern auf der Spur

Wir passieren die alte Fernstraße „Via Agrippa“ aus Römerzeiten, die einst von Köln nach Trier verlief. In der Nähe befindet sich der Archäologische Landschaftspark, in dem es römische Ausgrabungen von Wohn- und Befestigungsanlagen, sowie eines römischen Tempels gibt.

Doch heute müssen diese antiken Sehenswürdigkeiten links liegen gelassen werden. Es geht hochmotiviert weiter durch die wundervolle Landschaft.

VIA Erlebnisraum Römerstraße „Agrippastraße“

Idyllisches Nettersheim

In Nettersheim angekommen, müssen wir an einer geschlossenen Bahnschranke warten und nutzen daher die Gelegenheit, einen kleinen Abstecher durch die schöne Altstadt mit den vielen Fachwerkhäusern zu machen. Wir fühlen uns hier wie in einem Freilichtmuseum. Vor einem Café sitzen die Leute und halten einen Plausch bei herrlichem Sonnenschein.

Alte Kalkbrennöfen in Nettersheim

Nettersheim wurde übrigens 1990 als Bundeshauptstadt des Naturschutzes ausgezeichnet. Kein Wunder also, dass wir ein Stückchen weiter zum Naturzentrum Eifel gelangen. Dieses Besucherzentrum für Umweltbildung will mit ihren Ausstellungen die Natur- und Geschichtsschätze der Eifel nahebringen. In dem Gebäude ist auch die Tourist-Information untergebracht.

Ganz in der Nähe befinden sich außerdem alte Kalkbrennöfen der ehemaligen Kalkbrennerei aus dem 19. Jahrhundert. Man kann übrigens in einen der beiden Brennöfen hindurchgehen. (Aus zuverlässiger Quelle weiß ich, dass das auch mit dem Fahrrad funktioniert).

Bislang gefällt mir die Gegend sehr gut und ich würde hier gerne mehr Zeit verbringen, aber wir haben noch einen langen Weg vor uns. Daher radeln wir weiter durch herrliche Landschaften, vorbei an der Ahekapelle, einer Wallfahrtskapelle, sowie einigen Pferdekoppeln. Immer noch können wir die aussichtsreiche Natur in aller Ruhe genießen, da wir fast alleine unterwegs sind. Übrigens verläuft hier auch der Jakobsweg, es begegnen uns auch einzelne Wanderer.

Ahekapelle in Nettersheim

Pausen müssen sein

Am frühen Nachmittag legen wir in dem kleinen Eifelort Frohngau eine Pause ein. Direkt gegenüber der Kirche, die vermutlich ursprünglich mal ein römischer Wehrturm war, befindet sich die alte Schule. Heute beherbergt sie den „Dorftreff“ mit angeschlossener Bäckerei und einem kleinen Dorfladen, in dem die wichtigsten Dinge des Lebens erhältlich sind. Mit einem Kaffee und einem Stück köstlichem Kuchen bewaffnet, setzen wir uns draußen in die Sonne, um uns zu stärken. Dabei dürfen wir einigen einheimischen Damen beim Kaffeeklatsch zuhören und dabei den örtlichen Dialekt kennenlernen.

Der „Dorftreff“ in der alten Schule

Dort wo die Erft entspringt: die Erftquelle

Und dann erreichen wir den Kern dieser Radtour: die Erftquelle. In Nettersheim-Holzmülheim sprudelt sie aus den Tiefen der Erde heraus und fließt durch den Wald. Rund 110 km ist die Erft lang, bis sie in Neuss in den Rhein mündet. Sie wird uns von nun an stets auf unserem Weg begleiten. Ich halte meine Finger in das Wasser, um die Temperatur zu prüfen und schrecke zurück. Das Wasser ist so eiskalt, dass es fast schon schmerzt.

An der Erftquelle befindet sich ein Spielplatz und eine Grillhütte. Da sind gerade mehrere Familien dabei, ihr Mittagessen zuzubereiten und nutzen das kalte Quellwasser zum Kühlen ihrer Getränke.

Hier entspringt die Erft - die Erftquelle

Wir werden eingeladen, teilzunehmen. Doch dieses Angebot müssen wir leider ausschlagen, da noch eine lange Strecke vor uns liegt. Und so radeln wir weiter. Der Radweg ist sehr abwechslungsreich. Mal fahren wir durch Wälder, mal durch kleine idyllische Ortschaften. So drehen wir zum Beispiel in Schönau eine Extrarunde durch den kleinen Ort, nur um uns die hübschen Fachwerkhäuser in Ruhe anzuschauen.

Historisches Bad Münstereifel

Von Bad Münstereifel haben sicherlich schon viele mal gehört. Aber wusstest du auch, dass die komplette Innenstadt mittlerweile ein großes Outlet-Center ist? So lässt sich eine Besichtigung der beeindruckenden Altstadt, mit den vielen wunderschönen und gut erhaltenen Fachwerkhäusern, sehr gut mit einem Einkaufsbummel verbinden. Wem das zu viel Rummel ist, der kann einen Spaziergang auf der Stadtmauer entlang unternehmen.

Fachwerkhäuser in Bad Münstereifel

Auf alle Fälle fühlt man sich, sobald man die Innenstadt durch eines der vier Stadttore betritt, in eine andere Zeit versetzt. Der Innenstadtkern aus dem Mittelalter ist noch vollständig erhalten geblieben. Bewundere zum Beispiel das Windeckhaus mit seinen bunten Schnitzereien an der Fassade oder das Gotische Rathaus. Auch hier ist die Erft unser stetiger Begleiter, denn sie fließt mitten durch die historische Altstadt.

Leider befinden wir uns nicht ganz im Zeitplan, anscheinend habe ich zu viel gebummelt beim Fotografieren. Daher bleibt uns keine Zeit für einen längeren Aufenthalt in Bad Münstereifel. Und so machen wir uns wieder auf den Weg Richtung Euskirchen. Die Landschaft verändert sich allmählich, statt Wälder gibt es nun viele Felder, an denen wir entlang radeln. Und auch die Erft ist nicht mehr ein kleines Bächlein, sondern entwickelt sich zusehends zu einem Fluss.

LVR-Industriemuseum Tuchfabrik Müller in Euskirchen

Als wir in Euskirchen ankommen, unternehmen wir noch einen Abstecher nach Euskirchen-Kuchenheim zur ehemaligen Tuchfabrik Müller. Diese stellte 1961 von einem Tag auf den anderen ihren Betrieb ein und beherbergt nun ein LVR-Industriemuseum. Leider sind wir zu spät dran und haben die letzte Führung für heute verpasst. Schade, wir hätten die Fabrik gerne in ihrem Dornröschen-Schlaf besichtigt. So bleibt uns nur, im Museums-Café noch eine kleine Pause einzulegen, bevor wir uns auf die Schlussetappe begeben. Gegenüber der ehemaligen Tuchfabrik Müller steht die Mottenburg, in der das Museumsgästehaus untergebracht ist.

Da wir für den Abstecher zur ehemaligen Tuchfabrik den Erft-Radweg verlassen haben, versuchen wir ihn nun wiederzufinden. Dies ist allerdings gar nicht so ganz einfach, da wir des öfteren einen Wegweiser nach Weilerswist entdecken, allerdings jeweils in entgegengesetzte Richtungen. Doch schließlich nähern wir uns wieder der Erft an und können den Rest unserer Tagesstrecke auf dem Erft-Radweg absolvieren.

Auf der Suche nach dem Erft-Radweg

Etappen-Sieg in Weilerswist

Unsere heutige Etappe endet in dem kleinen Örtchen Weilerswist. Noch ein letzter Anstieg bis zu unserer Pension und wir haben es für heute geschafft. Puh, jetzt freue ich mich auf eine heiße Dusche, ein warmes Essen und eine „echte“ Sitzgelegenheit. Wir übernachten in einer Pension in einem alten Fachwerkhaus mit uriger Weinstube und so lassen wir den Tag Revue passieren und ruhig ausklingen. Denn morgen geht es schließlich auf dem Erft-Radweg weiter.

In Weilerswist befinden sich gleich drei Museen:das Adler-Zweirad-Museumdas Druckereimuseumund ein Handwerk- und Heimatmuseum

Unsere Pension in Weilerswist

Tag 2: Von Weilerswist nach Neuss

Ausgeruht und gestärkt vom Frühstück radeln wir früh morgens wieder los. Ich bin ein wenig ängstlich, wieder auf das Fahrrad zu steigen. Doch es funktioniert erstaunlich gut. Sowohl Muskeln als auch der Hintern spielen zum Glück gut mit. Und so kommen wir dann auch ganz gut voran. Auch heute haben wir wieder ein fantastisches Wetter erwischt und so treten wir gut gelaunt in die Pedalen. Wir begegnen vielen Hundebesitzern, die ihre morgendliche Runde drehen. Es ist anfangs noch etwas frisch, doch schon bald kommen die ersten Sonnenstrahlen durch.

Der Erft-Radweg führt uns auch heute wieder durch wunderschöne Landschaften und wir können die herrliche Natur an der frischen Luft genießen. Unterwegs sehen wir eine Sammlung von alten Autos und ich muss beim Anblick dieser Wägen sofort an die „Waltons“ denken.

Highland Games Kerpen

In Kerpen-Balkhausen erwecken viele parkende Autos am Straßenrand sowie viele Fußgänger, die entlang von Absperrungen gehen, unsere Neugier. Und so reihen wir uns in den Tross ein, um zu prüfen, was denn hier wohl los ist. Auf einem Sportplatz werden die Highland Games Kerpen ausgetragen. Bei dieser Veranstaltung finden Wettkämpfe nach schottischer Tradition statt. Die Disziplinen sind beispielsweise Baumstammrollen und Steinstoßen.

Da es aber noch früh am Tag ist und wir noch eine lange Strecke vor uns haben, verlassen wir dieses ungewöhnliche Spektakel und machen uns wieder auf den Weg.

Auf dem Weg zur Gymnicher Mühle

Naturparkzentrum Gymnicher Mühle

Schon bald unternehmen wir dann den nächsten Abstecher. Wir fahren zur Gymnicher Mühle Erftstadt. Diese alte Wassermühle liegt inmitten der Erftaue. Sie ist leider geschlossen, jedoch sehr nett anzuschauen.

Im ehemaligen Speicher der Gymnicher Mühle befindet sich das Erftmuseum, in dem du alles über die Erft erfährst. Hinter der Mühle können Kinder im Wassererlebnispark mit Wasser experimentieren oder einfach nur spielerisch das Element Wasser erleben. Oder du schaust dir den kleinen Kräutergarten an. Vogelliebhaber finden ganz in der Nähe der Gymnicher Mühle eine Falknerei, die einmal täglich eine Greifvogelschau anbietet. Sicherlich auch für Kinder sehr beeindruckend.

Gymnicher Mühle in Erftstadt

Kaffeepause in Schloss Türnich

Allmählich schreitet die Zeit voran und wir legen daher eine Pause im Barockschloss Türnich ein, das sich nicht allzu weit entfernt befindet. Den Weg dorthin bahnen wir uns durch eine wunderschöne Allee. Während wir im Schloss-Café in der Sonne sitzen und unseren Kaffee genießen, fühlen wir uns hier ein bisschen wie im Urlaub.

Schloss Türnich

Hochwasserschutz durch Wehre und Erftflutkanal

Doch schließlich beenden wir die angenehme Pause und schwingen uns wieder auf die Räder. Es geht weiter durch die Auenlandschaften der Erft. Auch kommen wir immer wieder an Wehren und Schleusen vorbei, die zum Hochwasserschutz eingerichtet wurden. Im Kerpener Bruch sehen wir eine Besonderheit: das Aquädukt, durch das die Kleine Erft über den Erftflutkanal geführt wird.

Schloss Paffendorf in Bergheim

Der Radweg führt uns auch am großzügig angelegten Landschaftspark von Schloss Paffendorf in Bergheim vorbei. In diesem Wasserschloss ist das Informationszentrum der RWE Power AG untergebracht, in dem man eine Ausstellung über die rheinische Braunkohleindustrie besichtigen kann. Der Braunkohletagebau hat nicht nur das Landschaftsbild verändert sowie ganze Ortschaften verschwinden lassen, sondern er hat auch den Wasserstand der Erft verändert.

Unterwegs auf dem Erft-Radweg

Schloss Bedburg mit musikalischer Unterhaltung

Wir lassen Bergheim hinter uns und nähern uns Bedburg. Im Stadtzentrum steht das Wasserschloss Bedburg, das seine Ursprünge im 12. Jahrhundert hat. Es besitzt einen sehr schönen Schlosspark, der öffentlich zugänglich und ideal für einen Spaziergang geeignet ist. Heute findet hier im Schlosspark ein Musik-Picknick statt, daher ist hier im Park sehr viel los.

Renaturierung der Erft

Der Erft-Radweg ist nach den Hochwasserfolgen aus 2021 wieder befahrbar. Vor Ort gibt es jedoch noch einige Umleitungen.

Der Erft-Radweg führt entspannt auf ca. 110 km von der Quelle der Erft in Nettersheim-Holzmühlheim bis nach Neuss. Für Genießer und Wissenshungrige Der Weg quert die wasserburgenreichste Region Deutschlands und führt entlang steinerner Zeugen der Römerzeit. Wehrhafte Stadtbefestigungen und mächtige Burgen aus der Ritterzeit, prunkvolle Schlösser aus den Glanzzeiten des rheinischen Adels sowie eindrucksvolle Zeugnisse moderner Kunst und Technik liegen am Weg.

Die Route bis zum Einstieg Erft-Radweg ist ab dem Bahnhof beschildert. Unser Tipp: Lassen Sie Ihr Auto Zuhause. Der Erft-Radweg ist hervorragend an den Personennahverkehr angebunden. Mit diesem kommen Sie stressfrei an den Start Ihrer Radtour.

Als überregionale Routen sind neben dem Erft-Radweg auch die Zwei-Flüsse-Tour, die Wasserburgen-Route und der Rheinradweg zu nennen.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0