Radfahren im Biosphärengebiet Schwäbische Alb: Touren, Erlebnisse und Tipps

Die Schwäbische Alb in Baden-Württemberg ist ein wahres landschaftliches Glückskind! Aus einem tropischen Meer entstand ein spannendes Mittelgebirge mit eindrucksvollem Hochplateau, schroffen Albtraufkanten, vielen Karsthöhlen, zahlreichen Ruinen und Burgen und noch so viel mehr. Mitten in dieser atemberaubenden Landschaftsidylle liegt auch das Biosphärengebiet Schwäbische Alb, das 2009 die UNESCO Anerkennung erhielt. Insgesamt kann man sich in Deutschland aktuell an 18 dieser Reservate erfreuen und in Baden-Württemberg liegen mit dem Schwarzwald und der Schwäbischen Alb gleich zwei davon.

Das Biosphärengebiet bietet Radsportbegeisterten mit verschiedenen Qualitäts- und Themenradwegen in unterschiedlichen Längen und Schwierigkeitsgraden das passende Erlebnis. Ob mit dem E-Bike oder dem klassischen Fahrrad, ob als gemütliche Aussichtstour oder sportliche Herausforderung.

Die Biosphärengebietskulisse der Schwäbischen Alb hat eine rund 40 km lange Nord-Süd-Ausdehnung und erstreckt sich über eine Fläche von rund 850 km². In 18 dezentralen Informationszentren und dem Biosphärenzentrum Schwäbische Alb als zentralem Hauptinformationszentrum kann man eintauchen in die Besonderheiten dieses Schutzgebietes. Bei einem Besuch in einem der Informationszentren können spannende Entdeckungen über die Geschichte der Alb und das Leben früher und heute gemacht werden.

Die Themenradwege im Biosphärengebiet verbinden die Vielfalt der Kulturlandschaft mit den schönsten Ausflugszielen und Einkehrmöglichkeiten.

Der Verein Mythos Schwäbische Alb e.V. hat für den Landkreis Reutlingen 17 abwechslungsreiche Radtouren ausgeschildert, die zu besonderen Sehenswürdigkeiten oder entlang von Flüssen und Tälern führen. Die Wege unterschiedlicher Länge bieten die passende Strecke für Familien, Freizeitfahrerinnen und -Fahrern und sportlich Begeisterte. 14 Touren führen zudem durch den Alb-Donau-Kreis. Anschluss besteht zum Teil auch an die Radwege des Landkreises Esslingen.

Wenn Sie sich im Urlaub nicht für einen festen Ort entscheiden und ihn mit sportlicher Aktivität verbinden möchten, können Sie die Vielfalt der Schwäbischen Alb auf einem der Fernradwege erkunden. Die Schwäbische Alb ist bekannt für eine abwechslungsreiche Landschaft, die sich über Berge und Täler erstreckt. Der Schwäbische-Alb-Radweg und der derzeitige Alb-Neckar-Weg führen dabei zu großen Teilen durch das Biosphärengebiet Schwäbische Alb. Der Donau-Radwegund der Neckartal-Radweg verbinden das (Natur-) Erlebnis Schwäbische Alb mit anderen faszinierenden Gegenden in der Region. Sportlich Ambitionierte sind auf dem Alb Crossing richtig während Genießer*innen auf dem Württembergischer Weinradweg auf ihre Kosten kommen.

Im Herzen des Biosphärengebiets liegt auch die Stadt Münsingen. Zentrum nachhaltiger Mobilität im Biosphärengebiet Schwäbische Alb. Mit 12 ganz unterschiedlich anspruchsvollen, bestens ausgeschilderten E-Bike-Touren, lädt sie dazu ein, die Region auf dem Rad zu erkunden. Alle Strecken führen durch das vielfältige Biosphärengebiet und teilweise darüber hinaus. Seit 2016 ist Münsingen das Zentrum und der Ausgangspunkt für nachhaltige Mobilitätsformen für das Biosphärengebiet, insbesondere der E-Mobilität.

Auch die Topographie der Schwäbischen Alb ist optimal für die Erkundung mit dem Elektrorad. Auch die Topographie der Schwäbischen Alb ist optimal für die Erkundung mit dem Elektrorad. Rund 900 km Radweg, verteilt auf 15 E-Bike-Touren versprechen fantastische Ausblicke, eine interessante Pflanzenwelt und jede Menge Sehenswürdigkeiten.

Mit elektrischem Rückenwind durch das Biosphärengebiet Rund 30 e-Bikes stehen am Mobilitätszentrum Münsingen für Sie bereit. Ausgerüstet mit Navigationsgeräten, werden Sie bequem durch das UNESCO-Biosphärengebiet Schwäbische Alb navigiert. Außerdem können Sie zwischen den 15 schönsten vorinstallierten E-Bike-Touren wählen.

Albgut lädt Sie an einen Ort zum Leben und Feieren, zum Träumen und Sinnieren ein. Das ist albgut: ein Land vor hundert Jahren. Tauchen Sie ein in eine vor mehr als 100 Jahren geschaffene und bis heute fast unveränderte bestehende Welt.

Als Teil des Biosphärengebietes Schwäbische Alb ist Marbach ein Paradies für Pferdefreunde und Naturliebhaber. Mit über 500-jähriger Tradition ist das Haupt-und Landgestüt Marbach das älteste staatliche Gestüt Deutschlands. Knapp 1.000 Hektar Fläche verteilen sich auf die drei Gestütshöfe in Marbach, Offenhausen und St. Johann.

Es gibt beispielsweise zahlreiche Initiativen, um die wiederentdeckten regionalen Schätze wie Alblinsen, Albschnecken oder auch den Albbüffel wieder zu kultivieren. Wer Appetit auf diese kulinarischen Köstlichkeiten hat, kehrt einfach bei einem der zahlreichen Biosphärenwirte ein.

Hier sind einige ausgewählte Radtouren im Biosphärengebiet Schwäbische Alb:

  • R2: Atemberaubende Tour über die Zwiefalter Alb. Der Startpunkt kann in Reutlingen sein, von wo aus wir durch das Echaztal bis nach Honau radeln. Dort können wir die Olgahöhle besichtigen oder das Wilhelm- Hauff Museum.
  • R6: Museumstour. Sie führt durch eine abwechslungsreiche Landschaft und verbindet einige interessante Museen.
  • R7: Tour über die Albhochfläche. An zwei Stellen geht es hinab ins Große Lautertal.
  • R9: Tour im Lautertal. Sie verläuft teils auf der Albhochfläche und teils im Lautertal.
  • R10: Tour entlang von Flüssen. Wir folgen den drei Flussläufen der Lauter, Donau und Ach. Die Rundtour beginnt an der Zwiefalter Aach, die nach wenigen Kilometern in die Donau mündet.
  • R11: Tour über die Zwiefalter Alb. Sie verspricht Natur pur, auf weiten Strecken fahren wir durch den Wald.
  • R14: Tour über die Uracher Alb. Sie führt uns in einem stetigen Auf und Ab über den vorderen Teil der Uracher Alb.
  • R16: Tour zur Eninger Weide. Nach einem steilen Anstieg gleich zu Beginn der Tour radeln wir auf der Hochfläche zur Eninger Weide und weiter nach Engstingen zum Automuseum.
  • R19: Marbacher Gestütsradweg. Er verläuft auf insgesamt 60 km durch die attraktive Kulturlandschaft des Biosphärengebiets Schwäbische Alb.

Weitere Touren und Erlebnisse:

  • Familientour durch das Lautertal. Diese kurze und abwechslungsreiche Tour eignet sich für die ganze Familie. Pferdeweiden, Höfe und das Tal der Großen Lauter bieten aus- reichend Möglichkeiten zum Pausieren und zur Rast.
  • Sportliche Tour am Albtrauf. Diese Tour führt den Albtrauf hinauf und auch wieder hinunter und eignet sich vor allem für sportliche Radler oder E-Biker.
  • Tour zum Gestütshof St. Johann. Unsere Tour führt uns nach Trailfingen und weiter zum Gestütshof St. Johann und dem Aussichtspunkt Rutschenfelsen.
  • Tour durch das Schandental. Unsere Tour durch das idyllische Schandental bis nach Schmiechen.
  • Tour zur Venus vom Hohle Fels. Eine idyllische Tour durch das Heutal nach Schelklingen und der Venus vom Hohle Fels. Weiter geht es nach Blaubeuren zum Blautopf. Anschließend geht es vorbei an der Sontheimer Höhle weiter nach Feldstetten.
  • Tour zur ALB-GOLD Nudelfabrik. Entdecken Sie die Sonnenalb und verbinden es mit einem Besuch bei einer der modernsten Nudelfabriken deutschlands.
  • Berg Bier-Tour. Die Berg Bier-Tour ist optimal für alle Genießer. Die abwechslungsreiche rund 110 Kilometer lange Berg Bier Tour bietet sportliche Abschnitte und belohnt mit typischer Alblandschaft im Großen Lautertal. Bierliebhaber werden in Ehingen Berg bei der Brauerei Berg, die diese Tour mitinitiiert hat, mit flüssigem Gold belohnt. Die Brauereidichte in Ehingen ist groß und trägt verdient den Titel Europäische Bierhauptstadt. Am zweiten Tag geht es für uns weiter zum Blautopf und vorbei an zahlreichen Höhlen.
  • Tour zum SchwörerHaus. Fahren Sie mit dem e-Bike vom Mobilitätszentrum aus über die Alb zum Hauptsitz von SchwörerHaus in Hohenstein.

Tourenbeschreibungen mit Startpunkt Münsingen:

  1. E-Bike Radtour auf der Schwäbischen Alb, Nr. 1: Von Münsingen starten wir nach Trailfingen; gleich zum Einstieg erwartet uns eine dieser albtypischen Wacholderheiden inklusive einer wolligen, wohl immer hungrigen Schafherde. Ihrem Appetit und der entsprechenden Ausdauer haben wir es zu verdanken, dass wir auf der Schwäbischen Alb durch diese wundervolle offen gehaltene Landschaft cruisen können. Trailfingen mit dem alten Backhaus, dem Rathaus und Brunnen, könnte uns aus jedem Landmagazin verträumt entgegen lächeln. Nach Rietheim zahlt sich die grandiose Akku-Unterstützung bereits schnell aus und wir bewältigen das Auf und Ab mit einem dicken Grinsen. Wer auf seinem Gepäckträger noch einen Platz frei hat, könnte an der Haltestelle mit einem sogenannten „Mitfahrbänkle“ gleich noch einen Passagier auf das Rad nehmen. Eine erste Pause gönnen wir uns auf dem Kleinen Föhrenberg, ein perfekter Platz für ein zweites Frühstück vor einer riesigen Blumenwiese. Im Upfinger Ried gibt es eine weitere Wiesenzugabe und ein kleiner Skilift vermittelt albines Winterfeeling. Wir nähern uns dem absoluten Landschafts-Highlight, dem Rutschenfelsen. Diese monumentale steil abfallende Kalksteinfelswand ist atemberaubend. Mehr „typisch Schwäbische Alb“ kann uns wohl kaum geboten werden. Als Zugabe spazieren wir entlang der Fläche am Albtrauf und zelebrieren auf den zahlreichen Bänken die großartige Aussicht. Ein Viscope macht sich als kompetenter Guide nützlich, denn alle sichtbaren Aussichtspunkte sind wunderbar beschriftet. Großartig der Blick auf die Ruine Hohenurach, den Hohenneuffen und die Burg Teck. Auf der folgenden Passage durch gemäßigten Matsch und Modder freuen sich unsere E-MTBs, bevor wir in die Idylle des zum Marbacher Haupt- und Landgestüt gehörenden Vorwerks Fohlenhof rollen. Große und kleine Pferdefans haben hier richtig viel Spaß. Auf den umliegenden Weideflächen grasen Weil-Marbacher Vollblutaraber, Altwürttemberger und Schwarzwälder Füchsen friedlich vor sich hin. Rund 100 Fohlen verbringen in dieser wundervollen Landschaft ihre ersten drei Lebensjahre. Anschließend ziehen die Tiere ins Hauptgestüt nach Marbach um, wo sie eine behutsame und sorgfältige Topausbildung erwartet. Gächingen erreichen wir über ein weiteres Vorwerk in St. Johann und wunderschöne Abschnitte mitten durch Getreide, Korn- und Mohnblumenfelder. Wahrlich ein Paradeplatz für Jürgen Drews, um sein viel besungenes Bett im Kornfeld aufzuschlagen. Dann ist der Sport- oder Turbomodus gefordert, denn die Alte Steige in Gächingen ist eine echte Herausforderung für die Waden. Mit etwas Glück, flirten am Birkenhof Alb und Alpen miteinander und man kann die Erhebungen der Allgäuer und Lechtaler Alpen gut erkennen. Den Endspurt läuten wir über die bereits bekannten Radwege ein. Wir haben einen kleinen Getränkevorrat in der Satteltasche und halten erneut am Kleinen Föhrenberg.
    • Besonderer Tipps: Aussichtspunkte am Rutschenfelsen, Fohlenhof und Gestüt St. Johann.
  2. E-Bike Radtour auf der Schwäbischen Alb, Nr. 2 „Märchenschloss Lichtenstein“ kombiniert mit Teilen der Tour Nr. 7: Die Schwäbische Alb wirkt auf uns häufig wie ein Gute-Laune-Turbo. Kurz darauf bringt uns die Gedenkstätte bei Schloss Grafeneck hart und ungebremst in die reale Welt zurück. Zwischen Januar und Dezember 1940 wurden hier mehr als zehntausend Menschen mit Behinderung umgebracht. Ist das Leben vielleicht doch ein Ponyhof? Wem der Sinn danach steht, macht nach der Waldabfahrt einen Abstecher in das Haupt- und Landgestüt in Marbach und schlängelt sich dann durch das malerische Lautertal. Anbremsen sollte man aus unserer Sicht auf jeden Fall am Lagerhaus an der Lauter in Dapfen. Es duftet verführerisch nach Kaffee, Schokolade und Seife. Auf zwei Stockwerken hat die Familie Läpple hier regionale Köstlichkeiten wie Gin, Rapsöl, Alb-Linsen und Muckefuck arrangiert und im Garten oder auch im hübschen Indoor-Ambiente lassen sich z.B. rund 20 selbst geröstete Kaffeesorten und frisch gebackene Kuchen schnabulieren. Zwischen der jungen frech plätschernden Lauter und den mit Felsen durchzogenen Wacholderheideflächen gelangen wir ins langgezogene friedliche Pfaffental. Hier hört man ausschließlich die Naturstille mit Vogelgezwitscher, Grillenzirpen und Insektensummen: die Seele baumeln lassen, ist hier ganz einfach und unkompliziert. Denn am romantischen Höhepunkt und Namensgeber der Radtour, dem Schloss Lichtenstein angekommen, ist es mit der Stille kurzzeitig vorbei. Das nach einer Romanvorlage von Wilhelm Hauff 1840 oberhalb von Honau erbaute Schloss, das mit seinem schlanken weißen Rundturm direkt am Albtrauf schwebt, ist magischer Anziehungspunkt für zahlreiche Ausflügler und Brautpaare. Es braucht nicht viel Fantasie, um sich die oder den aus dem Echaztal auf einem eleganten Pferd, zur Lichtenstein hinauf galoppierende(n) Märchenprinzessin oder den -prinzen vorzustellen. Der Ausblick über die Alb zum Zeugenberg Achalm und auf die zahlreichen Kalksteinfelsen, die durch das Grün blitzen, ist einfach eindrucksvoll! Die kompakte Schlossführung gestaltet sich kurzweilig, was an den kleinen Anekdoten liegt, die unsere Schloss-Begleiterin Denise einfließen lässt. Auch die Anekdote um die Gefahren eines Gangs auf eine schwebende Toilette in 300 Meter Höhe, erzeugt viele Lacher. Die Strecke zum Schloss ist eine Sackgasse und so geht es erneut vorbei an einer weiteren, bereits bekannten Wacholderheide. Wir nutzen die Chance für eine entspannte Vesperpause inmitten des Naturschutzgebietes. Zurück auf der ausgeschilderten Strecke „e2“, verlassen wir dann diese Tour. Wir orientieren uns kurz Richtung Gomadingen und stoßen zügig auf die Tourenausschilderung „e7“, die uns zum Karst-Quelltopf der Großen Lauter in Offenhausen führt. Diese liegt etwas abgelegen mitten in einer ehemaligen Klosteranlage und ist gut mit dem Rad erreichbar. Wir begleiten das lebendige Flüsschen nur einige Kilometer durch das Kohlstetter Tal bevor es 44 Kilometer später in die Donau mündet. Glasklar plätschert die junge Lauter mal sichtbar, mal nur hörbar parallel zu unserem Radweg und wir überqueren zahlreiche kleine Brücken. Wer das Haupt- und Landgestüt Marbach noch nicht kennt, kann jetzt nochmal einen kleinen Abstecher dorthin machen. Kurz darauf stehen wir wieder am Fuße von Schloss Grafeneck, das sich nun am späten Nachmittag in einer ganz anderen Lichtstimmung zeigt. Die E-Bikes ziehen uns problemlos den geschotterten Anstieg hinauf.
    • Besonderer Tipps: Gedenkstätte Grafeneck (Tour Nr. 2 u. 7), Haupt- und Landesgestüt Marbach (Tour Nr. 2 u 7), Schloss Lichtenstein (Tour Nr. 2), Aussichtspunkt Hauff-Denkmal (Tour Nr. 2), Lauterquelle u. ehem. Kloster Offenhausen (Tour Nr. 7), Gomadinger Lautersee (Tour Nr. 3)
  3. E-Bike Radtour auf der Schwäbischen Alb, Nr. 3: Diese Tour wartet mit vielen Alb-Besonderheiten auf. Ein langer Abschnitt führt uns über den ehemaligen Truppenübungsplatz, der seit 2006 in Teilen wieder für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Durch die militärische Nutzung wurde die 6700 Hektar große Fläche weitestgehend von intensiver Landwirtschaft verschont und die Natur- und Kulturlandschaft zeigt sich in ganz besonderen Facetten. Wer mag, kann im an der Strecke liegenden Biosphärenzentrum im Alten Lager in Münsingen, ergänzend detaillierte Informationen über das ungewöhnliche Areal in sich einsaugen. Direkt im Anschluss führt die Strecke auf bestem Asphalt durch das ehemalige Truppenübungsgelände hindurch. Zwingend muss man auf den ausgeschilderten Wegen bleiben, alles andere wäre lebensgefährlich! Eine besondere Stille macht sich hier breit, bunte Blumenwiesen versprühen Wohlgeruch und gute Laune. Rund 30 Tsd. Schafe tümmeln sich auf dem gesamten Gelände und halten die Landschaft offen. Wir entdecken zumindest Schafsköttel und sind neugierig gespannt, ob wir wohl noch einer mähenden Ansammlung begegnen. Schäfchen zählen am hellichten Tage oder einfach den Blick über den ehemaligen Truppenübungsplatz schweifen lassen. Vor Gruorn wird es tummliger, der nächste Parkplatz liegt nur rund zwei Kilometer entfernt. Wanderer, Spaziergänger und Radler treffen sich in den Überbleibseln dieses verlassenen Bauerndorfs. Nur das Schulhaus, das heute eine gemütliche Gaststätte und ein kleines Museum beherbergt und die Stephanuskirche stehen noch und sind auch zugänglich. In dem Einraum-Museum bekommt man einen guten Einblick, wie man in dem damals wohlhabenden Ort lebte. Auch der vergebliche Kampf gegen die Erweiterung des Truppenübungsplatzes und die damit verbundene Dorfräumung 1939, durch den letzten Bürgermeisters von Gruorn, Ludwig Schiller, wird deutlich. 169 Familien mit 665 Bewohnern mussten sich ein neues Zuhause suchen. „Rund 20 bis 30 ´echte Gruorner´ sind heute noch am Leben“, erklärt Alfred Weber Vorsitzender des Komitees zur Erhaltung der Kirche in Gruorn e. V. „Diese Familien haben nach wie vor einen starken Heimatbezug und seit 1950 gibt es hier bis heute ein jährliches Treffen an Pfingsten, zu dem sich bis zu 1500 Besucher einfinden.“ Berührt schwingen wir uns wieder auf die Räder. Unser nächstes Ziel ist der Hursch, der höchste, von vier zugänglichen Beobachtungstürmen auf dem Gelände. Die rund 42 Meter hohe Stahlgitterkonstruktion ist frei zugänglich. Über die Zaininger Schranke verlassen wir das Areal, cruisen hindurch zwischen Feldern auf denen beispielsweise Schwäbischer Kümmel und Alb-Weizen angebaut werden. Mit der Marke „Albgemacht“ bieten Landwirte und Landwirtinnen im Biosphärengebiet nicht nur regionale Produkte an, sondern sorgen auch für artenreiche Äcker. Die pink-rosa blühenden Hengener Mohnfelder, mit denen in den Sozialen Medien gewetteifert wird, kreuzen wir zwar leider nicht, gelangen jedoch zum Hartberg. Kurz davor machen wir Bekanntschaft mit „des Teufels Hirnschale“, wie die Alb oft bezeichnet wird: Ein typischer Acker ist komplett durchzogen mit kleineren und größeren weißen Kalksteinen, die hier allgegenwärtig sind und die landwirtschaftliche Arbeit sehr mühsam machen. Vom Blick am Hartberg entdecken wir Schloss Uhenfels, ein “Miniaturschlösschen“, dessen kleines spitzes Mosaikdach aus dem Grün herausragt. Die Abfahrt hinunter nach Seeburg gleicht einer wahren Zick-Zack-Schussfahrt. Gemütlich plätschert die Erms vor sich hin, deren Ursprung wir nun durch das Landschaftsschutzgebiet der Trailfinger Schlucht ansteuern. Zugegebenermaßen ist die Ermsquelle nicht sehr spektakulär. Dafür erwarten uns geheimnisvoll wirkende, mit Ausbuchtungen durchzogene Karstfelsen, die einen unfrisierten Moospelz tragen. Ein wildes Wurzel- und Baumstammdomino geleitet uns durch das grüne feuchte Urwaldambiente der Schlucht. Nach den luftigen Höhenpassagen surren unsere E-Bikes hier leicht aber stetig Berg an bevor wir Trailfingen erreichen. Die Aussicht vom Hartberg zeigt uns auch schon einen Teil der weiteren Strecke.
    • Besonderer Tipps: Gruorn auf dem ehem. Truppenübungsplatz Münsingen, Hursch, Ermsquelle in der Trailfinger Schlucht

Weitere Tipps für Ihren Radurlaub:

  • E-Bike Verleih und Radbusse: Überanstrengen Sie sich nicht! Leihen Sie sich ein Rad oder E- Bike aus oder nutzen sie einen der Rad- und Wanderbusse - damit lassen sich zum Beispiel die Höhenmeter des Albtraufs unbeschwert überwinden. Diese Busse sind speziell für die Fahrradmitnahme ausgestattet.
  • AlbCard: Die AlbCard ermöglicht Übernachtungsgästen während ihres Aufenthalts die kostenfreie Nutzung des ÖPNV auf der Schwäbischen Alb und im nahen Umfeld sowie kostenfreien Eintriit zu vielen Attraktionen. Auch ein kostenloser E-Bike-Verleih bei einigen Anbietern ist inkludiert.
  • Nachhaltige Anreise: Wann sind Sie das letzte Mal mit dem Zug oder Bus in die Natur gefahren? Probieren Sie es unbedingt wieder einmal aus! Entdecken Sie das Biosphärengbiet Schwäbische Alb mit Bus und Bahn: Umweltfreundlich und ohne Staus oder Parkplatzsuche.
  • Beschilderung: Tipp: Die meisten Radwege sind mit der deutschlandweit einheitlichen FGSV-Beschilderung ausgeschildert und so gut befahrbar.

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