Radfahren in Schottland: Routen und Tipps

Schottland, ein Urlaubsziel voller Überraschungen und Abenteuer, macht jetzt auch als Fahrradland von sich reden. Es gibt kaum einen besseren Weg, Schottland zu entdecken, als auf zwei Rädern. Über ausgewiesene Radwanderwege geht es vorbei an Burgen, Destillerien und durch die wilde Natur, die das Land so einzigartig macht.

Vorbereitung und Planung

Ob Sie nun ein erfahrener Radfahrer sind oder gerade erst anfangen, es ist wichtig, dass Sie Ihre Route planen, bevor Sie losfahren. Schottland hat einige wunderbare Radwege, aber nicht alle Straßen sind für Radfahrer geeignet. Es gibt zum Beispiel viele schmale Straßen ohne Radwege und Straßen mit starkem Verkehr. Es gibt aber auch viele ruhige, ländliche Straßen und Radwege, die für Radfahrer ideal sind. Weitere Informationen erhalten Sie, wenn Sie eine Fahrradkarte von Schottland kaufen oder sich in örtlichen Fahrradgeschäften oder Fremdenverkehrsbüros beraten lassen.

Das Wetter in Schottland kann unberechenbar sein, daher ist es wichtig, auf verschiedene Wetterbedingungen vorbereitet zu sein. Nehmen Sie immer Regenkleidung und warme Kleidung mit, auch wenn die Sonne schön scheint, wenn Sie losfahren. Schließlich kann das Wetter schnell umschlagen. Auch für kältere Temperaturen und feuchte Bedingungen sollten Sie gut gerüstet sein. Tragen Sie zum Beispiel winddichte Kleidung und denken Sie an Überschuhe und Handschuhe.

Wenn Sie längere Strecken mit dem Fahrrad zurücklegen, ist es wichtig, dass Sie ausreichend zu essen und zu trinken dabei haben. In Schottland gibt es viele abgelegene Gegenden, in denen Sie weder Restaurants noch Supermärkte finden werden. Nehmen Sie daher ausreichend Wasser, Snacks und eventuell ein Lunchpaket mit.

Verkehr und Sicherheit

In Schottland gibt es viele schmale Straßen ohne Radwege, daher ist es wichtig, auf den Verkehr zu achten. Bleiben Sie auf der linken Straßenseite und stellen Sie sicher, dass Sie für andere Verkehrsteilnehmer sichtbar sind, indem Sie z. B. ein helles Hemd tragen und nach Einbruch der Dunkelheit Licht benutzen. Achten Sie außerdem auf die Wetter- und Straßenverhältnisse. Manche Straßen können beispielsweise bei Regen oder Laub auf der Straße rutschig werden.

Ja, es wird weiterhin links gefahren. Nein, das ist kein Problem - vorausgesetzt, man konzentriert sich ein wenig und denkt vor jeder Abzweigung scharf über die Fahrtrichtung nach. Ja, man kommt lebend durch einen Kreisverkehr (bei den ersten Versuchen kann man schiebend auf dem Fußweg üben. Andere können das nicht und tauschen das gerade am Flughafen geliehene Auto gleich nach dem ersten Kreisel mit erheblichen Blechschäden gegen ein neues aus). Nein, Radwege gibt es so gut wie nicht in Schottland. Ja, die Straßen sind oftmals sehr schmal, sogenannte "Single Track Roads". Nein, die Briten bedrängen Radfahrer nicht, sie fahren (meist) sehr rücksichtsvoll und bleiben auch auf den "Single Track Roads" geduldig bis zur nächsten Ausweichbucht hinter uns. Auf Hauptstraßen mit Wochenendausflugsverkehr ist das Radfahren auch hier kein Vergnügen, beängstigend aber ist es nie.

Routen und Regionen

Perthshire

In Perthshire fühlt man sich zurückversetzt in eine Zeit der mystischen Steinkreise und mittelalterlichen Burgen. So ein bisschen eben wie Claire von Outlander. Kein Wunder, denn Highland Bike Tours leitet einen auf dem E-Bike zu einer Vielzahl von Filmschauplätzen, wie etwa zu denen des Historiendramas Outlander oder Hitchcocks Thrillern. Das weniger romantische Gegenprogramm kommt mit einem kleinen Schwips daher: Die Whiskey Route führt trinkfeste Urlauber zu verschiedenen Destillerien wie Blair Athol, Glenturret oder Aberfeldy. Die Gegend um Perth lässt sich aber auch auf eigene Faust erkunden, zum Beispiel bei einem Raderlebnis mit Wissensfaktor im Cateran Ecomuseum. In dem Freilichtmuseum erfahren Besucher an unterschiedlichen Stationen mehr über die Natur- und Kulturgeschichte der Region. Dazu bietet Cateran vorgeplante Routenvorschläge sowie eine Kartenfunktion, mit der sich die Radtour nach Belieben selbst zusammenstellen lässt.

Falkirk

Zwischen den Großstädten Edinburgh und Glasgow liegt Falkirk. Obwohl Falkirk nicht gerade groß ist, bietet es überraschend viele Attraktionen. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Radtour entlang des Forth and Clyde Kanals? Die Highlights sind das Fallkirk Wheel, eine Art futuristischer Aufzug für Schiffe, und der Helix Park mit den Kelpies. Die zwei gigantischen Pferdebüsten ragen majestätisch über dem Kanal in die Höhe. Dank der wunderschönen Beleuchtung sind sie auch am Abend äußerst sehenswert. Von hier aus geht es dann weiter zum viktorianischen Zetland Park mit seinem aufregenden Pump Track. Übrigens kommen auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität hier auf ihre Kosten. Cycling Without Age hat es sich zur Aufgabe gemacht, wirklich jeden am Fahrradfahren teilhaben zu lassen. Bei den Trishaw-Touren lässt sich die Gegend um Falkirk, wie zum Beispiel die Unesco-Welterbestätte Antoniuswall, auf Rädern erkunden.

Dumfries & Galloway

Mit über 720 Kilometern ausgeschilderter Radwege und einer Landschaft, die abwechslungsreicher kaum sein könnte, mausert sich Dumfries & Galloway zu einem Hotspot für Radfahrer. Malerische Strecken entlang der rauen Küste Schottlands bieten einzigartige Aussichten und jede Menge Highlights wie erholsame Sandstrände, beschauliche Fischerdörfchen oder raue Klippen. Genießer wählen malerische Fahrradwege wie die Loch Ken Cycle Route oder die neueröffnete South of Scotland Coast. Im Gegensatz zu den vielen familienfreundlichen Kurzstrecken ist der Solway Coast 200 Radweg eher etwas für Fortgeschrittene. Adrenalinjunkies lieben die 7 Stanes Centers oder die Raiders Road. Durch dichte Wälder und über steile Hänge cruisen erfahrene Mountainbiker wie auch ambitionierte Anfänger.

Orkney Islands

Es gibt wohl kaum einen schöneren Ort zum Radfahren in Schottland als die Orkney Islands. Die malerische Inselgruppe ist in großen Teilen durch ruhige, ebene Landstraßen verbunden, die sich perfekt zum Radfahren eignen. Der Weg über die äußeren Inseln eignet sich für alle Altersklassen und Könner-Stufen, genau wie der beliebte St. Magnus Way. Eigentlich ein Pilgerweg, benannt nach dem Heiligen St. Magnus, sorgt er auf 90 Kilometern für jede Menge Abwechslung. Insgesamt besteht der Weg aus sechs Hauptetappen durch unterschiedliche Landschaften.

Great Glen Cycle Route

Great Glen Cycle Route, Fort William nach Inverness.

Pass Bealach na Ba

Der Pass Bealach na Ba auf der Strasse nach Applecross.

Weitere Tipps und Hinweise

  • Tee trinken: Zu einem Schottlandurlaub gehört auch der ein oder andere Stopp im Tearoom, um sich bei einem Heißgetränk wieder aufzuwärmen.
  • Unterkünfte: Besonders in der Urlaubssaison kann es unmöglich sein, spontan für den jeweiligen Abend eine Unterkunft zu bekommen. In den kleinen Orten im Norden gibt es oft nur ein Bed & Breakfast mit wenigen Zimmern, und die Chancen stehen gut, dass diese ausgebucht sind. Wir hatten das völlig unterschätzt und nur durch viel Glück jede Nacht ein Dach über dem Kopf. Wildcampen ist aber in Schottland erlaubt, du solltest also in jedem Fall ein Zelt dabei haben.
  • Mücken: Alle Horrorgeschichten über die berüchtigten Highlands Mücken (Midges) sind wahr. Die Biester treten von Juni bis September wetterabhängig auf, und zwar jeweils als ganze Wolken. Sie werden von den Atemwegen angezogen und sind allein durch ihre schiere Zahl unglaublich lästig, von den Stichen ganz abgesehen. Es gibt unzählige Produkte und Hausmittel um der Plage Herr zu werden, wir konnten aber leider keinen Schotten finden der tatsächlich ein wirksames Gegenmittel gekannt hätte. Die verbreitetste Reaktion scheint stoisches Aussitzen zu sein.
  • Straßen: Die A-Roads Fernverkehrsstraßen haben in den menschenleeren nördlichen Highlands fast kein Verkehrsaufkommen und können problemlos mit dem Rad genutzt werden. Wer Wind und Wetter nicht scheut, findet in den Northwest-Highlands unberührte, beinahe menschenleere Natur.
  • Verpflegung: In den großen Städten gibt es Supermärkte und kleine Läden. Dort ist die Versorgung kein Problem. In den kleinen Städten im Norden ist das Angebot an Läden dagegen drastisch reduziert. Dort findest du dann nur einen oder maximal 2 kleine Läden mit sehr überschaubarem Angebot. Decke dich auf Radreisen in Schottland in den größeren Städten immer ausreichend mit Vorräten ein, wenn du zivilisationsarme Regionen vor dir hast.
  • Wasser: Auf dem Land findest du zahlreiche Bachläufe, deren Wasser du bedenkenlos trinken kannst, wenn du dir sicher bist, dass nicht weiter oberhalb im Berg eine Viehherde weidet. Wenn du sicher gehen willst, solltest du das Wasser abkochen, einen Wasserfilter benutzen oder die Anwohner fragen. Das Wasser aus den Bächen schmeckt zudem viel besser, als das schottische Leitungswasser.
  • Fahrradverleih: Ein Fahrrad in Schottland anzumieten, ist nicht einfach. Für viel Geld bekommt man in der Regel ein eher ein schlechtes Fahrrad. Je nach Region, muss man nach Verleihern noch suchen.

Einreisebestimmungen

Für die Einreise ist ein Reisepass erforderlich. Der deutsche Personalausweis wird nicht anerkannt. Zusätzlich ist seit dem 02.04.2025 die ETA (Elektronische Reisegenehmigung) Pflicht. Im Hinblick auf die Corona-Pandemie sind zudem Einschränkungen bei den Einreisebestimmungen nicht auszuschließen. In diesem Zusammenhang sind auch verschärfte Grenzkontrollen denkbar.

Währung und Kommunikation

Offizielle Währung ist das Pfund Sterling. Dabei kursieren neben den Pfundnoten der Bank of England auch Pfundnoten der Bank of Scotland, die in England jedoch nicht generell akzeptiert werden. Fremdwährungen kannst du in Banken und Wechselstuben umtauschen.

Zusammenfassung

Wer Wind und Wetter nicht scheut, findet in den Northwest-Highlands unberührte, beinahe menschenleere Natur. Wer die Herausforderung sucht und gut vorbereitet ist, wird mit unvergesslichen Erlebnissen belohnt.

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